Gleiche Bildung für alle? Ein kleiner Blick hinter die Kulissen

Februar 5th, 2012 | Tagged , | 15 Kommentare | 1870 mal gelesen

In den vergangenen Wochen hatte ich im Rahmen meiner Arbeit ziemlich viel mit dem Schulwesen in Japan zu tun. In der Theorie, und in der Praxis. Genauer gesagt ging es um die Oberstufe in Japan. Kurze Einleitung: In Japan gehen Schüler erst 6 Jahre lang zur Grundschule (小学校, Elementary School), danach 3 Jahre lang zur 中学校 Junior High School (Mittelstufe) und anschliessend zur 高校 Senior High School (Oberstufe). Grund- und Mittelschule (6 Jahre bis 15 Jahre) sind Pflicht in Japan; Oberstufe hingegen nicht, aber gesellschaftlich gesehen ist die Oberstufe schon Pflicht – knapp 95% der Japaner besuchen die Oberstufe (und fast 50% später die Uni bzw. andere weiterführende Bildungseinrichtungen).

Nun hatte ich im Auftrag eines Schulbuchverlages mit dem Bildungswesen an Oberstufen zu tun und gewann so ein bisschen mehr Einblick in das System, welches mit dem System in Deutschland zum Beispiel nicht sehr viel zu tun hat: In Japan gibt es öffentliche und private Oberstufen – im Grossraum Tokyo sind zum Beispiel mehr als 50% der Oberstufen privat; auf dem Land hingegen gibt nur sehr wenige private Schulen. In Großstädten schicken Eltern ihre Kinder auf Privatschulen, um ihren Kindern bessere Bildungschancen zu gewähren (und weil sie es sich leisten können). Auf dem Land sind private Schulen hingegen oftmals die letzte Chance für Schüler, die Privatschule zu besuchen, wenn sie es wegen mangelnder Leistungen nicht zu einer regulären Schule geschafft haben.

Im Unterricht müssen vom Bildungsministerium (文部科学省, kurz MEXT) genehmigte Schulbücher benutzt werden. Dabei gibt es für jedes Fach offiziell genehmigte Lehrbücher von mehreren Verlagen. Welche Lehrbücher benutzt werden, entscheidet dabei der Träger der Schule: Ist es eine Präfekturoberstufe (県立 – kenritsu), entscheidet das das Bildungskomitee der Präfektur. Ist es eine städtische Schule (市立 – ichiritsu), entscheidet dies das Bildungskomitee der Stadt. Bei privaten Schulen (私立 – shiritsu) hingegen entscheidet das der Besitzer und / oder der Lehrerrat. Diese offiziellen Schulbücher kann man nicht öffentlich erwerben, und mit den Büchern selbst machen Verlage aufgrund der niedrigen Preise kaum Gewinn.

Doch da kommen die 副教材 – fukukyōzai – Begleitmaterialien ins Spiel. Die müssen nicht vom Ministerium genehmigt sein. Und: Diese Zusatzmaterialien müssen von den Schülern (bzw. natürlich deren Eltern) bezahlt werden – ohne das die Eltern da ein Wort mitreden können, versteht sich. Die Summe der Zusatzmaterialien für ein einziges Fach kann dabei durchaus schon mal ca. 100 Euro pro Jahr betragen. Und das gilt nicht nur für private Schulen, sondern auch für öffentliche (und damit eigentlich kostenfreie) Schulen. Und es gibt neben Sport 9 verschiedene Fächer. Doch wer entscheidet, welche Zusatzmaterialien benutzt werden? Es gibt für jedes Fach zahlreiche Verlage, die um die Gunst der Lehrer buhlen. Und so schicken die Verlage in regelmässigen Abständen ihre Vertreter in die Schulen, die sich dort die Lehrer schnappen und ihnen ihre neuesten Begleitmaterialien unter die Nase reiben.

Das ganze ist immerhin ein riesiger Markt. Gehen wir mal von einer durchschnittlichen Oberstufenschule aus: Die hat in Japan ca. 1’000 Schüler. Wird also jeder Schüler von der Schule „gezwungen“, alljährlich Begleitmaterialien für Fach XYZ im Wert von 100 Euro zu erwerben, macht das 100’000 Euro Umsatz für den Vertreter für diese eine Schule. In Japan gibt es übrigens momentan gute 5’000 Oberstufen. Nun gibt es jedoch von Schule zu Schule durchaus Unterschiede: 進学校 (Shingakkō) genannte, „gute“ Schulen mit dem Ruf, ihre Schüler später an guten Unis platzieren zu können, benutzen mehr Begleitmaterialien. Genauer gesagt passiert folgendes: Diese Schulen kaufen die offiziellen Unterrichtsmaterialien, da dies Pflicht ist (auch bei privaten Schulen). Da das Niveau dieser Lehrbücher für diese Schulen zu gering sind, werden diese Lehrbücher praktisch nicht benutzt: Begleitmaterialien werden zu Hauptlehrbüchern.

Es gibt aber auch das Gegenteil davon: Die 教育困難学校 – Kyōiku-Konnan-Gakkō: „Schulen im Bildungsnotstand“. Einige Vertreter erzählten mir dabei, dass sie diese Schulen prinzipiell melden. O-Ton: „An diesen Schulen werden keine Begleitmaterialien benutzt. Das Niveau dort ist dermassen schlimm, das manche Oberschüler mit Ach und Krach den eigenen Namen in Schriftzeichen schreiben können.“ Ein Manager des Vertriebs fragte mich später, wo ich wohne und ob ich Kinder habe. Ich gab bereitwillig Auskunft, und er sagte sofort „Ah ja. Schicken Sie Ihre Kinder auf gar keinen Fall an diese und jene Schule!“.

Leider liessen meine Nachforschungen keine Gelegenheit, etwas tiefer zu bohren. Zum Beispiel die Frage danach, was dieses System eigentlich schmiert. Bekommen Lehrer zum Beispiel Vergünstigungen irgendeiner Art, wenn sie sich für Verlag soundso entscheiden? (Ein Vertreter meinte daraufhin nur lapidar: „Früher war das wohl so, heute aber nicht mehr).

Wie auch immer – ich kann leider nicht mit dem System in Deutschland vergleichen, da ich es nicht gut genug kenne. Aber die Ungleichheit im japanischen Bildungssystem verblüfft mich immer wieder. Genauso auch all die versteckten Kosten und Ungereimtheiten: Warum müssen Eltern für ihre Kinder in öffentlichen Schulen für Begleitmaterialien von Verlagen bezahlen – ganz einfach weil es die Schule und/oder der Lehrer so entscheidet? Und wieso sitzen selbst in privaten Schulen in der Regel ca. 40 Schüler in einer Klasse? Und wieso scheint das nur mich zu stören? Die meisten Japaner nicken bei dem Thema nur – wahrscheinlich, weil sie es selbst nicht besser kennen.

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15 Responses to “Gleiche Bildung für alle? Ein kleiner Blick hinter die Kulissen”

  • Daniel sagt:

    Den Kauf von Begleitmaterialien kenne ich auch aus meiner Schulzeit hier in Deutschland. Natürlich nicht zu solchen Preisen und es betraf auch nur wenige Fächer. So benutzten einige Lehrer gerne bestimmte Arbeitshefte und es wurde Kopiergeld für Arbeitsblätter verlangt. Abgesehen davon, blieb so manches Lehrbuch das ganze Jahr im Schrank, weil es laut Lehrer, nicht geeignet aber vorgeschrieben war.

  • Ryuuji sagt:

    Soweit ich das von Bekannten, die Lehrer sind, mitbekommen habe, entscheidet in Deutschland das jeweilige Fachkollegium bzw. ein von den Lehrern eines Faches gewählter „Vorsitzende“ über die Anschaffung neuer Bücher. Sowohl ob neue gebraucht werden und wenn ja, welche das sein sollen. Das ist von Schule zu Schule völlig unterschiedlich und hat was mit der Dezentralisierung des Bildungssystems nach dem zweiten Weltkrieg zu tun. Man spricht der Schule also bewusst bestimmte Vollmachten zu.

    In Japan gab es das ebenfalls nach dem zweiten Weltkrieg unter Federführung der Amerikaner, allerdings wurde es in den 1950ern wieder abgeschafft und stattdessen diese Pflicht, ausschließlich vom Bildungs/Kultusministerium genehmigte Bücher zu benutzen, eingeführt. Gewiss kann man davon ausgehen, dass es teilweise Korruption in dem Sektor der Begleitheftchen in Japan gibt. Aufgrund der genannten freien Bücherwahl in Deutschland, soll es das hierzulande ebenfalls geben. Aber davon spricht man nur hinter vorgehaltener Hand.

    Grüße, Ryuuji

    • Julia sagt:

      Was natürlich bedeutet, dass ein Umzu für Kinder manchmal eine Katastrophe sein kann in Deutschland.

      Von japanischen Lehrern habe ich gehört, ein Umzug wäre kein Problem, und ich habe es auch erlebt, dass Kinder mitten im Schuljahr in die Klasse gekommen sind und sich sofort zurechtgefunden haben, bzw. ein Kind an eine andere Schule gewechselt hat und die Lehrerin meinte, er soll seine übrigen Hausaufgaben dann der Lehrerin dort vorlegen, die wüsste schon, worum es geht. Also muss es irgendwelche einheitlichen Richtlinien geben – da sollte ich vielleicht noch mal nachfragen.

  • C-chan sagt:

    Hallo Tabibito,
    ich habe zwei Kinder in der japanischen Grundschule auf dem Land, das aeltere wird diesen April in die Mittelschule wechseln.

    Diese Begleitmaterialien gibt es nicht nur in der Oberstufe, sondern auch in der Grundschule.
    Selbst fuer die Tests (Klassenarbeiten) werden solche Begleitmaterialien verwendet!
    Dann faellt mir noch das superteure Sportzeug ein – ebenfalls von der Grundschule vorgeschrieben.

    In der Mittelschule, auch oeffentlich, geht das noch weiter. Allein fuer die Einschulung muss man hier, wenn man Pech hat und keine gebrauchten Sachen bekommt, mehr als 100,000 Yen fuer Uniform, Sportzeug, Fahrrad, Helm usw. berappen, natuerlich alles vorgeschrieben, inklusive wo man die Sachen zu kaufen hat.

  • Julia sagt:

    „Auf dem Land sind private Schulen hingegen oftmals die letzte Chance für Schüler, die Privatschule zu besuchen, wenn sie es wegen mangelnder Leistungen nicht zu einer regulären Schule geschafft haben.“

    Das ist in Deutschland auch nicht viel anders, habe ich das Gefühl, zumindest bei manchen Privatschulen. Andere sollen wiederum knallhart sein.

    Selbst meine Grundschüler (ich bin Praktikanten an einer japanischen Schule in Berlin) haben unglaublich viele bunte Hefte und Bögen zum Ausfüllen – das muss tatsächlich Unsummen kosten. Testbögen im Farbdruck?

    Das deutsche Schulsystem ist aber auch nicht unbedingt fair. Selbst mit zentralen Abiprüfungen entscheidet zum Großteil der Durschnitt der letzten zwei Oberschuljahre über die Gesamtnote, mit der man sich an den Unis bewirbt. Dass manche Schulen/Lehrer da wesentlich großzügiger sind als andere, führt dazu, dass teilweise bessere Schüler (bei mir war es so, dass das bessere Gymnasium am Ort strenger Noten vergeben hat als das laschere) schlechtere Noten haben und damit schlechtere Chancen, in ihr Wunschfach an der Uni zu kommen, weil es dort kaum Aufnahmetests gibt (ich musste nur für Englische Philologie einen Sprachtest absolvieren.) Auch gewissen Bundesländern sagt man ja zu, dass eine 2 dort woanders nur eine 3 wäre.

    Übrigens stört es mich, wenn Leute die japanischen Schulen mit englischen Begriffen übersetzen. Die amerikanische junior high school hat nämlich nur zwei Jahre und die senior dafür vier, also sind das noch mal ganz andere Systeme. Es ist mir in letzter Zeit immer öfter aufgefallen, auch in manga etc., dass Leute auf eine „high school“ in Japan gehen – das ist eigentlich Quatsch, wenn man genauer drüber nachdenkt. Wieso kann man 高校 nicht mit Oberschuke oder Oberstufe übersetzen und gegenenfalls eine Erklärung hinzufügen, statt einen nochmal völlig anderen Begriff hinzuknallen? (Das meine ich übrigens nicht so böse, wie es vielleicht klingt. ^^;)

    • Julia sagt:

      Ups, das soll natürlich Durchschnitt heißen, Oberschule und gegebenenfalls. ^^;

      • gojira sagt:

        …und vermutlich auch „Praktikantin“ ;-)

        • Julia sagt:

          Nein, ich bin mehrere – zumindest wenn man mich neben eine Japanerin stellt. Nein, Spaß – danke für den Hinweis. Ich sollte nicht mehr tippen, wenn mir der Kopf schwirrt. ^^;

  • Franzi sagt:

    Hallo Tabibito,

    ich kann dir dazu sagen, dass es von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich ist. Und da ich während meiner Schulzeit eine kleine Rundreise gemacht hab, kann ich dir zur Buchsituation in Rheinlandpfalz, Hessen und NRW was sagen.

    In Rheinland-Pfalz ist es so, dass jedes Schuljahr die Bücher gekauft werden.
    Ca. 2-3 Wochen vor Ende der Sommerferien kommt ein Brief ins Haus geflattert, mit der Liste der Materialien für das kommende Schuljahr. Ich habe in einer relativ ländlichen Gegend gewohnt, dort gab es einen kleinen Schreibwarenladen bei dem man seine Liste abgeben konnte und die Bücher waren dann ca. eine Woche später da.
    Ein kompletter Satz Bücher kostet natürlich einiges, also gab es von der Schule aus einen Fond für finanziell schwächerer Familien, damit auch alle Bücher gekauft werden konnten. War aber auch nicht unüblich, dass Geschwister ihre Bücher an die Jüngeren weiter gegeben haben. Ca. alle drei Jahre wurde dann aber auf ein anderes, aktuelleres oder pädagogisch wertvolleres Buch umgestellt.

    In Hessen gibt es die sogenannte „Lehrmittelfreieheit“. Das heißt eigentlich, dass kein Schüler was für seine Bücher zu zahlen hat.
    Was wiederum bedeutet, dass jede Schule ein riesiges Lager an Schulbüchern hatte. Anfang des Jahres gab es immer einen furchtbar komplexen Plan, wann welche Klasse jetzt anzutreten hatte um die Bücher aus zu leihen. Klingt erstmal gut, aber natürlich waren die Bücher nicht immer in einer netten Verfassung und da die Schulen nicht immer so großartig finanziert waren, gab es auch schonmal 10-15 Jahre alte Bücher. Oder man hatte zwei Biologie- und zwei Geschichtsbücher, da in dem einen irgendwas besser behandelt wurde als in dem anderen.
    Das heißt trotzdem nicht, dass es nichts zu zahlen gab. Von der Grundschule bis ca. 8.Klasse sind „Arbeitshefte“ für viele Fächer beliebt. Also Hefte die aus der gleichen Reihe wie die Bücher sind, mit dem Unterschied, dass man sie selbst kaufen muss aber dafür reinschreiben darf.
    Zusätzlich muss man jedes Schuljahr zwischen 5 und 10 € Kopiergeld (wie gesagt, die Bücher sind nicht immer so doll) abgeben und zwischen durch mal den ein oder anderen Beitrag falls man doch noch was besorgen muss.
    In der Oberstufe werden nur noch sehr wenige Bücher ausgeliehen und das meiste kopiert.
    Für die sprachlichen Fächer kauft man 4-8 Bücher pro Jahr, sowas wie „Maria Stuart“ oder „MacBeth“. Die gäbe es auch noch irgendwo im Lager als Reclam-Heft, aber der möchte meist Lehrer Ausgabe XY mit – Achtung! – Zusatzmaterial im Anhang :D
    Achso, wer Ende des Jahres nicht alle Bücher – wieder nach einem furchtbar komplizierten Plan – abgegeben hat, bekommt kein Zeugniss. Kein Pardon!

    In NRW herrscht wohl eine Mischform. Die Schule besitzt einige wenige Bücher, aber vieles muss auch gekauft und Kopiergeld bezahlt werden.

    In einigen Schulen in Hessen wurde auch überlegt, ob man Schuluniformen anschaffen sollte. Bin furchtbar froh, dass ich da schon raus war, dass hätte ich nicht bezahlen können.

    Privatschulen gibt es überall auch meist mit sehr gutem Ruf, aber so wie ich das sehe recht wenige. Aber dafür in jüngster Zeit mit mehr Zulauf, da an den öffentlichen Schulen Lehrermangel herrscht und im Gegenzug aber kein Geld für neue Lehrer locker gemacht wird /werden kann.

    Allerdings gibt es auch unter den öffentlichen Schulen große Unterschiede. in Hessen hatten vorallem die alteingessenen Gymnasien einen wesentlich besseren Ruf und auch die zahlungswilligeren Fördervereine im Rücken.
    Die Form der Gesamtschule ist bei vielen noch sehr verpönt und Abgänger einer Gesamtschule haben es oft schwerer mit Ausbildungsstellen, obwohl seit den zentralisierten Abschlussprüfungen die Note überall das selbe aussagen sollte.

    Soviel dazu von meinem Wissensstand. Vielleicht hat sich das ein oder andere ein wenig geändert, man korrigiere mich, wenn jemand mehr Infos hat.

    Schöne Grüße Franzi

  • tabibito sagt:

    @Alle

    Ich danke für die zahlreichen und sehr informativen Kommentare! Ganz offensichtlich weiss ich wirklich nicht mehr, was genau in deutschen Schulen los ist.

    @C-chan
    Das geht ja eigentlich schon im Kindergarten los, obwohl sich das da ja noch in Grenzen hält.

    @Julia
    Die englische Übersetzung habe ich mit angegeben, da diese Begriffe semi-offiziell sind: Elementary, JHS und SHS sind die gängigen englischen Bezeichnungen und vom Prinzip her legitim.

  • gojira sagt:

    Wirklich ein interessanter Einblick. Bei uns, zu Ostzeiten, war die Angelegenheit auch nicht ganz einheitlich. In Berlin wurden die Bücher von der Schule umsonst gestellt und mussten am Jahresende wieder abgegeben werden. Dementsprechend „sorgsam“ wurde damit umgegangen. Von einem Bekannten habe ich jedoch gehört, dass auf dem Land die Schüler ihre Bücher selbst kaufen mussten, Berlin hatte wohl wieder mal eine Sonderstellung wie bei Obst und Gemüse auch. Zusatzmaterialien wie ihr es hier schildert gab es eigentlich nicht, nur ein Mal pro Jahr wurde im Fach Literaur ein Buch/Roman behandelt, welches allerdings auch wieder bereitgestellt wurde.

    Mir ist auch der Sinn der mehrfach zerteilten Schulzeit heutzutage nicht ganz logisch. Bei uns gab es nur die 10-jährige Polytechnische Oberschule für alle (wobei ein paar doofe Kinder auch nach 8 Jahren abgehen durften) und eine 2-jährige Erweiterte Obrschule für das Abitur. Das Abi konnte man aber auch in der Berufsschule ablegen, die dann 3 statt der üblichen 2 Jahre dauerte. Wenn ich mein nach über 25 Jahren immer noch hängengebliebenes Wissen mit dem Stand heutiger Jugendlicher vergleiche, kommt es mir vor als ob heute an den Schulen kaum noch was vermittelt wird. Speziell Naturwissenschaften waren bei uns sehr stark vertreten. Ich werde öfter gefragt, ob ich das studiert hätte oder so, was aber nicht der Fall war. Ich habe noch nicht mal fleißig gelernt ;-)
    Allerdings war der gesamte Unterricht natürlich politisch indoktriniert, selbst Mathe. Mag man sich heute gar nicht mehr vorstellen wie „normal“ dieser Irrsinn sogar für einen selbst einst war.

  • Klaus sagt:

    Jaja, das japanesische Schulsystem. Seit rund 20 Jaehrchen haenge ich jetzt schon jeden Tag darin, „junior high“ und „elementary“ (oder um es einzuteutschen Grund und Mittelschule *_*).

    Bin ich mit dem System einverstanden – NEIN. Kann ich es aendern? Ebenfalls – NEIN. Meine 2 Toechterlein mussten auch da durch, sie haben es beide „Gott sei’s getutet und geblasen“ ueberstanden und stehen auf eigenen Beinen.

    Das „Durchziehen“ der Schueler ohne das mir aus deutschen Landen vertraute Sitzenbleiben waere ein Punkt. „Wir sind ja alle gleich“ und jeder kommt weiter ….! Und was die Schulbuecher angeht – ich enthalte mich jeglichen Kommentars, bis auf den, dass die Englischlehrbuecher unter aller S.. sind.

  • Socra-Kain sagt:

    „Also Hefte die aus der gleichen Reihe wie die Bücher sind, mit dem Unterschied, dass man sie selbst kaufen muss aber dafür reinschreiben darf.“

    Nun ja… das mit dem reinschreiben ist so eine Sache… komme aus NRW und tasächlich herrscht hier wohl eher so eine Mischform (kann natürlich nicht für alle Schulen in ganz NRW sprechen, sondern nur für die, die ich kenn^^“). DIe eine Hälfte der Bücher wird gekauft, die Andere kommt von der Schule. Doch oft merkt man schnell, dass viele Schüler nicht nur in ihre eigenen Bücher reinschreiben. Und wenn man dann noch zu hören geht „Ihr erhaltet nun diese Bücher, und wenn wir die in zwei Jahren nicht in Top-Zustand zurückerhalten, dann bezahlt ihr“, kann mich sich schon fragen, ob man manche Bücher wirklich zum lernen erhält, oder doch eher als Aufforderung als Buchbinder tätig zu werden. Eines ist mir mal so um die Hälfte auseinandergefallen, weil es so verdammt alt war. Glücklicherweise konnte man das auch sehen, weshalb ich keine Konzequentzen davontrug.

    Aber genug davon, nun etwas @Topic:
    Ich persönlich finde das japanische Schulsystem gar nicht mal so schlecht. Irgendwie schon besser als das deutsche. Zumindest all das, was ich so darüber herausgefunden habe. Ich habe jetzt jedoch nicht wirklich tief gebuddelt, Zeugenaussagen herangeschafft oder so. Finde es demnach schon sehr interessant hier einige neue Sichtweisen zu lesen (danke dafür schonmal an tabibito für diese Seite^^)
    Mich würde aber persönlich noch einiges mehr interessieren. Z. B. behaupte ich immer in Japan wäre das SChulsystem alleine wegen der Möglichkeit der AGs sehr reizvoll. Also, dass ein Schüler sich eine AG aussuchen/ gründen kann etc.. Klar, ich weiß, dass auch in Deutschland solche Schulen gibt, aber ich persönlich war noch nie bei einer. Auf der Hauptschule hatten wir „Wahlfächer“, wir „durften“ uns zwischen ca. 5 Spezialfächern drei heraussuchen, die in unsere beliebige Reihenfolge wählen, und dann abwarten, in welche von den dreien wir dann kommen.
    Auf der Wirtschaftschule haben dann irgendwelche, als ich schon einige Zeit dort war“ ein Plakat aufgehangen, dass sie Mitspieler für Schach suchen. Diese beiden Sachen waren dann aber auch schon meine eizigen Erfahrungen in dieser Art.
    Ist das in Japan nun wirklich so „einfach“ mit den AGs, wie ich es mir immer vorstelle?

    Und dann das mit dem sitzenbleiben @KLaus: Ich persönlich finde des gar nicht so schlimm, wenn man „mitgezogen“ wird, anstelle des sitzen bleibens (mal davon ab, dass auch in Deutschland der eine oder andere durchaus mal mitgezogen wird, auch wenn es die Noten gar nicht erlaubt hätten). Aber so bleibt man auch einiges erspart.
    Kümmern sich die Lehrer in Japan während des Unterrichts den nicht um die Schuler? Also hingehen, und nachprüfen, ob alles in Ordnung ist? Oder ist das wirklich so, dass der Lehrer während der ganzen Stunde nur an der Tafel steht und aus dem Buch vorliest?
    Na ja, in dieser Richtung hätte ich dann schon noch gerne einige Erfahrungsberichte^^“

    So, hoffe, man konnt emir irgendwie folgen, habe am Ende nur noch reingeschrieben, was mir gerade dazu durch den Kopf ging, nicht böse sein^^

  • zynic sagt:

    Bezüglich der Gründe für die Lehrer diese Begleitmaterialien zu verwenden wurden die wichtigsten Gründe eigentlich im Text schon angesprochen:
    – zu viele Schüler um sich als Lehrer wirklich um jeden zu kümmern
    – hoher Druck auf die Lehrer möglichst gute Schüler zu haben
    ->Also bleibt nur, die Schüler mit überviel Material zu versorgen, auf das sie es hoffentlich selbst lernen.

    Das ist das Problem mit vollstandartisierten Schulsystemen: Entweder ist der Schnitt der Anforderungen zu niedrig (relativ gesehen, das ich maße mir keine normative Aussage an), dann verfällt der Wert der Abschlüsse (siehe Deutschland; Harz4-… öh, Haupt!schule, Realschule). Oder der Schnitt ist zu hoch, dann entsteht eine kleine Elite (siehe Frankreich).
    In Japan treffen da niedrige Anforderungen auf enormen Konkurrenzdruck und krasse Brüche beim Übergang zwischen den Schulstufen.
    Daraus entsteht dann die Notwendigkeit das Wissen, dass man braucht um über die Brüche hinwegzukommen, anderweitig zu vermitteln. Prep-Schools und Zusatzmaterialien wir kommen!