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Kindergeld für alle und freie Oberstufe

April 1st, 2010 | Tagged | 6 Kommentare | 794 mal gelesen

Die meisten, die es betrifft – in Japan lebende Ausländer mit Kindern – werden es schon wissen, aber ich poste trotzdem mal darüber: Scheinbar haben es die Sozialdemokraten ganz eilig mit dem Einlösen ihrer Wahlversprechen – das könnte durchaus mit gar entsetzlichen Umfragewerten in Japan zu tun haben. So wurden nun zwei Sachen in Windeseile durch’s Parlament geboxt:

Kindergeld

Bislang erhielten Familien für ihre Kinder 10,000 Yen für die ersten beiden Lebensjahre und danach 5,000 Yen bis zum 12. Lebensjahr. Vorausgesetzt, die Familie verdient nicht mehr als 5 bis 6 Millionen Yen pro Jahr (abhängig von der Anzahl der Kinder).
Das Wahlversprechen war, dass alle Familien nun Kindergeld bekommen sollen – und zwar 26,000 Yen, unabhängig vom Einkommen und bis zum 15. Lebensjahr. Dies wird nun (stufenweise) erhöht – in diesem Jahr auf 13,000 Yen und für alle. Die Anträge sollen bereits im April / Mai rausgehen und das erste Geld bereits Ende Juni ausgezahlt werden.

Kostenlose Oberstufe (15-18 Jahre)

Die Oberstufe soll kostenlos werden. Nun gibt es in Japan öffentliche und private Oberstufen – letztere bieten oft ein höheres Niveau, kosten aber dementsprechend auch mehr. Zumindest die öffentlichen Schulen sollen nun ganz kostenlos werden. Aber – und hier wird es interessant: Auch private Schulen (und internationale Schulen!) sollen 120,000 bis 240,000 Yen pro Jahr und Schüler (abhängig vom Einkommen der Eltern) erhalten können – dies könnte dann quasi in Form verkürzter Gebühren an die Eltern weitergegeben werden.
Ein Streitpunkt waren dabei ausländische Schulen – sollen zum Beispiel pro-nordkoreanische Oberschulen in Japan auch kostenlos werden? Letzten Endes sagt die Regierung: “Ja, aber erst nach Überprüfung durch eine dritte Instanz” (vorher wurde die Regierung vom UN-Kommissariat für Menschenrechte dafür gerügt, jene Schulen ausschliessen zu wollen).

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Werden die beiden Massnahmen etwas bewirken – vor allem im Hinblick auf die katastrophal niedrige Geburtenrate? Es wird nicht reichen. Mit Geld allein wird man das meiner Meinung nach nicht hinbiegen können – was wirklich fehlt ist eine Atmosphäre, die es Müttern ermöglicht, arbeiten zu können so sie es wünschen – das beinhaltet die Möglichkeit, Kinder in – bezahlbaren – Kitas unterbringen zu können.
Was die kostenlose Oberstufe anbelangt – schon jetzt besuchen ca. 96% der japanischen Kinder die Oberschule, von daher wird die zweite Massnahme sicherlich einigen Eltern helfen, aber den Kohl wird es wohl nicht fett machen.

Das Wort des Tages: 子供手当 kodomo teate. Kindergeld.

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