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Die Qual mit den Namen

März 7th, 2012 | Tagged , | 37 Kommentare | 3357 mal gelesen

Neulich hatten wir auf unserer Webseite eine kleine Leserumfrage, bei denen wir unsere japanischen Leser fragten, welche Reihenfolge sie bevorzugen, wenn sie sich auf Englisch vorstellen. Logischerweise gab es zwei Möglichkeiten:

1) Vorname Nachname, also „I am Akiko Yamada“

oder

2) Nachname Vorname, also „I am Yamada Akiko“

Bei gut 1,700 Antworten siegte schliesslich Variante 1 mit 50%, gefolgt von Variante 2 mit 12% (den restlichen Lesern war es egal… oder sie haben die Frage nicht verstanden).

Die Sache hat natürlich einen ernsten Hintergrund. Das Bildungsministerium hatte nämlich vor einer Weile beschlossen, in englischen Lehrbüchern Variante 2 zu benutzen. Das sorgte für Diskussionen hier und dort, und so auch unter unseren Lesern. Beide Seiten haben gute Argumente:

„Auf Englisch klingt es natürlicher, sich mit dem Vornamen zuerst vorzustellen“ oder „nur mit dem Vornamen zuerst kann man Verwirrung und Mißverständnissen vorbeugen“ meinten da die Befürworter der ersten Variante. Verfechter der Variante 2 spürten zum Teil gleich wieder ihr Heimatland in Gefahr: „In Korea nennt man auch den Nachnamen zuerst, und in China auch. Nur Japan muss mal wieder nach der westlichen Pfeife tanzen!“. Da ist was dran: Sowohl im Englischen als auch im Deutschen hat jeder schon von Kim Jong-Il, Mao Zedong und Chiang Kai-shek gehört, wohl aber weniger von „Zedong Mao, Jong-Il Kim oder Kai-shek Chiang“.

Da steht Japan also wieder da mit seiner Extrasuppe: Die meisten benutzen entgegen ihrer Muttersprache den Vornamen zuerst und dann den Nachnamen, und andere – darunter die Schuloberen – bevorzugen die japanische Reihenfolge.

Das lässt einen Ausländer natürlich auch ins Schwitzen kommen. Wie stelle ich mich vor? Vornamen zuerst? Oder nicht? Zumindest im Schriftverkehr hat sich da das folgende mehr oder weniger eingebürgert:

Japanischer Name: 田中明子 oder 田中明子 Tanaka Akiko (Nachname, evtl. ein Leerzeichen, Vorname)
Ausländischer Name: ライヒ マティアス oder マティアス・ライヒ (Nachname – Leerzeichen – Vorname ODER Vorname – Hochpunkt (japanisch: nakaguro) – Nachname.

Mit deutschen bzw. nicht englisch klingenden Namen hat man freilich ganz verloren: In dem Fall wissen viele (nicht nur Japaner) gar nicht so recht, was nun Vor- und was Nachname ist. Und so erhalte ich recht häufig Emails, in denen ich mit „Dear Reich“ oder „Dear Mr Matthias“ angesprochen werde. Man gewöhnt sich daran.

Die Tatsache, dass auch Japaner immer häufiger zu ausgefallenen Namen greifen, macht die Sache für Ausländer auch nicht unbedingt einfacher. Vor gut 10 Jahren endeten 90% aller Frauennamen noch auf -ko oder -mi – heute ist die Vielfalt schon grösser. Wobei dazu gesagt werden sollte, dass man, so lange man halbwegs Japanisch beherrscht, nachwievor eigentlich keine Probleme damit hat, Vor- und Nachnamen auseinanderzuhalten.

Welche Variante ich bevorzuge? Ich tendiere zu 1), denn diese Reihenfolge wurde bisher gelehrt, und die meisten Japaner sind damit vertraut. Warum soll man das nun ändern? Nationalistische Gründe kann man da wohl kaum gelten lassen.

Wenn ich das so schreibe, frage ich mich zwangsläufig, welche Japaner eigentlich im deutschen Sprachraum mit Vor- und Zunamen bekannt sind. Sicher, bekannt sind einige Japaner – aber mit beiden Namen? Wie heisst Pikachū eigentlich mit Nachnamen?

Mehr Lesestoff:
• Artikel + Diskussion zum Thema auf Japan Probe
Mehr über kuriose Namen in Japan auf diesen Seiten

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