Rap in Japan. Und es gibt sie doch: Politische Texte

November 3rd, 2015 | Tagged , | 1 Kommentar | 728 mal gelesen

Was mich an, wie sagt man so schön, „zeitgenössischer“ Musik in Japan schon jeher stört, ist die Seichtigkeit. In der Regel sind die Texte so seicht, wie es nur geht – wenn überhaupt, denn meistens hat man es nur mit einem sinnfreien Kauderwelsch aus Japanisch und Englisch zu tun. Aber das ist der Mainstream und wäre letztendlich so, als ob man die deutsche Musikszene an den üblichen Schlagerbarden misst. Oder an Helene Fischer, würde ich jetzt gern schreiben – leider habe ich noch nie etwas von ihr gehört, sondern nur einiges über sie gelesen, weshalb ich da mal lieber nicht vergleiche.

Heute wurde ich gleich auf zwei Ausnahmen aufmerksam – beides Rapper, die sehr wohl ziemlich politisch werden in ihren Texten. Der eine sagt mir dabei auch textlich zu, der andere eher weniger. Zum einen wäre da KEN THE 390, hier mit ZORN,NORIKIYO und dem Lied „Make Some Noise“:

In dem Stück geht es letztendlich darum, dass das Volk letztendlich nur veräppelt wird (unter anderem wird die Wiederinbetriebnahme der Kernkraftwerke kritisiert) und das es doch langsam mal an der Zeit sei, die Stimme zu erheben. Nicht schlecht gemacht und professionell produziert.

Ein anderer ist show-k, eigenen Angaben nach ein 愛国ラッパー – also ein patriotischer Rapper. Und was patriotisch in Japan bedeutet, wissen wir ja. So heisst es dann auch in diesem Stück, dass sich gegen das Freihandelsabkommen der Pazifikanrainerstaaten, TPP, wendet: „selbst in Deinem heißgeliebten Korea“. Die Musik ist nicht schlecht, die Sprache gut – aber mir ist der Bursche dann doch etwas zu national. show-k & LB: TPP Swag:

Dabei fällt mir, dem Gelegenheits-Rap-Goutierer, ein, dass ich früher einmal der festen Überzeugung war, dass es Sprachen gibt, die sich für Rap eignen, und solche, die sich nicht eignen. Das hat sich geändert. Mit dem richtigen DJ, der richtigen Technik und passenden Reimen ist wahrscheinlich jede Sprache gleich gut geeignet.

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