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Ganz grosse Klasse, liebe Reisepassdesigner!

April 18th, 2010 | Tagged , , | 15 Kommentare | 909 mal gelesen

Mein alter Pass war gleichzeitig voll und abgelaufen, und so war es Zeit, einen neuen Pass zu beantragen – einen biometrischen Pass also. Das war soweit alles auch kein Problem. Nach der Ausstellung des neuen Passes durch die Botschaft in Tokyo mussten als nächstes die gültigen Visa und Befugnisse usw. übertragen werden – das muss man bei der Ausländerbehörde machen lassen und soll angeblich “ganz schnell” gehen, aber dieses “ganz schnell” bei der Zentralen Ausländerbehörde dauert, kann ich mir jedenfalls vorstellen, auch mal eben einen halben Tag. Zum Glück erledigt so etwas aber die Firma für mich.
Was noch bleibt ist das Umschreiben der Ausländerregistrierungskarte, und das kann man, noch zumindest, im örtlichen Rathaus machen lassen – und das sogar am Sonntag. Also ging es heute dorthin. Der nette Angestellte nimmt also meinen neuen Pass und meine Karte und läuft zu seinem Computer (Grossraumbüro – man kann alles sehen). Kurze Zeit später starren nicht nur er, sondern mit ihm zwei weitere Angestellte auf meinen Pass und den Bildschirm. Oh weh, was ist denn jetzt los? Fliegt jetzt auf, dass ich die pro Quartal zu entrichtende Gemeindesteuer neulich drei Wochen zu spät bezahlt habe? Oder dass ich neulich mit dem Fahrrad eine Ampel bei Rot überfahren hatte? Sollte ich den Müll lieber doch nicht am Vorabend des Einsammeltages, sondern wirklich erst am Müllsammeltag morgens bis 7 Uhr rausstellen? Hat jemand vom Amt etwa gesehen, wie ich neulich vor dem Bahnhof nachts eine Zigarette rauchte, obwohl momentan die “Nachtrauchverbotskampagne vor dem Bahnhof” (bis Ende April) läuft?

Der Angestellte kam zurück. Ich sollte an dieser Stelle erwähnen, dass ich das örtliche Rathaus nebst Angestellten liebe: Sehr freundlich, sehr schnell, und sehr kompetent. Kein Scherz! Er war etwas verlegen: “Könnten Sie mir vielleicht helfen – wir sind nicht sicher, wie man ihre Reisepassnummer lesen soll”. Ich wundere mich kurz – war die Reisepassnummer nicht immer eine … Nummer? Dann sehe ich zum ersten Mal das Dilemma: Nein, heuer ist es ein alphanumerischer Wert, und mein Pass endet auf 00. Seine Verwirrung wird auch schnell deutlich, wenn man den Rest auf der Hauptdatenseite des Passes sieht: Es gibt rein gar keinen Unterschied zwischen “0″ (null) und “O” (oh) – beides ist schlichtweg identisch.

Wir einigen uns nach ein paar Minuten gegenseitigem Schulterzucken schliesslich darauf, dass ich später noch ein Mal wiederkomme.

Nach eins, zwei Minuten Internetrecherche erfahre ich, dass gewisse Buchstaben wegen der Verwechslungsgefahr nicht im Code verwendet werden, darunter auch das “o”. Alles klar – zwei Nullen also. Das ist ja noch verständlich. Und bei der Ein- oder Ausreise in Ländern mit Geräten, die den Maschinencode und/oder den Chip des Passes einlesen können, dürfte auch kein grosses Problem entstehen. Aber ich ahne schon, was folgt: 10 Jahre voll mit Problemen an Grenzen und beim Flugticketkauf, da niemand weiss, ob das Nullen oder Oh’s sind. Ich frage mich da ganz ernsthaft, ob es zu viel verlangt ist, eine Schriftart zu benutzen, bei der man erkennen kann, ob es eine Null oder ein O ist. Viele hunderttausend deutsche Staatsangehörige könnten somit vielen Millionen Fragen aus dem Weg gehen.

Davon mal abgesehen: Über dem Code (siehe Photo) steht immer noch “Nr.”. Habe ich da nicht richtig aufgepasst? Mich dünkt, eine Nummer besteht eigentlich immer nur aus Zahlen!? Vielleicht maximal noch mit einem Bindestrich!? Aber da liege ich vielleicht auch falsch. Und wir wollen ja nicht päpstlicher als der Papst sein. Es geht ja schliesslich nur um des Deutschen wichtigstes Dokument, den Reisepass.

Das Wort des Tages: パスポート pasupooto. Der Passport. Auf japanischen Pässen steht zudem “旅行券” ryokōken – Reiseausweis – aber im Gesprochenen Japanisch wird das kaum benutzt.

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