For the records: Wie man aus dem Ausland eine Kreditkarte in Deutschland bestellt

März 4th, 2015 | Tagged , | 13 Kommentare | 3114 mal gelesen

Der Prozess war so holprig, dass ich mich dafür entschieden habe, eine kleine Anleitung für im Ausland lebende Deutsche zu hinterlassen. Das könnte mitunter sogar der Beginn einer losen Serie werden.

Aber erstmal zum Hintergrund: Obwohl ich im Ausland lebe, habe ich noch immer ein Konto in Deutschland. Das brauche ich einfach mal, denn es ist praktisch. Früher war das alles auch kein Problem: Ich hatte eine Maestro-Karte, und mit der konnte man – lange zumindest – auch in Japan und anderswo Geld abheben. Im Gegensatz zu Japan haben aber deutsche Bankkarten dummerweise eine begrenzte Gültigkeitsdauer (warum eigentlich!?). Und so sendete mir die Targobank, Nachfolgerin der Citibank, eine neue Karte zu: Ohne Maestro, sondern mit V-Pay. Und das ist nur in Europa brauchbar. Überweisungen nach Japan funktionierten auch nicht (Targobank sagt zwar, es geht – aber es funktionierte einfach nicht) – und selbst wenn sie funktionieren würden, hätte es bei jeder Überweisung elendig lange Kontrollanrufe von der japanischen Bank zur Folge. Paypal ginge theoretisch: Man hat ein Paypal-Konto in Deutschland, verbindet es mit seinem Konto in Deutschland, und dann noch ein Paypal-Konto in Japan (oder sonstwo), wo man es ebenfalls mit seinem Konto verbinden könnte. So kann man sich dann quasi selbst Geld überweisen. Jedoch: Paypal verlangt 3,4% Gebühren, und in Japan hat man dann immer noch das Problem, dass die Bank vor Ausführung der Überweisung von Paypal anruft und ein regelrechtes Verhör startet.

Die Targobank hatte wenigstens noch Abkommen mit der Citibank in anderen Ländern. So konnte man selbst mit der V-Pay-Karte bei der Citibank in Japan Geld abheben. Das ging bis Ende 2014 gut – denn danach wurde die Citibank von der SMBC geschluckt und das Abkommen wurde ungültig. Sprich, die Bankkarte ist in Japan nunmehr unbrauchbar.

Da stolperte ich über die Amazon.de-Kreditkarte der LBB. Soll wohl alles sehr einfach gehen – und siehe da, der Antrag ist in ein paar Minuten online erledigt. Am Ende kam dann aber doch – das war absehbar – der Stolperstein: Will man ein Konto eröffnen, muss man persönlich am Schalter erscheinen – oder PostIdent benutzen können. Und so ist es auch bei Kreditkarten: Sie werden mit PostIdent geliefert, es kann also nur der die Karte in Empfang nehmen, der sie bestellt hat. Vollmachten helfen nicht – man muss in Deutschland sein.

Gut ein Jahr forschte ich herum, wie man das umgehen kann. Im legalen Sinne, versteht sich. Bei drei Banken habe ich in Deutschland nachgefragt, und erstaunlicherweise lautete die Antwort immer gleich: Man muss nachweisen, dass man ist, wer man ist, und das kann wie folgt geschehen:

1) Man lässt sich die eigene Existenz von der Botschaft bestätigen
2) Man lässt sich die eigene Existenz von einer Bank vor Ort bestätigen
3) Man findet einen Notar, der dies erledigt

Meine weiteren Recherchen ergaben, dass 1) nicht (mehr!?) möglich ist. Bei der Recherche nach 2) erntete ich Stirnrunzeln bei den Banken in Japan, inklusive der eigentlich international ausgerichteten Citibank: Sowas habe man noch nie gehört, und das macht man einfach nicht. Auch das ist nicht ganz unerwartet: Warum sollte eine japanische Bank das auch machen? Und was für ein Formular soll dafür herhalten? So ein Formular gibt es einfach nicht.

Bleibt also 3). Ich soll also nachweisen, dass ich existiere – und wo ich wohne. Laut Information der Banken in Deutschland reicht dazu eine beglaubigte Übersetzung des Reisepasses. Das hielt ich allerdings ebenfalls für riskant, denn bekanntlich steht im Reisepass keine Adresse.

Meine Kreditkarte wurde derweilen wieder an die Bank zurückgesendet, und die Bank bat mich per Email, anzurufen. Und ich war recht perplex, denn a) beantwortete die LBB Emails schnell, und b) ging sofort immer jemand ans Telefon. Ich war zugegebenermassen beeindruckt. Ich hätte wohl ein paar Monate Zeit, meine Existenz zu bestätigen, wurde mir zugesichert.

Also suchte ich über DinJ einen Notar in Japan. So fand ich Karl Zucchi, ein in Gunma lebender öffentlich bestellter und beeidigter Übersetzer. Mit ihm kam ich schnell ins Geschäft. Ich schickte also einen Scan des japanischen Pendants eines Personalausweises zu ihm, klärte ein paar Details per Email und bekam ein paar Tage später per Post eine beglaubigte Übersetzung zugeschickt. Für Deutsche in Japan kann ich seine Dienst jedenfalls nur wärmstens empfehlen (nein, ich bekomme kein Geld für die Werbung).

Die beglaubigte Kopie schickte ich nebst Begleitschreiben dann zur Bank, mit der Bitte, entweder die Karte nach Japan zu schicken, oder falls das nicht ginge, an meine Eltern in Deutschland. Ohne PostIdent. Und siehe da: Eine gute Woche später kam die Karte wohlbehalten an. Mit einem Aufkleber, dass ich telefonisch den Erhalt bestätigen soll. Das tat ich dann auch – via Skype – und wieder: Das Telefon klingelte zwei Mal, und … ein echter Mensch! … beantwortete das Telefon. Die Bestätigung dauerte ein wenig länger, da ich ja „ein Sonderfall“ sei, aber letztendlich war alles in Ordnung.

Ein Jahr Recherche, viel Kopfschütteln und unzählige Fehlinformationen später halte ich also eine deutsche Kreditkarte in der Hand. Mit der ich Geld von meinem deutschen Konto in Japan abheben kann. Beziehungsweise könnte. Ich werde sie wohl nur sehr selten benutzen, aber jetzt weiss ich wenigstens, dass ich könnte, wenn ich wollte – vorher wäre das ganze schlichtweg nicht mehr möglich gewesen.

Ich hoffe, diese Information erspart irgendjemanden ein Jahr Recherche!

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13 Responses to “For the records: Wie man aus dem Ausland eine Kreditkarte in Deutschland bestellt”

  • Stefan sagt:

    Was die Internationalität angeht, bin ich schon froh um SEPA. Die meisten, die nicht aus ihrem Heimatland rauskommen (sowohl Deutsche als auch Österreicher) schimpfen ja, weil sie jetzt die ach so lange IBAN tippen müssten. Dass im Inlandsverkehr dafür die BIC (oder alt halt die Bankleitzahl) wegfällt, sagt keiner…

    Ich find halt das große Ziel dahinter gut, den Wirtschaftsverkehr innerhalb der EU immer mehr zu einem Raum verschwimmen zu lassen.

    Gerade so Abschottung wie in Japan würde mich daher richtig nerven.

    Zu deiner Frage: „Im Gegensatz zu Japan haben aber deutsche Bankkarten dummerweise eine begrenzte Gültigkeitsdauer (warum eigentlich!?)“
    Sicherheit. Zwei Aspekte fallen mir grad ein zum Thema Sicherheit.
    1) Schutz gegen Missbrauch der Karte bei Kopie/Diebstahl/Verlust. Das kann man Widerlegen, weil die Restgültigkeit meist länger ist als die Meldedauer des Besitzers.
    2) Schutz gegen Sicherheitslücken im Kartensystem: Dadurch dass die Karte eine begrenzt Gültigkeit hat, scheidet sie automatisch nach X Jahren aus dem System aus. Dadurch kann in einem überschaubaren Zeitraum die Sicherheitsarchitektur erneuert werden.
    Da könnte man auch wieder gegenargumentieren, dass man ja trotzdem noch alle Karten austauschen kann, wenn mal Bedarf ist (und bei begrenzter Gültigkeit 5 Jahre mit Lücke immer noch zu lang seien), aber
    2.1) solche Probleme wie zu kurz werdende Schlüssellänge/unsichere Verschlüsselungsalgorithmen kannst du alle 5 Jahre gut mal beheben, ohne dass jemand dafür informiert werden muss. Oft werden Verschlüsselungsalgorithmen ja auch nicht von heute auf Morgen komplett unsicher, sondern durch bessere Verfahren wird die Kompromittierung einfacher, z.B. Kollisionswahrscheinlichkeit 2^25 statt 2^30. Die Entwicklung siehst du dann und kannst innerhalb von 5 Jahren reagieren.
    2.2) Es ist auch ein bisschen die Grundeinstellung, die ich in dem Fall positiv finde. Wir haben in der IT ständig Sicherheitslücken, die vertuscht werden. Wenn man dann wenigstens bei den Karten sagt „Die Karten sind nicht perfekt, in 5 Jahren geben wir dir eine neue, zu deiner Sicherheit“ ändert das die Haltung der IT-Firma selbst zu Sicherheitslücken.

    Sagt jemand, der im Moment außerhalb der Sicherheitsbranche arbeitet… Aber ich bin noch jung, in 20 Jahren vielleicht.

  • Jack sagt:

    Hi, Karl ist klasse! Wir nehmen immer Transferwise (Google mal), das ist billiger als mit den Banken.
    SG Jack

  • umij sagt:

    Bei meiner Heirat
    https://umij.wordpress.com/2013/05/18/japaner-heiraten-leicht-gemacht/
    ließ ich ebenfalls Übersetzungen von Herrn Zucchi anfertigen. Der Vorteil ist, daß Herr Zucchi vereidigt ist, und man sich dabei einige Stirnrunzeln und oftmals einen zusätzlichen Weg zur Botschaft spart. Kann ihn daher auch nur empfehlen.

    Und nein, ich kriege keine Provision. Aber wenn jemand zügig und problemlos arbeitet, kann man das auch ruhig mal erwähnen, finde ich.

  • HamuSumo sagt:

    Randnotiz: Karten mit Maestro sollten bei den Automaten der Seven Bank wieder funktionieren – zumindest habe ich das erst vor ein paar Tagen auf den Webseiten der besagten Bank gelesen. (Bestätigung gerne gesehen!)

  • Christian sagt:

    Na herzlichen Glueckwunsch!
    Ich erinnere mich wie Du mir noch beim Bloggertreffen dieses Problem berichtet hast. Ist auf jeden Fall sehr hilfreich zu wissen, dass es diesen Herrn Zuchii gibt.

    Gruss,
    Christian

  • Vanion sagt:

    Ich werde vermutlich im Juni für 8 Monate ein Praktikum in Japan machen. Wie ich da an mein Geld komme (Praktikum ist vergütet aber ich brauch ja auch vorher welches) hab ich mich auchschon gefragt. Hat da jemand Tipps oder Vorschläge was die beste Lösung wäre?

  • tembridis sagt:

    Kurze Information zu Maestro/EC-Karten der Deutschen Bank. Will man seine Maestro-Karte im Ausland an einem ATM verwenden, so sollte man sich seine Karte für das entsprechende Land und besagten Zeitraum am Schalter freischalten lassen.

    Es ist vor ein paar Jahren zu Missbrauch von EC-Karten im Ausland gekommen, weswegen die Deutsche Bank wohl diese Sperren eingeführt hat. Wie andere Banken es damit halten, ist mir nicht bekannt.

    Bei der Deutschen Bank ist es im Übrigen günstiger die Kreditkarte an japanischen ATMs zu benutzen. Wobei nicht jeder ATM Kredit- bzw. EC-Karten aus Deutschland akzeptiert. Citibank und Post ATMs akzeptieren meine Karten überlicherweise ohne Probleme. Das gute daran ist, Post ATMs gibt es in Japan ja nun wirklich fast überall.

    Na ja, fast. Tief in den Bergen von Kumamoto wird es knifflig. Aber da findet man streckenweise auch keine Automaten mit Dosenkaffee. Was nach einer durchzechten Nacht bei einer Campingtour echt ein Problem darstellt. Nun, mit genügend Pocari kommt man auch wieder auf die Beine.

  • nagarazoku sagt:

    Oh, der Herr Zucchi, den hatten wir auch für unsere Heiratsunterlagen beauftragt und als meine Bank sich zu dumm anstellte, auf sein Konto überweisen, weil man mit dem kleinen ツ nicht klarkam, konnte ich den Betrag einfach von meinem deutschen auf sein deutsches Konto überweisen! Wunderbar unkompliziert, war mit allem sehr zufrieden :D

  • LennStar sagt:

    Bitcoin?

    Sind am Ende aber auch Gebühren mit dabei und natürlich noch die Schwankung zusätzlich zum Wechselkurs. Und vielleicht auch Verhöre der Banken, wenn die das bei Paypal schon machen.

  • Lori sagt:

    Ich habe gar kein Auto! (kann sich jemand noch an die unsaegliche Werbung erinnern?)

    Aber mal im Ernst: Wozu hast du ueberhaupt ein deutsches Konto? Ich bin voellig zufrieden mit meinem japanischen Konto + Kreditkarte und habe schon seit Jahren kein Konto mehr in Deutschland.

    achso …. ’schland!

    • tabibito sagt:

      Ganz einfach: Ich habe gelegentlich Einkünfte in Deutschland. Und wenn die Firma kein Paypal akzeptiert, ist ein japanisches Bankkonto eher hinderlich. Nebenbei kann es bei dem Auf und Ab der Währungen nicht schaden, zwischen Euro und Yen wechseln zu können.

  • Vladislav sagt:

    ein wirklich gutes Manual, aber man könnte ja vielleicht auch eine Karte einer anderen Person verwenden, die für Dich sprich das Konto eröffnet hat und das Geld ist dein. Meine Eltern beziehen auf diese Weise die Rente aus einem anderen Land und um nicht bei der Bank persönlich erscheinen zu müssen