Neues von der Energiefront

November 6th, 2013 | Tagged , , , | 4 Kommentare | 9792 mal gelesen

Auch wenn es im Ausland vielleicht nicht so deutlich wird – in Japan tobt nach wie vor ein erbitterter Streit um die Zukunft Japans in Sachen Energie. Während die jetzige Regierung unter Abe prinzipiell Pro-Atom ist, gibt es durchaus auch ernstzunehmenden Widerstand. Mitunter auch aus den eigenen Reihen. Als gewichtiger Opponent trat vor kurzem Koizumi, der für japanische Verhältnisse erstaunlicherweise recht populäre Ex-Ministerpräsident und. Mentor zahlreicher heutiger Regierungspolitiker. Koizumi wandelte sich offensichtlich vom Saulus zum Pauls: Einst war die Förderung der Nuklearenergie in Japan sein Metier, doch jetzt spricht er sich für ein kernkraftfreies Japan aus. Die Kommentare von der Regierungsbank dazu waren mehrheitlich negativ. Es ist eigentlich nicht üblich, seinem Mentor zu widersprechen, doch es fielen. Kommentare wie „es gibt halt viele verschiedene Meinungen“ bis hin zu „(Koizumis Haltung ist) verantwortungslos. Koizumi konterte allerdings bei einer Veranstaltung völlig richtig – und zwar sinngemäß so: “Vor dem Unfall hat man es nicht geschafft, das Endlagerproblem zu lösen. Wer jetzt nach dem Unfall meint, dass die Kernenergie machbar ist, indem man das Endlagerproblem löst, denkt optimistisch und verantwortungslos”.¹

Mini-Solarkraftwerk: Solarzellen auf einer stillgelegten Bahntrasse (Präf. Miyazaki, 2012)

Mini-Solarkraftwerk: Solarzellen auf einer stillgelegten Bahntrasse (Präf. Miyazaki, 2012)

Interessant ist dabei eine Meldung von gestern, dem 4. November 2013: In Kagoshima wurde feierlich „Megasolar” eingeweiht² – eine gigantische Solarenergieanlage. Auf einer Neulandinsel, für die sich lange Zeit kein Nutzer fand, wurden auf einer Gesamtfläche von 127 Hektar wurden dort 290’000 Solarmodule installiert – und zwar von 京セラ Kyōcera (kurz für „Kyoto Ceramics“ und ein Firmenname, der im deutschen Raum immer furchtbar falsch ausgesprochen wird, aber dies nur am Rande). Chinesische Solaranlagenbauer hatten sich auch um das rund 220 Millionen Euro teure Projekt beworben, doch laut offizieller Sprechweise stach das inländische Konsortium um Kyocera, IHI usw. die Mitbewerber in puncto Robustheit und Qualität aus. 70’000 Kilowatt soll die Anlage liefern – genug für über 20’000 Haushalte oder knapp 10% des Energiebedarfs der Stadt Kagoshima. Eine Preisgarantie über 20 Jahre für den von der Anlage eingespeisten Strom machte dieses Projekt letztendlich möglich.

Wirtschaftlich gesehen ist das für Japan eine feine Sache, zumal die einheimische Solarindustrie davon profitiert. Aus geographisch-geologischer Sicht ist der Standort zugegebenermassen gewagt. Der nahe Vulkan Sakurajima hat die Angewohnheit, alle paar Jahre die Gegend mit Asche zu überziehen. Sollte es dazu noch regnen, und das ist in Kagoshima weiss Gott nicht selten, kann man die Anlagen wahrscheinlich wegwerfen. Auch ein mittelschwerer Tsunami würde das gesamte Kraftwerk wegspülen. Und inwieweit die Anlage schweren Taifunen strotzt, bleibt abzuwarten. Betrachtet man zudem den Flächenverbrauch und den Energieausstoß, wird klar, dass Solarkraft in Japan keinen großen Beitrag leisten wird. Zumindest nicht in Form von Großanlagen. Ein Neuversuch des 100’000-Dächer-Programms, also das Dezentralisieren der Solarenergiegewinnung, ist eine Überlegung wert.

¹ Rede und Manuskript siehe Huffington Post: 小泉元首相、安倍首相らの「原発ゼロは無責任」に反論 講演内容詳細【争点:エネルギー】(4. Nov. 2013)
² Siehe unter anderem Nikkei: 国内最大級メガソーラー、鹿児島に完成 京セラなど (4. Nov. 2013)

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4 Responses to “Neues von der Energiefront”

  • Gfischt sagt:

    Ich finde es extrem beruhigend, auch etwas von der Seite der alternativen Energien aus Japan zu hören. Das man nach dieser gigantischen Katastrophe die nur wenige Jahre zurück liegt (und noch immer voll im Gange ist) gewillt ist, das selbe Risiko nochmals einzugehen, zwingt mich beinahe zur Resignation. Resignation bezüglich der Hoffnung, dass „die Menschheit“ doch irgendwie lernfähig sein könnte.

    Solarpanels in der nähe von Sakurajima, der zwei Mal am Tag Asche spuckt… das erscheint mir dann doch allerdings etwas merkwürdig. Wurde das Haus für die Putzequipe gleich nebenan gebaut?

    Trotzdem ist es meiner Meinung nach immer noch verantwortungsvoller als zurück zum Anfang – vor der Katastrophe – zu gehen. Auch wenn es andere alternative Energien gibt, die für Japan besser geeignet sind: Ich denke es gibt einige Orte, die gute Voraussetzungen mitbringen (warme, sonnige Gebiete).

    Mit der bleibenden Investition, wird den erfindungsreichen Japanern neben höherer Energieeffizienz auch so manches einfallen, um die Anlagen vor Naturkatastrophen zu schützen. Und wenn dann alles doch einmal kaputt geht – das Gebiet beibt bewohnbar und auch deren Bewohner (kern-)gesund.

  • coolio sagt:

    Die Gleichrichtertechnik für die gesamte Anlage kommt übrigens aus Deutschland. Auch dort wurden div. chinesische, koreanische, aber auch japanische Unternehmen ausgestochen. Die Panels sind speziell beschichtet und können deshalb relativ einfach auch von evtl. feuchter Vulkanasche befreit werden. Es gibt tatsächlich ein Gebäude speziell für Reinigungsequipment und natürlich auch einen Reinigungstrupp der täglich arbeitet. In der Region ist man für jeden zusätzlichen Arbeitsplatz mehr als dankbar.

  • tembridis sagt:

    Sagt mal, vor der Küste von Fukuoka/Yamaguchi ist das Meer in Richtung Korea doch relativ flach. Vielleicht stelle ich mir das zu einfach vor, aber könnte man dort nicht einen großen Windpark vor die Küste stellen?

    Die Ecke dort ist, was Erdbeben und Tsunamis betrifft, ja „relativ“ sicher und die Japaner kriegen es mit Sicherheit hin, die Rotoren auch gegen Taifune abzusichern. Damit hätte man sich kostbaren Platz an Land gespart und hat noch den Vorteil, dass auf See eigentlich fast immer Wind weht.

    Aber wahrscheinlich mache ich mir das nur zu einfach.

  • Graf sagt:

    Was diese Alternative Energie angeht, so handelt es sich hier um kalifornsiche Geldmacherei und Esoterik. Deutschland ist dem auf den Leim gegangen. Tausend von diesen „Erneuerbare Energien“ Firmen sind nun pleite trotz Milliarden Subventionen. Der Strompreis ist am explodieren und man muss mit Blackouts in ganz Deutschland rechnen. Man vergisst das man mehr Energie braucht zum Beispiel bei der Herstellung von Solarzellen als das man wieder zurückbekommt. Zudem zerstören „Alternative Energien“ die Umwelt massiv. Allein der Verbot der Glühlampe und die Einführung der Energiesparlampe wird ganze Landstriche und Städte und Menschen mit Quecksilber verseuchen… Esoterik funktioniert nun einmal nicht. Dahinter steckt eine Verschwörung. Und um ehrlich zu sein überlege ich aus diesem Grund auszuwandern…