Indoktrinierung mit Hotellektüre: APA-Hotels

Januar 19th, 2017 | Tagged | 7 Kommentare | 882 mal gelesen

Rechter Mist: Erhältlich in allen APA-Hotels

Rechter Mist: Erhältlich in allen APA-Hotels

In den letzten Jahren sprossen sie wie Pilze aus dem Tokyoter Boden: APA-Hotels. Wenn irgendwo im unmittelbaren Stadtzentrum, vor allem aber in der Region um die Ginza, auch nur ein 200 Quadratmeter großes Grundstück frei wurde, stand wenig später ein sehr schmales, aber 8 oder mehr Etagen hohes APA-Hotel drauf. APA-Hotels sind klassische Business-Hotels, mit winzigen, aber bezahlbaren Zimmern. APA steht übrigens für „Always Pleasant Amenity“.  Im September 2016 gab es bereits 413 APA-Hotels (man findet sie auch in der Provinz) mit insgesamt fast 70’000 Betten.

Gegründet und geleitet wird das APA-Imperium (dazu zählen nicht nur die Hotels, sondern auch Luxuswohnungen und Resorts) von Toshio Motoya 元谷外志雄, einem erzkonservativ-reaktionärem Schriftsteller, der unter dem Namen Seiji Fuji publiziert. Seine Frau wiederum ist Geschäftsführerin und Aushängeschild der Hotelsparte. In allen Hotelzimmern und Lobbys der APA-Hotels in Japan nun findet man ein kleines schwarzes Buch mit dem Titel 本当の日本の歴史 (hontō no nihon no rekishi) – „Die wahre Geschichte Japans“  – und es gibt sogar eine englische Übersetzung: „The Real History of Japan“. Allerdings mit dem Zusatz versehen „Theoretical Modern History II“. Was schon aufhorchen lässt, denn einerseits wird das Buch als „theoretische Geschichte“ bezeichnet, andererseits deklariert der Autor, dass es sich hier um die „wahre Geschichte“ handelt.

Laut Motoya aka Fuji sieht die Wahrheit unter anderem so aus:

The false Nanking Massacre has been inscribed on the International Memory of the Word Register despite Japan’s objections.

Ein Nanking-Massaker-Leugner also. Und nicht nur das – das gesamte Buch ist ein Sammelsurium rechtsextremen Gedankenguts, beim Lesen derer sich einem die Fußnägel kräuseln. Aus gutem Grund gibt es keine chinesische Übersetzung, doch da es auch Chinesen gibt, die Englisch oder gar Japanisch verstehen. Kat und Sid, eine Amerikanerin und eine Chinesin, haben der Hotelkette deshalb auf der chinesischen Plattform Weibo ein Video  gewidmet, und das hat enormen Anklang gefunden: Über 90 Millionen mal wurde das Video bisher gesehen. Die Chinesen sind nicht amüsiert: Man fordert zum Boykott der Hotelkette auf. Zu recht, wie ich finde, denn das ist eine besonders perfide Art der Indoktrinierung. Sicher ist es das Recht der Hotelbesitzer, dieses schwachsinnige Buch auszulegen – es ist aber auch das Recht der Japanbesucher, vor allem der chinesischen, zum Boykott aufzurufen.

Wer mehr über das Buch erfahren will, inklusive zahlreicher Zitate – bei Buzzfeed gibt es einen längeren Artikel auf Englisch und Japanisch.

 

 

Teilen:  

7 Responses to “Indoktrinierung mit Hotellektüre: APA-Hotels”

  • MrGoodBytes sagt:

    Ich war letzten Sommer in Japan und hatte in Kyoto und Hiroshima in einem solchen APA Hotel übernachtet. Dieses Buch war für jeden Gast sichtbar im Zimmer ausgelegt und der rechte Ton war mir sofort übel aufgestoßen (und ich hab nur zwei, drei Seiten davon überflogen). Richtig bigott fand ich dabei, dass die Hotel-Kette insgesamt scheinbar trotzdem sehr bemüht war, um koreanische und chinesische Besucher zu buhlen. Also bei APA werd ich sicher nicht mehr auftauchen (mal ganz davon abgesehen, dass die winzigen Zimmer bei genauem Hinsehen sogar ziemlich dreckig waren, was mich für japanische Verhältnisse sehr überrascht hat, aber das nur am Rande der Geschichte…).

  • nao sagt:

    Ich war 2x in APA Hotels (Osaka und Tokyo) und kann mich an das Buch nicht erinnern. Kann ja mal meinen Freund fragen. Unabhängig davon kann ich beide Hotels nur weiterempfehlen. Kleiner als anderswo waren die Zimmer auch nicht ;)

    • MrGoodBytes sagt:

      Ich weiß definitiv von japanischen Hotels, wo die Zimmer größer und angenehmer für Ausländer sind als bei APA, von Kantou über Kansai bis nach Kyuushuu, und das ohne Doppelzimmer zu buchen. Ich fand das mit der „japanischen Enge“ in den APAs auf die Spitze getrieben. Da kann man nicht mal den Koffer irgendwo richtig abstellen…

  • Claudia sagt:

    Sehe ich genauso. Wir werden APA auf jeden Fall nicht mehr buchen, auch wenn wir vorher nur ein- oder zweimal dort waren.

  • Marina sagt:

    Wir haben noch in keinem APA Hotel in Japan übernachtet, aber das wird jetzt wohl auch nicht mehr passieren. Wie du schon sagst, es ist ihr Recht es auszulegen, allerdings finde ich es mehr als bedenklich wo sich das aktuelle Weltklima in dieser Sache hin entwickelt. Einen Boykott in dieser Sache finde ich nicht nur verständlich, sondern auch angemessen.

  • umij sagt:

    … der wirre Kram ist mir schon ca. 2009(?) aufgefallen, als ich in der Hokuriku – Region unterwegs war (dort waren damals schon viele APAs, aber die haben mittlerweile wohl ziemlich expandiert). Damals hatten die aber nur die japanische Version und nicht die englische Übersetzung, so dass ich nur stutzig drüber las und dann müde ins Bett viel.

    Das nervige ist, dass die APA Hotels tatsächlich oft ganz gut gelegen sind, von der Innenausstattung ganz nett sind für ein Business-Hotel, und dazu oft noch ganz gute Preise hatten.

    Ich versuche trotzdem nach Möglichkeit die zu vermeiden und auf JAL, Holiday Inn, Tokyo Inn etc. auszuweichen. Alternativen gibt es viele.

  • Hanayagi sagt:

    Mein Schwiegervater hat die APA Leute auch gefressen. Da wird er richtig fuchsig, wenn wir auf die zu sprechen kommen.

    Ich persoenlich fand deren Marketing immer abstossend, auch bevor ich um den Nazi Hintergrund wusste.

    (Wobei ich in dieser Hotel Kategorie schon seit ein paar Jahren nicht mehr uebernachte.)