Etwas Nihonium gefällig? Element 113 hat jetzt einen Namen

Juni 9th, 2016 | Tagged , | 3 Kommentare | 703 mal gelesen

Heute wurden die Namen von vier in den letzten Jahren entdeckten (sprich synthetisch hergestellte) Elementen bekanntgegeben¹: So wird in Zukunft Element 115 Moscovium (Mc), 117 Tennessine (Ts), 118 Oganesson (Og) – und Element 113 Nihonium (Nh) heissen. Der Name Japonium stand wohl auch zur Diskussion, aber man entschied sich dann doch für den Landesnamen in der Landessprache. Ganz offiziell ist das jedoch noch nicht: Das endgültige OK erfolgt erst in ein paar Monaten durch das International Union of Pure and Applied Chemistry, das erstmal feststellen muss, ob wirklich alle Kriterien erfüllt wurden (Wiederholbarkeit des Experiments usw. – man hat das Element aber bereits drei Mal erfolgreich hergestellt. Immerhin ist Nihonium auch das erste Element überhaupt, dass in Asien entdeckt wurde. Viel Freude hat man an dem Element zwar nicht – man kann nur ein paar Atome herstellen, und die zerfallen in ein paar Tausendstelsekunden wieder, aber das ist nicht verwunderlich, da alles oberhalb der 105 (wenn ich mich recht entsinne) diese Merkmale aufweist.

Nach Darmstadt, Berkeley und Ytterby kommt nun also auch Japan zu der Ehre. Und die japanischen Forscher des Riken-Instituts begründeten ihre Nameswahl damit, dass sie damit dem japanischen Volk für seine Unterstützung danken wollen. Recht so – Riken wird ja auch von Steuergeldern finanziert. Unüblich ist das nicht: In den vergangenen Jahren wurden Elemente häufig nach dem Entdeckungs/Forschungsort benannt. Und ich kann mir gut vorstellen, dass Kim Jong-un beim lesen solcher Nachrichten auf die Idee kommt, dass das nordkoreanische Volk ebenso ein Element benennen sollte. An der Herstellung vom Kim-Il-Sungium wird vielleicht sogar schon gebastelt, wer weiss.

Im Japanischen benutzt man übrigens nur für 15 Elemente Schriftzeichen – das ist etwas schade und schwer zu lernen, denn Namen wie den für Brom liessen sich um ein vielfaches einfacher merken, und man weiss auch gleich, woran man bei dem Element ist:

Schriftzeichen Lesung Bedeutung Übersetzung
水素 suiso Wasser-Element Wasserstoff
tetsu Eisen Eisen
白金 hakkin weisses Gold/Metall Platin
Kupfer Kupfer
gin Silber Silber
kin Gold Gold
水銀 suigin Wasser-Silber Quecksilber
亜鉛 aen Sub-Blei Zink
炭素 tanso Kohle-Element Kohlenstoff
酸素 sanso Säure-Element Sauerstoff
硫黄 Schwefe-Gelb Schwefel
en Blei Blei
窒素 chisso Stick-Element Stickstoff
臭素 shūso Stink-Element Brom
塩素 enso Salz-Element Chlor

Wer unbedingt möchte, kann noch eine Handvoll weiterer Elemente mit Schriftzeichen schreiben – so zum Beispiel ケイ素 (珪素) keiso Silicium) oder ヒ素 (砒素) hiso Arsen, aber da die Schriftzeichen eher selten sind, bevorzugt man die Katakana+素 (Element)-Schreibweise. Das Gros der Elemente wird jedoch gänzlich mit Katakana geschrieben. Da haben es die Chinesen leichter oder schwerer – je nachdem, wie man es nimmt: Germanium wird auf Japanisch ゲルマニウム (Gerumaniumu) geschrieben, auf Chinesisch hingegen 锗 zhě (was rein gar nichts mit Deutschland zu tun hat – man hat einfach ein Zeichen mit dem Element Metall zum Schriftzeichen bestimmt).

Japanische Periodensysteme und vieles mehr kann man übrigens kostenlos bei der Webseite des MEXT (Ministerium für Bildung, Wissenschaft usw.) herunterladen – siehe zum Beispiel unten:

Periodentafel auf Japanisch. Quelle: MEXT (Ministerium für Bildung und Wissenschaft)

Periodentafel auf Japanisch. Quelle: MEXT (Ministerium für Bildung und Wissenschaft)

¹ Siehe unter anderem hier.

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3 Responses to “Etwas Nihonium gefällig? Element 113 hat jetzt einen Namen”

  • Nina sagt:

    Wieder mal ein sehr schöner Artikel!

    Aber ケイ素 ist auf Deutsch nicht Silikon, sondern Silicium. Silikon ist kein Element, sondern ein Polymer aus Silicium- und Sauerstoffatomen. 

  • mame sagt:

    danke für den artikel!

    ich hab mich nur gefragt warum sie nicht „nipponium“ statt „nihonium“ genommen haben? ich bin ja im normalfall nicht für die nationalistische variante, aber nihonium klingt echt.. naja.