Mikrowellenofen

Juli 16th, 2013 | Tagged | 22 Kommentare | 9836 mal gelesen

Hier also mal wieder, zum ersten Mal seit langem, ein Geek-Beitrag zum Thema japanische Elektrogeräte.

Kann fast alles - außer Abwaschen: Ein Mikrowellenofen

Kann fast alles – außer Abwaschen: Ein Mikrowellenofen

19 Jahre hat sie treue Dienste geleistet, doch nun hat sie allmählich ausgedient: Unsere オーブンレンジ ōbun renji bzw. oven range. Ein seltsamer Zwitter aus Mikrowelle und Ofen, den es außerhalb Japans kaum zu geben scheint, der aber in Japan in kaum einer Küche fehlt. Diese Mikrowellenofen vereinbaren quasi zwei Geräte in einem – eine 電子レンジ denshi renji – Mikrowelle und einen オーブン ōbun – einen Ofen. Warum es diese Dinger gibt? Ganz einfach: In Japan gibt es keine Öfen in den Küchen. Stattdessen gibt es meistens einen ガス焜炉 (gasu konro) oder 電気焜炉 (denki konro) (Gas- oder E-Kochplatte), die nur 20 cm oder so hoch sind und meist auf zwei Kochflächen begrenzt sind – plus Minigrill in der Mitte zum Fisch grillen – und eine Mikrowelle. Oder eben einen Mikrowellenofen.

Unser 25-Kilogramm-Monster schafft 250 Grad, aber irgendwann fing er an, kräftig zu qualmen. Also Gerät aufgeschraubt, halb auseinandergebaut und gründlich gesäubert, und dann ging es wieder. Das Spiel wiederholte sich mehrfach, aber mittlerweile finde selbst ich die jüngste Quelle des Qualms nicht mehr. Und das Gerät qualmt ab 150 Grad so stark, dass ich die sicherlich berechtigte Sorge habe, dass die Sprinkleranlage in der Küche angehen könnte.

Nach ein bisschen Recherche fanden wir ein Gerät – siehe Foto – das tauglich aussieht und gute Kritiken bekommen hat: Ebenfalls ein Mikrowellenofen natürlich, denn man möchte ja gelegentlich auch was backen. Pizza zum Beispiel oder Aufläufe. Oder Brot. Und was die Geräte alles können dieser Tage. Das Ding wetteifert in Sachen Funktionen mindestens mit Blu-Ray-HD-Rekordern und was weiß ich alles. Das Innere imitiert wohl einen Steinofen, kann bis 350 Grad heizen und bis zu 400 Grad heißen Dampf ausblasen. Ich hoffe, nur nach innen… Dazu hat das ganze auch noch 8 rotierende Infrarotsensoren. Und 31 Liter Garraum. Bei größeren Mikrowellen sind es wohl um die 20, bei normalen Öfen rund 50. Mikrowellenöfen liegen also wirklich in der Mitte.

Als nächstes wird wohl unser Reiskocher ausgemustert werden müssen – das gute Stück ist ungefähr genauso alt und dank fleißiger Kinderhände schon reichlich ramponiert. Mal sehen, wieviel wir uns das kosten lassen werden… wer will, kann bis zu 1’000 Euro für einen Reiskocher ausgeben. Natürlich schmeckt der Reis dann ganz, ganz anders… sagen die Japaner…

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22 Responses to “Mikrowellenofen”

  • Thuruk sagt:

    Uplink zur NSA ist natürlich auch dabei oder?

    Das ist wenigstens nützlich. Die Badewannenkontrolleinheit hingegen… ;-)

    • tabibito sagt:

      Aber sicher doch! Ich hoffe doch, die NSA interessiert sich brennend dafür, was bei uns im Ofen schmort!

    • coolio sagt:

      Was denn? Die Badewannenkontrolleinheit ist doch eine der sinnvollsten Erfindungen überhaupt! Oder fuchtelst du noch mit Wasserhähnen rum, um die Wassertemperatur zu halten? Das ist doch voll Steinzeit!

      • Thuruk sagt:

        Ich koche auch noch mit Töpfen, hab statt der Klimaanlage Vorhänge und Fernwärme, kein Smartphone, keinen Fernseher und hier steht noch ein 1988er-Walkman mit Radio.

        Dafür bricht nicht meine Welt zusammen, wenn mal Stromausfall ist. :-D

  • Spumante sagt:

    Oh weh … ich konnte mit diesen Microwellenöfen nie was anfangen … deswegen wurde meiner zur verlängerten Arbeitsfläche … Oben drauf und Klappe auf, dann war schon wieder ein wenig Platz als Zwischenablage geschaffen :)

  • tembridis sagt:

    Also das mit den Reiskochern muss mir jemand mal im Detail erklären. Meine Verlobte will ihren Reiskocher auf jeden Fall mitbringen, weil der ja so toll sei, der Benz unter der Reiskocher. Ich als Laie verstehe davon nichts, aber ich werde derjenige welcher sein, der das Teil zu schleppen hat.

    So würde ich wenigstens gerne verstehen, warum ich mir das antun muss :)

    • tabibito sagt:

      Versuch ja nicht, Deine Verlobte von ihrem Reiskocher zu trennen! Ganz schlechter Start!!! :)

      Wenn man viel Reis kocht, sind die Dinger natürlich schon hilfreich, da sie ja quasi alles automatisch machen, sehr leicht zu reinigen sind und Zeitschaltuhren haben. Wer sich ein Mal dran gewöhnt, wird da so schnell nicht wieder von loskommen. Übrigens können die Geräte auch noch einiges mehr, je nach Modell.

      • tembridis sagt:

        Um Gottes willen, ich bin doch nicht verrückt. Über soviel verstand verfüge ich gerade noch eben :)

  • Terry sagt:

    Ich schütt‘ den Reis einfach ins kochende Wasser – mach ich da was falsch?

    • tabibito sagt:

      Aber nicht doch! Hauptsache, er besteht die Gabelprobe :) Bei dem Gedanken kräuseln sich jedem Japaner die Nackenhaare…

      • Thuruk sagt:

        Vielleicht wär‘ das sogar was für mich, richtig guten Reis krieg ich nicht hin. Mir geht generell Essen über, brennt an…

  • Olaf sagt:

    @ tembridis
    Also wer seine (japnische) bessere Hälfte liebt, sorgt für einen ordentlichen Reiskocher!
    Unser hat umgerechnet 400 Euro gekostet (Exportmodell für 220V, Achtung, jap. 110V-Geräte brauchen einen (teuren) Trafo!), ich habe ihn nach Deutschland geschleppt (und mit dem Zoll den Warenwert diskutiert – arghh!) und er ist seitdem täglich im Einsatz.
    Ob der Reis nun wirklich besser schmeckt — nun ja, MUSS er einfach, bei diesem Preis.
    Vorher hab ich auch nur Wasser und Reis zusammen gekocht – ging auch irgendwie, aber da aß ich ihn noch alleine …

    Und als wir noch in Japan lebten, hatten wir auch so einen edlen Mikrowellenofen.
    Der war sogar ein Toaster.
    Morgends das pappige, nährstofflose jap. Weissbrot rein, drei Tasten gedrückt und 2 Minuten später ein einseitig getoastetes Weisbrot. Nochmal 2 Minuten später war die andere Seite angebräunt und los ging das oppulente Frühstück !
    Aber die Dinger sind wirklich praktisch, weil sie auch viele nützliche Sachen können und einfach nicht viel Platz in einer kleinen japanischen Kochnische verstellen.
    Preislich liegen sie aber – tabibito sagte es bereits – im gehobenen Mittelfeld deutscher Herde/Backöfen. Eine echte Investition!

  • tabibito sagt:

    Step-down-Trafos sind doch gar nicht so teuer – ich hatte meinen damals für 15 Euro gekauft, und der konnte bis 1’000 Watt..
    Schlimmer ist es mit den Step-up Trafos – die kosten ein Vermögen.

    • Tobias sagt:

      Es gibt auch japanische Reiskocher für 220V für 100 Euro. Das find ich ganz annehmbar, da kämpfe ich doch nicht mit Trafos herum.
      Hat zwar kein Induktion usw., aber einen Timer, hält warm und nichts brennt an. Das reicht mir.

  • ディーン sagt:

    Kann ich bestätigen, weiss dass gewisse Chinaläden (also die Vietnamesen ;-) Reiskocher von Panasonic oder National (ist ein und dasselbe) aus Thailand importieren. Genau, Reiskocher aus Japan die für den Export nach Thailand gedacht waren, tauchen seit einigen Jahren in Europa auf. Für läppische 100 Euro und praktischerweise auf 220V getunet (Thailand sei Dank). Die Dinger haben nur einen (1) Schalter mit der Funktion Kochen / warm halten, aber das genügt ja. Einfach mal beim Chinesen, Vietnamesen, Koreaner seines Vertrauens vorbeigehen. Zeitschaltuhr aus dem Supermarkt ranhängen und gut ist. Ach ja, den Topfeinsatz wo der Reis reinkommt an der Unterseite immer schön wasserfrei halten, sprich vor dem Einsetzen trocken wischen. Wenn da der Heizbolzen des Kochers rankommt und Wasser an der Unterseite ist, lebt das Ding nicht allzu lange.

    • Tobias sagt:

      Gerade die gibt es aber schon lange. Und gerade die will man doch nicht haben, da die gar kein Vergleich zu richtigen programmierbaren Reiskochern sind. Guck dir mal meinen Link oben an, so einer ist viiiiiiel besser.

  • Kenji sagt:

    Klingt gar nicht so verkehrt so ein mix. Wie groß sind denn diese mikrowellenöfen?? So groß wie ein deutscher herd oder so klein wie eine Mikrowelle??