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Nächste Panikwelle? Vulkanausbruch in Island in japanischen Medien

April 20th, 2010 | Tagged , , | 13 Kommentare | 1149 mal gelesen

Die Medien können auch hierzulande nicht ohne ein Thema leben, mit dem Panik geschürt werden kann. Da bietet sich, nach dem leisen Ende der Schweinegrippe und den ganzen Schauergeschichten um unverfrorene Kindermeuchler ganz unerwartet ein neues Thema an: Der Ausbruch des Vulkans mit dem unaussprechlichen Namen im fernen Island. Fern? Gar nicht mal so sehr: Wenn die Asche einmal in den Jetstream erreicht, ist es nicht mehr weit bis Japan.
Und so wird von den Medien schon ein düsteres Bild gemalt. Begünstigt auch vom bereits jetzt aussergewöhnlich kalten April (wohl der kälteste seit gut 30 Jahren), der jetzt schon die Preise für einige Gemüsesorten um bis das Dreifache hat ansteigen lassen.

Mehr als gerne verweisen die Programme so ganz nebenbei zum Beispiel auf die 天明の大飢饉 (Tenmin no Daikikin – die Tenmin-Hungersnot) – die dauerte von 1782 bis 1788 und war hauptsächlich dem Vulkanausbruch des Asama-yama nördlich von Tokyo zu verdanken. Historiker bewegen sich bei den Opferzahlen um die 100,000 herum – kein Vergleich zwar zur Great Potatoe Famine in Irland im 19. Jahrhundert, aber immerhin – so dicht war Japan damals nämlich noch nicht besiedelt.

Erste Japan-Blogger lassen sich auch schon von der Welle erfassen und schreiben zum Beispiel darüber, was passieren würde, wenn der Fuji-san ausbricht. Dessen Ausbruch ist nicht allzu lange her (geologisch gesehen) – es war 1707 und bescherte Edo (=Tokyo) damals eine 4 cm dicke Ascheschicht. Irgendwann im 20. Jahrhundert wurde der Fuji-san zum ruhenden Vulkan erklärt, doch davon sind die Wissenschaftlicher wieder abgerückt – man stuft ihn heute wieder als aktiven Vulkan ein.
Mir würde da allerdings doch eher der ziemlich aggressive Asama-yama in der Präfektur Gunma Sorgen bereiten, aber für Tokyo wäre das Ergebnis wohl in der Tat halbwegs das Gleiche: Verheerend.

Eigentlich kann man da nur alle auffordern, nicht allzu viel darüber nachzudenken und sich nicht von den Medien kirre machen zu lassen – über die Gefahren, die von schlummernden Riesen wie dem Fuji oder gar dem Yellowstone ausgehen, kann man zwar grübeln, aber helfen wird das im Fall der Fälle auch nicht.

Auch in Japan sind freilich zahlreiche Reisende vom Flugverbot betroffen – im Flughafen Narita campieren seit einigen Tagen etliche gestrandete Japanbesucher, die es sich nicht leisten können, mal eben so eine Woche oder mehr an den bestimmt schon genug teuren Japanurlaub ranzuhängen.

Das Wort des Tages: 火山灰 kazanbai. Feuer-Berg-Asche. Die Vulkanasche.

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