Überraschender Service am Flughafen | Japankenner dringend gesucht

September 3rd, 2016 | Tagged | 10 Kommentare | 937 mal gelesen

Die weltweit Maßstäbe setzende Kundenfreundlichkeit in Japan hat oftmals ihren Preis: Vieles wird durch unglaublich viele, und unglaublich penible Handbücher geregelt, die von den jeweiligen Firmen verfasst und den Angestellten eingebleut werden. Nicht selten bleibt dabei die Flexibilität auf der Strecke. Beispiel: Als ich mal in einem Supermarkt nach einer kleinen Tüte fragte (draussen gab es plötzlich einen Wolkenbruch, aber ich hatte nicht die Zeit, extra was zu kaufen, um eine Tüte für umsonst zu bekommen), wurde dies sehr wortreich abgelehnt – es gehe einfach nicht, ich muss auf jeden Fall etwas kaufen. Das ist eben Vorschrift und damit Basta. Doch es gibt, und ich habe das Gefühl, das mehrt sich in jüngster Zeit, positive Ausnahmen. So auch neulich am Flughafen Haneda.

Geschafft nach 24 Stunden auf Achse, dazwischen 17 Stunden Flug und ein sehr hektischer Transit in Doha – das alles mit zwei Kindern – kamen wir gegen Mitternacht im Internationalen Terminal des Flughafens Haneda an. Losgeflogen nach Europa waren wir mit zwei Koffern und Handgepäck. Ziemlich erledigt waren wir hocherfreut, als unsere beiden Koffer kurz hintereinander auf dem Gepäckband heranrollten. Also wurde alles aufgesattelt und der Zoll passiert. Rein ins Taxi, es war schon fast 1 Uhr, und los ging es. Nach cirka zehn Kilometern meinte meine bessere Hälfte plötzlich: Wo ist eigentlich der Rucksack? Richtig. Den hatten wir beim Hinflug leer in den Koffer gestopft – und beim Rückflug voll als Gepäck aufgegeben. Oh je. Da klingelte auch schon das Telefon, denn in weiser Voraussicht hatten wir in Berlin brav die Namenskärtchen für das Gepäck ausgefüllt – inklusive Telefonnummer und Email-Adresse. Leider bemerkten wir den Anruf zu spät, und die Nummer des Anrufers wurde nicht mitgeschickt. Also suchten wir die Telefonnummer des Terminals raus und riefen an. Nachts, um eins. Eine Minute später hatten wir die Person am Apparat, die versucht hatte, uns anzurufen. Wir fragten, ob man den Rucksack eventuell schicken könnte – „着払い chakubarai“, also der Empfänger bezahlt. Kurzes Überlegen am anderen Ende, doch dann kam der berechtigte Einwurf, dass das Gepäck noch nicht den Zoll passiert hat. Aber er könne ja mal kurz mit dem Zoll sprechen und sehen, ob sie mit sich reden lassen. Ich war nicht sicher, ob das eine tolle Idee war, denn die untere Hälfte des über einen Meter hohen Rucksacks war Schmuggelfach und voll mit Salamis, Schinken, Käse und anderen Leckereien – die Hälfte davon durfte man so eigentlich gar nicht einführen (wenn man ertappt wird, wirft der Zoll das weg – mehr passiert da nicht). Aber gut. Am nächsten Tag noch Mal extra zum Flughafen zu fahren erschien mir weniger attraktiv, zumal man mich auch dann noch filzen könnte. Das ist mir in Japan allerdings schon sehr, sehr lange nicht mehr passiert.

Keine 10 Minuten rief uns der Angestellte zurück: Der Zoll habe das Gepäck inspiziert und passieren lassen – er könne uns den Rucksack dann „朝一 asaichi“ – als erste Handlung des Tages – zuschicken. Die Adresse hatte er ja. Und siehe da: Rund 12 Stunden nach unserer Landung erreichte uns auch das letzte Gepäckstück. Die knapp 10 Euro Versandkosten haben wir gern bezahlt. Doch eine Sache interessierte mich nun wirklich: Hat der Zoll wirklich das Gepäck inspiziert? Ich glaube nicht. Sonst wäre der Rucksack wohl etwas leichter geworden. Jedenfalls war ich begeistert von dem Angestellten, denn das war sicher Extra-Arbeit für ihn, und keiner hätte etwas gesagt, wenn er sie nicht gemacht hätte. Mehr davon!


An dieser Stelle möchte ich diesen Blog noch kurz für eine Anzeige nutzen. Ein in Aufbau befindliches, nagelneues Japanportal sucht noch nach Japanexperten, die interessiert daran sind, Vollzeit oder Teilzeit für das Portal über Japan zu schreiben. Auf Deutsch. Das kann in Deutschland, aber auch von Japan aus geschehen. Schreiberfahrung ist natürlich von grossem Vorteil. Bei Intesse bitte bei mir melden – ich schicke dann mehr Informationen!

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10 Responses to “Überraschender Service am Flughafen | Japankenner dringend gesucht”

  • Klaus D. Orth sagt:

    Na siehste, so werde ich es auch beim naechsten mal machen.
    Evtl. kann ich dann ja auch ein paar Flaschen Wein mehr einpacken?

    Und, ja doch, schick mal bitte mehr Infos an meine mai Adresse. Wuerde mich schon interessieren! *_*

  • Lori sagt:

    Wird das denn bezahlt? (Nicht falsch verstehen, ich bin nicht interessiert.)

    Ich kann mich noch gut erinnern, als ich damals noch bloggte und so und alle paar Monate ein „Angebot“ als Schreiber kam, natuerlich fuer lau.
    Aber so haette ich ja „exposure“. Pfff.

    Aber wenn du die Seite vostellst, gehe ich mal davon aus, dass die ganz anstaendig sind …

    • Julia sagt:

      An diese Frage würde ich mich anschliessen (sorry, Schweizer Tastatur), und wüsste auch gerne, wie viele Stunden denn mit Teilzeit gemeint sind.

    • tabibito sagt:

      Ja, es geht schon um richtige Arbeit, und die Bezahlung ist Standard.
      Was das schreiben fürlau anbelangt – nun ja, wenn man nicht bekannt ist, muss man sich in der Tat erstmal „exposure“ zusammensammeln – das kann ich, da aus dem Gewerbe kommend, schon verstehen. Ich schreibe meinen Blog ja nun auch seit zehn Jahren für lau…

  • Julia sagt:

    Danke für die Antwort!
    Dürfte ich auch um mehr Informationen bitten, vor allem bezüglich der Teilzeitarbeit?

  • Florian sagt:

    Bin auch interessiert. Würde mich über zusätzliche Infos freuen!

  • Elisa sagt:

    Da hattet ihr ja echt Glück mit dem Mitarbeiter am Flughafen. Ich nehme an so richtig gründlich haben sie wohl nicht in den Rucksack gekuckt ;) Umso besser für euch.

    Magst du mir auch bitte die Infos zukommen lassen? Vielen lieben Dank.

  • Isabelle sagt:

    Zum Thema (In)Flexibilität: erinnere mich an einen Restaurantbesuch mit Bekannten, die ich erst ein paar Tage zuvor in Japan kennengelernt hatte. Sie wollten am Abend noch unbedingt in eine Bar/Steakhaus. Da ich kein Fleisch esse war mir klar, dass ich dort keine großen Ansprüche stellen konnte doch irgendetwas hat sich immer finden lassen. Ich also die Karte studiert und gesehen, dass es zu jedem Steak auch Salat, Reis, Pommes und eine Miso Suppe gab. Bei der Bestellung der Beilagen hat mir der Kellner jedoch sturr erklärt, dass dies nicht möglich sei schließlich ist es ein Set. Dachte es ging um die Preisberechnung und erklärte dass ich auch bereit sei den vollen Preis zu bezahlen. Man solle nur das Steak weglassen. Nein das ginge einfach nicht. Ist ja ein Set. Im Endeffekt habe ich die Beilagen meiner Begleiter bekommen und eine für mich lustige Geschichte ;)

    Würde mich auch über die Informationen freuen!

  • Sara sagt:

    Ja, es gibt für alles eine やり方… Wie oft ich schon von Japanern gehört hab, dass wir alles einfach irgendwie machen, wie wir es für richtig halten. Immer dieses spontane Rumgewurschtel! ;-) Aber andererseits sind die Deutschen dann wieder die Meister der Vorschriften und Verbote, während die Japaner eher mal so tun, als ob sie noch nie davon gehört hätten, dass man sich auf dem Rücksitz anschnallen muss und dass Kinder einen Kindersitz brauchen… Mal so, mal so.

    Würde mich übrigens auch über die Jobinfos freuen!