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3 mal einen fallen lassen

März 30th, 2012 | Tagged , | 4 Kommentare | 871 mal gelesen

Heute wurde innerhalb eines Tages an 3 Menschen die Todesstrafe vollstreckt – jeweils ein Gefangener wurde in Tōkyō, Hiroshima und Fukuoka erhängt. Ich hatte schon mehrfach über die Todesstrafe geschrieben (zum Beispiel hier), aber trotzdem einfach mal nur ein paar Zahlen:

0   - Anzahl der Hinrichtungen im Jahr 2011
1   - Anzahl der Insassen einer Zelle im Todestrakt
3   - Anzahl der Hinrichtungen heute
3   - Anzahl der Henker - es gibt drei Knöpfe. 
	Wer den richtigen Knopf gedrückt hat, um die Fallklappe 
	zu öffnen, weiß somit keiner der drei
4   - Anzahl der Justizminister vor dem jetzigen Justizminister,
	die keine Todesstrafe vollstrecken liessen
6   - Anzahl der Monate, die laut Gesetz eigentlich 
	zwischen Verurteilung und Vollstreckung liegen dürfen
7   - Anzahl der Gefängnisse mit Einrichtungen zur 
	Vollstreckung der Todesstrafe (diese befinden sich in Sapporo, 
	Sendai, Tokyo, Nagoya, Ōsaka, Hiroshima und Fukuoka)
15  - Anzahl der Straftaten, auf die die Todesstrafe verhängt werden kann
	(dabei: Hochverrat (内乱罪) und Landesverrat (外患罪), 
	doch bisher gab es keinen Fall einer Verurteilung 
	aufgrund dieser Straftaten
15  - Anzahl der Hinrichtungen im Jahr 2008
24  - Stunden: Zeit die zwischen Unterschreibung des Todesurteils 
	durch den Justizminister bis zur Vollstreckung liegen dürfen. 
	Mehr Zeit hat der Häftling auch nicht zwischen
	Bekanntgabe der Vollstreckung und der Vollstreckung selbst
74  - Jahre - Alter des ältesten bisher hingerichteten Insassen
90  - Anzahl der Monate im Schnitt, die zwischen Verurteilung 
	und Verhängung liegen
91  - Anzahl der Hingerichteten seit 1993, also innerhalb der letzten 20 Jahre
132 - Anzahl der Todestraktinsassen
141 - Anzahl der Länder, die die Todesstrafe abgeschafft haben
338 - Jahre, in denen Japan ohne Todesstrafe auskam (von 818 bis 1156 u.Z.)

Wie schon an anderer Stelle erwähnt, gibt es in Japan einen breiten gesellschaftlichen Konsens für die Todesstrafe. Nur wenige Länder scheinen weiter von der Abschaffung entfernt zu sein als Japan. Bei besonders schweren Straftaten hört man deshalb nahezu immer von Angehörigen der Opfer, dass sie sich auf jeden Fall die Todesstrafe für den Täter wünschen.

Heute wurde unter anderem der Täter des 下関通り魔事件 (Shimonoseki-Massakers) hingerichtet. Jener raste 1999 mit einem Auto in den Bahnhof von Shimonoseki, überfuhr ein paar Menschen und stach danach mit dem Messer um sich. 5 Menschen starben damals. Der Begriff 通り魔 (tōrima) in dem obigen Wort verdient dabei etwas mehr Beachtung: Wörtlich übersetzt bedeutet das Wort „vorbeiziehender Teufel“ und wird für Personen benutzt, die willkürlich umstehenden (soll heissen, ihnen unbekannten) Menschen Schaden zufügen. Vorfälle dieser Art gibt es immer wieder in Japan – vor allem mit Messerstechern, da es kaum Schußwaffen gibt. Siehe auch Tōrima – Amoklauf in Akihabara.

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