Warum trifft Journalismus über Japan nachwievor nicht den Punkt?

Februar 23rd, 2012 | Tagged , , | 33 Kommentare | 3027 mal gelesen

Neulich stolperte ich als regelmässiger Nutzer der Tagesschau-App (die, so viel Lob muss sein, sehr gut gemacht ist) über einen kurzen Artikel mit dem Titel „Das vielfache Vergessen von Fukushima„. Ein Video dazu war auch da (nun scheint es wohl weg zu sein) und dutzende Kommentare, bei denen sich mir wirklich der Magen umdrehte. Auch die Kommentare kann ich nicht mehr finden. Ist wohl auch besser so.

Lese ich mir den Artikel so durch, bekomme ich es mit der Angst zu tun. Sind alle Themen der Tagesschau so schlecht recherchiert? Eigentlich sollte man doch von der ARD vergleichsweise hochwertigen Journalismus erwarten können, oder?

Mein erster Eindruck nach meiner Ankunft in Tokio war ernüchternd: Für die Bewohner der Millionen-Metropole scheint Fukushima genauso weit weg zu sein wie für die Menschen in Köln oder Berlin. Auf den Straßen herrscht Betriebsamkeit, wie man sie von Fotos oder Filmen her kennt.

Du meine Güte – was hat der Berichterstatter erwartet? Das alle mit gesenktem Kopf und Gasmaske trist und traurig durch die Strassen schleichen? Hätte der Reporter doch mit Hilfe seines Dolmetschers, den er doch hoffentlich dabei hatte, wenigstens ein paar Leute interviewt! Dann hätte er wahrscheinlich schnell herausgefunden, dass die Katastrophe den Leuten noch immer in den Knochen steckt! Es vergeht kaum ein Tag ohne bemerkenswerte Erdstösse. Und Fukushima taucht nahezu täglich in den Nachrichten auf. Viele Leute haben das Gefühl, dass das noch nicht alles war. Vor allem nicht in Sachen Erdbeben, denn zahlreiche Wissenschaftler haben erst kürzlich vermeldet, dass die Wahrscheinlichkeit, das Tokyo in ziemlich naher Zukunft einen schweren Direkttreffer erleben könnte stark gestiegen ist.

Auch die Sorge um verstrahlte Lebensmittel und das Gefühl, dass im AKW Fukushima noch lange nicht alles in trockenen Tüchern ist, ist bei vielen vorhanden. Aber, lieber Reporter, drei Mal darfst Du raten, wovor der Hauptstädter mehr Angst hat: Vor einem schweren Erdbeben direkt unter der Hauptstadt mit zehntausenden Toten, hunderttausenden zerstörten Häusern, wochenlangen Versorgungsengpässen und so weiter und so fort, oder vor Fukushima? Vor Fukushima natürlich? Ist klar…

Am Abend flimmert und leuchtet die Stadt, keine Spur von Stromausfällen – obwohl inzwischen nur noch ganze drei der einst 54 AKW des Landes am Netz sind.

Klingt alles so einfach, oder? Als ob man die 54 AKW ganz aus Spass betrieben hatte! Vielleicht sollte mit einer winzigen Fussnote erwähnt werden, das Japan einen sehr hohen Preis dafür zahlt. Aufgrund der jetzigen Lage verzeichnet Japan das erste Handelsdefizit seit Erhebung der Daten 1979. Warum? Fossile Brennstoffe müssen teuer importiert werden. Die Folge, vor allem aufgrund der seit Monaten steigenden Energiepreise: Rezession. Wieder. Klar, ohne die AKW ist es besser – und die letzten 3 kann man jetzt auch ruhig abschalten (aber das wird so schnell nicht passieren).

Immerhin hat sich der Reporter mit japanischer Begleitung nach Minami-Sōma gewagt, und seine Beobachtungen dort decken sich zum Teil mit dem, was ich dort erlebt habe. Die Region ist nachwievor im Ausnahmezustand.

Wesentlich schlimmer als der Artikel waren die Kommentare. Eine arme, gut deutsch schreibende Japanerin verzweifelte schier daran und versuchte zu erklären, welchen Stellenwert welcher Teil der Katastrophe für die Japaner hat. Sie wurde natürlich gleich als Atomlobbyistin abgetan. Wer nicht wie wir ist, muss einer von denen sein. Ein Kommentator war sich auch ganz sicher, dass in Kürze ganz Japan, Korea und Sibirien verstrahlt sein werden.

Nun – Ziel des Reporters war es, sich „… ein Bild davon machen, welche Spuren die größte Reaktorkatastrophe seit Tschernobyl in diesem Land hinterlassen hat – auf den Straßen, Feldern und Dächern der Städte rund um den Reaktor, aber auch in den Köpfen und Herzen der Menschen.“ Ziel verfehlt. Vielleicht begreift irgendwann mal ein Reporter, das man die drei Komponenten – Tsunami, Erdbeben und Reaktorkatastrophe – nicht so ohne weiteres trennen sollte? Allein in Minamisōma sind über 400 Leute vom Tsunami getötet worden, und rund 1’000 Bewohner gelten als vermisst. Auch das beschäftigt die Menschen nachwievor. Aber Erdbeben und Tsunami sind wahrscheinlich zu abstrakt und so weit entfernt wie Köln oder Berlin…

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33 Responses to “Warum trifft Journalismus über Japan nachwievor nicht den Punkt?”

  • Tapi sagt:

    Ist wirklich sehr merkwürdig, der Artikel von tagesschau.de –
    da darf man ja auf den Film am 11.3. sehr gespannt sein.Mich erinnert der Artikel sehr an die Zeit nach der Erdbebenkatastrophe, wo man lange Zeit nicht wusste, wem man was glauben kann.Damals wie heute sind wir sehr dankbar, für Infos, wie du sie in deinem Blog schreibst. Ich finde deine Kommentare und Berichte sehr viel hilfreicher und zutreffender als die in der Tagesschau.
    Jetzt lebt mein Sohn schon seit fast einem Jahr in Tokyo – und wir sind sehr froh, dass dort weitgehend normaler Alltag herrscht.

  • tembridis sagt:

    Diese Sorte Artikel und entsprechende Kommentar sind inzwischen zur Regel geworden. Es lohnt auch gar nicht zu versuchen, durch eigene Beiträge in Foren gegen zu steuern. Was die Japaner bewegt, warum die Dinge dort so sind wie sie eben sind, das alles interessiert die meisten Leute hier herzlich wenig.

    Hauptsache man kann Verschwörungstheorien aufdecken oder sich gegenseitig mit immer spektakuläreren Horrorszenarien überbieten.

  • Sascha sagt:

    Es muss halt die deutsche Miesmacher-Mentalität bedient werden und wenn die dann noch ein Atom kreuzt, dann hört für den deutschen Protestbürger die vielgelobte Toleranz auf und alles hat sich seiner Meinungsdiktatur zu unterwerfen.
    Natürlich auch die japanische Nation.

  • Aiko sagt:

    Ich versteh deinen Ärger. Von der ARD erwarte ich auch mehr. Wenn ich eine aufgemachte Story hören will, kann ich auch RTL gucken

  • Hamu-Sumo sagt:

    Ich lese keine Artikel der Tagesschau mehr, wenn „Fukushima“ in der Überschrift steht.

  • Enrico sagt:

    Auf den Punkt gebracht. Danke! Hab das gleich mal ueber den Kanal gejagt per FB und G+ geht das ja prima. :-)
    Enrico
    PS: Schau mal in dein Postfach!

  • Tsui sagt:

    Ich muss leider sagen, dass die Menschen hier in Deutschland allgemein schlecht informiert sind.

    Alles was aus Japan kommt ist verstrahlt und gefährlich! Ohohoh böse Autoteile! Bööööööse Handys! Ich hab sogar ne tolle Geschichte beim Zoll erlebt aber das wäre jetzt zu viel.(und dann kam heraus, dass die Strahlung im Normalwert lag btw.)
    In den Restaurants in Düsseldorf und in japanischen Läden mussten draußen Schilder aufgestellt werden, dass es zwar japanische Läden seien aber alles nicht verstrahlt sei!
    Am schönsten sind die deutschen Jugendlichen. „Ey scheiß Japse, voll verstrahlt eh, HÄHÄ!“
    Reaktion: ô_o

    Was das Thema Japan betrifft wurde Deutschlands Meinung halt wieder mal über die Medien geformt.
    Zum Glück sind trotzdem nicht alle so schlimm und grenzdebil.

    (Meine Meinung zu ARD und ZDF ist sowieso noch negativer geworden, nachdem die Sender die Politik aufgefordert hat ACTA doch zu unterzeichnen)

    • Julia sagt:

      Hör bloß auf. In sämtlichen Foren zu völlig zusammenhangslosen Themen kommt das mit der Strahlung auf.
      „Ich will mir Kosmetik von Shiseido kaufen, aber oh Gott, die wird doch in Japan produziert, dann ist die doch verstrahlt!1111!!!“
      Dass importierte Produkte durch den Flug nach Deutschland eh irgendwie verstrahlt werden, weiß man nicht/interessiert wohl keinen. Ich habe auch langsam keine Lust mehr, dagegenzuhalten, weil es entweder eh nicht geglaubt/ignoriert wird, oder man wie oben schon gesagt als „japanolophil“ oder leichtsinnig hingestellt wird. *Kopf schüttel*

      Letztens gab es doch glatt ein Gewinnspiel mit „Preisen aus Japan, die garantiert vor der Katastrophe importiert wurden“. Geht’s noch etwas pietätsloser?

  • Euchale sagt:

    Ich glaube das große Problem ist einfach, das die meisten Japaner kein Englisch sprechen, und bedingt dadurch eine Kommunikation mit der Ausenwelt sehr schwierig ist. Man bekommt hier in Deutschland einfach nicht mit, was in Japan gesprochen wird.
    Ein weiteres mal danke für deinen Blog, so kommt wenigstens etwas Info auch zu uns.

  • Anne sagt:

    Danke Tabibito,

    für diesen und viele weitere Artikel (いつもお世話になっております)

    In den deutschen Medien kommen immer noch meist die zu Wort, für die Japan ganz weit weg liegt- auch im Netz melden sich zu wenige von denen, die es besser wissen könnten.
    Während sich viele Japaner sogar die Mühe machen, deutsche Medienberichte zu übersetzen und zu kommentieren, kommt von deutscher Seite nicht viel.

    Nur in einem Punkt bin ich nicht Deiner Meinung, die Kommentare waren teilweise vernünftiger als der Beitrag in der Tagesschau. Schön, dass einige Leute offensichtlichen Unsinn nicht so stehen lassen können.

  • Hanayagi sagt:

    Sehr wichtiger Artikel! Die Berichterstattung in deutschen Medien kann man oft nur als schrecklich dumm beschreiben. Ich lese generell keine Artikel ueber Japan in deutschen Medien mehr, weil ich mich dann ohnehin (fast) immer nur aufrege. (Artikel von Georg Blume sind eine wohltuende Ausnahme.) Traurig ist, dass es die NYT schafft, wesentlich bessere Artikel zu produzieren – meist von japanischen Autoren.

    Ich spiele uebrigens mit dem Gedanken eine kleine Serie zum Thema Medien in Japan und Deutschland zu schreiben.

    Was die AKWs angeht: Es ist ja nicht so, als ob Uran umsonst waere und Zwischen- bzw. Endlager sind auch nicht gerade kostenlos. Beim Bau von AKWs gibt es Milliardenzuschuesse von Regierungen. Ich bin immer noch der Meinung, dass die Kosten der Atomkraft ueberall in der Welt noch nicht genuegend eingepreist sind. Mit anderen Worten: Die Atomkraft scheint weit guenstiger als sie eigentlich ist.
    Mein Fazit daher: Es mag zwar teuer sein, die AKWs abzuschalten, aber es wird sehr viel dazu beitragen auch in Japan endlich Politik fuer eine Energiewende zu betreiben.

  • Julia sagt:

    Danke für diesen Bericht. Da werd ich mir ja demnächst wieder von sämtlichen Bekannten, die nicht aus dem Japanbereich stammen, so einiges anhören dürfen. -.-

    Dieter Nuhr hat es bei seinem Jahresrückblick auf den Punkt gebracht: Es sind um die 20.000 Japaner durch Erdbeben und Tsunami ums Leben gekommen, und wir Deutschen nörgeln rum wegen der Strahlung, die sowieso nicht zu uns kommt? Da kann doch was nicht stimmen.
    Manchmal schäme ich mich dafür, Deutsche zu sein. :(

    • Enrico sagt:

      @Julia ich hab die Sendung auch gesehen, er hat so recht. Waehr hier ein Gefaellt mir Button wuerde ich ihn druecken!

  • Heydal sagt:

    Seriöse Berichterstattung bei den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten, das war einmal. Seit Fukushima, schaue ich mir die Nachrichten bei ARD und ZDF nur noch sporadisch an.

    Aber man darf sich nichts vormachen, die Sender folgen nur dem Mainstream ihrer Zuschauer, und der will nun mal keine ausführlicheren Reportagen, da müsste man ja vielleicht mal über den eigenen Tellerrand schauen. Geht gar nicht, is klar.

    Wie es anders gehen kann zeigt meiner Meinung nach immer wieder der sogenannte Kultursender ARTE. Insbesondere die Sendungen der Reihe; „mit offenen Karten“ sind eine Offenbarung.

    Hier ein kleines Beispiel:

    http://www.youtube.com/watch?v=3RYvL05xatI

  • BigAl sagt:

    Solche Artikel werden ja in der Regel von Journalisten aufgekauft. Wer sich da am sensationellsten gibt wird sicher auch die besten Chancen haben.

    Statt die AKWs nutzen zu können teure Brennstoffe importieren zu müssen und dadurch (weitere) wirtschaftliche Probleme zu erzeugen stimmt zwar, es ist aber doch immerhin erstaunlich daß die Kapazitäten auch ohne AKWs vollkommen ausreichen.

    Als jemand, der mit den verfahrenstechnischen Komponenten , die ja auch in solchen Kraftwerken verbaut sind und deren Instandhaltung täglich zu tun hat, kann ich nur sagen: Atomkraftwerke darf es grundsätzlich nicht geben. Auf keinen Fall.

    • Enrico sagt:

      @Bigal mich hast du ueberzeugt nun mach das noch mit dem Rest der Welt und allen vorran deinen Arbeitgeber, der wenn ich dich richtig verstanden habe fuer sollche Firmen wie z.B. TEPCO taetig ist!

      • BigAl sagt:

        Nein, das hast du falsch verstanden. Weder ich noch mein AG haben etwas mit AKWs oder Nukleartechnik zu tun. Ich würde mich hüten. Bei mir gibt es nur noch Ökostrom und Energiesparen, wo es ohne Einbußen geht.

        In der verfahrenstechnischen Anlagen der Chemie und AKWs werden aber ähnliche Systeme verbaut, mit deren Instandhaltung ich zu tun habe. Sicherlich ist die Austattung in AKWs etwas hochwertiger (SIL-Klasse, etc.), aber die Problemchen mit denen man täglich zu tun hat rühren interessanterweise eher nicht aus mangelhafter Technik her, sondern eher aus der Komplexität der Systeme.

        • Enrico sagt:

          Oekostrom, respeckt!

          System, is also wie beim PC wenn der hinter der Technik bloede is macht das den PC zwangslaeufig genau so bloede.

          Nun brauchste nur noch den Rest der Welt zu ueberzeugen, viel Kraft und gutes Gelingen!

  • Hans Zillermann sagt:

    Die Beiträge von Peter Kujath sind durchgehend gut und informativ. Leider bekommt der als Hörfunkkorrespondent nicht so viel Raum bei der Tagesschau.

  • Bodo sagt:

    Apropos Fukushima – wie nötig hatte Japan Spenden aus dem Ausland wirklich, zu denen auch der japanische Botschafter in Deutschland im Fernsehen aufrief?

    Vor einiger Zeit wurde ich jedenfalls auf Meldungen im Internet aufmerksam, denen zufolge ein Teil der zusammengekommenen Spenden für den Walfang abgezweigt worden sei.

    Ist es möglich, dass ein Mitarbeiter des IWF richtig lag mit der Einschätzung, dass Japan genug finanzielle Reserven habe, um die Folgen der Katastrophe zu tragen?

    Ich bin jedenfalls froh, kein Geld an ein trotz allem immer noch sehr, sehr wohlhabendes Land verschwendet zu haben.
    Dann doch lieber nach Haiti oder anderswohin in die Dritte Welt spenden – die dürfte es nötiger haben…

    • Enrico sagt:

      Eigendlich wollte ich nichts dazu schreiben, aber bei Leuten wie dir kocht es in mir…

      Wenn du jemals wirklich etwas spenden wolltest, wuestest du wie es um Hilsprojekte hier gestellt ist. Reines Gewissen machen mit Informationen die zum Teil nicht mal koreckt dagestellt sind um damit dann sein nicht helfen wollen zu kaschieren super Leistung!

      Vielleicht haste ja Glueck und Tabibito schreibt gerade einen neuen Bericht um deine Frage zu beantworten.

  • Jakub P. sagt:

    Journalismus ist eben auch nur ein Produkt – und das muss sich verkaufen.

  • Bodo sagt:

    „Eigendlich wollte ich nichts dazu schreiben, aber bei Leuten wie dir kocht es in mir…“:

    Dann koch mal nicht über, Schätzchen…;-)

    „Informationen die zum Teil nicht mal koreckt dagestellt sind…“:
    So wenig „koreckt“ wie deine Rechtschreibung?;-)

    Nun zu deinem Vorwurf: Ich muss selbstverständlich NICHTS kaschieren. Wäre Japan ein wirklich BEDÜRFTIGES Land wie das erwähnte Haiti, säße das Geld bei mir relativ locker.

    Aber „eigendlich“ (neue deutsche Rechtschreibung(?) – mal locker von dir kopiert) habe ich überhapt keine Lust und es auch nicht nötig, mich hier für irgendetwas zu rechtfertigen.

    DIR sei es natürlich unbenommen, den Japanern das Geld (auf Deutsch gesagt) in den A**** zu blasen.
    Viel Spaß (und ein Gefühl unendlicher moralischer Überlegenheit) dabei!;-)

    • Enrico sagt:

      Hey Schaetzenchen, schade das man sich fuer Leute wie dich Bobo, auf die Stirn schreiben muss ich bin Legastheniker. Aber um mich gehts hier doch garnicht.

      Zwischen Staatlichen Hilfsgeldern die fuer den Wiederaufbau bestimmt sind und Privaten Spenden & Hilfsprojekten bestet ein ziemlich grosser Unterschied und das nicht nur im Finanzellenbereich.

      Wenn du Haiti Spenden moechtest solltest du das tun und das rasch vom drueber schreiben wird das nicht.

      Ich leben in Japan, von daher hab ich es relativ einfach die Unterstuetzung so zu verteilen wie sie benoetigt wird.
      Schoenen Sonntag!

  • tabibito sagt:

    @Jakub
    Das stimmt zwar, kann ich aber so nicht akzeptieren. Erst recht nicht, wenn es um Journalismus eines von öffentlichen Geldern finanzierten Organs geht.

    @Bodo
    Die Frage ist sicherlich berechtigt – hat Japan die Spenden und Unterstützung nötig. Nun – das Geld eher nicht, die Unterstützung hingegen schon. Und die kostet nun mal Geld. Aufgrund des Ausmasses der Katastrophe konnte man dabei auch nicht davon ausgehen, dass die offiziellen Stellen alles von Anfang an allein regeln können.
    Die Frage, ob es gerecht ist, Bewohnern eines reichen Landes Spenden zukommen zu lassen, ist ziemlich komplex und geht ins Philosophische. Aber nur um mal ein Beispiel herauszupicken: Ärzte ohne Grenzen, eine sehr veritable NGO, ist normalerweise in Krisengebieten tätig – oftmals als die Einzigen bzw. Letzten vor Ort. Nach der Katastrophe war Ärzte ohne Grenzen jedoch auch in Japan tätig. Ganz einfach, weil die Region ein Krisengebiet war.

    Hilfe, die zu spät kommt, hat überall schlimme Konsequenzen. Ob in Haiti oder Japan. Der Tod ist überall gleich. Sicher, ein Waisenkind zu versorgen ist „billiger“ in Haiti als in Japan. Was willst Du einem Verschütteten in Japan sagen oder einem Waisenkind? Etwa: „Wir helfen Dir nicht, Dein Land ist schliesslich reich?“ Die meisten Spenden gehen an Organisationen, die sich um die Leute kümmern. Da geht es weniger um Sachspenden bzw. Geld, als um seelische Unterstützung bzw. der Nachricht „Haltet durch, die Welt schaut auf Euch und unterstützt Euch“. Solidarität heisst so etwas. Und ja, das kostet Geld. Mehr als in Haiti. Aber Du musst ja auch nicht spenden – überlasse das doch denen, die das aus dem einen oder anderen Grund wollen. Du hast keinerlei Recht, jenen Leuten irgendwelche fadenscheinigen moralischen Bedenken einzureden.

    Dass Ausländer, die in Japan leben, und Menschen mit einer gewissen Affinität zu Japan, woher die auch immer stammt, da sehr emotional reagieren, sollte jeder nachvollziehen können. Aufgrund Deines Kommentares muss ich Dir allerdings die Kompetenz absprechen, das zu verstehen und die Lage wirklich beurteilen zu können. Wie so viele verkennst Du, was das Beben und der Tsunami wirklich angerichtet haben.

    Dass Spenden für den Walfang abgezweigt wurden, wage ich stark zu bezweifeln. Spenden gingen schliesslich nicht an den Staat. Was möglicherweise geschehen ist (obwohl ich gehört habe, dass es noch nicht so weit ist), ist das einer traditionellen Walfanggemeinde ebenfalls geholfen wurde. Ein paar wenige Orte in der Region betrieben nämlich Walfang, und zwar schon seit sehr langer Zeit – das begann schon, bevor Europäer beschlossen haben, fast alle Wale wegen ihres Lebertrans zu töten.

    Lange Rede, kurzer Sinn: Deine Frage ist nur folgerichtig. Deine Quellen allerdings dubios (Meldungen im Internet gibt es viele). Deine Art, mit Menschen, die Du nicht kennst, umzugehen ist zweifelhaft. Aber immerhin kannst Du schnell Rechtschreibfehler erkennen und die den Leuten unter die Nase reiben. Als ob das etwas mit dem Thema zu tun hätte.

    Was mich aber mal am Rande interessieren würde: Hast Du für Haiti gespendet? Oder war das nur ein Gedankenexperiment?

  • Bodo sagt:

    Ui, da hat wohl jemand den „Hausherrn“ alarmiert…;-)

    „Du hast keinerlei Recht, jenen Leuten irgendwelche fadenscheinigen moralischen Bedenken einzureden“:

    … was gar nicht mal meine Absicht war. Doch wer wollte – allgemein gesprochen – irgend jemandem dieses Recht ABSPRECHEN? Außer dir, lieber Tabibito, vielleicht der Kaiser von China?
    Ich lebe nach wie vor in einem freien, pluralistischen Land und lasse mir von niemandem vorschreiben, was ich zu denken habe – auch wenn es in diesem Fall mal nicht „japanpolitisch korrekt“ genug ist.

    „… bevor Europäer beschlossen haben, fast alle Wale wegen ihres Lebertrans zu töten“:
    Das war vielleicht einmal – seitdem dürfte das Bewusstsein für den Wert von Artenvielfalt gewachsen sein.

    Schimpf übrigens mal mit N24, falls du der Meinung bist, dass z. B. dieser Beitrag ein „Fake“ ist:

    http://www.n24.de/mediathek/spenden-fuer-walfang-geld-fuer-fukushima-fliesst-in-fischerei_1522137.html

    P.S.: Haiti war KEIN bloßes Gedankenexperiment. Möchtest du auch noch den Betrag wissen?

  • tabibito sagt:

    @Bodo
    Würde mir das Video gern ansehen, aber selbst mit Proxy lässt mich N24 nur die Werbung anschauen, und das war es schon.
    Dabei interessiert es mich schon, wie die auf den Titel kommen: „Geld für Fukushima fließt in Fischerei“. Wessen Geld? Und was genau ist mit Fukushima gemeint? Vielleicht kannst Du uns ja aufklären.

  • Heydal sagt:

    @ Bodo

    Dein erster Kommentar ist mir schon sehr sauer aufgstossen, ein Leben ist ein Leben, egal wie hoch das BIP des Landes ist, in dem es sich befindet. Doch ich habe es heruntergeschluckt, denn ich habe zwischen deinen Zeilen auch gelesen das deine Meinung zementiert, und Du für Argumente jeglicher Art nicht bereit bist.

    Was mich traurig stimmt ist die Tatsache das Du leider kein Einzelfall bist, tatsächlich habe ich nach den Katastrophen in Japan den Eindruck das die Intoleranz, gepaart mit Besserwisserei und moralischer Überlegenheit, sich bei sehr vielen Mitbürgern manifestiert. Egozentrik statt Mitgefühl.

    Eines solltest Du bedenken, es ist ein reine Laune des Zufalls, des es Japan getroffen hat, und nicht Fessenheim, oder Brunsbüttel. Tatsächlich waren die Japaner in vielem besser vorbereitet als wir es waren, und noch immer sind.

    Wir können nur hoffen das wir nicht auf die Probe gestellt werden.

    • Anne sagt:

      „Tatsächlich waren die Japaner besser vorbereitet.“ Ja, das habe ich auch sehr vermisst, kaum jemand hat darauf hingewiesen, dass Naturkatastrophen ähnlichen Ausmaßes in anderen Ländern zu weit grösseren menschengemachten Katastrophen geführt hätten.
      Oder nehmen andere Länder die japanischen Erfahrungen auf?

      Ging es euch Anderen in Europa auch so? „In Japan war wieder ein Erdbeben.“ Jaja, da regen sich die Europäer wieder auf, denke ich. Rechner angeschaltet, Bilder aus Tokio. Oh, das war ein richtig großes, aber dank phantastischer Vorbereitung nur 2 Tote in der Stadt, ich atme auf.
      Dann erst kamen die Nachrichten vom Tsunami.

  • Rose sagt:

    ich nutze die Tagesschau app ebenfalls und bei dem von dir hier beschriebenen Artikel ist es mir mehr als nur ein wenig sauer aufgestoßen. Wenn das Journalismus ist, lese ich lieber freiwillig die Bild. Ich glaube Umij hatte neulich ähnliches erwähnt..
    Nachdem in den letzten Tagen noch einige Meldungen mehr dieser Qualität über den Tisch gegangen sind, habe ich mich nun dazu entschlossen jene Dinge zu ignorieren und vor allem nicht mehr die Kommentare zu lesen. Es ist erschreckend was da so von sich gegeben wird und jeder der nicht deren Meinung ist wird gadenlos gegen die Wand gemobbt und der Atomlobby zugeordnet.

    In Japan sind übrigens nur noch so wenige Reaktoren am Netzt, da ein Großteil auf Grund von Wartungsarbeiten schon weit vor „Fukushima“ abgeschaltet wurden bzw. Abschaltungen für Wartungesarbeiten längst angesetzt waren.
    Eigentlich sollten sie nach und nach wieder ans Netzt gehen, jedoch wurde das durch Kan und die Auflage des Stresstests vorerst ausgesetzt. Kann man zu denken was man will.
    Problematisch sind Winter und Sommer in der Stromversorgung, da im Winter vor allem mit der Klimaanlage geheizt wird – und im Sommer damit gekühlt wird (/werden muss). Der letzte Sommer mit seinen extremen Bedingungen hat vor allem unter der älteren Bevölkerung viele Todesopfer gefordert, da sie das Stromsparen zu ernst genommen haben und z.B. ihr Kreislauf aufgegeben hat. Betroffen von extremen Stromengpässen wird an erster Stelle des kommenden Sommers aber nicht der Großraum Tokyo stehen, sondern alles um Osaka herum (also Kansai).
    Viele große Firmen haben schon das Weite gesucht und nach Korea/China/Indien ausgelagert. Viele Arbeitsplätze gingen dadurch verloren. Außerdem trägt auch der hohe Yen Kurs nicht grade dazu bei, den Firmen ein Bleiben schmackhaft zu machen..

    zu Bodo: es gibt kein „Japanpolitisch korrekt“ und du befindest dich hier auf einer Seite, die sowohl Pro- als auch Kontraseiten von Japan aufzeigt (vielleicht solltest du mal einige ältere Berichte von Tabibito lesen?).
    Sich auf eine persönlich beleidigende Ebene zu begeben („Doch wer wollte – allgemein gesprochen – irgend jemandem dieses Recht ABSPRECHEN? Außer dir, lieber Tabibito, vielleicht der Kaiser von China?“) spricht nicht grade von Kompetenz und zeigt eher das Verhalten eines pubertären Jugendlichen oder trotzigen Kleinkindes, das einen Lolli haben will.
    Die meißten hier sind Erwachsen, es sollte daher möglich und wünschenswert sein, auf einer solchen Basis kommunizieren zu können.

    -Rose

  • tembridis sagt:

    Würde man den Foristen der deutschen Blogosphäre glauben schenken, und wie könnte man anders, sind ja schließlich alles Experten in Nukleartechnologie und Katastrophenschutz, dann seit ihr entweder da drüben eigentlich schon lange tot oder lebt unter unwürdigsten Verhältnisse ohne Strom, warmes Essen bzw. Wasser, sanitäre Anlagen usw. Nun ja, ist wohl wie beim Fussball, auf einmal sind alle Fussballtrainer.

    Ich freue mich trotzdem schon auf meinen nächsten Besuch in 4 Wochen und werde ganz sicher den Hinterbliebenen in Deutschland im Geiste zu Prosten!

  • ディーン sagt:

    Den Tagesschau Bericht finde ich nicht allzu schlimm, die ARD hat sich eher gebessert muss ich fast sagen im Vergleich zum letzten Jahr. Die Reaktion des Reporters sagt mir dass in Deutschland anscheinend der Eindruck herrscht, ganz Japan lebe im Ausnahmezustand. Allerdings wie üblich und typisch für die meisten Reporter, erstmal wild Annahmen treffen und daraus falsche Schlüsse folgern, aber sicher keinen Einheimischen fragen. Na wenigstens hatte er später einen Übersetzer dabei. Kein Wunder gab es damals News wie z.B. „Leute tragen Gesichtsmasken gegen Radioaktivität“, was kompletter Unsinn war. Erinnere mich auch an eine Reportage eines ausländischen Senders vor einem Jahr, der irgenwo einen Amerikaner in seiner schäbigen Wohnung ausgegraben hatte und ihn zur Situation in Tokyo interviewte. Fragt doch einfach einen Japaner auf der Strasse! Dieses Syndrom zog sich nach meinen Beobachtungen quer durch die meisten Reportagen (zudem machen Ausländer ca. 1.6% aus). Würde man bei einer Katastrophe in Deutschland Ex-Pats interviewen aber keinen einzigen Deutschen?!? Und sowas nennt sich Journalismus.

    @Bodo
    Erst bleibt einem mal die Sprache weg wie du mit gleich 3 ausfälligen Kommentaren auf diesen Blog hereingeplatzt bist und dann auf Stammleser loshackst und sie als arrogant und dümmlich darstellst (welche Ironie!). Hier ist nicht ein gewisses Japan Forum wo sich Platzhirsche auf Grundschul-Niveau Hahnenkämpfe liefern.

    Spenden ist freiwillig und keiner muss sich ein schlechtes Gewissen machen wenn er es nicht tut. Aber quasi damit zu prahlen NICHT gespendet zu haben ist ja wohl voll die Ohrfeige. Beim Spenden geht’s schliesslich nicht darum sagen zu können, Hungerbäuche gerettet zu haben die es NÖTIGER hatten, nur weil das besser ankommt und man sich noch mehr auf die eigenen Schultern klopfen lassen kann. Diese von-oben-herab Einstellung geht für mich in genau dieselbe Richtung wie Kommentare, die zur News-Meldung „Japanischer Vergnügungspark eröffnet steilste Achterbahn der Welt (US$ 30 Mio.)“ Mitte 2011 meinten: „Genau deswegen hatte ich nichts gespendet!“. Es wird alles in einen Topf geworfen: der Status quo bzgl. Reichtum/Lebensstandard eines Landes, die direkt von der Katastrophe Betroffenen und private Firmen die Achterbahnen bauen. Wie war das nochmal mit der moralischen Überlegenheit?

    Was Meldungen im Internet angeht, ich habe gelesen dass Tokyo total verstrahlt sei, Obdachlose zu Aufräumarbeiten nach Fukushima geschickt wurden und dass die Illuminati Bomben auf dem Meeresgrund platzierten um das Beben auszulösen. Mit ein bisschen überlegen und sich informieren bei Hilfswerken, würde ziemlich schnell klar dass Geld Soforthilfe bedeutet, da damit Güter aus der Umgebung gekauft werden können die vor Ort fehlen und dringendst gebraucht werden. Japan ist ein reiches Land (mit einer riesigen Verschuldung) und war eigentlich gut vorbereitet. An Materialien wie Decken, Kleider und Essen für den Fall einer Katastrophe fehlte es dem Land nicht (weshalb materielle Spenden wenig Sinn machten). Sauberes Wasser, Medizinal- und Hygieneartikel, Treibstoff und alles andere was täglich und sofort verbraucht wird musste schnell gesichert werden, um eine Grundversorgung zu garantieren und eine weitere humanitäre Katastrophe zu verhindern. Angesichts des Ausmasses der Katastrophe, der enormen Zahl an Evakuierten unter winterlichen Temperaturen, der abgeschnittenen Transportwege und des unbekannten Reaktorzustandes wäre es ein Pokerspiel gewesen, das Ausland nicht um finanzielle Hilfe zu bitten und auf Selbstversorgung zu setzen. Man konnte ja nicht voraussagen ob es das war oder sich die Situation verschlimmert.

    Und was die Glückwünsche zur „gelungenen Aufmischung des langweilig ein(haar)farbigen japanischen bzw. asiatischen Genpools“ betrifft: glücklicherweise überlagern Tabibito’s farbenfrohe Gene die langweiligen Gene seiner Frau. Hoffen wir dass es so bleibt (Gen-Ausprägungen können sich ändern), nicht dass der einförmige asiatische Genpool Überhand nimmt und die deutsche Sprache gänzlich ihr Leben aushaucht. Auch wenn’s als Witz gemeint war, Sozialkompetenz gleich unter Null.

    @Heydal
    Ob Fessenheim oder Brunsbüttel ist egal, Bodo spendet nur an bedürftige Länder.

  • ディーン sagt:

    Hier ist noch ein Bericht der zum Thema passt, geschrieben von einem gestandenen Reporter. Es zieht sich quer durch die Medienwelt wie der Interpretation sehr viel Spielraum gelassen wird um einen spannenden Report zu schreiben. Anstatt zu berichten werden sehr subjektive Ansichten wiedergegeben.

    http://www.sueddeutsche.de/panorama/japan-ein-jahr-nach-fukushima-shoganai-die-atomkraft-kommt-zurueck-1.1304845