70%-Chance für ein Hauptstadtbeben in den nächsten vier Jahren?

Januar 24th, 2012 | Tagged , , | 15 Kommentare | 3155 mal gelesen

Es ist mal wieder einer solcher Tage, an denen alles zusammenkommt. Nachrichten am Morgen durchgeschaut – und da fällt mir die folgende Nachricht ins Auge: Chance für ein schweres Hauptstadtbeben innerhalb der nächsten 4 Jahre steht bei 70 Prozent. Vor dem schweren Beben im letzten Jahr hiess es diesbezüglich: 70% innerhalb der nächsten 30 Jahre. Von diesen Berechnungen mag man halten, was man will, aber die Tatsache, dass die Plattengrenzen und Verwerfungen seit dem Beben am 11. März 2011 an Stabilität eingebüsst haben, ist nicht von der Hand zu weisen. In den vergangenen 10 Monaten gab es im Schnitt 1.5 Erdbeben der Stärke 3 bis 6 in der Hauptstadtregion – das sind 5 mal mehr als vor dem schweren Beben. Das allseits befürchtete 首都直下地震 shuto chokka jishin – Erdbeben direkt unter der Hauptstadt wird schon lange erwartet, denn auch in der Hauptstadt gibt es zahlreiche Verwerfungen – so zum Beispiel im Nordwesten von Chiba sowie bei Hachiōji. Bei einem Erdbeben rechnet man mit einer Stärke von 6.7 bis 7.2 und einer Opferzahl von ca. 11’000 Menschen – zum Teil verursacht durch Großbrände, die man mit Sicherheit erwarten kann in einem solchen Ballungsgebiet.

Nun gut. Abends kurz vor 9 – ich war gerade in einem Meeting – gab es auch gleich noch mal einen Denkzettel – das Büro fing etwas länger an, zu wackeln. Aber dieses Beben war nicht in Tokyo, sondern in Fukushima, und es war auch „nur“ eine 5.1. Dafür ging es draussen jedoch allmählich zur Sache: Heftiger Schneefall, zum Teil begleitet von Blitz und Donner, setzte ein. Nein, langweilig wird es hier wirklich nicht.

Wird am 12. Februar 2012 eröffnet und ist hoffentlich erdbebensicher: Die 2'933 m lange Tokyo Gate Bridge

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15 Responses to “70%-Chance für ein Hauptstadtbeben in den nächsten vier Jahren?”

  • Hamu-Sumo sagt:

    Ich sage jetzt ungerne „Nach mir die Sintflut“, aber hoffentlich hat das Beben keine Eile. Hätte wenig Lust bei meinem ersten Japanurlaub den japanischen Notstand erleben zu dürfen.

  • Lori sagt:

    Yo, und klein Lori kaempfte sich gestern ohne Schirm oder Muetze mit dem Fahrrad durch das Schneegestoeber – Kopfhaarlaenge: 0.5 Zentimeter :/

  • Ich ueberlege jetzt doch langsam ob ich evtl. wenigstens meine Fotos in der iCloud speichern sollte – fuer den schlimmsten Fall.
    Wenn alles durch meine Wohnung fliegen sollte, dann ist neben dem Laptop sicher auch die Externe Festplatte im Eimer..
    (Jaja.. als wenn es nichts wichtigeres gaebe. LOL)

    Achso. Und hat irgendjemand von euch eigentlich so ein „Notfall-kit“ oder eine Tasche gepackt?
    So richtig vorbereitet sein ksnn man doch eh nie, oder?

    • Lucie sagt:

      Wir haben ein Notfall-Kit mit Pass-kopien, Wasser, Aspirin, Decken usw…
      Lieber eine Tasche zuviel im Flur als nachher alles suchen müssen… mal sechs… Fühlt sich ein bißchen sicherer an, wenigstens das vorbereitet zu haben, was geht… Aaaaach, und es wird schon nicht beben, oder vielleicht doch? Oder…?

      • coolio sagt:

        Yep, habe auch einen Notfallrucksack fertig gepackt im Flur stehen. Neben Wasser, ein paar Trockenlebensmitteln, Feuersteinen, Aludecke, Erste-Hilfe-Kasten, „Rambo“-Messer und wichtigen Papieren als Kopie ist auch ein Taschenlampenradio mit Kurbel drin und ein Kletterseil.
        Davon ab, finde ich es echt toll von den japanischen Kissha-Superjournalisten, den Fall Fukushima und seine Folgen komplett unter den Tisch zu kehren, aber sich im Gegenzug auf solche unerwiesenen Theorien zu stuerzen. Japan’s Problem ist JETZT, nicht irgendwann in der Zukunft…..

    • Rose sagt:

      Mein Männe hat für uns auch immer einen Notfallrucksack dabei.. in zweifacher Ausfertigung. Einmal in der Wohnung des jeweiligen Aufenthaltsortes und einmal im Auto. Wenn man also nicht zu Hause ist, hat man trotzdem noch Zugriff auf alles Lebenswichtige.
      Enthalten sind Kopien von wichtigen Dokumenten, Wasser, Astronautennahrung, ein paar Bonbons (um im Notfall den Zuckerhaushalt ausgleichen zu können), Wärmedecken und ein packen Kairo, eine batterielos funktionierende Taschenlampe, Messer und so nen Feuerkit. Zusätzlich hat er noch ein kleines Solarladegerät eingepackt um eine Zeit lang das Handy versorgen zu können für wichtige Nachrichten etc.

      Ich denke, momentan sollten auch Touristen darüber nachdenken sich eine kleine Version des Notfallkits zuzulegen, die gibt es in den meißten Kaufhäusern ja auch recht preiswert zu kaufen (Donquichotte z.B.).
      Es ist nie verkehrt, vorbereitet zu sein – aber ungünstig, wenn man es nicht ist.
      Auch lege ich jedem nochso kurz Reisenden ans Herz, sich über richtiges Verhalten bei Beben schlau zu machen. Es könnte im Notfall Lebensrettend sein.

      Gott, das klingt jetzt alles so panisch.. aber so ist es nicht gemeint, und ich hätte genau das Selbe auch schon vor dem großen Beben geraten..

    • ディーン sagt:

      Bei mir steht seit dem Beben ein Notfallrucksack direkt vor der Ausgangstür. Inhalt: Dynamotaschenlampe, 4l Wasser und div. Elektrolytgetränke, Wärmedecke, Batterien, Feuerzeug, Notfallbargeld(!). Und ganz wichtig: gute Laufschuhe in die man fix reingehüpft ist (keine Wanderschuhe, geht zu lange). Sollte es ein Beben geben wie in Kobe, dann hat man allerhöchstens Zeit den Rucksack zu schnappen und draussen zu sein! Türe nicht abschliessen, sonst kommt man später evtl. nicht mehr rein (verbogener Türrahmen).

  • zoomingjapan sagt:

    Na da bin ich doch grad froh, dass ich mich gegen einen Job in Tokio entschieden habe … wobei Kansai ja auch nicht super sicher ist (man erinnere sich nur an das Hanshin Erdbeben …)

    Und Schneefall mit Blitz und Donner hatte ich in Deutschland früher auch.
    Weiß nicht, warum man sich darüber gerade so sehr den Mund zerreißt.
    „OMG, es schneit in Tokio!!!“ – selbst in den Zeitungen und den Nachrichten gibt’s heute scheinbar nichts anderes.
    „So what?“

    Da sind die Nachrichten über das „große Erdbeben innerhalb der nächsten 4 Jahre“ schon wichtiger.

  • Terry sagt:

    Ähm – wir schreiben das Jahr 2012 christlicher eitrechnung! Da soll angeblich irgendwann im Dezember, mitten im Weihnachtsstress die Welt untergehen.

    Ich hab dafür keine Zeit!

    Ich dachte, nach so einem Erdbeben sind die Plattengrenzen etwas „entspannter“?

  • Ryuuji sagt:

    Wenn es sich an einer Stelle entspannt, entstehen aber an anderer Stelle Spannungen. Hört ja nie auf.

  • Ich hätte nicht gedacht, dass ihr alle so einen fetten Rucksack gepackt habt.. Jetzt komm ich auch ins grübeln und werde mir evtl. auch einen packen..

    Obwohl man ja fast die meiste Zeit des Tages in der Firma verbringt :(
    Da bringt es dann auch nichts, wenn der Rucksack schön zuhause 50 km entfernt steht.. Naja mal schauen. 念のため・・

    • coolio sagt:

      @weltentdeckerfrosch
      Firmen sind per Gesetz dazu verpflichtet, einen „Notfallpack“ bereitzustellen. Natuerlich pocht hier kaum Jemand auf sein Recht. Wir haben NACH dem grossen Beben dann auch so einen Karton und einen Helm bekommen. Und noch ein Tip: Immer ein Paar Turnschuhe unter den Schreibtisch. Ich musste mich letztes Mal knapp 20 Kilometer in Anzugschuhen nach Hause quaelen. Das passiert mir nicht nochmal. Wie die Fuesse so mancher Damen in High Heels am naechsten Tag aussahen, darueber will ich jetzt gar nicht nachdenken…..

  • […] hört sich schon nicht so traumhaft an, daher habe ich mal auf Tabibito’s Blog eine kleine Diskussion losgetreten – mit der Frage, ob sich eigentlich irgendjemand eine […]

  • […] denn zahlreiche Wissenschaftler haben erst kürzlich vermeldet, dass die Wahrscheinlichkeit, das Tokyo in ziemlich naher Zukunft einen schweren Direkttreffer erleben könnte stark gestiegen […]