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Sanriku-Kantō-Erdbeben – Update VI: Nachbeben/Medien

März 15th, 2011 | Tagged , | 35 Kommentare | 2522 mal gelesen

Allzu viel gibt es nach Update V nicht hinzuzufügen – dieser Tag begann mit sehr viel Stress und der zwar schweren, für mich aber zur Zeit einzig richtigen Entscheidung: Meiner Frau, ihrer Schwester und ihrer Mutter am Morgen zu sagen, dass sie die Kinder packen und gen Süden fahren sollen. Schwer im Sinne von riskant: Sie kommen bestimmt gut ein paar Tage ohne mich aus, da sie nicht allein sind und bei Verwandten, sondern schwer im Sinne von „was passiert, wenn plötzlich Hunderttausende die gleiche Idee haben und ihre Familie verfrachten wollen.
Aber es hat funktioniert. Zwar gab es wohl schon lange Schlangen am Fahrkartenschalter, aber sie konnten schnell Fahrkarten und sogar Sitzplätze ergattern und sind glücklich in Kōbe angekommen. Sicherlich wird der Eine oder Andere sagen „Moment mal, war das letzte richtig schwere Erdbeben nicht in Kōbe?“ Richtig. Und trotzdem ist es dort auf jeden Fall sicherer.

In Sachen AKW schwanken die Gefühle von Minute zu Minute. Erst gibt es beruhigende Nachrichten, dann schlechte. Ein Bekannter besuchte einen Pressetermin bei der britischen Botschaft, bei dem auch der technische Berater der britischen Regierung (Name leider unbekannt) auftrat: Er war der festen Überzeugung, dass es schlichtweg unmöglich sei, dass es so folgenschwer wie Tschernobyl werden würde. die Bauart sei grundsätzlich verschieden und selbst eine Kernschmelze würde nicht den gesamten Laden in die Luft sprengen und alles in der weiteren Umgebung verstrahlen. 
Auf der anderen Seite die deutschen Medien: Die Tagesschau sehnt bereits den Super-GAU herbei. Nebenbei gesagt ein absolutes Unwort, denn das „G“ in GAU steht für „größter“ – bekannterweise ein Superlativ, den man nicht steigern kann. Schade, dass sich sogar die Tagesschau der „Bild“-Sprache bedient. 

Just während ich das geschrieben habe gab es ein schweres Nachbeben….in Kanagawa…eine starke sechs bei Kamakura/Yoshida auf der japanischen Skala. Es scheint, die Beben wandern weiter südlich. Ich hoffe, Denis in Kamakura ist ok. Soeben wurde bekanntgegeben, dass der Shinkansen stillsteht – das ist die Linie, mit der meine Familie heute nach Kōbe gefahren ist …. Genau davor hatte ich grosse Sorgen). Das Beben schien sehr nah unter der Oberfläche zu sein.

Ich glaube, das reicht in Sachen Updates heute. Die Beben beginnen, an den Nerven zu zehren. Die Tatsache, dass das Hauptbeben ganz Honshu um ein paar Meter (ich habe gelesen 4 m) verschoben hat, hat zweifelsohne im Untergrund Spannungen hinterlassen, die sich jetzt nach und nach abbauen). 

Mehr wahrscheinlich morgen wieder nach einer – so hoffe ich – relativ ruhigen Nacht. 

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Sanriku-Kantō-Erdbeben – Update V: Langzeitige Evakuierung

März 15th, 2011 | Tagged , | 32 Kommentare | 2689 mal gelesen

Nur ein ganz, ganz kurzes Update.

Die Informationen zum AKW in Fukushima werden immer beunruhigender und der Wind wird in den nächsten Tagen aus der Richtung wehen (seltenerweise). Hinzu kommt die Versorgungslage, die momentan eher schlechter als besser wird. Sachen wie Trockennudeln, Wasser in Flaschen, Fertiggerichte, Brot, Taschentücher (und alles ähnlich Verwendbare), Toilettenpapier, Windeln usw. gibt es nahezu nirgendwo mehr zu kaufen.

Aus diesem Grund habe ich heute morgen meine Frau, ihre Schwester und die Schwiegermutter gedrängt, so schnell wie möglich Kantō zu verlassen. Das haben sie auch gottseidank getan. Sie haben die insgesamt drei Kinder geschnappt, sind mit dem Zug zum Bahnhof Tokyo gefahren und sitzen seit ca. 14 Uhr im Shinkansen nach Kōbe. Dort haben wir Verwandte.

Nun sind alle Frauen und Kinder der Familie vorübergehend in Sicherheit (auch wenn sich die Versorgungspässe schnell auf ganz Japan ausweiten werden), und alle Männer (der Mann der Schwester, Schwiegervater und ich) sowie die jüngste Schwester (also alle, die Arbeit haben), harren in Tokyo aus: Wenn alle die Hauptstadt verlassen würden, wäre Japan sehr schnell am Ende.

Die Entscheidung, sich von der Familie zu trennen, ist schwerwiegend. Aber die Sorge um die Kinder überwiegt, und so bin ich – für’s erste – erleichtert, dass sie im Shinkansen sitzen.

Mehr später

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