Das Ende der Homöopathie in Japan

Oktober 6th, 2010 | Tagged , | 10 Kommentare | 2173 mal gelesen

In letzter Zeit liest man des öfteren über Homöopathie in Japan – allerdings nichts Gutes. Auch in Japan hatte diese Art der Behandlung ihre Anhänger – auch unter Medizinern. Homöopathie besagt, dass eine Krankheit dadurch heilbar wird, indem man Mittel verabreicht, die bei gesunden Menschen ähnliche Symptome hervorrufen würde wie bei der Krankheit üblich. Dabei werden die Wirkstoffe in der Regel nach einem gewissen Schema verdünnt. Der deutsche Artikel in der Wikipedia zur Homöopathie fasst Meinungen zum Thema kurz und trocken so zusammen:

Das Hahnemann’sche Ähnlichkeitsprinzip (=die Homöopathie, der Autor) ist wissenschaftlich nicht haltbar. Die behauptete selektive Steigerung erwünschter Wirkungen durch die rituellen Prozeduren des Potenzierungsverfahrens widerspricht naturwissenschaftlichen Erkenntnissen.

Nun bin ich zu wenig vom Fach, um das ganze objektiv beurteilen zu können. Sicher, das Wirkungsprinzip klingt schon nach einer grossen Spur Hokus-Pokus, aber das soll nichts heissen. Persönlich finde ich es allerdings immer wieder faszinierend unlogisch, wie manche Zeitgenossen nur allzu gern von den positiven Effekten natürlicher Substanzen im Gegensatz zu den bösen Eigenschaften künstlicher Substanzen reden – es dürfte der Gesundheit aber im allgemeinen abträglich sein, wenn man zu viel am Fingerhut lutscht oder etwas mehr vom Fliegenpilzwodka in sich hereinschüttet. Egal – kommt alles aus der Natur, muss also gut sein.

Um zum Thema zurückzukommen: Im vergangenen Jahr starb ein kleines Mädchen wenige Tage nach der Geburt in der Präfektur Yamaguchi. Das gesundheitliche Problem hätte sich mit Verabreichung von Vitamin K leicht lösen lassen können, doch die Hebamme vor Ort entschied sich dagegen und stattdessen für ein homöopathisches Mittel. Mit besagtem Resultat. Das trat eine Zahl neuer Forschungsprojekte und Diskussionen los – bis in dieser Woche der Vorsitzende des Wissenschaftsrates Japans (日本学術会議) Kanazawa Ärzte in Japan vor der Homöopathie warnte und die Methode mit 荒唐無稽 (kōtō mukei) betitelte – das bedeutet so viel wie Nonsens. Viele Ärzteverbände schlossen sich dem Aufruf an – das zusammen mit der von den Medien geprägten Meinung dürfte dieser Methode in Japan quasi den Garaus machen.

Das Wort des Tages: 漢方 kanpō. Der „chinesische Weg“ – die chinesische, traditionelle Heilkunde. Schon immer und ununterbrochen sehr beliebt in Japan – keine Modeerscheinung wie etwa die Homöopathie.

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10 Responses to “Das Ende der Homöopathie in Japan”

  • Heydal sagt:

    Die Wirkung die von homöopathischen Mitteln ausgeht ist durchaus real, im Sinne des Placebo-Effektes. So mag der Wirkstoff selbst wirkungslos sein, der Glaube daran bringt jedoch den gewünschten Effekt. Dieser Placebo-Effekt kann durchaus einen Stellenwert in der seriösen Medizin haben, das Problem hierbei ist daa dieser sehr Individuell ausfällt.

    Das Problem bei der Homöopathie entsteht wenn sie bei schwerwiegenden medizinischen Problemen die traditionelle Schulmedizin vollständig ersetzen soll. Auch die Frage ob eine medizin. Behandlung mit Arzneien die keine messbaren Wirkstoffe enthält, von der Krankenkasse entgeltet werden soll, war hier in der Schweiz ein heiss diskutiertes Thema. Homöopathie ist Glaubenssache, und dies wird so bleiben.

    Es wird spannend ob es der Schulmedizin in Japan gelingt der Homöopathie den garaus zu machen. In Mitteleuropa ist dies nicht nur gescheitert sondern vielmehr findet die Homöopathie immer mehr Anhänger.

  • Felix sagt:

    Homöopathie ist meiner Meinung nach gleichzusetzen mit Religion. Man sagt ja auch, der Glaube versetzt Berge ;-) Bis jetzt ist es noch niemand gelungen eine echte Wirkung (abseits von Placebo) zu Beweisen. Homöopathie soll daher ruhig weiter erhältlich sein, jedoch bestimmt nicht Kassen pflichtig und schon gar nicht als Ersatz für echte Medizin.

  • Christian sagt:

    Ich weiß jetzt nicht, ob ich im Text etwas falsch verstanden habe, wollte aber klarstellen, dass Homöopathie nicht mit pflanzlichen Medikamenten gleichzusetzen ist.
    Meiner Meinung nach ist Homöopathie nichts Anderes als Placebo, pflanzliche Wirkstoffe indes halte ich auf jeden Fall für potent.

  • Spokekiller sagt:

    Auch ich würde gerne Christians Beitrag noch unterstreichen. Gegen pflanzliche Medizin ist an sich nichts zu sagen. die entzündunghshemmende Wirkung von Pflanzen wie Kamille, Pfefferminz oder Thymian ist bewiesen. Leider verwechseln in Deutschland viele Menschen den Begriff Homöpathie wohl mit pflanzlicher Medizin. Zumindest bekomme ich das des öfteren mit.
    Weiterhin muß man sich im Klaren sein, dass es Grenzen für die Anwendung pflanzlicher Heilstoffe gibt, je nach Schweregrad einer Erkrankung.
    Mir tut das kleine Mädchen und vor allem die Eltern leid. Ich bin immer wieder ein wenig erstaunt, wie viele Menschen ärztliche Entscheidungen und Ratschläge grundsätzlich nicht in Frage stellen. Auch ein Arzt ist nur ein Mensch.

  • Bastian sagt:

    Wem die Homöopathie hilft, der soll sie anwenden. Hier herrscht das Motto „richtig ist, was gesund macht“. Bei wem das über einen Exorzismus klappt, bitte schön. Wer kleine Kügelchen mit ominösen Stoffen nehmen will, auch okay. Wer sich lieber ein paar Aspirin reinpfeifft, genehmigt.

    Ich finde es erstaunlich, wie von Seiten der (etablierten) Pharmazie gegen Alternativen gewettert wird, selbst wenn sie nachweisbare Effekte auf individueller Ebene haben (bestes Beispiel hier auch die Akupunktur). Natürlich lässt sich dadurch die „Schulmedizin“ nicht ersetzen, aber unterstützen und das verleugnen viele.
    Auch muss man dazu sagen, dass ein Großteil der erhältlichen „etablierten“ Produkte durchaus unnötig ist und mehr oder minder selbst gemachte Krankheiten bekämpft. Viele Medikamente enthalten Wirkstoffe, deren Effekte so noch nicht 100%ig erforscht sind und die dennoch zugelassen wurden. Wohin das führen kann sieht man an einer ganzen Generation von Contergan-Kindern.

    Man sollte stets in alle Richtungen kritisch denken, nicht nur in die, in die der Kopf von der stärksten Lobby gedreht wird!

    • Thomas sagt:

      Guten Abend aus Japan
      Ich will nicht auf Einzelheiten eingehen, weil das sehr weit ausarten würde. Aber ich möchte einmal kurz den Begriff „Schulmedizin“ aufgreifen.
      Ich selbst bin Akupunkteur in Japan (gebürtiger Deutscher, aber ich wohne hier seit 32 Jahren). Und hier steht die sogenannte Schulmedizin oft in Konkurrenz zur Akupunktur, welche oft als „alternative Medizin“ bezeichnet wird. Aber ein kurzer Rückblick zeigt, das Akupunktur und „Kampo“ in Japan für ca. 1300 Jahre das hauptsächliche medizinische System waren = Schulmedizin. Dahingegen wird die sogenannte Schulmedizin (westliche Medizin) hier erst seit ca. 150 praktiziert. Und die Leute tun dann so, als ob die letzten 1300 Jahre medizinische Versorgung durch orientalische Medizin einfach nicht stattgefunden hätte.
      Aber das ist vielleicht nur meine ganz eigene dumme Meinung.

      Schöne Grüße aus dem sehr heißen und feuchten Japan
      Thomas

  • Man man, jedesmal wenn ich irgendwie in Gespräche mit Anhängern der Homöopathie gekommen bin, wollte ich mich schon nach 2 min. am liebsten betrinken und versuchen den Tag zu vergessen. Ah, das Gleiche gilt für Zeugen Jehovas. Und Scientologen. Und…

  • Anonymous sagt:

    @Christian,
    Tut mir leid, wenn das so rüberkam. Nein, gemeint war nicht dass Homöopathie mit pflanzlichen Arzneimitteln gleichzusetzen ist.
    Aber wie im Artikel beschrieben – für mich als Laien zumindest ist die Unterteilung in pflanzliche und andere Wirkstoffe irgendwo nicht ganz klar – viele übliche Medikamente enthalten pflanzliche Wirkstoffe, nur dass die oft synthetisch hergestellt werden – Herzglykoside zum Beispiel. Gilt das dann als pflanzlicher Wirkstoff?

    Der Placebo-Effekt ist nicht zu unterschätzen – das habe ich bei meiner Arbeit auf Station damals kennengelernt. Besonders Sachen wie Schlafmittel funktionierten mit Placebo prima (na gut, aber nur weil Sie heute wirklich scheinbar nicht schlafen können, gibt es zur Ausnahme mal die lila Tropfen! Aber nur drei, sonst wachen Sie uns nicht mehr auf!).
    Verantwortungslos ist hingegen, Kindern, erst recht Säuglingen, Placebo-Medikamente zu verabreichen. Das ist schlichtweg grob fahrlässig. Obwohl besagte Hebamme mit Sicherheit davon ausging, dass das Medikament wirklich hilft.

    @Jacub
    Nachvollziehbar :)

  • Heydal sagt:

    @ Tabibito

    Auf Station ? Hast Du etwa Erfahrungen im Gesungheitswesen von denen Du uns nichts erzählt hast, Herr Kollege ?

  • Anonymous sagt:

    Ähm, ich will mich nicht gleich als Homöopathieanhänger outen. Allerdings habe ich schon die eine oder andere Erfahrung mit diesen Mittelchen machen können. Meiner Meinung nach zieht das Placeboargument nur bei älteren Personen (also die schon verstehen, das sie jetzt etwas bekommen was gegen eine Krankheit helfen soll). Bei unserem Sohn (jetzt 10 Monate) haben wir derartige Mittelchen erfolgreich gegen Zahnungsschmerzen verwendet. Ich glaube nicht, dass er wusste was der Spass soll.

    Ansonsten verstehe ich die Wirkungsweise auch nicht. Und die Schulmedizin verdamme ich auch nicht. Im Gegenteil, ich halte diese in vielen Fällen für die Einzige Behandlungsmöglichkeit. Aber es gibt auch Fälle, bei denen die Schulmedizin an die Grenzen gestossen ist und ander (alternative) Handlungsmethoden erfolgreich waren. Irgendwo wird immer auch ein fünkchen Wahrheit an dem Hokus-Pokus sein ;-)