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Zum Thema Flüchtlinge

September 8th, 2015 | Tagged , | 14 Kommentare | 1482 mal gelesen

Mit Erstaunen schaut nicht nur ganz Japan, sondern auch meine Wenigkeit auf das, was da gerade in Deutschland geschieht. Die Bilder der Flüchtlingstrecks, von Menschen, die an Bahnhöfen die Flüchtlinge begeistert begrüssen, Plakate, auf denen „Mama Merkel“ gebeten wird, sie aufzunehmen… ein Bild nach dem anderen rauscht durch die hiesigen Nachrichten und durch meinen Kopf. Hinzu kommen all die Reportagen aus Mazedonien, Serbien, Ungarn – alles Länder, die ich mehr oder weniger gut aus eigener Erfahrung kenne. Die Zahlen. 800,000 Flüchtlinge allein in Deutschland – in einem Jahr? Die Bilder der sogenannten Wutbürger, brennende Unterkünfte – aber das kannte ich ja bereits.

All das könnte jedoch ferner nicht sein. Vor sieben Jahren hatte ich der Thematik bereits den Artikel [zynismus]Japan von Flüchtlingswelle überrollt?[/zynismus] gewidmet, aber mal sehen, was sich in Sachen Statistik so seitdem ergeben hat:

Jahr 2010 2011 2012 2013 2014
Antragsteller 1,455 2,119 2,198 2,642 3,169
Davon genehmigt 26 7 5 3 6

Quelle: Japan Association for Refugees

Wie man sieht, ist Japan also nach wie vor voll beschäftigt mit der Aufnahme von Flüchtlingen. So sehr, dass in einigen Fällen 9 Jahre vergehen zwischen Antragstellung und Bescheid. Damit ist Japan allerdings nicht allein – in Südkorea sieht es nicht wesentlich anders aus, so man die eigenen Landsleute aus Nordkorea nicht berücksichtigt.

Die meisten Chancen auf Genehmigung des Antrags hatten übrigens Menschen aus Myanmar, aber da sich dort nunmehr der Wind gedreht hat, erhält kaum noch jemand Asyl. Nun könnte man meinen, dass das doch selbstverständlich wäre: Japan liegt schliesslich weit ab vom Schuss. Im wahrsten Sinne des Wortes. Das gleiche lässt sich allerdings auch über Australien sagen — oder über Kanada, und dort gibt es wesentlich mehr Antragsteller. Und anerkannte Flüchtlinge. Aber so sehr Japan auch bei Touristen beliebt ist, und so sehr Japan sich auch um selbige bemüht — den Nimbus eines für Flüchtlinge nahezu vollkommen geschlossenen Landes lässt man sich nicht gerne nehmen. Ist ja auch klar. Die sprechen ja alle ausländisch, und das ist ja nun wirklich ein unlösbares Problem in Japan.

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