Anpanman-Schöpfer gestorben | Supertaifun trifft auf Tokyo

Oktober 16th, 2013 | Tagged , | 3 Kommentare | 10304 mal gelesen

Anpaanchi! Mit diesem Schlachtruf stürzte sich für Generationen japanischer Kinder der kreisrunde Anpanman auf seine Gegner. Am liebsten auf バイキンマン Baikin-man (Baikin = Keime). Hat jemand Hunger, kommt Anpanman hingegen sofort angeflogen und bietet an, sich an seinem kreisrunden Gesicht zu laben. Das Anpanman-Universum ist gigantisch: 2007 zählte man insgesamt 1’768 Figuren, alle mit Namen natürlich, und dafür enthielt Anpanman einen Guinness-Rekord. Mehr zu Anpanman siehe diesen alten Beitrag: Anpanman Banzai!. Heute verstarb der Schöpfer, Takashi Yanase – im Alter von 94 Jahren. Eigentlich wollte er sich mit 91 Jahren zur Ruhe setzen, doch die Erdbeben- und Tsunamikatastrophe 2011 liess ihn weitermachen: Er beobachtete, wie fröhlich Kinder wurden, wenn sie Anpanman sahen, und sah sich so regelrecht gezwungen, weiterzuzeichnen. Mit Yanase stirbt ein wichtiges Stück japanischer zeitgenössischer Kunst. Die Hauptfigur, Anpanman, hat übrigens einen ernsten Hintergrund: Yanase musste wie viele Japaner während des Zweiten Weltkrieges oft hungern. Dabei träumte er oft davon, wie es jetzt wäre, anpan, ein mit süßer Bohnenpaste gefülltes Brot, zu essen.

Taifun Wipha auf dem Weg nach Tokyo

Taifun Wipha auf dem Weg nach Tokyo

In ein paar Stunden ist es soweit – dann wird Taifun Nummer 26 alias Wipha (der 26. Taifun im Ostpazifik dieses Jahr) – auf den Großraum Tokyo treffen. Im Gepäck: Windgeschwindigkeiten bis zu 200 km/h und eine Unmenge Regen. Für den Raum Tokyo rechnet man mit rund 300 mm, also mehr, als in Berlin in einem halben Jahr fällt. Der Taifun bewegt sich momentan an der Ostküste entlang und wird allen Anschein nach bei Tokyo auf Land treffen. Das Zentrum des Taifuns erwartet man für die Zeit zwischen 6 und 9 Uhr morgens. Also genau zum Berufsverkehr. Es dürfte damit reichlich chaotisch werden: Bis zum Mittag dürften die meisten Bahnlinien und Flugzeuge stehenbleiben. Der Taifun zieht weiter gen Norden und wird entsprechend auch über Fukushima hinwegziehen, was die Lage dort, vorsichtig ausgedrückt, nicht vereinfachen wird: Schon jetzt kommt man dort mit den Wassermassen nicht zurecht, und im „günstigsten“ Fall werden durch den Taifun „nur“ ein paar Tonnen verstrahltes Wasser in den Pazifik fliessen. Im schlechtesten Fall könnte natürlich noch mehr passieren, doch … nun ja, man kann nur hoffen.

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