You are currently browsing the archives for Dienstag, Januar 27th, 2015

Absoluter. Leerstand.

Januar 27th, 2015 | Tagged | 6 Kommentare | 2021 mal gelesen

Zerfallendes Haus - hier in Tsubame, Niigata

Zerfallendes Haus – hier in Tsubame, Niigata

Laut einer Untersuchung von SankeiBiz¹ wurde festgestellt, dass es im Jahr 2013 in Japan geschlagene 8,2 Millionen leerstehende Häuser gab. Das ist ungefähr ein Sechstel aller Wohnhäuser – und diese Zahl steigt alljährlich um cirka 200’000. Das bedeutet, so der Trend sich fortsetzt, dass im Jahr 2030 rund ein Viertel aller Häuser leer stehen wird. Wird sich der Trend fortsetzen? Mit Sicherheit wird er das, denn sowohl die Überalterung als auch die Landflucht halten an. Das Problem mit dem Leerstand liegt dabei darin, dass die Häuser nicht abgerissen werden, sondern einfach zerfallen – sonst würden sie in der Statistik nicht auftauchen.

Das ganze steht im krassen Widerspruch zur Bauwut in und um Tokyo, wo nach und nach die letzten Grünflächen zugunsten neuer Siedlungen und Einzelhäuser verschwinden. Wer sich das vorher und nachher ansehen möchte, braucht nur mal nach 日吉 Hiyoshi (im Norden von Yokohama) zu fahren: Dort hat die Landnahme, trotz teils grosser Hangneigungen, die gesamte Natur verdrängt. Wer wissen will, wie es dort vorher aussah, braucht dann nur mit dem Zug rund 15 km Richtung Süden, zum Beispiel nach 戸塚 Totsuka, zu fahren. Dort gibt es noch etwas Grün – nur: wie lange noch?

Zerfallen: Ja. Verlassen? Noch nicht. Und zwar in Hiroo, mitten in Tokyo

Zerfallen: Ja. Verlassen? Noch nicht. Und zwar in Hiroo, mitten in Tokyo

Der Leerstand stellt in vielen Gegenden ein Problem dar. Mal davon abgesehen, dass 10, 20 Jahre alte, langsam zerfallende Häuser nicht schön aussehen, können diese zum Beispiel bei Feuer- oder Erdbebenkatastrophen durchaus zur Gefahr werden. Leider stehen die meisten leerstehenden Häuser dort, wo keiner mehr wohnen will, aber selbst in Tokyo oder Saitama oder Yokohama findet man sie. Die Bewohner sind entweder verstorben, in Altersheime gezogen oder in die Stadt verzogen. Ein Haus komplett abzureissen kostet schnell ein paar Millionen Yen (also zehntausende Euro), und das können sich vor allem alte Leute natürlich nicht immer leisten.

Das bedeutet allerdings auch, dass man mittlerweile ältere Wohnhäuser auf dem Land spottbillig kaufen kann – aber diese Geschichten kennt man ja auch aus der Mark Brandenburg zum Beispiel. Somit hat Otto Normalverbraucher mit seiner Familie nicht viel von der Tatsache, dass es so viel Leerstand gibt: Die Häuser wurden aus gutem Grunde verlassen. Für jemanden, der seine letzten Jahre in Abgeschiedenheit auf dem Land verbringen möchte, wird Japan jedoch mehr und mehr zum Paradies. Solange man die Unannehmlichkeiten wie weite Strecken bis zu Geschäften, Krankenhäusern, Von-der-Aussenwelt-abgeschnitten-sein im Winter usw. wegstecken kann.

¹ Siehe hier: 日本で増え続ける空き家 税金、撤去費用…金銭面のハードル高く

Teilen: