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Neue AKW-Richtlinien / Niedlicher Kommunismus

Juli 9th, 2013 | Tagged | 7 Kommentare | 8035 mal gelesen

Am 21. Juli finden Oberhauswahlen in Japan statt, und mangels schlagkräftiger Opposition liegt die Regierungspartei in den Umfragen weit vor allen anderen Parteien. Zeit, schnell noch ein paar Fakten zu schaffen. So trat heute die neue Richtlinie für den Betrieb von Atomkraftwerken in Kraft. 50 Reaktoren gibt es in Japan, doch von denen sind aufgrund der Erdbebenkatastrophe und den daraus resultieren Geschehnissen im AKW Fukushima nur 2 in Betrieb. Die neue Richtlinie sieht unter anderem verbesserten Erdbeben- und Tsunamischutz vor sowie weitere Maßnahmen wie den Bau wirklich autarker, quasi unkaputtbarer Leitstände. Gleichzeitig mit dem Inkrafttreten der neuen Richtlinie konnten sich AKW-Betreiber für die Wiederinbetriebnahme ihrer AKW anmelden. Und das taten just auch vier Betreiber – darunter natürlich die für ihre strengen Sicherheitsstandards und glasklare Medienpolitik über die Landesgrenzen berühmte TEPCO. Vorerst wurden Anträge für 10 Reaktoren in insgesamt 5 AKWs gestellt – drei Reaktoren im AKW Tomari auf Hokkaidō, 2 in Ōi, Fukui, 2 in Takahama (ebenfalls Fukui), einer in Ikata auf Shikoku und zwei in Kawauchi auf Kyūshū. Weitere sollen folgen: 2 in Genkai (Kyūshū) und – trara! – zwei in Kashiwazaki-Kariwa in Niigata. Auf letztere „freue“ ich mich schon ganz besonders, denn schließlich hat man dort erst jüngst mehrere aktive Verwerfungen entdeckt. Geraucht hat es dort ja auch schon – siehe Eintrag vom 20. Juli 2007 auf diesem Blog.

Die Verfahrensweise spricht für große Eile. Immerhin haben die AKW-Betreiber schon alle Unterlagen vorbereitet, bevor die neuen Richtlinien der Öffentlichkeit vorgestellt wurden. Das Genehmigungsverfahren soll für jedes AKW mindestens 6 Monate dauern, aber man muss entsprechend damit rechnen, dass eine Reihe von AKW zum Beginn des nächsten Jahres wieder in Betrieb gehen werden. Und um den Kohl auch noch fett zu machen, verwenden einige der Reaktoren MOX. Das macht das Spiel mit dem Feuer gleich noch ein bisschen aufregender.

Kommunismus auf Japanisch - siehe hier: http://www.jcp.or.jp/kakusan/charactor/

Kommunismus auf Japanisch – siehe hier: www.jcp.or.jp/kakusan/charactor/

Neue Richtlinien hin oder her – das alte Problem wird sich wohl nicht lösen lassen: Auch das AKW in Fukushima war – theoretisch – sicher. Praktisch wurden aber viele Sicherheitsstandards über Bord geworfen, beziehungsweise bestimmte Risiken bewusst ignoriert.

A propos Wahlen: Die heraufziehenden Wahlen manifestieren sich schon seit Tagen durch die unvermeidlichen, endlos plärrenden Lautsprecherwagen, die durch die Städte fahren. Diese Wahlen weisen jedoch ein Novum auf: Zum ersten Mal sind ネット選挙 netto senkyo – „Internetwahlen“ erlaubt. Sprich, Parteien und Kandidaten dürfen zum ersten Mal das Internet für ihren Wahlkampf benutzen. Wer wissen will, wie sich so etwas im japanischen Internet anfühlt, sei auf die Webseite der Kommunistischen Partei Japans verwiesen. Im angloamerikanischen Sprachraum würde man das wohl als Cute Communism verkaufen…

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