Steh auf, Japan!

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    Da hat das Kind also seit heute einen Namen: たちあがれ日本 Tachiagare Nippon – etwa: „Steh auf, Japan“ heisst die neue, mit viel Trara angekündigte und mit noch mehr Argwohn betrachtete Partei der nunmehr Ex-Liberaldemokraten Nakagawa, Ōshima, Fujii, Sonoda sowie dem LDP-nahem, aber parteilosen Hiranuma. Der Vorschlag für den (meiner Meinung nach reichlich bescheuertem) Parteinamen stammt vom ewig-regierenden Governeur von Tokyo, Ishihara, welcher das Projekt unterstützt. Nakagawa und Fujii gehören dem Unterhaus, die anderen drei dem Oberhaus an. Damit bildet die Partei eine eigene Fraktion und ist somit berechtigt, alljährlich rund 700,000 Euro (1億円) Parteiunterstützung vom Staat zu beziehen.

    Die meisten der 5-er Bande sind beileibe keine Unbekannten: Yosano war Finanzminister, Fujii Verkehrsminister und Hiranuma Wirtschaftsminister. Die Ausrichtung der Partei: Erzkonservativ. Die 5 halten die Liberaldemokraten seit der schweren Niederlage letzten Jahres auch nicht mehr für unterstützungswürdig und wollen so mit der neuen Partei Japan auf die Füsse helfen. Im noch nicht in Ton gemeisselten Manifest stehen pikante Sachen wie die Änderung der (noch) pazifistisch ausgelegten Verfassung, die Anhebung der Mehrwertsteuer, um die Staatsfinanzen zu sanieren und der Wirtschaft auf die Sprünge zu helfen sowie das Zusammenlegen der diversen Sparten der japanischen Post (inkl. Postbank usw.) zu einem Universalservice.

    Sofort hagelte es Spott für den Namen – von der Regierungspartei, der Opposition, den Leuten, die von Nachrichtensendern auf der Strasse interviewt wurden usw. (gut nachzulesen zum Beispiel hier (FNN News)). Zum einen für den Namen, zum Anderen für das Alter der Rebellen: 67 bis 72 Jahre alt. Ob da noch was aufsteht… ich hoffe, nicht. Mir ist der Verein suspekt.

    Das Wort des Tages: 旗揚げ hataage (suru) „Fahne – hochheben“. Etwas Neues starten, den Startschuss geben.

    8 COMMENTS

    1. Für mich wirkt das auch äußert suspekt, vor allem die zwei Punkte „Änderung der (noch) pazifistisch ausgelegten Verfassung, die Anhebung der Mehrwertsteuer“ finde ich suspekt.

      Ich frage mich, wozu Japan überhaupt weniger Pazifismus braucht. Wollte euch dort schonmal jemand angreifen? Soweit ich weiß gibt es ja Verteidigungsarmee und präventive / präemptive Kriege muss man sowieso kritisch sehen. Ich selbst denke also, dass es durchaus reicht, eine „Rückschlags“armee zu haben. Dann müsste man auch die Steuern nicht so stark anheben, weil eine Angriffsarmee (mit mehr Mann, denke ich) wohl teurer wäre. Zumindest hauen die USA ja Milliarden für Kriege raus.

    2. Wuerde mich garnicht wundern, wenn diese grenzdebilen Idioten auch noch „relativen“ Erfolg haetten. Schliesslich wird Ishihara trotz Pleiten und Pannen immer wieder gewaehlt. Warum eigentlich? Meine nichtrepraesentative Umfrage in der Familie ergab in etwa: „Klar hat der sie nicht alle, aber wer soll es denn sonst machen?“ Oje, da bleibt nur zu hoffen, das sich die Partei durch „natuerliche Auslese“, sprich: das Aussterben der alten Zausels von selbst erledigt…

    3. Wie läuft eigentlich das Prozedere, wenn mam in Japan eine Partei gründen will? Braucht man eine gewisse Zahl an Unterstüzern und muss Unterschriften sammeln gehen, oder kann da jeder Parlamentarier seinen eigenen Verein gründen, wenn ihm danach ist?
      Ich nehme an, der Titel soll die besonderen patriotischen Gefühle der Bürger auf die Seite der neuen Partei ziehen.

    4. Oh man, ein weiteres Sprachrohr der ewig Gestrigen… bleibt wirklich nur zu hoffen, dass sich der Wählerkreis lediglich aus Leuten desselben Alters rekrutiert.

      Mit der Idee die Verfassung zu ändern haben sie es aber auch in letzter Zeit… man sieht, da will jemand auch ein Stück vom Kuchen der internationalen Kriegsökonomie.

    5. Ich sach ma‘ 140.000,00 EUR sind auch nicht zu verachten. Das ist schon ein schönes Urlaubsgeld. Wenn sie Glück haben hält die Regierung bis zur nächsten regulären Wahl, da kommt für jeden ein schönes Sümmchen zusammen. Problem: wenn ich das richtig verstanden habe, müssen es mindestens fünf sein, um die entsprechende Parteiunterstützung zu bekommen. Könnte schwierig werden.

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