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Kendama mal anders / deutsches Spielzeug in Japan und andersrum

September 24th, 2011 | Tagged , | 2 Kommentare | 1107 mal gelesen

Offizielles Kendama (basiert auf Photo von Isaak*)

Was hat man nicht alles importiert in Japan: Komplette Schriftsysteme, Religionen, Philosophien, Militärapparate, Lady Gaga… und Spielzeuge. Im 16. Jahrhundert war ein Spiel names Bilboquet in Europa sehr beliebt, und so fand es vor hunderten von Jahren auch seinen Weg nach Japan. Und blieb.
In Deutschland kennt es so gut wie keiner, aber in Japan gehört es quasi in jeden Haushalt mit Kind. Kendama ist ein Holzspielzeug und kann wörtlich mit “Schwert-Kugel” übersetzt werden. Es erinnert entfernt an ein Schwert – mit einer Spitze und drei unterschiedlich grossen Schalen, zwei am Schaft, eine am Knauf. Eine Holzkugel mit Loch ist mit dem Schwert durch eine Schnur verbunden.
Mit etwas Geschick kann man damit allerhand anstellen – zum Beispiel, die Kugel auf das Schwert oder in eine der drei Schalen befördern.
Man kann natürlich noch viel mehr Schabernack damit anstellen, wie diese Beiden hier beweisen:

Die Beiden nennen sich “ZoomaDanke” – einer ist 31 Jahre alt, der andere 21. Beide sind “Spielzeugberater” – ja, so etwas gibt es wirklich! Interessant ist übrigens der Hauptberuf des Älteren der Beiden: Jener hat jüngst das ドイツゲームスペース@Shibuya (Treff für Deutsche Spiele in Shibuya) gegründet – eine Mischung aus Geschäft und Ort, an dem man sich an deutschen Brett- und anderen Spielen austoben kann. (Link gibt es hier – Japanisch). Denn: Deutschland hat einen sehr guten Ruf, was Spiele angeht. Der Laden hatte Anfang dieses Jahres sogar einmal Besuch von Nitele – einem der grossen Privatsender Japans. Hier ein kurzer Mitschnitt, bei dem man sieht, wie es dort aussieht:

Nein, ich bekomme kein Geld für die Werbung. Aber ich finde die Idee witzig. Und: Wie ich von einer guten Freundin erfahren habe, reisen die Beiden mit Ihren Kendamas Mitte/Ende Oktober nach Deutschland, wo sie in Essen, Berlin und Frankfurt/Main ihre Kunststückchen vorführen wollen – auf der Strasse, gern aber auch in Clubs, Bars oder wo auch immer so etwas reinpasst. Wer Interesse hat, die Beiden zu treffen und Ihnen vielleicht mit ein paar Tipps unter die Arme zu greifen, kann sich gern bei mir melden. Kleiner Haken an der Sache: Die Beiden sprechen kein Deutsch und fast kein Englisch.

* Quelle Ursprungsfoto: Siehe hier

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Schwerer Taifun im Anmarsch: Warnung für Nagoya, Großraum Tokyo etc.

September 21st, 2011 | Tagged , | 4 Kommentare | 906 mal gelesen

Taifun Roke: Erwartete Route

Taifun Roke: Erwartete Route

Der Taifun, der just im Anmarsch ist, verdient es allemal, hier erwähnt zu werden: Taifun Nr. 15 (will heissen, der 15. in dieser Taifunsaison im Ostpazifik), von der Internationalen Taifunbehörde “Roke” (gesprochen: Rookie) genannt, ist bereits jetzt dabei, schwere Verwüstungen anzurichten – und dabei hat er noch nicht mal Land betreten. Momentan zieht der Taifun östlich der Pazifikküste entlang und wird morgen, am 21. September, womöglich direkt über den Großraum Tokyo ziehen. Heute hat er bereits vor allem auf Shikoku und bei Nagoya seine Spuren hinterlassen: Allein in Nagoya gingen an 890,000 Einwohner Evakuierungswarnungen heraus, da aufgrund des schweren Regenfalls der 庄内川 (Shōnai-gawa, -gawa = Fluss) über das Ufer getreten ist.
Das Besondere an diesem Taifun ist die Tatsache, dass er seit seinem längeren Aufenthalt bei Okinawa nochmal an Kraft zugelegt hat. Momentan beträgt die Windstärke nahe des Zentrums rund 160 km/h, mit Spitzen von bis zu 200 km/h. Mittlerweilen wurde der Taifun deshalb zur höchsten Kategorie heraufgestuft. Im Großraum Tokyo rechnet man mit bis zu 400 mm Regen innerhalb der kommenden 24 Stunden (Berlin: 571 mm pro Jahr).
Wer noch nicht in den zweifelhaften Genuß eines Taifuns bzw. Zyklons bzw. Hurrikans kam: Das Ausmaß der Schäden hängt stark von der Topographie des betroffenen Gebietes ab. Im Falle Japans ist es meist weniger der Wind, der Schaden anrichtet, sondern die enormen Wassermengen: Da sich der Großteil über oder vor dem Gebirge im Landesinneren ergiesst, ist quasi jedes Gebiet in Flußnähe in Gefahr, erst recht, wenn es sich um ehemalige Auen handelt. Leider sind Taifunrouten nachwievor relativ schwer voraussagbar. Mit etwas Glück verschont dieser Taifun Tokyo, aber es sieht momentan nicht gut aus.

Unwetterwarnung am 21. Sep 2011

Taifun Nr. 15: Unwetterwarnung am 21. Sep 2011

Was tun, wenn man gerade in Tokyo ist? Nicht viel. Es sollte einfach jeder prinzipiell davon ausgehen, dass der Nahverkehr morgen abend zum erliegen kommt. Desweiteren empfiehlt es sich, das Auto stehenzulassen und tiefe, flussnahe Bereiche zu vermeiden.
Dieses Jahr ist übrigens wirklich beachtlich in Sachen Taifune: In den 1970ern gab es 4 schwere Taifune in Japan, in den 1980ern keinen nennenswerten Taifun, in den 1990ern und 2000ern jeweils wieder 4 – doch “Roke” hat das Zeug dazu, der zweite schwere Taifun in diesem jungen Jahrzehnt zu werden: Nr. 12 in diesem Jahr, “Talas”, war etwas weniger stark, richtete aber im August/Septemver schwere Schäden vor allem in der Präfektur Wakayama an: 67 Menschen kamen ums Leben, 26 werden noch vermisst.
Tausend mal verlinkt, aber zur Sicherheit nochmal: Den aktuellen Taifunstatus auf Englisch gibt es hier.

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Nightcruising / Schmetterling in Brasilien

September 19th, 2011 | Tagged , | 5 Kommentare | 481 mal gelesen

Mal im Archiv kramen: Vor gut 5 Jahren beschwerte sich einmal ein Leser, das nirgendwo stünde, wieso es mich nach Japan verschlagen hatte und wie ich auf die absurde Idee kam, Japanisch zu lernen. Ich hätte mir ja schliesslich genauso gut andere absurde Hobbys zulegen können: Geldscheine sammeln zum Beispiel. Oder das stundenlange Hören minimalelektronischer Musik. Halt. Das sind ja wirklich meine Hobbys. Also schrieb ich damals den Artikel Wieso ausgerechnet Japanisch!?. Zusammenfassung: Eine sehr kontaktfreudige Austauschstudentin, nennen wir sie T., hatte die spontane Idee, mich zu fragen, ob sie mich mit ihren Freundinnen mal besuchen dürfe. Sie durften, und sie kamen wieder. Schnitt: 16 Jahre später sitze ich in meiner Wohnung bei Tokyo, mit Frau und Kindern, und schreibe den 600nochwas-ten Artikel über Japan. Ich bin mir ziemlich sicher, dass mein Leben ohne jene flüchtige Unterhaltung sehr wahrscheinlich eine ganz andere Entwicklung genommen hätte. Keine Ahnung, ob zum Besseren oder Schlechteren – aber bereut habe ich soweit nichts.
Nun gut – besagte T. traf ich Anfang 1997 zum letzten Mal. Und gestern war endlich wieder Gelegenheit, sich wiederzusehen. Bei einer gemeinsamen Freundin, in deren Haus ich vor 15 Jahren schon mal zu Besuch war. Da gestern auch noch das Wetter blendend war – blauer Himmel, leichte Beschafung – und einer akzeptablen Entfernung von 30 km (von der Küste bei Disneyland zur Stadt Kashiwa) ging es also gestern Nachmittag mit dem Fahrrad zu besagten Freunden und rund um Mitternacht wieder die 30 km zurück. Schön, dass sich die Temperatur bis dahin auf immerhin nur 27 Grad “abgekühlt” hatte. Und es war schön, festzustellen, dass man sich genausogut unterhalten konnte wie vor 15 Jahren. Dazu gab es natürlich die passende Musik aus jener Zeit: Such a Surge, H-Blockx, Dog Eat Dog, Ärzte usw.

Tokyo / Chiba: Alter Edogawa bei Nacht

Tokyo / Chiba: Alter Edogawa bei Nacht

A propos Radfahren in Japan: Es ist anstrengend. Es gibt fast gar keine Radwege, so dass man sich irgendwo durchwusteln muss. Man kann sich mit einem schnelleren Rad dabei jedoch durchaus in den Verkehr werfen und mit den Wellen mitschwimmen – sonst kommt man wirklich kaum voran aufgrund der engen Bürgersteige und der Tatsache, dass es an grösseren Kreuzungen manchmal nur Brücken oder Tunnel für Fußgänger gibt.
In Sachen Radwege gibt es aber auch Ausnahmen: Auf den Deichen des Edogawa (gawa = Fluss) zum Beispiel gibt es herrliche Radwege, auf denen man sehr schnell vorankommt. Und nachts, bei Mondschein, macht die Sache noch viel mehr Spass.

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Energiewende: 43% erneuerbare Energie bis 2020?

September 14th, 2011 | Tagged , | 8 Kommentare | 802 mal gelesen

Greenpeace-Aktion: Kernenergie in Japan bis 2012 abschaffen

Greenpeace-Aktion: Kernenergie in Japan bis 2012 abschaffen

Greenpeace stellte gestern, am 12. Sep 2011, einen Bericht vor, in dem vorgerechnet wird, daß Japan es bis 2020 auf einen Anteil von 43% an erneuerbaren Energiequellen bringen könnte. Der Bericht wurde in Zusammenarbeit mit 環境エネルギー政策研究所 (ISEP – Institute for Sustainable Energy Policies) erstellt und trägt den Titel “自然エネルギー革命シナリオ” – “Szenario zur Revolution natürlicher Energiequellen”.
Japan hinkt in Sachen erneuerbarer Energiequellen leider stark hinterher, aber Organisationen wie Greenpeace sehen in der Erdbebenkatastrophe die Chance, einiges aufzuholen. Und die Argumentation ist schlüssig: Momentan sind nur 11 der insgesamt 54 Kernreaktoren in Japan in Betrieb – und trotzdem gab es im Sommer keine Stromausfälle. Warum? Weil viel Strom gespart wurde. Großverbrauchern wurde angeordnet, mindestens 15% weniger Energie zu verbrauchen. Das ist auf Dauer nicht gut für die Wirtschaft, aber das Potential zum Stromsparen ist ganz offensichtlich da.
Nun ist bei Greenpeace erfahrungsgemäß sehr viel Optimismus dabei. So auch beim erklärten Ziel, bis 2012 alle AKW’s in Japan auszuschalten. Zu begrüssen wäre es. Es wird sicherlich etwas länger dauern, aber vielleicht, mit ganz viel Glück, findet doch noch ein Umdenken statt.
Ein Land ganz ohne Rohstoffe sollte eigentlich ein hohes Interesse daran haben, energietechnisch möglichst autark zu sein.

Der ganze Bericht im Original (in diesem Fall auf Englisch) kann hier heruntergeladen werden.

Falls sich der oder andere Leser gerade fragt, was mich zu diesem Artikel bewegt hat: Ich hatte in meinem vorherigen Leben ziemlich viel mit Themen wie nachhaltiger Entwicklung zu tun – dazu zählte auch intensive Forschung in Japan.

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Gut gemachte Doku: 155 Tage nach dem Erdbeben

September 8th, 2011 | Tagged , , | 21 Kommentare | 1748 mal gelesen

Ich bin erst jetzt darauf gestossen – die Sendung lief bereits am 12. August in Fuji TV: わ・す・れ・な・い ~東日本大震災155日の記録~ – “Unvergesslich: Das Logbuch 155 Tage nach der grossen Erdbebenkatastrophe von Japan”.
Gute Dokus gibt es selten in Japan – gerade im deutschen Sprachraum wird man da schnell verwöhnt und erwartet viel. In Japan ist investigativer Journalismus, auch bzw. gerade im Fernsehen, weniger verbreitet.
Diese Dokumentation ist jedoch relativ gut gemacht. Die Gliederung ist wie folgt:

1) Nach einer kurzen Einleitung geht es um den Tsunami – den Teil der Dreifachkatastrophe, der bei weitem die meisten Todesopfer und die ärgsten Verwüstungen hervorrief. Dabei – erst jetzt aufgetauchte Videos, Augenzeugeberichte und gute Analysen: So zum Beispiel zum Thema, warum zahlreiche Menschen trotz Warnung überrascht wurden (Einwohner direkt hinter den Deichen konnten das Meer nicht sehen und hören; zurückfliessende Welle war streckenweise verheerender als die Hauptwelle usw).

2) Nach ca. 32 Minuten folgt eine chronologische Aufarbeitung der Geschehnisse nach dem Beben: Wie sich das Erdbeben nach und nach durch Japan bewegte, wie und wo der Tsunami zuschlug usw.

3) Nach ca. 61 Minuten geht es um Fukushima und diverse Ungereimtheiten: Warum zum Beispiel die Regierung am Abend des 11. März noch verlautet, es sei keinerlei Radioaktivität ausgetreten – die selbe Regierung aber drei Stunden vorher bereits dutzende Busse aus der Nachbarpräfektur Ibaraki nach Fukushima ordete, um zu evakuieren (ohne Marschbefehl nach Aufnahme der Flüchtlinge, wohlbemerkt!).

4) Nach ca. 81 Minuten folgt ein beeindruckender Teil über die Aufräumarbeiten: Wie man es schaffte, trotz schwerer Zerstörungen auf guten 500 km der Shinkansen-Strecke jenen wieder nach nur 49 Tagen auf Trab zu bringen. Sowie zahlreiche Vorher-Nachher-Bilder aus den Tsunami-Gebieten.

Es wäre erfreulich, wenn sich ein deutscher Sender dieser Doku bemächtigt und sie übersetzt, denn sie erzählt die Dinge wirklich so, wie sie in Japan wahrgenommen wurden. Dabei ist auch die Reihenfolge wichtig.

Die Doku kann man sich auch ohne Japanischkenntnisse ansehen. Natürlich verpasst man etliche Erklärungen, aber die Bilder sind in sich selbst schlüssig. Die Bilder sind streckenweise harter Tobak.

Ich weiss, ich laufe Gefahr, einseitig zu werden mit diesem Thema. Aber es macht mir und sicherlich vielen Anderen, auch ein halbes Jahr danach, noch viel zu schaffen.

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Zwei Tage Kyōto, ein Erdbeben und ein Taifun

September 6th, 2011 | Tagged , , | 1 Kommentar | 443 mal gelesen

Am Sonntag morgen ging es nach Kyōto – mit dem ersten Shinkansen des Tages, morgens um 6:00 Uhr. Nein, nicht zur Verlustierung, sondern zur Arbeit: In Kyōto stand der erste “Extensive Reading World Congress” an (ja, sowas gibt es auch), mit zahlreichen illustren Figuren aus der “Szene”. Und was kann ein Sonntag schon bringen, der morgens um 4:30 mit dem Aufstehen beginnt? Ein paar Minuten vor Abfahrt stieg ich in den Shinkansen ein. Wie immer gab es eine lange Lautsprecheransage auf Japanisch und Englisch, damit die Zugreisenden gewarnt seien, wo der Zug überall halten wird und wo die armen Raucher eigentlich noch rauchen dürfen usw. usf. 5:55 begann der Zug bedächtig vor sich hin zu wackeln. Ohne loszufahren. Es fuhr auch nichts vorbei. Die Lautsprecheransage endete abrupt, und die Passagiere und Leute auf dem Bahnsteig schauten sich etwas verdutzt an. Alle hatten den gleichen Gedanken, da bin ich mir sicher: “Ist das ein Erdbeben oder bilde ich mir das nur ein?” Nein, es war eindeutig ein Erdbeben, Stärke 4.7 und unmittelbar bei Tokyo. Egal, jetzt bloss nicht verwirren lassen.
Eine Stunde nach Abfahrt, hinter Shin-Fuji, wurde das Wetter interessant: Wir fuhren in die Ausläufer von Taifun Nr. 12 hinein. Der Shinkansen bremste ab, und man sah stellenweise draussen rein gar nichts mehr. Trotzdem ging es bald mit 320 km/h weiter. Und es gab ellenlange Entschuldigungen vor Kyoto – aufgrund der widrigen Witterungsverhältnisse hätte man leider 2 Minuten Verspätung – “お忙しいところ申し訳ございませんでした” – “Gerade wo Sie es doch so eilig haben, fällt uns keine passende Entschuldigung ein”: Nein, das ist keine blühende Phantasie, sondern schlichte, sehr gebräuchliche Höflichkeitssprache in der Demutsform.
Kyōto? Da war doch was. Ach ja, Tempel, Kultur, viel zu sehen. Bei Taifun – Regen. Bei einer Konferenz: Regen, von innen betrachtet, in einer wunderschönen Universität weitab vom Geschehen.
Nein, keine Pointe in dieser Geschichte. Taifun Nr. 12 war übrigens etwas aussergewöhnlich: Bis vor einer Woche sah es so aus, als ob er direkt auf Tokyo treffen sollte. Dank eines Hochs östlich von Japan wurde er jedoch plötzlich nach Westen gedrückt. “Dank” ist hier aus der Perspektive der Hauptstädter zu sehen. Zwar wurde der Taifun zunehmend schwächer, aber er war allein von der Grösse her zu einem Monster herangewachsen. Wie so oft war nicht der Wind verheerend, sondern die Regenmengen, die vor allem auf dem Land in den Bergen regelmässig ganze Weiler durch Schlammlawinen verschütten. Ergebnis soweit: 37 Tote, 55 Vermisste. Die Opferzahlen steigen stündlich.
Ach ja: Das mit den Taifunbezeichnungen ist so eine Sache. Die von Taifunen betroffenen Pazifikanrainer haben sich auf eine Liste von insgesamt 140 Namen geeinigt: Jedes Land durfte dabei eigene Namen einbringen, selbst Hongkong und Makao. Erreicht ein Taifun eine gewisse Grösse, wird ein Name aus der Liste gewählt. Ist die Liste erschöpft, wird wieder von vorn begonnen. Taifune können Japan übrigens jederzeit heimsuchen – selbst im Winter. Taifunsaison ist allerdings die Zeit zwischen Juni und Oktober, mit der Spitzenzeit im Frühherbst.

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Anschauen, essen, fühlen! Katastrophentourismus 2011

September 2nd, 2011 | Tagged , , | 3 Kommentare | 572 mal gelesen

Seit einigen Tagen häufen sich die “Go! Tohoku”-Werbeposter in den U-Bahnen und anderswo. 東北 (Tōhoku) bedeutet Nordosten (bzw. streng übersetzt Ostnord) und ist der Name für die 6 Präfekturen im Norden der Insel Honshū. Die Küste entlang der Osthälfte der Region wurde bekanntlich bei dem schweren Erdbeben am 11. März 2011 verwüstet.

Go! Tohoku-Kampagne

Mittlerweilen gibt es immer weniger Privatpersonen und Gesellschaften im Nordosten, die Freiwillige für körperliche Arbeit benötigen. Das bedeutet, dass vieles aufgeräumt wurde. Das bedeutet aber nicht, dass alles wieder aufgebaut wurde. Die meisten Schulen zum Beispiel wurden noch nicht wiederaufgebaut – da in zahlreichen vom Tsunami betroffenen Gemeinden erst noch geklärt werden muss, ob man eine erneute Bebauung überhaupt zulassen kann. Möglicherweise werden weite Gebiete für die Bebauung gesperrt, da zahlreiche überflutete Bereiche durch das Beben schlagartig derart abgesenkt wurden, dass sie unter dem Meeresspiegel liegen – und damit besonders anfällig für neue Tsunamis und Sturmfluten sind.

Die “Unterstützt den Nordosten einfach dadurch, dass Ihr hinfahrt und konsumiert”-Idee kam bereits im April/Mai auf – quasi zu dem Zeitpunkt, als die wichtigsten Verkehrstrassen wiederhergestellt und auch die Versorgung wieder halbwegs funktionierte. Der Grundgedanke ist auch verständlich. Viele Gemeinden lebten vom Tourismus, und wenn schlagartig auch noch alle Touristen ausbleiben, wird die Lage sicherlich nicht besser. Andererseits ist die ganze Angelegenheit jedoch auch moralisch heikel. Einfach mal Katastrophe angucken fahren hinterlässt einen faden Nachgeschmack. Ich weiss nicht, ob ich das könnte – meine Frau könnte ich damit jedenfalls nicht überzeugen.

Etwas apart ist der Slogan dieser Kampagne:  観て、食べて、感じて (Mite, Tabete, Kanjite) – wörtlich: “Ansehen, essen, (mit)fühlen”. Oha.

Immerhin wurden gestern die letzten Massennotunterkünfte (Turnhallen, Kongresszentren, Schulen usw.) in der Präfektur Iwate geschlossen: Alle Bewohner konnten – nach fast einem halben Jahr – mittlerweilen anderweitig untergebracht werden.

Anbei noch der Link zur oben genannten Kampagne. Das Portal sammelt quasi Veranstalter solcher Touren und vermittelt Reisen – wer über das Portal bucht, bekommt Rabatt: Go! Tohoku 被災地応援ツアー

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