Chouchous für die Wohlfahrt

Oktober 4th, 2016 | Tagged | 3 Kommentare | 606 mal gelesen

„Komm Schatz, lass uns doch mal wieder gemütlich einen Film schauen!“ – „Lass mal, für mich nich. Muss noch Chouchous machen“ – „…“. Ja, so oder ähnlich sieht der graue Alltag im Hause tabibito aus. Aber warum nur? Schon den ganzen Sonntag lang haben wir die Kinder durch die Stadt getrieben, von einem 100-Yen-Shop zum nächsten, um allerlei lustige Gummibändchen und ganz fluffige Wollknäuelchen in Mintgrün und Leberwurstbraun zu erstehen, nur um diese in nächtlichen Seancen zu ganz drolligen Chouchous, formerly known as „Haargummis“ zu verwandeln.

Warum? An welcher Wegkreuzung haben wir nicht aufgepasst? Wo in unserem Leben sind wir falsch abgebogen? Achso, nee – wir sind in Japan, und in zwei Wochen ist Kindergartenbasar. Ab Sonnabend morgen, 8:30. Vor dem Aufstehen. Und jeder soll etwas mitbringen, was er entweder nicht mehr braucht oder selbst gebastelt hat. Das wird dann an die anderen rund 999 Mütter unseres Kindergartens verkauft. Und, aber diese Information ist eigentlich geheim: Alles, was nicht verkauft werden konnte, wird hernach vom Kindergartenteam eingesammelt und … weggeworfen!

Neulich in der Chouchou-Manufaktur

Neulich in der Chouchou-Manufaktur

Da wir keinen unbrauchbaren Krempel verhökern wollen (nein, eigentlich sind wir nur geizig und brauchen alle unsere Sachen ganz für uns allein) basteln wir also selbst etwas und verkaufen es für 50 Yen pro Stück. Dieses Geld dient ja schliesslich einem guten Zweck: Das Geld wird „für die weitere Verschönerung des Kindergartens“ benutzt. Und zwar für den Kindergarten, für den wir 300 Euro pro Monat bezahlen. Und dann natürlich noch Extra für Uniform, Exkursionen, PTA und so weiter und so fort. Logisch, oder? Bleibt die Hoffnung, dass sich die Leute nach den Chouchous nur so reissen werden und ein namhafter alkoholkranker Modedesigner auf die superputzigen Chouchous aufmerksam wird. Ist doch klar, oder?

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3 Responses to “Chouchous für die Wohlfahrt”

  • Carade sagt:

    also ich finde diese bändchen sehr schön. macht deine frau richtig klasse. aber irgentwie ist es schon heftig das ihr so viel für den kindergarten bezahlt und dann muß man so eine aktion machen damit der kindergarten zu geld kommt? was machen die mit den vielen 300euro? aus dem fenster werfen, anzünden? aber wie gesagt, schön sind die dinger, macht deine frau gut :)

  • Ist hier genauso, Kindergarten bewegt sich in ungefähr der gleichen Preisklasse. Allerdings wird hier gezielt gebettelt: Shinai (im Kendo verwendete Bambusschwerter) müssen es sein, hergestellt aus fein gerolltem Zeitungspapier, dem unteren Teil einer leeren PET-Flasche, einer Menge glitzerndem Klebeband und netten Anhängern am Heft. Die Kosten liegen bei etwa 150 Yen je Stück (Anhänger gibt es schließlich im 100 Yen Laden), die Arbeitszeit beträgt zwischen 10 und 30 Minuten und verkauft wird das Zeug für 200 Yen je Stück. Damit kleine Jungs dann aufeinander und auf die Mädels eindreschen, nach fünf Minuten Geschrei besagten Shinai unter viel Sumimasen und Gomen nasai abgenommen bekommen, von eben jenem Kindergartenpersonal, das zuvor die Bastelanleitung an die Eltern verschickt hat und imaginäre Shuriken auf die Übeltäter schleudert …. Wahrscheinlich bin ich von der in Deutschland propagierten Erziehung zur gewaltfreien Konfliktlösung im Kindergartenalter dermaßen verdorben, dass sich mir der Sinn der Sache einfach nicht erschließt.

  • Mike sagt:

    Hallo,
    naja Geld ist doch nie genug da, egal wo, es gibt immer noch was man besser, schöner, teurer machen könnte. Solche Aktionen gibt warscheinlich in allen Kindergärten, egal in welchem Land. Was mich stört ist das mit dem wegschmeissen, man könnte den kram doch bestimmt anderstwo nutzbringender loswerden oder verschenken, ich meine wird ja warscheinlich noch andere Überbleibsel geben?