Abenomics läuft an

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    Kaum wurde die neue Regierung auf das Volk losgelassen, gehen die Doktorspiele los: Ministerpräsident Abe wird heute, am 11. Januar, seinen Entwurf eines Stimuluspaketes für die Wirtschaft auf das Parlament loslassen. Das, was er da plant, wird schon seit einiger Zeit アベノミクス – Abenomics genannt. Dieses Wortungetüm entstand aus den Worten ABE und ECONOMICS – und soll an die berühmte Reaganomics-Wirtschaftspolitik unter Ronald Reagan in den 80ern erinnern.
    Zu den Zielen zählt die Wiederbelebung der japanischen Wirtschaft. Ein wichtiger Schritt dorthin ist der Umschwung von der anhaltenden Deflation zur Inflation: Einer kontrollierten Inflation, versteht sich. 2 % sind das Ziel. Dazu soll unter anderem eine Lockerung der Geldmarktpolitik führen. So hofft man auch, dem starken Yen entgegenwirken zu können, um die Exportwirtschaft zu kräftigen.
    Das Stimuluspaket hat einen Umfang von sagenhaften 20兆 (chō) Yen. Ein Chō sind eine Billion. 20 Billionen Yen – das sind rund 160 Milliarden Euro. Die Hälfte davon soll für 公共事業 – öffentliche Bauaufträge verwendet werden und somit zum Teil in die Infrastruktur gesteckt werden. Des weiteren soll mehr Geld als ursprünglich geplant in die vom Erdbeben und Tsunami betroffenen Gebiete gesteckt werden. Einen Teil dieser Mehrausgaben will man dabei durch neue Staatsanleihen decken.

    Die Höhe des Pakets überrascht viele. Und prinzipiell ist das ganze sicherlich keine schlechte Idee – wäre da nicht die Tatsache, dass Japan bereits jetzt mit gut 200% seines Bruttosozialprodukts verschuldet ist. Sprich, mit etwas Glück bewirkt das Paket etwas, aber mit ziemlich großer Sicherheit kommt das ganze als Bumerang zurück.
    Als die Sozialen vor gut 3 Jahren die Macht übernahmen, geschah übrigens das Gegenteil – es wurde zuallererst Axt angesetzt um öffentliche Ausgaben zu reduzieren.

    Quelle (unter anderem): Fuji Network News vom 10. Jan 2013
    Die Regierung bewegt sich also. Das ist gut. In eine Richtung, die nicht allzu viel Gutes ahnen läßt. Andererseits kann man momentan an vielen Ländern gut beobachten, was passiert, wenn nur noch gespart wird.

    8 COMMENTS

    1. „öffentliche Bauaufträge“

      eine klasse Idee wie ich finde, denn wenn es eins in Japan zu wenig gibt, dann sicherlich öffentliche Bauprojekte und öffentliche Infrastrukturprojekte. So wie… Ibaraki. Airport.

      • Haha! Aber am geilsten finde ich immer noch Kumamoto Airport. Dort gehen 3! internationale Fluege in der Woche raus. 3! Und dafuer haben sie ein riesiges Gebaeude fuer den „International Airport“, das natuerlich leersteht, weil alle Fluege ueber das Domestic Terminal abgewickelt werden.

    2. Und dann werden wieder einmal „Betonkloetze“ und anderes in die Landschaft gestellt, fuer die niemand wirklich Verwendung hat. Der Steuerzahler wird’s schon finanzieren. Gespart werden soll an allen Ecken und Enden, solange es nicht die „Herrschenden“, Lobbyisten und aehnliches betrifft.

      • Yep. Vielleicht sollten sie erstmal die zu Tausenden vorhandenen leerstehenden Pachinkopalaeste, Bumshotels, Restaurants und Freizeitparks abreissen, anstatt direkt nebenan den gleichen Scheiss nochmal zu bauen. In kleinen Staedten zimmern sie Riesenbetonkloetze von „Departos“ zusammen, wo dann 3 von 5 Stockwerken leerstehen und als „Zusammenkunftsareale“ herhalten muessen. In Okaya, einer Stadt mit 50.000 Einwohnern haben sie eine Bowlingbutze mit 25 Bahnen! 25! An einem Samstagabend waren davon grad mal 6 belegt. Aber so funktioniert das hier nun mal. Die Politiker muessen ihre Yak-Verwandten aus dem Baugeschaeft ja auch bei Laune halten….

    3. Begrüßenswert ist sicher die Tatsache, dass in die von dem Erdbeben/Tsunami betroffene Gebiete transferiert werden soll. Vielleicht gehen dort auch die öffentlichen Bauaufträge hin. Aus den hier veröffentlichten Bildern über die Naturkatastrophe kann ich mir gut vorstellen, dass dort noch einiges zu erledigen ist.

      2%-Inflationsrate sind nach herrschender Meinung in der Wirtschaftswissenschaft als positiv zu bewerten. Sonst funktioniert das Konstrukt des grenzenlosen Wachstums nicht ;-)

      Was Herr Abe sonst noch so treiben wird, bleibt abzuwarten. Vielleicht entwickelt er sich auch zum Opportunisten und schwenkt sein Fähnchen nach dem meinungswind …

    4. Was ich nicht ganz versehe, ist wie du von 20 Trillionen auf 160 Milliarden kommst.
      Bei einem Kurs von ~120 würde ich nach der langen Leiter auf 160 Billiarden und nach der kurzen auf 160 Billionen kommen.
      Aber als Null in der Matematik kann ich mich da gut irren.

      • Oh, danke! Nein, da habe ich Englisch und Deutsch vermischt. Richtig muss es heissen „20 Billionen“ – und nicht Trillionen (short-hand, English). Danke für den Hinweis!!!

    5. Ach so ist das. Gern geschehen.
      Ich hab mich schon gewundert woher die Japaner plözlich Geld hernehmen wollen das ihr BIP um ein vielfaches übersteigt.^^

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