Sich mal richtig arm arbeiten

November 8th, 2012 | Tagged | 14 Kommentare | 1218 mal gelesen

Es gibt Werbespots, bei denen sich mir die Zehennägel kräuseln. In der Regel aus einer der vier verschiedenen Gründe:

1. Schlechte Musik
2. Ideenarmut
3. Kein Bezug zum Produkt/zur Realität
4. Schlechtes Produkt.

Der Werbespot der Shinsei-Bank erfüllt beinahe alle Voraussetzungen, und zwar vorbildhaft. Beworben wird der Service „Lake“ – ein „card loan“, also eine Karte, mit der man sich zu gewissen Bedingungen Geld leihen kann. Zur Erinnerung: In Japan gibt es quasi keinen Dispo-Kredit.
Das ist ja schön und gut. Sicher wird das dem einen oder anderen irgendwann mal nützen. Aber der Werbespot ist einfach grausam: Da singt die gute Yū, ihres Zeichens Sängerin und Model, also „Mal wieder den ganzen Tag zu viel Streß auf Arbeit, zu beschäftigt, und wieder zu spät geworden – aber kein Problem!“. Wie jetzt, kein Problem? Na, Lake kann man über das Handy beantragen und sich somit ganz schnell Geld leihen! Wozu? Keine Ahnung. Um mit dem Taxi nach Hause zu fahren? Die Nacht durchzuzechen? Ins Soapland gehen? Wir wissen es nicht.
Was aber daran OK sein soll, dass man zu viel arbeitet, mit schickem Anzug durch die Gegend springt, bis Mitternacht schuftet – und sich dann doch noch Geld leihen muss, weiß ich nicht. Da ist es mir egal, ob Yū „kawaii“ ist oder nicht – diese Werbung ist einfach mal furchtbar. Aber was soll’s. Hauptsache Gedudel, das man nicht mehr aus dem Kopf bekommt:

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14 Responses to “Sich mal richtig arm arbeiten”

  • ディーン sagt:

    Sehr schön erfasst, wobei Punkt 3 in der Werbewelt allgemein oft unbeantwortbar bleibt. Da die japanischen Konsumenten handzahm erzogen sind wie wohl nirgendwo sonst, wundert mich die Oberflächlichkeit der Werbungen gar nicht. Dass man trotz Schufterei noch Kredit aufnimmt (und für selbiges kaum Zeit haben soll), dafür in der Bank oder im Rathaus für Lappalien jeweils Stunden verplempert – Realsatire von der besten Seite.

    Mich kräuselt es jeweils wenn die Musik mittendrin abgehackt wird. Kein fade out oder so schneiden dass sie rhythmisch im passenden Moment endet, sondern einfach irgendwo cut. Inhaltlich stosse ich mich nicht mehr dank Abgestumpftheit, aber auf den cut warte ich regelrecht.

  • Thuruk sagt:

    3. Kein Bezug zum Produkt/zur Realität

    Was mir auch schon aufgefallen ist, bei so mancher Werbung in letzter Zeit weiß man gar nicht wofür nun geworben wurde, ohne das Logo zu lesen.

    Im konkreten Fall nerven mich vor allem akustische Aspekte, dass der Kapitalismus nicht immer so toll ist ist nun nichts neues. :-)

  • Julia sagt:

    Ach so, Yamada Yuu! Ich dachte schon, da würde YOU mitspielen, die hat doch so eine furchtbare, grauenvolle Stimme. Oo
    Aber ja, dieser Spot ist… schlecht.

  • Witzig, dass du das aufgreifst, denn mein Mann hatte mich auch letztens gefragt, ob das Sinn macht, dass de Typ trotz Arbeit auch noch ploetzlich nachts einen Kredit braucht…

  • Harry sagt:

    9-18% Zinsen … ist ja Krass *lol*

    • tabibito sagt:

      Ja, das ist doch sogar schon niedrig! Bis zur Gesetzesänderung 2006 waren es sogar bis zu 29,2%, und vor guten 10 Jahren noch 36%. Das ist vor allem erstaunlich, da Japan weniger mit Inflation als mit Deflation kämpft.
      Geld bei der Bank parken: Ziemlich genau 0% Zinsen. Geld leihen? 18%! Nicht schlecht, oder?

  • ednong sagt:

    Ich kann kein Japanisch – aber oh man. Solch eine schlechte Werbung. Cuts irgendwo, wirkt das ganze total gestellt und überhaupt so ganz anders als deutsche Werbespots. Und das ist tatsächlich ein Fernsehwerbespot? Gräßlich.

    • Thuruk sagt:

      Wobei das eigentlich für diese Art von Werbung spricht. Die deutsche ist genauso gestellt, versucht aber eher dem Konumenten Realität vorzugaukeln.

  • coolio sagt:

    Noch schlimmer finde ich die augenblickliche Werbung von Intel fuer ihre Ultrabooks: Da spraddeln 3 Typen auf dem Mond rum, 2 im Astronautendress und einer als Tiger? und singen diesen abgrundtief scheusslichen „Urutarabuku“-Song. Aaarrrrgh!
    Wer’s unbedingt sehen will: Gibts auf Youtube (インテルの TV CM 「トラダンス篇」)

  • ディーン sagt:

    JAAA! Der nervt mich auch schon seit langem, grrr! Der Produzent dieses Werbespots gehört ebenfalls auf den Mond geschossen müsste man meinen, aber vielen Leuten scheint’s zu gefallen. Besonders wegen dem „uruTORAbuku“ (tora = Tiger), das gleichzeitig die japanische Aussprache für Ultrabook ist. Superwerbung, selten so gelacht (-_-;)
    Wie es schlussendlich zur Kaufentscheidung für ein Ultrabook kommt und nicht für ein Konkurrenzmodell? Na da war doch dieser lustige Tigertanz auf dem Mond…

  • Thuruk sagt:

    Ich hatte mich schon (moderat, ist schließlich Japan…) gewundert wo der Tiger hineinpasst. :-)