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Tokyo Sky Tree eröffnet Pforten

Mai 24th, 2012 | Tagged , | 9 Kommentare | 834 mal gelesen

Tokyo Sky Tree im September 2011

Gestern, am 22. Mai 2012, wurde der 634 Meter hohe Tokyo Sky Tree offiziell eingeweiht – leider unter recht ungünstigen Bedingungen, denn es regnete den ganzen Tag in Strömen. Das bedeutet, dass die Glücklichen, die Monate im Voraus Eintrittskarten für die Besucherplattformen auf 350 m und 451 m ergattert hatten, so ziemlich gar nichts sahen. Nach der Eröffnung der Tokyo Gate Bridgewurde damit ein zweites neues Wahrzeichen von Tokyo innerhalb von gut drei Monaten eingeweiht. Die Feuertaufe hatten beide Wahrzeichen ja schon beim schweren Erdbeben am 11. März 2011 bestanden. Zwar waren beide Bauwerke noch nicht fertig, aber soweit bekannt, steckten die Konstruktionen das Erdbeben problemlos weg.

Tokyo Sky Tree – das ist nicht nur der Turm selbst, sondern auch ein grosser, angeschlossener Gebäudekomplex namens 東京スカイツリータウン Tokyo Sky Tree Town mit insgesamt 230,000m² Gebäudefläche. Dort untergebracht sind ein Einkaufszentrum, ein Planetarium und das すみだ水族館 Sumida-Aquarium. Letzteres bildet in einem Riesenaquarium die Unterwasserwelt der Ogasawara-(auch: Bonin genannt)Inseln nach und soll wohl recht eindrucksvoll sein – einen Vorgeschmack bietet der Nachrichtenausschnitt unten. Neben dem Komplex befindet sich auch gleich noch ein anderes, neues Einkaufszentrum, genannt 東京ソラマチ Tokyo Solamachi.

Vom Tokyo Sky Tree verspricht man sich einen belebenden Effekt auf die Wirtschaft der weiteren Umgebung, und das dürfte auch eintreffen, denn unzählige Japaner lieben den Turm bereits. Natürlich brachte der Turm auch ein paar Probleme mit sich, aber davon hört man – auch das ist typisch für Japan – wenig:

Die Turmbaustelle September 2009

- die Umgebung ist eine alte, traditionelle Wohngegend (eine typische 下町 – shitamachi – Unterstadt, und der Turm wird diese Gegend unsanft aus dem Schlaf reissen. Das stimmt. Sicher werden die Grundstückspreise in die Höhe schnellen (bzw. wird das bereits geschehen sein) und langzeitig viele Einwohner verdrängen.

- Schneeklumpen, die vom Turm fallen (600 m sorgen da für eine ordentliche Geschwindigkeit) sind ein Problem für die Umgebung, zumal hier oft starke Winde herrschen

- der Turm stört die momentan noch vom alten Tokyo Tower ausgehenden Funkwellen, was sich in einigen Gebieten nördlich von Tokyo bereits bemerkbar macht

Anbei noch ein paar Trivia zum Thema Tokyo Sky Tree. Man beachte vor allem die Geschwindigkeit: Von der ersten Idee bis zur kompletten Fertigstellung brauchte man keine 10 Jahre, was für ein Bauvorhaben dieser Grösse mehr als beachtlich ist.

  1. Die Idee zum Turm entstand 2003
  2. Das Gelände wurde 10 Monate später auserkoren und weitere 5 Monate später beschlossen
  3. Im März 2008 stand der Bauplan fest, im Juni wurde die UVP (Umweltverträglichkeitsprüfung) abgeschlossen
  4. Die Bauarbeiten begannen im Dezember 2008
  5. Der Turm ist unten dreieckig und oben rund
  6. Die obere Besucherplattform auf 451.2 m Höhe ist die zweithöchste der Welt (noch) – nach dem Weltfinanzzentrum in Shanghai
  7. Japaner können sich die Höhe gut merken, denn 634 kann man Mu-sa-shi (武蔵) lesen (der alte Name des Gebietes rund um Tokyo)
  8. Der Eintritt zur unteren Plattform auf 350 m kostet 2,500 Yen (rund 20 Euro)
  9. Der Eintritt zur oberen Plattform auf 450 m kostet zusätzlich noch mal 1,000 Yen (8 Euro)
  10. Vorerst kommt man nur mit Vorbestellung rauf. Bis Ende Juli ist der Turm bereits ausgebucht
  11. Ein findiger Chinese hat den Namen “Tokyo Sky Tree” in China urheberrechtlich schützen lassen, was für den Gesellschafter zum Problem wurde: Man musste nachträglich den chinesischen Namen “東京天空樹” (etwa: Tokyo Himmelsturm) in “東京晴空塔” (etwa: Tokyo klarer Himmel-Turm) umändern – das gilt auch für den Bahnhofsnamen

Fertiggestellter Turm - aus exakt 10 km Entfernung

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