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Zairyū-Card (Residence Card) heute eingeführt: Konsequenzen

Juli 10th, 2012 | Tagged | 15 Kommentare | 1564 mal gelesen

Gerüchten zufolge auch mit weniger Lippenstift erhältlich: Neue Residence Card (Quelle: Sankei Biz )

Vor genau drei Jahren hatte ich es auf diesem Blog bereits angekündigt (Neues Ausländergesetz verabschiedet): Das alte 外国人登録証明書 Certificate of Alien Registration soll durch die neue 在留カード Zairū kaado – “resident card” ersetzt werden. Der Startschuss dazu fiel heute. Das betrifft alle, die nicht mit einem Touristenvisum in Japan einreisen. Hier stichpunktartig ein paar Fakten zur neuen Karte:

  • Die neue Karte ist bunter
  • Die neue Karte hat schönere Hologramme
  • Die neue Karte hat einen sexy RFID-Chip, der auch ohne direkten Kontakt zur Karte ausgelesen werden kann. Aber keine Sorge – laut Behörden ist alles ganz sicher
  • Man braucht nicht mehr zum örtlichen Rathaus gehen, um die Karte zu erhalten oder zu ändern. Ein Gang zur nächstgelegenen Ausländerbehörde reicht. Mit viel Glück ist die nur 30 km entfernt.
  • Man darf, so man gewisse Anforderungen erfüllt (stubenrein, Musterstudent mit hohem Gehalt usw.) 5 Jahre statt bisher maximal 3 Jahre bleiben
  • Man darf, unter gewissen Bedingungen, die aber erstmal geheim bleiben, sogar ohne Wiedereinreisegenehmigung das Land verlassen und wieder betreten.
  • Man darf sich ins Wohnregister des Heimatortes eintragen lassen. Können. Dürfen. Sollen.
  • So man quasi illegal im Land ist, darf man keine Karte erhalten und wird somit auch von der lästigen Gesundheitsfürsorge befreit. Genauer gesagt wird man dann von allen sozialen Leistungen befreit.

Im Ernst: Zwar feiert die Regierung das neue System, weil dadurch alles viel besser werden soll. Zumindest werden Ausländern in Japan damit mehr für Japaner selbstredende Rechte eingeräumt. Habe ich Rechte geschrieben? Nein, ich meine Pflichten. Da jetzt Ausländer auch ins normale Melderegister aufgenommen werden, wird die Prozedur zum Beispiel von Umzügen in eine andere Stadt aufwändiger. Aber immerhin wird man ins Melderegister aufgenommen. Bisher gab es immer wieder seltsame Regeln: In japanischen Haushalten muss immer mindestens eine Person als Haushaltsoberhaupt bestimmt werden. Bei Gemischtehen durfte dies jedoch nie der ausländische Partner sein – entweder musste der japanische Partner das Oberhaupt sein oder beide. Das ist schon recht seltsam: In meinem Fall habe ich die Wohnung zwar gemietet und bin auch derjenige, der Steuern und alles andere zahlt, aber ich kann einfach nicht das Haushaltsoberhaupt sein. Ob das nun so wichtig ist, steht auf einem anderen Blatt, aber bei diversen Prozeduren kann das durchaus ein Nachteil sein. Bis man ins lokale Melderegister (住基ネット – jūki net) aufgenommen wird, soll aber wohl noch mal ein Jahr vergehen.

Die Abschaffung der 再入国許可 – Re-entry Permit (Wiedereinreisegenehmigung) ist lobenswert, aber es gibt wohl gewisse Bedingungen. So muss die Wiedereinreise innerhalb eines Jahres erfolgen. Und es soll wohl noch andere wenn und aber geben. Diese Wiedereinreisegenehmigung war mir schon immer ein Rätsel: Zwar habe ich die dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung (auf japanisch ist das Wort noch deutlicher: 永住権 Eijūken – “ewig-wohnen-recht”), aber das “ewig” würde genau dann enden, wenn ich ohne jene Genehmigung ausreise. Weg wäre sie, und ich müsste wieder zurück zu Start (mit etwas Pech über Gefängnis). Ich kann nur allen momentan in Japan lebenden Ausländern empfehlen, sich ganz genau nach der Situation mit der Wiedereinreisegenehmigung zu erkundigen, sonst kann es böse Überraschungen bei der Wiedereinreise geben.

Die Einführung der Karte zielt zu einem großen Teil auf die Illegalen im Lande ab. Illegale – das sind zumeist Menschen, die irgendwann nach Japan kamen, ihr Visum überzogen und blieben. Das ging bisher relativ leicht, denn selbst “Illegale” konnten in Rathäusern ihre Alien Registration Card bekommen, da die Rathäuser offensichtlich nicht mit dem Justizministerium in Verbindung standen. Nur mit einer solchen Karte konnten die Betroffenen medizinische Versorgung in Anspruch nehmen und ihre Kinder einschulen und so weiter und so fort. Mit der Abschaffung der alten Karte verfällt das alles: Eine neue Karte können “Illegale” nicht erhalten, und damit werden diese Leute von jeglicher sozialer Versorgung abgeschnitten.

Übrigens sind die alten Karten noch bis 2015 gültig – es sei denn, man lässt sich scheiden, ändert seinen Wohnsitz oder stellt etwas Dummes an, aber auch hier gilt: Lieber bei den Behörden informieren. Japan spasst nicht mit Visa- und Meldewesenverstößen.

Mehr – und offizielle – Informationen gibt es beim MoJ (Ministry of Justice): To all foreign nationals residing in Japan Beginning on Monday, July 9, 2012, Start of a new residency management system!

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