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Solarenergie in Japan – lohnt sich das?

Dezember 3rd, 2014 | 5 Kommentare | 2428 mal gelesen

Privates Mini-Solarkraftwerk in Kawasaki

Privates Mini-Solarkraftwerk in Kawasaki

Die Masche ist in Japan immer die gleiche: Wird auch nur im entfernteren Umkreis irgendwo etwas gebaut, geht ein freundlicher Vertreter der Baufirma auf Klingelzug in die Nachbarschaft, entschuldigt sich für die mit den Bauarbeiten mitunter verbundenen Unannehmlichkeiten und hinterlässt bei der Gelegenheit als Werbung seine Visitenkarte und ein Pamphlet. Im gestrigen Fall war es ein Vertreter von Honda, und der will am kommenden Sonntag (!) ab 9 Uhr morgens (!!) unserem Nachbarn Solarpanele auf sein Dach kleben.

Es ist ein richtiges Wettrüsten ausgebrochen zwischen den Hausbesitzern um uns herum: Wer baut wie viele Solarpanele auf sein Dach? Aber lohnt sich das überhaupt? Immerhin bezahlt man für 10 jeweils rund 2 m² grosse Panele insgesamt rund 8’000 Euro, für 20 dann dementsprechend über 15’000 Euro. Die meisten nehmen dafür einen Kredit auf und bezahlen dann, im letzteren Fall, so um die 150 Euro pro Monat – will heissen, letztendlich ist die Anlage nach über 10 Jahren abbezahlt.

Der Staat unterstützt dabei die Hausbesitzer, doch das hängt ganz von der Präfekturregierung ab. In der Präfektur Kanagawa zum Beispiel kauft die Kommune den Solaranlagenbesitzern ihren überschüssigen Strom ab: Da gibt es dann rund 120 Euro pro Kilowatt Peak (15,000 yen, um genau zu sein), wobei die Obergrenze bei 50,000 yen liegt¹. Bei 20 Panelen kommt man wohl im Schnitt auf 1.6 Kilowatt Peak pro Monat – man bekommt also rund 25,000 yen für seinen Strom. Und zahlt ca. 10,000 yen an Stromkosten pro Monat (bei einer 4-köpfigen Familie). Dazu kommen dann rund 20,000 yen, um die Anlage abzubezahlen.

Daraus wird also ¥10,000 + ¥20,000 – ¥25,000 yen. Man bezahlt also ¥5,000 yen drauf. Pro Monat. Für die nächsten 10 Jahre. Das ist freilich kein guter Deal, zumal die Solarpanele die Erneuerung des Daches (oder, wenn es mal brennen sollte, die Löscharbeiten) erheblich erschweren. Die alles entscheidende Frage wäre jedoch, was im Falle eines schweren Erdbebens geschehen würde: Kann man sich dank einer solchen Anlage dann komplett selbst versorgen? Anders gefragt, kann man sich quasi vom Stromnetz abklemmen und autark werden? Zu einem gewissen Grad enthalten die Installationen angeblich auch Stromspeicher, aber die Kapazität soll wohl stark begrenzt sein.

Gerüchten zufolge unterstützt Stromversorger TEPCO (wir erinnern uns – der einzige Energieversorger von Tokyo und jemand, der in Fukushima alles falsch gemacht hat, was man falsch machen kann) wohl die Kommunen finanziell, aber so leicht lässt sich das nicht verifizieren. Wäre dies wirklich der Fall, wäre das doch mal eine begrüssenswerte Entscheidung. Die Zukunft der Energieversorgung, gerade in Japan, mag zwar nicht unbedingt in der Solarenergie liegen, aber sie liegt meines Erachtens dennoch zumindest in der Dezentralisierung der Energiegewinnung.

Wir werden uns den ganzen Spass wohl für ein halbes Jahr anschauen und dann entscheiden, ob es sich lohnt, Solarpanele anzuschaffen. Der Gedanke, mehr Energie zu produzieren als zu verbrauchen ist nur allzu verlockend, selbst wenn man bedenkt, dass Solarpanele bei der Herstellung sehr viel Energie verbrauchen – eine bessere Solarzelle muss rund anderthalb Jahre lang in Betrieb sein, um die Energie zu gewinnen, die gebraucht wurde, um sie herzustellen².

¹ Auf dieser Seite kann man nachlesen, welche Präfektur auf welche Weise Solarenergie fördert.
²Siehe unter anderem hier.

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