Sanriku-Kantō-Erdbeben – Update V: Langzeitige Evakuierung

März 15th, 2011 | Tagged , | 32 Kommentare | 2696 mal gelesen

Nur ein ganz, ganz kurzes Update.

Die Informationen zum AKW in Fukushima werden immer beunruhigender und der Wind wird in den nächsten Tagen aus der Richtung wehen (seltenerweise). Hinzu kommt die Versorgungslage, die momentan eher schlechter als besser wird. Sachen wie Trockennudeln, Wasser in Flaschen, Fertiggerichte, Brot, Taschentücher (und alles ähnlich Verwendbare), Toilettenpapier, Windeln usw. gibt es nahezu nirgendwo mehr zu kaufen.

Aus diesem Grund habe ich heute morgen meine Frau, ihre Schwester und die Schwiegermutter gedrängt, so schnell wie möglich Kantō zu verlassen. Das haben sie auch gottseidank getan. Sie haben die insgesamt drei Kinder geschnappt, sind mit dem Zug zum Bahnhof Tokyo gefahren und sitzen seit ca. 14 Uhr im Shinkansen nach Kōbe. Dort haben wir Verwandte.

Nun sind alle Frauen und Kinder der Familie vorübergehend in Sicherheit (auch wenn sich die Versorgungspässe schnell auf ganz Japan ausweiten werden), und alle Männer (der Mann der Schwester, Schwiegervater und ich) sowie die jüngste Schwester (also alle, die Arbeit haben), harren in Tokyo aus: Wenn alle die Hauptstadt verlassen würden, wäre Japan sehr schnell am Ende.

Die Entscheidung, sich von der Familie zu trennen, ist schwerwiegend. Aber die Sorge um die Kinder überwiegt, und so bin ich – für’s erste – erleichtert, dass sie im Shinkansen sitzen.

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32 Responses to “Sanriku-Kantō-Erdbeben – Update V: Langzeitige Evakuierung”

  • Jeremi sagt:

    Natürlich ist es schwierig sich von Frau und Kinder vorübergehend zu trennen, aber angesichts der Lage bin ich sicher, dass das die richtige Entscheidung war. So brauchst du dir etwas weniger Sorgen um sie zu machen.

    Ich möchte mich nochmals bei dir Bedanken, dass du weiterhin deinen Blog aktuallisierst. Die Berichtserstattung in den Nachrichten ist recht trocken und dadurch sehr fern. Durch deine Beiträge kann ich mir viel besser vorstellen, was eigentlich passiert und mitfühlen.

    Ich wünsche Euch, dass sich die Lage in Fukushima endlich stabilisiert!

    Es ist schwierig die richtigen Worte zu finden…

  • Ulti sagt:

    Ich bin überzeugt dass es alles gut gehen wird! Es sind zwar keine schöne Nachrichten, jedoch setze ich in Japanische Techniker die nun alles Mögliche versuchen, mein Vertrauen.
    Ich hoffe das die Situation sich so schnell wie möglich wieder normalisieren wird. Seit geraumer Zeit lese ich bereits deinen schönen Blog, jedoch bis Jetzt eher als passiver Leser.
    Ich weiß das ich mit meinen Kommentar hier nicht viel helfen kann, Jedoch sind meine Gedanken und Gebete bei Japan! Haltet durch, es wird alles wieder gut werden!

    Liebe Grüße aus Ruhrgebiet.

  • Anonymous sagt:

    Hatte heute Morgen von der nächsten Explosion in Fukushima gehört. Schlimme Sache. Der Wind soll aber „nur“ heute ins Landesinnere wehen. Hoffe für euch, dass er schnell wieder dreht.

    Drück euch die Daumen. Alles wird Gut!

  • Dirk sagt:

    Man, ich weiß gar nicht was ich sagen soll, ich habe auch Familie.
    Für einen Mitesser haben wir Platz, wir haben gestern drüber beratschlagt. Solltest du jemanden wissen der noch aus Japan raus kann und will, so holen wir den gern in Düsseldorf vom Flughafen ab und kümmern uns ihm ihn/sie.
    Liebe grüsse aus Moers, Familie Erker

  • Heike sagt:

    Keine Ahnung wie viel davon stimmt, was hier in den Medien erzählt wird, aber es soll wohl doch recht viel Radioaktivität ausgetreten sein. Letzte Meldungen sind, dass es erneut eine Explosion gab und dass Feuer ausgebrochen sei.
    Es ist gut, dass die Kinder weg sind, auch wenn es weh tut.
    Ich wünsche Euch ganz, ganz viel Kraft.
    Und vielen Dank für die Infos.

  • Gray sagt:

    Danke für die Mühe die Du Dir noch immer mit Deinem Block machst und für die sachlichen Infos!
    Es ist schwer sich von der Familie zu trennen. Ich hätte aber auch so gehandelt, besonders wg. der Kinder.
    Alles Gute!

  • Regina sagt:

    Ich wünsche euch alles erdenklich Gute!!

  • Marcus sagt:

    Auch wenns schwer fällt – die Entscheidung war, denke ich, die richtige. Deine Familie ist in (vorläufiger) Sicherheit und Du hast den Kopf etwas freier.

    Ich will gar nicht wissen wie es aussieht, wenn plötzlich alle Menschen gleichzeitig aus Tokyo rauswollen…

    Weiterhin alles Gute!

  • Gojira sagt:

    Viel Glück für euch alle und sieh du besser auch zu, beizeiten weg zu kommen.

  • Anja sagt:

    Ich denke auch, dass es die beste Idee war Kinder und Frau nach Kōbe gehen zu lassen.
    Auch wenn es bestimmt nicht einfach war.
    Ich hoffe dass sich schnell alles zum Guten wendet.Sei weiterhin so stark wie du auf mich den Anschein machst. Wir denken an euch.
    Liebe Grüße Anja

  • Ilse sagt:

    Alles Gute und meldet Euch wenn wir (Hallenser) helfen können …

    Markus

  • Birgit sagt:

    Bin durch Zufall auf deinen Blog gestoßen. Die Lage spitzt sich immer mehr zu und ich hoffe für dich und alle anderen, dass sie die Kraft aufbringen diese Situation zu meistern und gesund zu überstehen. Auch von mir das Angebot: wir sind eine Familie mit eigenem großen Haus und jederzeit bereit 2 Kinder oder Jugendliche bei uns aufzunehmen.Natürlich kommen wir für alle in Deutschland anfallenden Kosten auf. Abholen könnten wir ab Flughafen Frankfurt oder Zürich

    Wir denken an euch…

  • Rose sagt:

    ich schließe mich Dirk an.. wir haben eine große Wohnung und zusätzlich für einen Monat noch eine leerstehende Wohnung in Düsseldorf bzw. in der Nähe.
    Falls irgendwo Bedarf bestehen sollte, werde ich gerne Helfen wo ich kann.
    Mein Mann ist und bleibt auch in Yokohama. Ich weiß wie schwer das ist..
    Ich wünsche euch alles Gute. haltet durch.

  • Juergen sagt:

    Die Messstationen zeigen, dass vor 11 Stunden die Wolke Tokyo erreicht hat. Somit macht ihr sicherlich das Richtige. Riesen Respekt vor den Leuten die vor Ort in Fukushima versuchen die Reaktoren zu retten.

  • Wildeblume sagt:

    Danke für den erneuten Beitrag. Ich vertraue auf deine Info. Hoffentlich wird sich das alles bald wieder stabilisieren, so dass du und die anderen Betroffenen sich nicht ständig Sorgen machen müssen.

    Endlich habe ich auch den Facebook-Button gefunden, den ich gestern schon vermisst habe.

    Ich hoffe, dass dir der Blog vielleicht ein bisschen Normalität gibt.

    Daumen dückend und Kraft schickend!

  • Uli Fischer sagt:

    Vielen Dank für die weitere Berichterstattung. Ich wünsche euch, dass das alles bald vorbei ist und der Wiederaufbau und die Rückkehr zu einem normalen Leben möglich ist.

  • Z. sagt:

    Ich glaube man kann sich kaum vorstellen wie schwierig es ist Frau und Kinder ziehen zu lassen. Es war bestimmt die einzig richtige Entscheidung, wenn auch unvorstellbar schmerzhaft. Ich bewundere aber auch die Entscheidung aller in Tokyo zu bleiben und zu versuchen ein bisschen Normalität zu wahren, damit Japan nicht den Bach runtergeht. Natürlich würde ich gerne Ihnen und ihrer Familie bzw. Bekannten die aus dem Land wollen auch helfen, aber so wie es aussieht ist es wohl hilfreicher Ihnen Hilfe zu senden als zu versuchen massenhaft Menschen hierherzuholen. Daher mein Vorschlag und Angebot Ihnen die wichtigsten Dinge per Post zu schicken (falls die Zustellung momentan überhaupt möglich ist) wie Taschentücher, Fertigsuppen, Nudeln etc.
    Ich hoffe inständig das sich die Lage bessert. Ich kann mir einfach nicht vorstellen wie es im Moment in Japan zugeht. Als ich vor zwei Jahren da war hätte ich mir so ein Szenario gar nicht vorstellen können.
    Bitte halten Sie durch und geben Sie die Hoffnung nicht auf!

  • Julia sagt:

    Ein Kind oder zwei oder einen Jugendlichen könnten wir auch aufnehmen, denke ich. Meine Freunde wollen ja alle nicht.
    Japanisch kann ich auch, das ist also kein Problem.

  • Markus sagt:

    Danke fuer die Sachliche Information, unsere Gedanken sind mit Ihnen und Ihrer Familie! Kopf hoch, es kann nur noch besser werden!

  • Bert sagt:

    Hallo aus (derzeit) Osaka. In der jetzigen Situation die richtige Entscheidung zu treffen, ist sehr schwierig. Deutsche Medien sollte man besser aussen vor lassen. Japanische Medienvertreter sind heutzutage andere als in den 90er Jahren. Da kommen auch mal Nachfragen oder Kritik an den Aussagen von TEPCO. Ich denke also, dass die News bei NHK und Co. einigermassen ok sind. Viele meiner Kollegen und Freunde verlassen Tokyo, viele bleiben auch. Wir haben auch ueberlegt, vorerst nach Thailand oder Malaysia zu gehen, sind aber nun in Osaka geblieben und fuehlen uns recht sicher hier. Das Problem zurzeit ist die Panik (wenn man das in Japan so nennen kann) und dass viele Sachen nicht mehr zu haben sind und man teilweise weit fahren muss, um bsp. Windeln zu kaufen. Am Ende gilt sicher der Spruch Better Safe Than Sorry. Gruesse nach Tokyo und pass auf dich auf.

  • johanna sagt:

    Wie sieht das eigentlich jetzt aus mit der Post, funktioniert die Zustellung noch einigermaßen?
    Wir haben Freunde in Hadanoshi/Kanagawa, und je nachdem, wie es sich bei Ihnen ausgeht, denken wir über ein Päckchen nach. Ist das im Moment schon/noch/überhaupt sinnvoll?

  • Stefan sagt:

    Ich meine, im Schweizer Radio hätten sie heute gesagt, dass du damit nicht der einzige bist. Dass also v.a. Frauen mit Kindern Richtung Westen fahren. Viel Glück!

  • Engelbert sagt:

    Danke für die Berichte vor Ort … das ist mehr wert als alle Zeitungen dieser Welt.

  • Sarah sagt:

    Auch auf die Gefahr hin, dass ich hier allgemein gebasht werde, möchte ich Folgendes sagen:
    Hau ab aus Tokyo, pack Deine Verwandten und fahr zu Deiner Familie! Irgendwann muss man der eigenen Japanisierung Grenzen setzen! Ich wünsche Japan und allen Menschen dort alles erdenklich Gute und dass alles nochmal glimpflich abläuft. Ich wünsche Dir und Deiner Familie eine glückliche Wiedervereinigung und dass wir bald wieder von Dir hören. Meine Gedanken sind bei Dir!

  • Anonymous sagt:

    @Sarah, Melanie
    Siehe Heydal. Eure Aufrufe sind leichter geschrieben als getan und helfen absolut keinem.

  • melanie himmel sagt:

    ich stimmte sarah voll und ganz zu. jeder, der jetzt noch die möglichkeit hat, sollte so schnell wie möglich in sicherere gegenden zu flüchten. egal ob deutscher oder japaner, wer irgendwo einen ort hat, an den er gehen kann: los!

  • Heydal sagt:

    @ Sarah

    Nun ich will Dich nicht „bashen“, aber folgendes zu bedenken geben.

    Zwar ist es die Entscheidung jedes einzelnen, ob Er im Grossraum Tokyo bleibt oder nicht, doch eines ist auch klar, wenn alle 34 Mio. Einwohner des Grossraumes Tokyo dasselbe tun würden, nämlich zu fliehen, wäre dies eine Katastrophe welche um ein vielfaches schlimmer wäre als jeder radioaktive Fallout. Die Japaner sind zu bewundern, ob der Besonnenheit, mit der Sie auf diese Situation reagieren. Bei uns wären längst Millionen auf der Flucht, gäbe es Plünderungen und Chaos.

    Da lobe ich mir die Disziplin und den Durchhaltewillen der Japaner. Natürlich muss man auch sehen das es schlichtweg gar nicht möglich ist 34 Mio. Menschen zu evakuieren, was den Japanern sicherlich sehr bewusst ist.

  • Olli sagt:

    sicherlich eine gute Entscheidung, die Familie nach Kobe zu verlagern – eine kleine Sorge weniger.
    Meine Frau ist mit Sohn auch gerade dort, 10 Tage vor dem letzten Wochenende dort angekommen. Ihre klare Aussage: Sie will auch nicht in der momentanen Lage den Familienbesuch abbrechen und nach Deutschland zurück – Sie fühlt sich in Kobe sicher (mit dem Informationsstand der japanischen Medien, aber sie sieht auch deutsche Nachrichten).

    @tabibito
    Wenn Deine Frau mal Kontakt haben moechte, schreib eine Mail, ich gebe Dir dann die Daten.
    Unser Sohn ist mit seinen drei Jahren ein bischen jünger als Deine Tochter, aber vielleicht kann man sich ja mal austauschen oder etwas zusammen unternehmen (oder unsere Frauen koennen sich über ihre deutschen Ehemänner auslassen ;-) ).
    Und wenns auch nur zur Ablenkung von den zusätzlichen Sorgen dient.
    Wir wohnen in der Nähe von Hankyu Rokko Station.

    Dir in Tokyo weiterhin starke Nerven und alles Gute, auch wenn derzeit nicht abzusehen ist, wann sich die Situation wieder einigermassen normalisieren wird.
    Ob ich planmäßig in vier Wochen auch nach Kobe kommen werde, steht bei den derzeitigen Entwicklungen allerdings in den Sternen.

    Und danke für Deine unermüdlichen Beiträge auch in dieser Zeit — ich glaube, ich hätte dazu keinen Nerv !

  • Sarah sagt:

    Um nochmal alles klar zu stellen: Ich bewundere alle Menschen in Tokyo die den Mut aufbringen in dieser Situation Ruhe zu bewahren und nicht in Panik aus zu brechen. Es hilft niemandem in Panik Chaos zu erzeugen und noch mehr Menschen unnötig in Gefahr zu bringen.
    Ich halte auch nichts von der Panikmache der deutschen und auch der englisch-sprachigen Medien.
    Und die Leute die in Deutschland voller Panik Geigerzähler kaufen, gehören meiner Meinung nach in eine ganz eigene Kategorie.
    Trotzdem empfinde ich die Diskussion hier in meinem Lieblingsblog auch als eher einseitig und zwar auf der anderen Seite der Extreme.
    Ich weiß, dass ich mich nicht in Tabibitos Lage hinein versetzen kann und möchte auch gar nicht beurteilen, wie man sich am besten verhalten sollte.
    Wäre ich in Japan, würde ich mich wahrscheinlich ähnlich verhalten.
    Der Aufruf Tokyo zu verlassen ist aus Sorge geschehen, da ich mich durch den Blog mit Tabibito verbunden fühle (auch wenn das nur einseitig ist). Es tut mir leid, wenn ich Dir damit zu nahe getreten bin.

  • Sarah sagt:

    Und um noch was klar zu stellen: Ich habe nicht ganz Tokyo aufgefordert die Stadt zu verlassen. Mir ist klar, dass das nicht möglich ist. Ich habe mich ausschließlich an Tabibito gewandt, wobei ich glaube, dass er ein autonomer Erwachsener ist, der selbst entscheidet was er tut oder nicht. Es war lediglich Ausdruck meiner Sorge.
    Und ich glaube auch nicht, dass nur weil ein einzelner Ausländer entschließt Tokyo zu verlassen, gleich die ganze Moral bei allen anderen zusammen bricht und alle gleich in Panik fliehen.

  • oel sagt:

    Das mit der Windelknappheit ist erklaerbar. Wahrscheinlich wurde alles von der DE Botschaft aufgekauft.
    Halt die Ohren steif, es geht vorwaerts.

  • […] Sohn und 4-jähriger Tochter damals wegen der letztendlich hausgemachten Katastrophe von Fukushima fluchtartig die Stadt verlassen. Und nun ist die Politik dabei, dem Volk weiszumachen, dass man doch besser die AKWs wieder […]