Japan im internationalen Lebensmittelvergleich. Mit Stichprobe.

Januar 19th, 2014 | Tagged | 8 Kommentare | 2489 mal gelesen

Oxfam, die bekannte gemeinnützige Organisation aus England, die sich unabhängiger Nothilfe und Entwicklung widmet, veröffentlichte in der vergangenen Woche eine interessante Studie. In dieser wurde untersucht, wie es für die Bewohner von insgesamt 125 Ländern in puncto Zugang zu gutem (sprich angemessenen) Essen aussieht. Untersucht wurden in erster Linie die folgenden Faktoren:

  1. Bezahlbarkeit
  2. Ausreichend Nahrungsmittel
  3. Fettleibigkeit und Diabetes
  4. Nahrungsmittelqualität

Auf Platz 1 landete die Niederlande, gefolgt von frankreich und der Schweiz. Interessanterweise sind fast alle Länder der Top 20 europäisch. Japan landete hingegen abgeschlagen auf Platz 21, und den Platz teilt man sich mit den USA. Das ist auf den ersten Blick erstaunlich. Schauen wir uns also die einzelnen Faktoren an (siehe hier): Sicher, genug zu essen gibt es sowohl in Europa als auch in Japan und den USA – höchste Punktzahl also für alle. Bei der Bezahlbarkeit sieht es schon differenzierter aus: Deutschland ist in der zweiten Gruppe – das Essen ist in den USA, den Niederlanden, Frankreich usw. „bezahlbarer“. Noch eine Gruppe tiefer befindet sich Japan – in einer Gruppe mit Nepal, Russland oder Südafrika. Geht es um die Qualität, liegen die meisten europäischen Länder in der obersten Gruppe – und so auch die USA. Japan jedoch, und das ist interessant (wenn auch nicht wirklich überraschend), liegt nur in der zweiten Gruppe. In Sachen Fettleibigkeit und Diabetes punktet Japan hingegen: In den obersten beiden Gruppen (sprich: geringe Fettleibigkeit) befinden sich fast nur afrikanische und südasiatische Länder. Ausnahmen in der zweiten Gruppe sind lediglich die Niederlande, Frankreich und Japan. Deutschland liegt abgeschlagen in der vierten Gruppe und die USA in der fünften.

Mayonnaise - Yakisoba

Mayonnaise – Yakisoba

Die Ergebnisse kann ich mit meinem geringen Erfahrungsschatz durchaus so bestätigen. Sicher, die japanische Küche ist ziemlich gesund. Jedoch sind Nahrunsmittel in Japan wirklich teuer (erst recht gute Nahrungsmittel), und die Qualität läßt in vielen Fällen zu wünschen übrig: Die Lebensmittelgesetze sind relativ lasch, und es wird gemanscht und mit Zusatzstoffen gearbeitet wo es nur geht. Dazu passt ein Fundstück aus dem hiesigen Convenience Store, das ich erst gestern entdeckt habe: Yakisoba (eigentlich: gebratene Nudeln. In diesem Fall jedoch einfach nur Instant-Nudeln mit Yakisoba-Geschmack). Davon gibt, beziehungsweise gab es bisher, hunderte Sorten. Diese hier nennt sich 鬼マヨ焼きそば – „Teufelsmayonnaise-Yakisoba“, mit dem Untertitel „Wenn man zu viel Mayonnaise auf die Instant-Nudeln gekippt hat“. Englischer Slogan: „Too much surprise“. Die Packung wiegt 136 Gramm (man gibt kochendes Wasser dazu und giesst das später wieder ab). Kalorien: 721. Das ist eine ganze Menge, um nicht zu sagen „too much surprise“. Kostenpunkt: 1.50 Euro. Bezahlbarkeit: Gegeben. Ausreichend? Bestimmt. Nahrungsmittelqualität: Lausig (hunderte Zusatzstoffe und ganz bestimmt furchtbar ungesund). Fettleibigkeit? Bei täglichem Verzehr garantiert. Nur Deppen kaufen sowas. Und Yakisoba-Fans. Natürlich rein aus Forschungszwecken habe ich mir sofort eine Packung gekauft – das wird wohl mein Mittagessen am Montag werden. Aber ehrlich: Mehr als ein Mal pro Woche würde ich mir das nicht antun wollen.

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8 Responses to “Japan im internationalen Lebensmittelvergleich. Mit Stichprobe.”

  • Tobias sagt:

    Ich hab vor allem das Gefühl, dass es subjektiv sehr einfach ist, an diese ganzen Fertiggerichte heranzukommen: Werden in jedem Kombini verkauft und in Supermärkten gibt es sie auch in Unmengen. Dazu noch Unmengen an Softdrinks an jedem Getränkeautomaten und im Kombini.

    In Deutschland gibt es zwar auch viele Fertiggerichte, allerdings irgendwie doch nicht in einer so riesigen Anzahl. Auch stehen ja nicht überall Kombinis herum, so dass man erst ziemlich suchen muss.

    Allerdings kommt es mir vor, als ob die normalen japanischen Fastfoodketten einen Tick gesünder zumindest aussehen als nur McDonalds und Burger King in Deutschland.

    Mit den Verbraucherschutz scheint es in Japan ja auch allgemein nicht so weit herzusein: Anscheinend ist keine Nährwertangabe auf den Produkten Pflicht (habe ich schon mehrmals nicht gefunden) und vor allem scheint kein einheitliches Design dafür vorgeschrieben zu sein: Man muss teilweise schon wirklich auf einem sehr langen Text wie doof suchen, bis man etwas findet.
    Im Supermarkt scheinen die Preise pro Grundmenge (100g, 100ml oder so) auch nicht wirklich vorgeschrieben zu sein. Sehr oft habe ich das schon nicht gesehen.

    Vom fehlenden Nichtraucherschutz ganz zu schweigen (Gut, nicht wirklich Lebensmittel, aber auch wieder ein Beispiel).

    Ich muss sagen, da hat mir Taiwan in der Richtung einen wesentlich besseren Eindruck hinterlassen: Rauchverbot, überall die Nährwertangabem im Einheitslook, daher sehr schnell zu finden, Grundpreismenge auch überall.

    Komischerweise scheint die japanische Ernährung aber doch irgendwie etwas besser zu sein. Wahrscheinlich ernährt sich doch nicht jeder nur von Convenience Stores (wobei, eventuell doch) und es wird mehr Gemüse gegessen? Und statt Cola doch lieber zuckerfreier Grüntee? Da bin ich mir noch nicht so sicher, wieso die Japaner doch eher nicht so dick sind, obwohl es so viele unglaublich ungesunde Fertiggerichte gibt.

  • coolio sagt:

    Schöner Eitrag. Und greift endlich mal ein Thema auf, dessen sich die meisten Leute gar nicht bewusst sind. Hier in Japan gibt es keine Institutionen, welche die Lebensmittelqualität überprüfen. Weder in der Industrie (Herstellung), noch in Verkauf und Verarbeitung. Nein, die Fabriken in denen Lebensmittel hergestellt werden, sind nicht dreckiger als jene in Deutschland, aber was hier an Zusatzstoffen beigemischt wird, halte ich für mehr als bedenklich. Kein Wunder das die meisten Japaner gegen irgendetwas eine Allergie entwickeln. Die Lebensmittel spielen da eine genau so grosee Rolle, wie oft bedenkliche Baustoffe im Wohnungsbau. Warum die Japaner trotzdem so alt werden? Zieht man mal die Alten ab, die noch einigermassen ländlich leben, sieht es da gar nicht mehr so gut aus. Den Prozentsatz an Leuten, die in meiner relativ kleinen Firma jung an Krebs gestorben oder erkrankt sind, habe ich so in keinem anderen Land erlebt.

  • Anika sagt:

    Gefällt mir sehr, dass du sowas zu Forschungszwecken kaufst! Tue ich auch immer natürlich nur aus dem Grund! ^_-
    Mal ne Fertigpackung ist schon ok. Aber ich persönlich koche auch lieber selbst mit frischen Zutaten.

    Aber die Qualität… Was man da immer im deutschen Fernsehen über japanisches Obst und Gemüse erzählt bekommt.. Frage mich, wo die das her haben..
    Und die Eier.. Noch nie so geschmackslose Eier wie in Japan gegessen..

  • Felix sagt:

    Irgendwie kann ich diesem Ranking nicht ganz trauen. Klar, wir essen gut hier in der Schweiz, aber die Auswahl an Gemüse z.B. ist in Japan deutlich besser. Auch das Angebot an Fisch ist in jedem anderen Land welches ich bis jetzt bereiste besser. Nur bei der Käse Auswahl sehe ich uns klar als Gewinner :-). Schweizer essen zudem eher deftig (wenn auch nicht so extrem wie die Deutschen). Gemüse gilt noch für viele nur als „Beilage“. Fastfood gibts bei uns nun langsam auch an jeder Ecke und Menschen (und vor allem auch Kinder) mit Übergewicht sieht man auch mehr als früher (gilt zwar auch für Japan aber sicher nicht im gleichen Ausmass). Die Qualität der Lebensmittel in der Schweiz ist sehr gut. Deutlich besser als z.B. in Deutschland (IMHO). Hatte aber nicht das Gefühl, dass es in Japan schlechter ist. Die Auswahl an guten und günstigen Restaurants in Japan ist meiner Meinung nach jedoch deutlich besser. Also wie gesagt, ich kann dieses Ranking nicht ganz nachvollziehen.

    • Ernst sagt:

      Erstmal danke für den Artikel und die Quelle.

      @Felix

      Kannst oder willst du nicht? ;) Wie ja berts sim Artikel und nochmals von Coolio angesprochen gibt es einfach kaum Regeln und Vorgaben, die den Verbraucher schützen. Das wird dir auch in den Restaurants passieren, denn diese kaufen ja auch im selben Land ein. Nicht alles was schmneckt und gesund aussieht ist es auch, bei weitem nicht. Gleiches gilt ja auch in Deutschland, wo die Industrie so ziemlich jede Grauzone mitnimmt und den Verbraucher für blöd erklärt.

      • Felix sagt:

        und das gleiche passiert mit Sicherheit auch in der Schweiz, daher finde ich es komisch, dass Japan so viel weiter unten ist. Auch, weil die Leute zuhause ja eben nicht ständig diesen Müll essen.. Aber wie auch immer; essen in Japan ist fast immer fantastisch .. da nehme ich auch die Zusatzstoffe ;-)

  • Anne sagt:

    Interessanter Beitrag und nettes Beispiel mit den Instant-Nudeln. Würde gerne mal wissen wie diese Kalorienbombe so schmeckt. Kann mir echt nicht vorstellen, dass mein Magen so viel Mayonnaise vertragen würde, wenn tatsächlich so viel in der Packung drin ist, wie beschrieben.

    • tabibito sagt:

      Also ich habe es gestern — aus Forschungszwecken, versteht sich — probiert. Da war wirklich eine sehr große Tüte Mayonnaise drin. Und so sehr ich die japanische Mayonnaise auch mag — den Mut, alles reinzukippen, hatte ich nicht. Ich habe weniger als die Hälfte benutzt, und das war schon zu viel.