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Ise, Hashimoto, Kōyasan & Wakayama – Teil 1

Januar 19th, 2011 | Tagged , | 13 Kommentare | 1032 mal gelesen

Nein, ich bin nicht schreibfaul geworden. Im Blog vielleicht schon. Momentan arbeite ich jedoch mehr an der Aufbereitung der letzten, kurzen Tour zwischen Weihnachten und Neujahr vergangenen Jahres.

Als Reiseziel hatte ich mir die Präfektur Wakayama ausgesucht (südlich von Ōsaka). Der Grund dafür war recht profan: Wakayama ist eine der 5 (von 47) Präfekturen, die ich noch nie mit meiner Anwesenheit beehrt hatte. Praktischerweise liegt dabei Ise ganz in der Nähe – und zwar auf der gleichen Halbinsel (genannt Kii). Und Ise ist immerhin der Ort, an dem sich der Hauptschrein des Shintōismus befindet.
Los ging es schliesslich am frühen Morgen des 26. Dezember – erst nach Tōkyō, und von dort mit dem Shinkansen nach Nagoya.

Kaum angekommen ging es auch gleich weiter mit dem Schnellzug nach Ise – dort kam ich schliesslich bereits kurz nach 12 Uhr an. Rein in den Bus, und schon war ich am Inneren Schrein – und mit mir viele Tausend anderer Besucher, denn es war Sonntag. Das Problem mit den grossen Schreinen in Ise ist allerdings, dass man die wesentlichen Bereiche nicht sehen darf – es sei denn, man ist Kaiser von Japan, Hohepriester von Ise oder einer von dutzenden Handwerkern, die den Schrein alle 30 Jahre komplett neu zusammenzimmern. Diese Form der Beschäftigungstherapie und indirekten Wirtschaftsförderung der Region hält man nun schon seit mehr als 1’000 Jahren durch. Interessant ist Ise aber trotzdem dank der Nebenschreine, die den Hauptschreinen nachempfunden sind – und sich völlig vom Stil aller anderen Schreine in Japan abheben.

Praktischerweise liegt gleich neben dem Inneren Schrein eine Fressmeile, wo es von feinstem Rindfleisch über Ise-Hummer bis zu Ise-Udon (Nudeln) alles gibt, was das Gourmetherz begehrt. Nach einer kurzen Stärkung ging es wieder mit dem Bus zurück zum Äusseren Schrein. Der ist, nun ja, irgendwie wie der Innere Schrein, und nach dem fachkundigen Bestaunen dutzender Nebenschreine lässt man irgendwann die 8 Millionen lieben Götter einfach 8 Millionen liebe Götter sein. Das ganze wurde zudem von einem eisigen Wind beschleunigt. Es ging zurück zum Bahnhof und ein paar Minuten mit der Bahn nach Futaminoura – dort stehen zwei Felsen im Meer, die mit einem riesigen Seil verbunden sind. Ein für Japan bekannter (und zugegebenermassen sehr schöner Anblick.

Abends fragte ich – es hat schon Tradition – den Portier im Hotel, ob es irgendwo in der Nähe einen empfehlenswertes Restaurant (bzw. eher japanische Kneipe) gibt. Der Portier fing an, irgendwelche dubiosen italienischen Restaurants aufzuzählen. Ich bestand auf japanische Kneipen. “Shōya ist gut, und gleich um die Ecke” sagte er schliesslich. Klasse. Shōya ist so etwas wie das MacDonalds der japanischen Ess- und Trinkkneipen, und ich fahre bestimmt nicht hunderte von Kilometer, um dort zu essen. Also hiess es, durch die Kälte planlos durch die Gegend zu laufen. Bald stand ich vor einer angeblich selbst vom Kaiser empfohlenen Kneipe, in der es ganze Ise-Hummer für gute 40 Euro gibt. Sehr verlockend, aber für mich als Alleinreisenden etwas zu schade. Nach einer Weile stehe ich vor einer versteckten Hinterhofkneipe, aus der Gelächter dringt. Ich unterliege dem Charme des Smartphones: Kurz nach dem Namen gegooglet und nachgesehen, was andere Besucher dieses Etablissements so dazu sagen. Und siehe da – es scheint gut zu sein. Ich bin nicht der einzige Gast (wohl aber der Auffälligste) und als お通し (Otōshi – eine kleine Vorspeise, die in Esskneipen ungefragt gereicht wird – und in der Regel Geld kostet) gibt es Sashimi, was mir recht luxuriös erschien. Ich bestelle drei, vier Sachen (darunter zum Beispiel frittierten Fugu) und alles schmeckt fantastisch. Gut gefunden, muss ich mich da mal wieder selber loben. Beim Bezahlen meint die Bedienung noch “Bin ich aber froh, dass sie Japanisch können…”

Am nächsten Morgen ging es mit der Bummelbahn quer durch die Halbinsel bis nach Yamato-Takada (Präfektur Nara). Das dauert eine ganze Weile, und ich hatte ordentlich Hunger bekommen. Von dort will ich weiter in die Berge – und es sah alles arg nach Schnee oder Regen aus. Bevor es weiterging, hiess es erstmal Mittag suchen. Ich lande in einem pseudoitalienischen Restaurant mit All-you-can-eat Buffet für 950 Yen (das bemerkte ich zu spät – eigentlich bin ich kein Fan davon). Eine Oma neben mir mit ca. 4 vollen Tellern vor ihr grinst mich an und sagt “Ja, sowas lockt schon, oder?”. Ich schaute sie etwas verunsichert an – nein, ich bin eigentlich keine Fressmaschine. Zwei (kleine) Teller reichen mir, und es schmeckt, wie ein 950 Yen-All-you-can-eat-Buffet nun mal schmecken kann: Man kann zwar nicht meckern, aber man fragt sich fortlaufend, ob man nicht etwas Geduld gehabt hätte, bis man einen Ramen-Laden gefunden hätte, oder sich einfach nur ein paar Onigiri gekauft…

Mehr später…

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