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Senryū-Wettbewerb 2013

Februar 23rd, 2013 | Tagged | 5 Kommentare | 1207 mal gelesen

Auch in diesem Jahr findet er wieder statt – der サラリーマン川柳コンクール Sarariman-Senryū-Wettbewerb, ausgetragen von der der Daiichi Seimei Hoken („Erste Lebensversicherung“). Und zwar zum 26. Mal. Der Gewinner wird am 19. März ermittelt, und bis dahin hat jedermann die Möglichkeit, aus den 100 besten Senryūs den persönlichen Favoriten zu nominieren.

Das schöne an den Senryūs (Spaß-Haiku) ist, dass sie ein Spiegel der Zeit sind und in alter Versform wiedergeben, was die Leute heutzutage so denken. Moderne und Humor, verpackt in 5-7-5 Silben. Leider kann ich nicht mehr einschätzen, ob das wirklich für Japanisch-Unkundige lustig ist, aber auf japanisch sind die Senryū allemal amüsant. Diese Sarariman-Senryū sind allesamt von Sarariman – ursprünglich: Vertriebler im Außendienst, heute auch allgemein für Schlipsträger unterhalb der Führungsebene – geschrieben – also von Männern.

Hier also ein paar meiner Favoriten:

風呂にいた ムカデ叩けば ツケマツゲ
Hundertfüßer im Bad – als ich draufschlug – war es eine künstliche Wimper

妻の言う 「うちのルンバ」は 俺のこと
Unser Roomba – sagt meine Frau – und meint damit mich

すぐキレる 妻よ見習え LED
Oh meine Gattin – die du so schnell ausrastest – nimm dir ein Beispiel an LED-Lampen!*

* Das japanische Wort für „ausrasten“ (kireru) bedeutet auch „ausgehen“ (bei Lampen)

家族割 あるのに妻と 通話なし
Trotz des Familientarifs – kein Anruf zwischen mir – und meiner Frau

IPS 分からん俺は 単細胞
iPS – kapier ich nicht – bin wohl ein Einzeller

「美魔女かな?」 化粧濃すぎて ただの魔女
Eine bezaubernde Frau? – Schminke zu grell – war doch nur ’ne Hexe

俺の愚痴 ”いいね”ボタンを 妻が押し
Zu meinem Gemeckere – meine Frau den – „Gefällt Mir“-Button klickt

In 4 von den 100 besten Senryus tauchten übrigens die Facebook-„Gefällt mir“-buttons (auf Japanisch: „いいね!“) auf.
Wie gesagt, Senryū sind ein herrlicher Spiegel der Zeit…

Zur Abstimmung und mehr Senryū geht es hier.

Ältere Artikel zu den Senryu auf diesem Blog: Die besten Senryu 2007 und 2009.

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Thunfischaugen schauen dich traurig an

Februar 20th, 2013 | Tagged | 8 Kommentare | 1057 mal gelesen

Schau mir ins Auge, Kleines!

Schau mir ins Auge, Kleines!

Was mich da neulich aus der Fischabteilung im hiesigen Supermarkt anschaute, hatte Format: 1 (ein) Thunfischauge, hübsch verpackt im Plastikzylinder und wesentlich größer als meine Faust und leicht getrübt. Na, ist wohl nicht mehr ganz frisch! Aber wer kauft so was? Und wie isst man sowas? Nein, selbst probieren möchte ich es nicht. Ich kann nicht mal ein Karpfenauge aus dem Kadaver pulen. Aber mal kurz recherchiert – und siehe da, Thunfischaugen sind (angeblich) sehr beliebt, da sie viel Kollagen, DHA und EPA (beides Omega-3-Fettsäuren) enthalten, was ja alles bekanntlich sehr gesund ist und zu einem geschmeidigen Pelz verhilft. Der ganze Kram befindet sich allerdings nicht im Augapfel selbst, sondern rundherum.

Ganz so beliebt scheint das Thunfischauge dann aber auch selbst in Japan nicht zu sein, denn echtes Thunfischfleisch ist mittlerweilen sehr teuer, aber dieses riesige Auge hier, und bekanntlich haben die Tiere ja nur zwei davon (Ergebnisse von der Küste vor Fukushima liegen noch nicht vor), kostet nur ni-kyū-pa (298) Yen, also keine 3 Euro. Und von einer Miso-Suppe mit diesem einen Riesenauge (wiegt wohl ein halbes Kilogramm) wird man doch bestimmt satt. Ich jedenfalls wäre nach einem Schluck schon pappesatt.

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Tokio… was?

Februar 15th, 2013 | Tagged , | 10 Kommentare | 1979 mal gelesen

Tokyo Kazoku - zur Zeit auf der Berlinale

Tokyo Kazoku – zur Zeit auf der Berlinale

Als ich gestern nacht so vor dem Rechner saß, erzählte mir das Radio, in meinem Fall Radio Eins (ein Berliner Sender), daß auf der Berlinale ein japanischer Film laufe und man dazu Karten gewinnen könne. Der Film heiße Tokyo Katsuko. Hmmm, der Name kam mir irgendwie … jedenfalls nicht Japanisch vor. Heute stieß ich jedoch auf einen japanischen Beitrag zum Thema, in dem der Film erwähnt wurde: Aha. 東京家族 – Tokyo Kazoku (sprich: Tokio Kasoku) war gemeint.

Nun, man kann gewiss nicht von allen Moderatoren erwarten, dass sie sämtliche ausländischen Namen auf die Reihe bekommen. Schließlich gibt es ja ein paar tausende Sprachen. Aber man könnte sich doch wenigstens mit der Idee anfreunden, dass ein „z“ in fast allen Sprachen nicht wie ein „zett“, sondern ein weiches „s“, sprich Englisch, gelesen wird.

Das interessante an der Aussprache ist, dass man bei gewissen Namen, die man schon seit jeher, also auch von der Zeit, bevor man die Sprache wirklich gelernt hat, von der teutonisierten Aussprache nur schwer lassen kann. Ein „Judo“ (sprich: yudo) geht mir, so ich das Wort nicht auf Japanisch lese, immer noch leichter über die Lippen, als das Original: „dschuudoo“. Und vor einer Weile schaute ich mal auf ein Fahrrad und erblickte den Namen „Shimano“ – einer der weltweit größten Hersteller für Fahrradzubehör. Ein geläufiger Name, den ich, da mit lateinischen Buchstaben gelesen, sofort typisch „schiMAAno“ las, was freilich völlig falsch ist – es gibt keinen Grund dafür, das „a“ zu betonen und dazu noch in die Länge zu ziehen.

Aber zurück zum Film – die Kritiken sind recht gut. Der Film ist ein Remake des bekannten „Tokyo Monogatari“ von Ozu (nein, nicht „ottsu“ lesen, bitte!), einem der berühmtesten Regisseure Japans. Eine sehr brauchbare Kritik zum Film gibt es natürlich beim Kollegen vom Japankino, und so freue ich mich schon darauf, mir „Tokyo Kazoku“ demnächst ansehen zu können. Hoffentlich ist es keiner der üblichen Tränendrüsenmassierer…

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Der 500-Euro-Ranzen

Februar 12th, 2013 | Tagged , | 11 Kommentare | 5149 mal gelesen

Eigentlich ist das Aufziehen von Kindern in Japan gar nicht so teuer. Wenn man mal davon absieht, dass für viele das vorher oft vorhandene zweite Einkommen gänzlich wegfällt und die lieben Kleinen einem nach und nach die Haare vom Kopf fressen. Die Geburt ist quasi kostenlos (man bekommt das Geld zurückerstattet), die medizinische Grundversorgung ist kostenlos, viele kulturelle Anegbote, Bahnfahrten und Einittskarten sind kostenlos, und staatliche Bildungseinrichtungen wie Kindergärten und Schulen sind kostenlos.

Was im Kleingedruckten nicht steht, sind all die versteckten Kosten: Irgendwie bezahlt man doch für den Kindergarten, in unserem Fall um die 50 Euro „Materialkosten“, und für diverse Kurse, sogenannte 習い事, damit die Kleinen Schwimmen, Tanzen, Ballett, Piano oder was auch immer so anliegt, lernen können. Dort fallen natürlich Kursgebühren an (was bei normalen Sachen schnell um die 100 Euro pro Monat kostet), plus Extraausgaben für Kostüme, Pinsel oder was auch sonst immer notwendig wird. Gelegentlich finden sich dann kleine Bekanntmachungen im Kindergarten, wo dann der Kindergarten mal eben 80 Euro „Photogebühren“ einsammelt, damit irgendein semiprofessioneller Photograph auf den Veranstaltungen den Kindern beim Staffellauf den Weg versperrt und das Ergebnis in Buchform beim Kindergartenabschluß überreicht werden kann (im Prinzip sind diese meist recht gut gemachten Bücher freilich eine prima Erinnerung). Hinzu kommen allerlei anderen ausserplanmässigen Kosten.

Hier mal ein 600-Euro-Ranzen

Hier mal ein 600-Euro-Ranzen (erhältlich hier)

Generell gilt, wie sicher anderenorts auch, je größer die Kinder desto teurer. Das kulminiert später in den horrenden Gebühren für die Universitäten, aber bis dahin habe ich noch einen weiten Weg. Vorher gilt es aber erstmal, das Kind einzuschulen. Dazu braucht Kind einen Ranzen, im Japanischen ランドセル Randoseru genannt. Man könnte fast meinen, das stammt vom Wort „Landser“ ab, es kommt vom niederländischen „Ransel“. Die „Ransel“ werden dabei nur in der Grundschule getragen – also im Alter von 6 bis 12 Jahren. Das umwerfende an den Landsern: Der Durchschnittspreis von rund 500 Euro. Wie gesagt, wir reden von einem Schulrucksack, leer! Der wahrscheinlich am zweiten Schultag durch die Gegend getreten wird. In sehr vielen Familien übernehmen die Großeltern mehr oder weniger gern (in unserem Fall glücklicherweise gern) diese veritable Anschaffung, und das scheint es auch zu sein, worauf das ranzenproduzierende Gewerbe aus ist. Nicht wenige Kinder in Japan haben sechs Taschen (シックスポケット – 6 pockets): Sie werden von den Eltern + 2 x Großeltern = & Erwachsene versorgt, und da fallen 500 Euro nicht weiter auf. Wer allerdings 3 und mehr Kinder hat oder gar alleinerziehend ist, muss sich irgendwie durchbeißen oder weit über Durchschnitt verdienen, denn bei all den Kosten machen die 150 Euro Kindergeld den Kohl nicht fett. Zumal das Gros der Eltern natürlich das Kindergeld lieber spart, um später Nachhilfestunden und die Uni bezahlen zu können.

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Der ganz normale nationalistische Wahnsinn

Februar 7th, 2013 | Tagged , | 10 Kommentare | 989 mal gelesen

Nationales Gedankengut auf Japanisch

Nationales Gedankengut auf Japanisch

Gestern kam nun ans Licht, dass Marineschiffe der Volksrepublik China am 30. Januar ein Schiff der japanischen Selbstverteidigungskräfte ins Visier genommen hatten – und zwar in der Nähe der umstrittenen Senkaku-Inseln. Ins Visier nehmen bedeutet heutzutage, jemanden mit dem Zielradar zu erfassen, und ab dort ist es bekanntlich nur noch ein Knopfdruck, bis es Bumm® macht. Nun hat es zwar nicht Bumm gemacht, aber undenkbar ist das natürlich nicht. Es muss dazu nicht mal einen Befehl geben – ein nationalistisch gesinnter Hitzkopf, und davon gibt es in diesem Winkel der Erde mehr als reichlich – am Abzug, und schon ist es geschehen.

Was würde dann passieren? Militärschläge? Wohl erstmal nicht. Was jedoch leicht geschehen könnte, ist ein Ausbruch willkürlicher Gewalt in Japan gegenüber Chinesen und Koreanern – egal, ob sie nur zu Besuch hier sind oder seit Generationen hier leben. Wie China darauf reagiert, falls jemand zu Tode kommt, möchte ich mir lieber nicht vorstellen. Mit reiner Logik wird man nicht weitkommen, und den UN-Sicherheitsrat anrufen würde wahrscheinlich ziemlich sinnlos sein – mit China als ständigem Mitglied (wobei – was passiert eigentlich, wenn eines der ständigen Mitglieder in einen Konflikt gerät!? Verliert dieses Mitglied dann automatisch sein Vetorecht?)

Schaue ich mir die Kommentare zu dem eingangs genannten Vorfall auf Yahoo! Japan an, wird mir ganz anders: Ein Kommentator schwadroniert, dass Japan umgehend Stützpunkte auf den Okinawa-Inseln auf- und ausbauen müsse, um China (er benutzt dabei konsequenterweise ein heute oft als abwertend verstandenes Wort: 支那 (shina) – der Gebrauch dieses Wortes ist so üblich am rechten Tellerrand), einer „Nation von Verbrechern“, paroli zu bieten. Seiner Meinung nach ist es dabei auch nicht nötig, die Einwohner von Okinawa nach ihrer Meinung zu fragen (seit vielen Jahren hagelt es ja dort Proteste dort gegen Militärstützpunkte), da die Bewohner von Okinawa sowieso 国賊非国民  (kokuzoku hikokumin – Landesverräter & Unbürger) seien.

Woraufhin jemand von der Rikkyō-Universität (eine angesehene Uni in Japan) antwortet, den Kommentator als verrückten Hund bezeichnet und jener sich schämen sollte. Woraufhin wiederum andere Kommentatoren über den Rikkyō-Kommentator herfallen und ihn ob dessen angeblicher anti-japanischen Haltung geißeln. Ein Kommentator fragt sogar, ob der Rikkyō-Kommentator überhaupt ein 純日本人 – jun-nipponjin (reinrassiger Japaner) sei, und dass er doch gleich mal Nachforschungen diesbezüglich anstellen will (der Name scheint schließlich ein Klarname zu sein).

Nun gut, die meisten dürften selbst die Erfahrung gemacht haben, daß Nachrichten mit Kommentarfunktion allerhand, sagen wir mal „interessante“, Leute anlocken. Das ist bei der Online-Ausgabe der Tagesschau oder bei SPON nicht anders. Aber es ist weniger der oben Kommentar über Okinawa, der mich bedrückt – sondern die vielen „likes“, die der gute Herr da bekommen hat. Es sind nicht nur die Brandredner und Steinewerfer, die Sorgen bereiten – sondern die Leute, die drum herum stehen und klatschen. Bzw. heutzutage „liken“.

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Was man so in sich reinstopft

Februar 4th, 2013 | Tagged | 9 Kommentare | 1002 mal gelesen

Lecker Schinken. Oder?

Lecker Schinken. Oder?

In punkto Nahrungsmittelindustrie dürften sich Japan und Deutschland (und Amerika usw.) nicht viel nehmen: Es ist einfach nur unglaublich, die Zutatenliste auf so einfachen Produkten wie Schinken oder Brot zu lesen. Klar, man kann in Japan für 250 Yen eine 200-Gramm-Packung Schinken von einem der großen Hersteller kaufen. Interessant ist aber, wenn man zum Beispiel den Schinken in Streifenform kauft und dann brät: Es bleibt nicht viel übrig, und das, was übrig bleibt, schmeckt… irgendwie seltsam. Ein kurzer Blick auf die Inhaltsstoffe verrät dann folgendes: Der Schinken enthält:

Rippenfleisch,Mizuame (japanischer Flüssigzucker aus Reis und Malz), pflanzliche Eiweiße, Salz, Eiereiweiß, Traubenzucker,Tierische Fette, Fermentationsextrakt, Natriumphosphat, Aminosäuren, Antioxidant (Vitamin C), Farbstoff (Nitritpökelsalz), Karminrot (einige Zutaten beinhalten Milch und Sojabohnen).

Alle Achtung! Man hätte vielleicht noch hinzuschreiben sollen, wie viel Fleisch eigentlich enthalten ist. 70% ? 50%? 30%? Wahrscheinlich ist das gar nicht mehr so einfach zu sagen.

Eindrucksvolle Zutatenliste: Brot

Eindrucksvolle Zutatenliste: Brot

Nun schmeckt Schinken ja zum Beispiel gut mit Brot. Mal flink aufs Brot geschaut: In vielen Supermärkten kann man wählen, ob man vor Ort gebackenes Brot (eine Packung kostet dann gute 2 Euro) oder „Standardbrot“ für die Hälfte kaufen möchte. Inhaltsliste des vor Ort gebackenen Brotes: Sehr kurz. In der Regel zwei, drei Zutaten. Inhaltsliste bei „Standardbrot“ (fast alles vom Backgiganten Yamazaki):

Weizenmehl, Monosaccharide, Pflanzliche Fette, Brothefe, Margarine, Salz, Milch, Hefearten, Magermilchpulver, Käse, Molkepulver, Emulsionsverstärker, Säureregulator (Natriumacetat), Xanthan, Hefebeiprodukte, Süßungsmittel, Geschmacksverstärker, Vitamin C (einige Zutaten enthalten Milchprodukte, Weizen und Sojabohnen)

Auch nicht schlecht, für schnödes Brot! Man beachte die drei Sorten Zucker! Na dann, Mahlzeit!

Das erinnert mich an eine ehemalige Englisch-Schülerin – eine Lebensmittelkontrolleurin, die vor allem Unternehmen in Osteuropa zertifiziert hatte, damit diese in die EU importieren können. Sie war eine echte Kapazität in ihrem Gebiet und kam viel herum. Irgendwann schaute sie mich mal ganz ernst an und erklärte mir: „Kaufe bloss nichts in Dosen. Auch nicht, wenn es nur passionierte Tomaten sind. Ich möchte nicht ins Detail gehen – vertrau mir einfach“.

Der Vollständigkeit halber die Inhaltslisten auf japanisch:

Schinken:

豚バラ肉、還元水あめ、植物性たん白食塩、卵たん白、ブドウ糖、食用動物油脂、発酵エキス、リン酸塩(Na)、調味料(アミノ酸等)、酸化防止剤(ビタミンC)、発色剤(亜硝酸Na)、カルミン酸色素、(原材料の一部に乳、大豆を含む)

Brot:

小麦粉、糖類、植物油脂、パン発酵、ファットスプレッド、食塩、牛乳、発酵種、脱脂粉乳、ナチュラルチーズ、乳清ミネラル、乳化剤、酢酸Na、糊料(キサンタン)、イーストフード、甘味料、香料、V.C、(原材料の一部に乳成分、小麦、大豆を含む)

 

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