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Yomiuri – der Gigant

Dezember 19th, 2016 | Tagged | 5 Kommentare | 608 mal gelesen

Neulich hatte ich ein Meeting mit Vertretern der 読売新聞 Yomiuri Shimbun (shimbun = „neues + hören“ = Zeitung) in deren nagelneuen Hauptquartier direkt am nördlichen Ende des Kaiserpalastes. Der Zeitungsverlag ist ein Gigant – zum Imperium zählen nicht nur diverse Zeitungen und Magazine, sondern auch einer der stärksten Baseballvereine Japans, ein Vergnügungspark („Yomiuri Land“), ein Fernsehsender (Nittere 日テレ – Yomiuri gehört zumindest das mit Abstand grösste Aktienpaket) und vieles mehr. Yomiuri ist seit vielen Jahren die Tageszeitung mit der weltweit höchsten Auflage, und das mit Abstand, wie man an der folgenden Tabelle sehen kann (Quelle: Wikipedia):

Tageszeitung Land Auflage
2013 2008
Yomiuri Shimbun Japan 9,690,000 10,021,000
Asahi Shimbun Japan 7,450,000 8,038,000
Mainichi Shimbun Japan 3,322,000 3,857,000
The Times of India India 3,322,000 2,951,000
Dainik Jagran India 3,113,000 2,523,000
Reference News China 3,073,000 2,751,000
The Nikkei Japan 2,769,000 3,056,000
Bild Germany 2,658,000 3,142,000
People’s Daily China 2,603,000 2,315,000
Chunichi Shimbun Japan 2,533,000 2,761,000

Die beiden auflagenstärksten Tageszeitungen kommen also aus Japan, aber die Zahlen zeigen deutlich, dass es in Japan mit den Auflagen deutlich bergab geht, während es – nicht überraschend – in Indien (und vorerst auch noch in China) stark bergauf geht. Die Zeitungsverlage von Yomiuri, Asahi und Nikkei stehen übrigens dicht an dicht beieinander, was aber in Tokyo, wo sich Gewerbezweige auch heute noch gern im gleichen Stadtviertel tümmeln, durchaus üblich ist.

Von der Kantine des Hauptquartiers hat man einen bemerkenswerten Blick auf den Kaiserpalast und den Rest der Gegend südlich des Palastes.

Westteil des Kaiserpalastes, dahinter: Shinjuku

Westteil des Kaiserpalastes, dahinter: Shinjuku

Bei der Gelegenheit durfte ich mir auch noch den enormen newsroom der Yomiuri ansehen (in dem Fotografieren allerdings strikt verboten ist). Im selbigen, bestückt mit einem riesigen Konferenztisch, dutzenden Bildschirmen und Uhren an den Wänden, tobt jeden Abend eine regelrechte Schlacht, wenn es darum geht, was am nächsten Tag auf das Titelblatt soll. Bei knapp 10 Millionen Lesern sollte das in der Tat gut überlegt sein. Um 1 Uhr abends muss dann alles entschieden sein – danach kann nichts mehr geändert werden. Für die Redakteure ist das sicher keine leichte Sache, denn die meisten müssen natürlich bis zum Schluss dableiben.

Redaktion der Japan News

Redaktion der Japan News

Die konservativ ausgelegte Yomiuri Shimbun verlegt auch gleichzeitig eine der beiden übriggebliebenen Tageszeitungen auf Englisch in Japan: Die hieß früher „Daily Yomiuri“, heute heißt sie schlicht „The Japan News“ (die andere, übriggebliebene Zeitung ist die „The Japan Times„). Übriggeblieben deshalb, weil es bis vor ca. 10 Jahren noch mehr gab.

Die beiden englischen Tageszeitungen in Japan sind vor allem auf japanische Leser angewiesen — die paar Ausländer reichen nicht aus, um eine anständige Tageszeitung zu betreiben. Zumal sie mit den üblichen Problemen von Tageszeitungen in den meisten Ländern zu kämpfen haben: Die Werbekundschaft bricht weg, und die Leserschaft wird immer digitaler, so dass auch die großen japanischen Zeitungen begonnen haben, ihre Ausgaben zu digitalisieren – kostenpflichtig natürlich.

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