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10. Jahre. Blog.

März 26th, 2016 | Tagged | 28 Kommentare | 877 mal gelesen

Heute vor exakt 10 Jahren sass ich in meinem kleinen Kämmerchen in Urayasu und beschloss, mich erstmals mit dem gerade in Mode gekommenen Phänomen namens Blog zu beschäftigen. Facebook war gerade erst zwei Jahre alt, Twitter erst ein paar Tage – und Instagram und wie sie alle heissen waren da noch „Quark im Schaufenster“, wie man in meiner Gegend so schön sagt. Der Grund für das vorerst als Experiment ausgelegte Unterfangen war wenig romantisch: Meine Firma beauftragte mich, Blogsysteme zu evaluieren, um schliesslich zu entscheiden, welche Plattform wir für das firmeneigene Blogportal benutzen. WordPress war damals noch weitgehend unbekannt, und so blieb ich vorerst bei b2evolution und Movable Type hängen. Wie will man sowas allerdings entscheiden, wenn man es selbst nicht benutzt hat?

So fing alles an - am 26. März 2016

So fing alles an – am 26. März 2016

Anfangs ging es noch wild los: Mindestens jeden zweiten Tag gab es einen Eintrag, und die Leserschaft wuchs ziemlich schnell an. Nach rund einem halben Jahr wurde mir das zu anstrengend, so dass ich eine Blogpause ankündigte (und diese Pause nach sechs Tagen wieder brach). In den folgenden Monaten folgten jedoch nur cirka 3 Beiträge pro Monate. Letztendlich pendelte sich das ganze jedoch bei 7 bis 10 Einträgen pro Monat ein, wobei der März 2011 mit insgesamt 18, teils sehr langen Einträgen dem Blog eine neue Bedeutung zukommen liess: Mehr denn je merkte ich, dass Blogs als alternative Nachrichtenquelle mittlerweile sehr wichtig sind.

Die allgemeinen Japan-Seiten auf dieser Webseite sind übrigens wesentlich älter. Die ersten Inhalte entstanden bereits im vergangenen Jahrtausend. Das macht dem Schreiber leider unweigerlich wahr, dass man allmählich älter wird. A propos allgemeine Japan-Seiten: Diese habe ich nun auch endlich etwas zeitgemässer gestaltet, aber es gibt noch viel zu tun.

Der Japan-Almanach im neuen Gewand

Der Japan-Almanach im neuen Gewand

Natürlich wäre es schön gewesen, wenn dieser Eintrag hier genau der 1000ste wäre. Ganz hat es nicht gereicht: Dies ist Beitrag Nummer 964. Aber in diesem Jahr wird das noch.

Wie geht es weiter? Eigentlich möchte ich etwas mehr Energie in die allgemeinen Japan-Seiten stecken, aber den Blog, auch wenn es etwas ruhiger geworden ist, werde ich vorerst weiterführen. Denke ich momentan zumindest.

An dieser Stelle natürlich ein grosses Dankeschön an die Leser, denn ohne Euch wäre es nicht so lange weitergegangen. Und vielleicht regt ja dieser Blog wirklich den einen oder anderen an, die Dinge in Sachen Japan etwas anders zu sehen. Nicht positiver, nicht negativer – einfach differenzierter. Das ist das eigentliche Anliegen.

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Artrick Museum Yokohama

März 23rd, 2016 | Tagged , | 2 Kommentare | 630 mal gelesen

Artrick Museum Yokohama

Artrick Museum Yokohama

Da hat es uns doch neulich zum ersten Mal seit langem wieder in die 中華街 Chukagai (Chinatown) von Yokohama verschlagen. Primäres Ziel war der Verzehr möglichst vieler Xiaolongbao (auf Japanisch: Shōlompō), einer Spezialität, die ich in Xi’an sehr zu schätzen gelernt hatte. Doch auf dem Weg dorthin fiel uns ein Wegweiser zum Artrick Museum auf — und das roch nach Spass, vor allem für die lieben Kleinen.

Mit vollem Magen ging es entsprechend auf dem Rückweg in besagtes Museum. Schnell 4,200 yen bezahlt (Erwachsene zahlen 1,500 yen, Kinder zwischen 3 und 14 zahlen 600 yen) und ab ging es in die 8. Etage. Das Museum ist in einem relativ kleinen Gebäude untergebracht, erstreckt sich aber immerhin über 5 Etagen. Der Name des Museums (das ja in dieser Form auch nicht einzigartig ist) ist Programm: Es gibt unzählige Bilder und Exponate, die die Sinne, vor allem natürlich das Auge, verwirren. Und so viel muss man sagen: Für Kinder ist das Museum natürlich hervorragend (allerdings waren die meisten Besucher dort junge Pärchen). Ein bisschen anschauliche Physik und klassische Kunst ist auch dabei. Letztendlich verbrachten wir dort fast drei Stunden, das Eintrittsgeld hat sich damit durchaus gelohnt. Um das ganze etwas anschaulicher zu machen, ein paar Photos… mit natürlich rein zufällig ausgewählten Kindern.

Artrick Museum: Der Alptraum aller Eltern in Szene gesetzt

Artrick Museum: Der Alptraum aller Eltern in Szene gesetzt

Artrick Museum: Ertappt

Artrick Museum: Ertappt

Artrick Museum: Maskenball

Artrick Museum: Maskenball

 

Die Webseite des Museums (es gibt sogar eine englische Version) findet man hier.

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Obsession Gacha

März 16th, 2016 | Tagged | 5 Kommentare | 794 mal gelesen

Nur echt im Negligé:  Anchira「西南西の守護神」/「根岸千秋@1日目東ユ-24a」の作品 [pixiv] #pixitail

Nur echt im Negligé: Anchira「西南西の守護神」/「根岸千秋@1日目東ユ-24a」の作品 [pixiv] #pixitail

In letzter Zeit wird man in Japan mal wieder mit einer besonders nervigen Werbemasche bombardiert. Gemeint ist das Fantasy-Spiel Granblue. Und nervig ist das ganze deshalb, weil die Werbebranche mit aller Macht ein neues Wort in die Gehirne der Menschen pflanzen möchte: グランブル guranburu – also „Granblue (Fantasy) spielen“. Es grenzt an Gehirnwäsche. Leider sehr wirkungsvolle – das Spiel hatte wohl schon im vergangenen Jahr 7 Millionen Downloads aufzuweisen, und das dürfte um einiges gewachsen sein. Das Spiel funktioniert nach der heute üblichen Freemium-Strategie: Man kann das Spiel kostenlos auf das Handy oder andere mobile Geräte laden, doch wer Extras möchte oder schneller voranzukommen gedenkt, zahlt extra. Und zwar nicht zu knapp. Bei Granblue kann man für 300 Yen, also guten 2 Euro, Kristalle kaufen, die irgendwas enthalten. Das können Waffen, Rüstungen oder gar Weggefährten sein. Was man da kauft, sieht man nicht – man muss die Kristalle nach dem Erwerb aufbrechen und damit leben.

Besonders beliebt ist dabei wohl eine Gestalt namens Anchira, die nur in 3% der Fälle vorkommt. Sagt der Hersteller, Cygames. Am Jahresanfang gab es jedoch eine Sonderaktion, bei der die Wahrscheinlichkeit, Anchira zu treffen, verdoppelt wurde. Sagt der Hersteller. Doch da gab es Zocker, die sich dann hinsetzten, ihr Spiel streamten – und innerhalb von wenigen Stunden tausende Euro in den Sand setzten. Ein Spieler hatte laut dieses Artikels¹ erst beim 2’276sten Mal Erfolg und bis dahin entsprechend knapp 5’000 Euro gelöhnt. Das war eine Erfolgschance von 0,04% anstelle der propagierten 6%. Und er war wohl kein Einzelfall.

Gacha-Automat: So wie er aussieht, einer der Ersten in Japan

Gacha-Automat: So wie er aussieht, einer der Ersten in Japan

Selber schuld, möchte man da gern sagen. Oder laut „Betrug“ rufen. Interessant ist jedoch auf jeden Fall das Gacha-Prinzip. Gacha ist der japanische Name für Kapselspielzeuge, ähnlich den Kinderüberraschungen. Automaten, die solche Spielzeuge verkaufen, wurden 1965 in den USA erfunden und fanden seit 1970 viele Fans in Japan. Auch nach 45 Jahren hält die Liebe zu gacha an – überall findet man diese Automaten, und nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene. Granblue spielt mit dieser Vorliebe, und offensichtlich recht erfolgreich (und scheinbar nicht ganz sauber). Immerhin wenigstens eine Branche in Japan, bei der das Geschäft richtig brummt!

Gigantische Gacha-Ecke (in Kagoshima)

Gigantische Gacha-Ecke (in Kagoshima)

Siehe Japan Times: Smartphone gamers blow small fortune on their obsession

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Hokuriku- Shinkansen-Reise (3. & letzter Teil)

März 10th, 2016 | Tagged , , | 4 Kommentare | 674 mal gelesen

Der Hokuriku-Shinkansen verbindet Tokyo mit Toyama und Kanazawa an der Nordostküste Japans. Im März 2015 wurde das Teilstück zu beiden Städten als Erweiterung der Linie von Nagano aus fertiggestellt.

Der Hokuriku-Shinkansen erreicht die Station Omiya in der Präfektur Saitama vom Bahnhof Tokyo aus in gerade einmal 25 Minuten. Vom Bahnhof Ueno sind es sogar nur 19 Minuten.

Hokuriku-Shinkansen im Bahnhof Tokyo

Hokuriku-Shinkansen

Saitama – Omiya

Omiya war einst eine Poststation auf der alten Nakasendo-Route, die quer durch das zentrale Bergland Japans Kyoto mit Tokyo verband. Heute ist Omiya eine moderne, hochgewachsene Stadt, und die Gegend rund um den Bahnhof von Omiya wird von etlichen Hochhäusern dominiert.

Eisenbahn-Museum. Photo mit freundlicher Genehmigung des Eisenbahnmuseums

Eisenbahn-Museum. Photo mit freundlicher Genehmigung des Eisenbahnmuseums

Das Eisenbahnmuseum von Saitama war das erste seiner Art von heutzutage vielen exzellenten Eisenbahnmuseen in Japan. Das Museum konserviert zahlreiche Züge aus dem langen und reichhaltigen Erbe der japanischen Eisenbahnen, aber es bietet auch einen Einblick in die Zukunft der Bahnen in diesem Land. Besucher können sich an einer Mahlzeit in einem Restaurantwagen laben und mit einer Minieisenbahn im Eisenbahnpark außerhalb der Ausstellungshalle fahren.

Das Saitama Bonsai-Museum sowie das Bonsaidorf liegen nebeneinander zwischen den Bahnhöfen Toro und Omiya Koen und sorgen für ein besonderes Erlebnis für Liebhaber dieser stilvollen, eleganten kleinen Bäume.

Zwischen Tokyo und Takasaki, im bereits ländlichen Abschnitt der Präfektur Saitama, liegt der Shinrin-Park mit einer Fläche 65 mal so groß wie der Tokyo Dome. Dieser Park ist vor allem an Wochenenden und Feiertagen beliebt bei Paaren und jungen Familien. Der Shinrin-Park bietet eine interessante Mischung verschiedener Landschaftsformen inklusive Seen, Flüsse, Wälder und Sümpfe. Es gibt unzählige Gelegenheiten zum Spaß haben, darunter ein Abenteuerspielplatz für Kinder, ein Discgolfkurs, ein Wander- und ein Joggingweg, Fahrradwege (Fahrräder können im Park geliehen werden), eine Segway-Tour, ein Kräuter- und ein Wildblumengarten sowie zahlreiche Orte zum Einkaufen, Ausruhen und Essen. Es gibt sogar spezielle Hundetoiletten sowie Hundekekse für die Vierbeiner. Der nächstgelegene Bahnhof ist der Shinrin Koen-Bahnhof an der Tobu-Tojo-Bahnlinie.

Filmhaus  Fukaya

Filmhaus Fukaya

Kumagaya, eine weitere alte Poststation an der Nakasendo-Strasse, ist berühmt für das nahegelegene Filmhaus Fukuya. Das Minikino hat gerade einmal 57 Sitze und befindet sich in einer 300 Jahre alten Sake-Brauerei. Die Gegend wird gelegentlich bei Dreharbeiten benutzt und zieht Menschen vor allem wegen ihres Showa-Flairs (das ist die Epoche vor und nach des Zweiten Weltkrieges) in den Bann.

Das Museum für moderne Kunst, Saitama

Das Museum für moderne Kunst, Saitama

Das Museum für Moderne Kunst in Saitama (MOMAS) liegt im Kitaurawa-Park und wurde vom preisgekrönten Architekten Kisho Kurokawa gestaltet, der auch für das Stadtmuseum für Zeitgenössische Kunst in Hiroshima, das Nationale Kunstzentrum, Tokyo, sowie das Wissenschaftsmuseum der Präfektur Ehime federführend war. Das Museum befindet sich innerhalb eines beeindruckenden Gittermuster und stellt vornehmlich Werke von Künstlern aus, die eine Verbindung zur Präfektur Saitama haben oder Künstler der Region stark beeinflussten. So findet man hier unter anderem Werke von Paul Delvaux, Moise Kisling, Claude Monet und Pablo Picasso, um nur ein paar der bekanntesten Künstler zu nennen. Das Museum für Moderne Kunst von Saitama bemüht sich so, einen Ausstellungs- und Förderungsort für örtliche Künstler zu bieten. Ein besonderes, aufregendes Merkmal des Museums sind die zahlreichen künstlerisch gestalteten, stilistisch interessanten Stühle, die zur Ausstellung gehören und von den Besuchern auch benutzt werden dürfen.

 

Präfektur Gunma

Die Tomioka-Seidenmühle in der Stadt Tomioka, Präfektur Gunma, war der erste moderne Industriekomplex Japans und wurde 1872 in Betrieb genommen. Die Originalgebäude aus der Gründungszeit sind noch immer intakt und bieten eine eindrucksvolle architektonische Kulisse und historisch wertvolle Stätte. Im Jahr 2014 wurde die Tomioka-Seidenmühle zum UNESCO-Weltkulturerbe bestimmt und ist damit die erste Industrieanlage Japans, der diese Ehre zugutekommt.

Die Seidenmühle befindet sich mitten im Zentrum der Stadt Tomioka und hat selbige vollends geprägt. Mehr als ein Jahrhundert lang war die Seidenmühle die wichtigste Industrieanlage der Stadt, und es gab kaum einen Stadtbewohner, der nicht in irgendeiner Weise mit der Seidenmühle zu tun hatte. Das ist heute nicht anders – es ist eben jene Seidenmühle, die Besucher von außerhalb anzieht, und damit für einen guten Teil der jetzigen Einnahmen der Stadt und deren Bewohner sorgt.

Tomioka-Seidenmühle (Photo mit freundlicher Genehmigung der Tomioka-Seidenmühle)

Tomioka-Seidenmühle (Photo mit freundlicher Genehmigung der Tomioka-Seidenmühle)

Das Ziel der Seidenfabrik, als sie gegründet wurde, war nicht nur die Produktion von Seide – damals eines der am heißesten begehrten Produkte in Europa – sondern auch die Einführung westlicher Industrieproduktionsmethoden in Japan. Damit war die Mühle der Vorreiter für die Zukunft eines industrialisierten Japans.

Die meisten Gebäude im Industriekomplex der Tomioka Seidenmühle stammen aus den 1870ern, und sie wurden bis heute in der ursprünglichen Form belassen. Selbst die in Frankreich hergestellten Glasfenster stammen noch aus jener Zeit.

Tomioka-Seidenmühle (Photo mit freundlicher Genehmigung der Tomioka-Seidenmühle)

Tomioka-Seidenmühle (Photo mit freundlicher Genehmigung der Tomioka-Seidenmühle)

Zu den Originalgebäuden gehören das Östliche Kokon-Lagerhaus, die Kokontrocknungsanlage, die Seidenspulfabrik und das Brunat-Haus, in dem dereinst der Fabrikdirektor Paul Brunat residierte.

5 Kilometer südlich der Seidenmühle befindet sich der Gunma Safari-Park, in dem man sich eine unerwartete Prise des tropischen Afrikas mit seiner ehrfurchteinflössenden Tierwelt holen kann.

 

 

Präfektur Niigata

Takada-Burg

Takada-Burg

Joetsumyoko ist ein nagelneuer Bahnhof, der eigens für die Eröffnung dieses Teils der Hokuriku-Shinkansen-Trasse im März 2015 fertiggestellt wurde. Der Bahnhof liegt in der Stadt Joetsu im Südwesten der Präfektur Niigata. Nördlich des Bahnhofes Joetsumyoko erstreckt sich der Takada-Park mit der gleichnamigen Burg – ein moderner Nachbau basierend auf Originalbestandteile der einst viel grösseren Festung. Die Burg wurde ursprünglich im Jahr 1614 von einem Sohn des legendären Tokugawa Ieyasu errichtet, doch das Bauwerk wurde später während der Meiji-Zeit geschliffen.

Myoko-Kogen – Imori-Teich

Myoko-Kogen – Imori-Teich

Der Takada-Park ist berühmt für seine 4’000 Kirschbäume, die nachts angestrahlt werden und so für wundersame Spiegelungen in den alten Wassergräben der Burg sorgen. Zahlreiche Imbißstände im Park öffnen bis spät in die Nacht und sorgen so für Erfrischungen. Es gibt einige Nachtbustouren von den nahegelegenen Ski– und Onsengebieten von Myoko Kogen südwestlich der Stadt Joetsu. Die Gegend westlich vom Takada-Park bewahrt bis heute etwas von der Atmosphäre einer Burgstadt aus der Edo-Zeit mit seinen altertümlichen Holzhäusern und Sake-Brauereien.

Diese Region von Niigata war einst die Provinz Echigo und bekannt für seine furchtlosen Samuraikrieger, darunter die legendären Rivalen Kenshin Uesugi und Takeda Shingen. Kenshin Uesugi nannte die nahegelegene Burg von Kasugayama sein zu Hause.

Unweit des Bahnhofs Katamachi an der Shin’etsu-Hauptlinie und direkt an der Küste befindet sich Unohama, ein kleiner Kurort mit heißen Quellen. Dieser Ort liegt etwas abseits und ist ein Geheimtipp mit seinen zahlreichen Ryokan – traditionelle japanische Herbergen, in der man nach Herzenslust heiße Quellen und zwei Mal am Tag füllende Mahlzeiten mit vor Ort gefangenen Meerestieren genießen kann – vor allem die für diese Region besonders bekannten, allerdings nur zu bestimmten Jahreszeiten erhältlichen Schneekrabben.

Die Skigebiete der Myoko Kogen-Berge zählen nicht nur zu den besten Skigebieten Japans, sondern sogar von ganz Asien. Mitten im Joshin’etsu Nationalpark befinden sich übrigens die beiden höchsten Gipfel der Präfektur Niigata: Der Myoko und der Hiuchi, beide jeweils knapp über 2’450 Meter hoch.

Die Gegend ist besonders bekannt für ihren feinen Pulverschnee und hohe Schneewände. Seki Onsen und Akakura Onsen sind zurecht bei Skifahrern und Snowboardern beliebt – bieten sie doch eine wunderbare Kombination aus Pulverschnee und heißen Quellen. Akakura Onsen gibt es seit 1816, und der Ort ist noch immer der größten Onsen-Kurort in der Gegend. Seki Onsen ist hingegen der älteste Onsen-Kurort unter den Onsen in Myoko – der Ort mit seinen heilenden, heißen Quellen lockt bereits seit 1729 Besucher an.

Nur ein bisschen weiter südlich liegt der Ort Ikenotaira, ein weiterer alpiner Erholungsort mit der bezaubernden Kombination aus Pulverschnee und heißen Quellen. Es gibt drei verschiedene Skihänge verschiedener Schwierigkeitsgrade und eine ausgezeichnete Sicht auf den alles überragenden Berg Myoko. Etwas östlich eben dieses Berges liegt das abgelegene und friedvolle Tsubame Onsen, benannt nach den unzähligen Schwalben, die dort jeden Sommer in den Felsen nisten. Das Quellwasser dort ist milchig-weiß, und im Winter kann man mit heftigen Schneefällen rechnen.

Im Sommer kann man hier sogenannte „Waldtherapie“-Wanderungen auf dem Sasagamine-Hochland unternehmen. Die lieblichen alpinen Blumen sowie die Buchen, Kiefern, Wasserfälle und Sümpfe erinnern dabei stark an die europäischen Alpen. Dort findet man auch das Sasagamine-Gehöft, zu dem Weidegründe für die örtliche Rinderzucht gehören. Der Imori-See bietet ein Besucherzentrum sowie einen Pfad rund um den kleinen See, der vor allem im April besuchenswert ist, wenn an den Ufern plötzlich tausende weiße Scheinkalla (ein Aronstabgewächs) blühen. An klaren Tagen spiegelt sich zudem der Berg Myoko in dem glasklaren Gewässer.

 

Präfektur Toyama

Die am besten von Toyama Stadt erreichbare Tateyama-Kurobe-Alpenroute ist Teil des Chubu Sangaku-Nationalparks und ist ein herausragender Höhepunkt der Natursehenswürdigkeiten der Hokuriku-Region – vor allem während der Herbstlaubfärbung, wenn die Natur traumhafte Farben hervorzaubert. The Strecke kann man im Bus, in der Standseilbahn, der Schwebeseilbahn sowie im KEPCO-Trolleybus, aber auch zu Fuß zurücklegen.

 

Die Tateyama Kurobe Alpenroute

Die Tateyama Kurobe Alpenroute

Die Tateyama-Kurobe-Alpenroute beinhaltet auch eine Passage durch einen Schneekorridor mit bis zu 20 Meter hohen Schneewänden, die am Berg Tateyama vorbei durch die Hida-Bergkette führt. An der gleichen Strecke liegt auch der Kurobe-Staudamm, der mit 186 Meter höchste Staudamm des Landes. Die Stauermauer ist ganze 492 Meter lang und läßt im Schnitt 10 Tonnen Wasser pro Sekunde passieren.

Ein Teil der Alpenroute wurde während der Konstruktion des Staudamms gebaut. Jener wurde 1963 in Betrieb genommen, um in diesem entlegenen Teil des Landes durch Wasserkraft erzeugte Elektrizität zur Verfügung zu stellen.

Murado liegt 2,450 Meter über dem Meeresspiegel und bietet den imposantesten Anblick besagter Schneewände, vor allem zwischen April und Mai, wenn die Tateyama-Kurobe-Alpenroute für den Verkehr freigegeben wird. Dieser Abschnitt ist auch für Fußgänger geöffnet, damit man so in Ruhe die gewaltigen Schneemassen beiderseits der Straße genießen kann.

Kurobe-Staumauer

Kurobe-Staumauer

Es gibt noch weitere interessante Orte wie zum Beispiel den Mikurigaike (みくりが池) – den tiefsten Hochgebirgssee in den Japanischen Alpen, die bis in den Juni hinein schneebedeckt sind. Das tiefblaue Wasser des Sees reflektiert die schneebedeckten Gipfel des Tateyama-Gebirges, und am See findet man zahllose Vogel- und Pflanzenarten.

Nicht weit davon entfernt befindet sich Mikurigaike Onsen, eine Berghütte auf 2’410 Meter Höhe und nur einen Spaziergang vom Murado entfernt. Dieses Onsen rühmt sich dafür, die höchstgelegenen heißen Quellen des Landes zu haben. Das heilende Wasser strömt aus dem umliegenden Jigokudani (wörtlich: Höllental) herein. Das nahegelegene 4-Sterne-Hotel Tateyama ist Japans höchstgelegenes Hotel und bietet einen unvergesslichen Aufenthalt abseits der Menschenströme.

Das Tateyama-Museum von Toyama (立山博物館展示館) bietet Ausstellungen über die Flora und Fauna der Tateyama-Berge, über Shugendo – eine religiöse Tradition, die seit der Heian-Zeit in den Bergen der Region praktiziert wird, sowie über die komplexe Geologie und Ökologie dieses Hochlandes, welches einst von Pilgerern, die sich auf den so mühsamen wie gefährlichen Weg durch die Berge machten, als heilig betrachtet wurde.

Man benötigt ungefähr 5 Stunden, um die Tateyama-Kurobe-Alpenroute zurückzulegen, und dazu gehört sechsmaliges Umsteigen. Man beginnt am Bahnhof Dentetsu-Toyama, von wo es weiter bis zum Bahnhof Toyama geht, und dann nach Shinano-Omachi, von wo Züge Richtung Norden nach Nagano sowie Richtung Süden nach Matsumoto fahren. Die Strecke ist für den normalen Verkehr von Mitte April bis Ende November geöffnet – für den Rest des Jahres bleibt sie gesperrt. Man kann diese Route nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen, da der Abschnitt zwischen dem Bahnhof Tateyama und Ogizawa für Privatfahrzeuge gesperrt ist.

 

Präfektur Ishikawa

Der Name Kaga Onsen (Kagaonsenkyo) ist ein Sammelbegriff für die insgesamt vier größeren Onsenkurorte in Kaga und Komatsu in der Präfektur Ishikawa: Awazu Onsen, Katayamazu Onsen, Yamashiro Onsen und Yamanaka Onsen.

Die Geschichte dieser heißen Quellen geht über 1’300 Jahre zurück, als, so wird es jedenfalls berichtet, wandernde Shugendo-Ästheten auf ihrem Besuch des heiligen Berges Hakusan selbige entdeckten.

Einige der traditionellen Herbergen in Kaga Onsen können ebenfalls auf eine lange und besondere Geschichte zurückblicken. Das Hoshi Ryokan in Awasu Onsen eröffnete bereits im Jahr 718 und gilt als das zweitälteste, noch betriebene Hotel der Welt. Seit mehr als 45 Generationen wird das Hotel von der gleichen Familie betrieben (man nimmt an, dass das Nishiyama Onsen Keiunkan in der Präfektur Yamanashi das älteste Hotel ist – Tokugawa Ieyasu übernachtete dort zwei Mal).

Zu den berühmtesten Besuchern von Kaga Onsen in seiner langen Geschichte gehören der Priester Rennyo (1415–1499) und der berühmte Haiku-Dichter Basho (1644-1694), die den Ort aufgrund seines heilenden Wassers aufsuchten.

Awasu Onsen

Awasu Onsen

Awasu Onsen wurde angeblich vom gleichen Mönch entdeckt, der den nahegelegenen Natadera-Tempel gründete. Dem Wasser sagt man verschiedene Heilwirkungen nach, und man kann es in einer Herberge oder in dem modernen, öffentlichen Bad Soyu geniessen.

Katayamazu Onsen liegt an der Shibayamagata-Lagune. Entdeckt im Jahr 1653, wurde hier seit der Meiji-Zeit ein Kurort errichtet. Dieses Onsen zeichnet sich durch den spektakulären Anblick des Berges Hakusan in der Ferne aus, den man während eines Bades geniessen kann. Katayamazu war früher als „Vergnügungs-Onsen“ (歓楽温泉) bekannt, da es neben den heißen Bädern noch zahlreiche weitere Unterhaltsamkeiten bot und bietet, wie zum Beispiel das Eis- und Schneemuseum, das Kitamae-Schiffsmuseum oder einen künstlichen Geysir, der jede Stunde Wasser aus dem See speit.

Yamashiro Onsen wiederum ist vor allem für seine beiden großen und einzigartigen Badehäuser bekannt – das Soyu und das Ko-Soyu (das alte öffentliche Bad). Das Ko-Soyu wurde originalgetreu im Stil der Meiji-Zeit restauriert.

Yamashiro-Onsen

Yamashiro-Onsen

Yamashiro Onsen befindet sich nahe der Kakusenkei-Schlucht in den japanischen Alpen. Die Straße, die man auf jeden Fall gesehen haben sollte, wird Yuge-Kaido genannt und beginnt am Kino-no-yu. Dort findet man zahlreiche Handwerksläden, in denen lokale Kunstwerke wie Lack- und Holzprodukte verkauft werden, sowie zahlreiche japanische Retaurants und Bars, in denen man die verschiedensten Sachen probieren kann. Basho war einer der ersten Bewunderer des Ortes, und so adelte er Yamashiro-Onsen, zusammen mit Arima Onsen in Hyogo und Kusatsu Onsen in Gunma, zu den besten drei Onsen Japans.

Die elegante Stadt Kanazawa ist momentan die Endhaltestelle des Hokuriku-Shinkansens. Auch als „Klein-Kyoto“ bekannt, hat es Kanazawa geschafft, etwas von der Kultur und Atmosphäre des alten Japans zu bewahren.

Eine Fahrt mit dem Hokuriku-Shinkansen zwischen Tokyo und der Hokuriku-Region, zwischen Pazifik und Japanischem Meer, erschließt eine völlig neue und sehr photogene Seite Japans: Eine traditionell landwirtschaftlich geprägte Reisanbaugegend, die heute Heimat hochmoderner Industrien, aber auch uralter kultureller Bräuche und unzähliger Freizeitvergnügen ist. Von Skipisten bis zu Heißwasserbädern, von Reisfeldern bis zu Spitzenrestaurants – es gibt allerhand zu entdecken in dieser sehr vielfältigen Region im Nordosten der Insel Honshu.

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5 Jahre danach

März 8th, 2016 | Tagged , , | 12 Kommentare | 988 mal gelesen

Fünf Jahre ist es nun schon her, dass der ganze Norden Japans bebte. Und ich muss mich noch nicht einmal großartig konzentrieren, um die Bilder und Gefühle wieder hochkommen zu lassen. Die Sorge. Das Wort trifft es zumindest in meinem Fall besser. Es war Sorge, nicht Angst. Sorge davor, alles hier zu verlieren. Sorge davor, dass mein erst vier Wochen zuvor geborener Sohn, von seiner damals erst 4-jährigen Schwester mal abgesehen, zur falschen Zeit am falschen Ort sind und wir zu Flüchtlingen werden. Sorge davor, dass die Panikmacher vielleicht doch recht haben könnten und Fukushima die weite Umgebung inklusive Tokyo unbewohnbar macht. Sorge davor, dass es innerhalb weniger Jahre zu einem richtig schweren Erdbeben direkt unter Tokyo kommen würde. Sorge davor, dass die Politik entgegen jeglichen gesunden Menschenverstandes wieder die nuklearen Meiler anwerfen würden.

2 km landeinwärts in Minami-Sōma, Fukushima

2 km landeinwärts in Minami-Sōma, Fukushima

Was hat sich bewahrheitet in den 5 Jahren? Waren die Sorgen berechtigt? Nun, Tokyo ist bekanntermassen noch bewohnbar. Es gab – bisher – kein schweres Erdbeben direkt unter der Hauptstadt (auch wenn gesagt wurde, dass dies mit einer Wahrscheinlichkeit von 70% in den folgenden 4 Jahren eintreten würde). Ich bin mit auf die Straße gegangen, um gegen Atomkraft zu demonstrieren (eigentlich plädiere ich für Nichteinmischung, denn ich bin Deutscher, kein Japaner – aber es geht um meine Kinder). Und trotzdem haben die Irren begonnen, die Meiler wieder anzuschalten. Fukushima wird gereinigt, doch man ist gerade erst am Anfang. Japan stellt entsetzt fest, dass man überhaupt nicht weiß, wie es mit dem ganzen radioaktiven Müll weitergehen soll. Ich habe mit der Familie die Stadt, in der wir wohnten, hinter mich gelassen, denn die war zur Hälfte zerstört.

Irgendwann kehrt man zur Normalität zurück. Man hat ja keine andere Wahl. Und zu den Jahrestagen werfen mal diese, mal andere mit mehr oder weniger gekonnten Beitägen zum Thema Fukushima um sich. Neutral scheint keiner dabei zu bleiben – die deutschen Medien schon mal gar nicht. Bleibt nur zu hoffen, dass uns in absehbarer Zeit eine neue Katastrophe erspart bleibt. Ein Mal reicht.

Ach ja: Auch die Filmemacherin Doris Dörrie hat dem Thema nun ein Film gewidmet. Ob er was taugt? Ich weiß es nicht. Wenn ja, wäre ich überrascht.

Falls jemand über gute Reportagen oder Artikel stolpert, bitte her damit. So lange es nicht von RT oder DWN ist, schaue ich gern rein.

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Jetzt ist es amtlich: Japaner sterben aus

März 3rd, 2016 | Tagged | 10 Kommentare | 999 mal gelesen

Alle 10 Jahre gibt es in Japan eine große Volkszählung, und alle 5 Jahre eine kleine. Nun war es wieder so weit, und vor einer knappen Woche wurden die Ergebnisse veröffentlicht¹. Diese Ergebnisse sind keine große Überraschung, aber sie markieren dennoch eine historische Zäsur: Zum ersten Mal seit Beginn der Volkszählungen vor knapp 100 Jahren ist die Bevölkerung Japans gesunken, sprich die Wachstumsrate ist nunmehr negativ. Anders gesagt: Es sterben mehr Japaner als neue dazukommen. In Zahlen ausgedrückt, gibt es 2016 knapp eine Millionen weniger Japaner als noch 2011; von 128 Millionen Einwohnern sind nur noch 127 Millionen da.

Das ist freilich kein Wunder, liegt doch die Geburtenrate seit Jahren bei rund 1,4 Kindern pro Frau. Logischerweise braucht man aber 2,1 Kinder oder mehr, um ein positives Wachstum aufzuweisen. Oder mehr Einwanderer, aber das wird so schnell nicht passieren. Nicht in Japan. Und so zeigten sich die Politiker erschrocken, und Abe erklärte, dass er alles daran setzen werde, dass die Bevölkerung nicht unter 100 Millionen rutscht. Da muss er sich allerdings anstrengen, denn das Land rast mit hoher Geschwindigkeit auf diese Marke zu. Und da nunmehr schon ein Drittel der Bevölkerung älter als 65 Jahre ist, wird sich der Trend noch beschleunigen.

Bevölkerungsentwicklung Japan - bisher und Prognose

Bevölkerungsentwicklung Japans – bisher und Prognose (Quelle: Wikipedia)

Wer in Tokyo oder einer anderen Metropole Japans wohnt, sollte an diesem Punkt vielleicht Hoffnung schöpfen, dass die Züge bald etwas leerer werden. Da wird man jedoch noch eine Weile warten müssen, denn Tokyo zählt zu den weniger als 10 Präfekturen, in denen mehr Menschen leben als vor 5 Jahren. Will heissen, der jetzige Rückgang betrifft in erster Linie die ländlichen Regionen, und das ist in den meisten Gemeinden mehr als offensichtlich: Für immer geschlossene Läden und verfallende, da schon lange unbewohnte Häuser sind dort ein alltäglicher Anblick.

Der Trend hat auch große wirtschaftliche Konsequenzen – und zwar seit vielen Jahren: Da schon lange offensichtlich ist, dass die Bevölkerung abnimmt, geht auch die Wirtschaft von einem abnehmenden Markt aus – in den man nur ungern investiert. Damit wird Japan nun allerdings leben müssen, denn dieser Trend ist nicht ohne weiteres umkehrbar.

¹ Siehe unter anderem hier

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Filmkritik: Ryuzo 7 (Ryuzo and the Seven Henchmen)

März 1st, 2016 | 2 Kommentare | 561 mal gelesen

Filmplakat Ryuzo 7 - erschienen im April 2015

Filmplakat Ryuzo 7 – erschienen im April 2015

Man kann es einfach nicht leugnen: Takeshi „Beat“ Kitano, der bald schon legendäre Filmemacher aus Japan, wird langsam alt. 69 Lenze zählt er nun schon, und sein Genuschele im Fernsehen wird mit den Jahren nicht gerade besser (er ist im O-Ton mitunter wirklich schwer zu verstehen) – sein Humor jedoch wird wenigstens nicht schlechter. Kitano war, wenn man sich seine Filmographie so ansieht, schon immer fasziniert von Outlaws, und die bekanntesten Outlaws in Japan sind natürlich die Yakuza. Da war es einfach nur logisch, daß er irgendwann mal einen Film dreht, in dem seine Lieblingssubjekte genauso gealtert sind wie er selbst.

Nun war es also soweit, und so entstand 龍三と七人の子分たち Ryūzō to Shichinin no Kobuntachi – wörtlich „Ryūzō und die sieben Untergebenen“, ins Englische passenderweise „Ryuzo and the Seven Henchmen“ übersetzt. Der Film beginnt mit dem alternden Yakuza Ryuzo, mittlerweile Großvater, der mit seinem Sohn und dessen Familie in einem kleinen Häuschen zusammenwohnt und gleich zu beginn von seiner Familie gemaßregelt wird, weil er mit seinem Unterhemd bekleidet sein 倶利伽羅紋紋 kurikara monmon – so heissen die farbenprächtigen Yakuza-Tattoos – blitzen läßt. Dem hat Ryuzo nicht viel entgegenzusetzen: Er beginnt erst in bester Yakuza-Manier zu fluchen, als die Familie längst abgefahren ist.

Aus Frust ruft er einen alten Kumpel an – ebenfalls Yakuza – und so beschließt man, auch den anderen ehemaligen Weggefährten eine Karte zu schicken und sich mal wieder zu treffen. Dazu gibt es auch einen guten Grund, denn der fiese Nishi, ein jüngerer Gangster des neuen, Yakuza-verachtenden Types hat sich die Gegend unter den Nagel gerissen und terrorisiert arme Schuldner und Nachtclubs mit fiesen Tricks. Kitano taucht ebenfalls auf — als alternder Polizist, der zwar noch im Dienst ist, aber dort eher eine ruhige Kugel schiebt.

Alsbald hat Ryūzō sieben Kumpanen zusammengerauft, die allesamt mit verschiedenen Gebrechen zu kämpfen haben und sich mehr schlecht als recht (Yakuza zahlen nunmal nicht in die Rentenkasse ein) durch das Alter schlagen. Nach einem ausgeklügelten Punktesystem (Mord = 10 Punkte, ein Jahr im Bau = 1 Punkt usw.) bestimmen sie Ryuzo selbst zum „Oyabun“, also dem Anführer. Sie beschliessen, gemeinsam auf ihre alten Tage – man hat ja nichts mehr zu verlieren – gegen den von Nishi geführten Keihin-Clan vorzugehen, und da wir hier von einem Kitano-Film reden, wird es natürlich blutig. Nicht Tarantino-blutig, aber immerhin. Gekrönt wird der Film schließlich von einer Verfolgungsfahrt der besonderen Sorte: Die Rentnergang jagt in einem gekaperten Linienbus Nishi und Konsorten, die in einem BMW zu fliehen versuchen.

Streckenweise denkt man sich, das der Film ruhig 10, 15 Minuten kürzer sein könnte, aber alles in allem ist Ryuzo 7 ein gelungener Film mit sehr viel Situationskomik. Das beginnt mit Ryuzo, der am Telefon auf den Oreore-Trick reinfällt, oder Schnellschuß-Mac, der trotz Anzeichen von Parkinson noch immer am liebsten mit seiner Pistole herumspielt. Als sich die Gangster im Haus von Ryuzo versammeln und nach einem Snack verlangen, um den Sake besser geniessen zu können, wird kurzerhand des Enkels Vogel gegrillt.

Der Film zeigt allerdings auch ein paar interessante Sachen auf. Denn die vielen Maßnahmen der Regierung zur Eindämmung der Yakuza zeigen natürlich Wirkung, doch an Bösewichten wird es nie mangeln. Die wollen jedoch aufgrund der Restriktionen nichts mehr mit den Yakuza zu tun haben und verachten jene – zusammen mit deren strengen Verhaltensregeln. Der Schein verblasst langsam – so scheint es zumindest – und das führt auch dazu, dass die Yakuza sich mal wieder untereinander bekämpfen (erst vorgestern wurde ein Yakuza in Kobe brutal zusammengeschlagen). Obwohl — das gab es eigentlich schon immer.

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