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International Partys oder – lust’ge Brautschau in Japan

April 27th, 2010 | Tagged , | 12 Kommentare | 943 mal gelesen

So – für die folgenden 10 oder so Tage werde ich leider keine Zeit haben, viel zu schreiben. Die Goldene Woche beginnt morgen, und es steht Besuch aus Deutschland an. Danach melde ich mich aber wieder – ganz bestimmt.

Anbei zuerst jedoch ein Artikel, den ich für die Februar-Ausgabe der Midori verfasst habe, und den möchte ich Euch nicht vorenthalten. Viel Spass beim Lesen – und Kommentare sind wie immer sehr willkommen!

——–

Sonnabend, abends um 19 Uhr vor irgendeinem Club in Roppongi im Herzen Tokyos: Vor der Tür wartet eine bunte Schar von Menschen, so um die 100, um sich alsbald am Türsteher vorbeizudrängen und umgerechnet 30 Euro zu zahlen, nur um an einer sogenannten “International Party” teilnehmen zu dürfen. Es sind auffallend viele Frauen darunter (99% aus Japan), Durchschnittsalter um die 30, und zahlreiche Ausländer – meistens Männer – aus aller Herren Länder.
30 Euro zu bezahlen, um zwei oder drei Stunden lang viele Ausländer auf einem Haufen zu sehen, dürfte eine Besonderheit Japans sein – ich kann mir kaum vorstellen, dass dieses Konzept in anderen Gefilden besondere Aufmerksamkeit geschweige denn Profit bringen würde. Anders in Japan: Es gibt einige Firmen, die sich entweder ganz oder auch nur zum Teil darauf spezialisieren, eben solche Veranstaltungen abzuhalten. Auch meine Firma organisiert, in der Regel monatlich, solche Partys, allerdings eher als Nebengeschäft. Und zu guten Veranstaltungen kommen auch schon mal gut und gerne 300 Gäste zusammen, vor allem, wenn es um so unjapanische Anlässe wie Halloween oder St. Patricks-Day geht. Was sind das alles für Leute? Wer bezahlt so viel Geld, nur um eine bunte Schar von Ausländern zu treffen? Haben die alle kein Zuhause?

Zwei Erklärungen mögen da auf den ersten Blick helfen: Japan ist eine Insel, beziehungsweise eine langgezogene Anhäufung tausender Inseln. Hinter Japan, mal ungeographisch und vom eurozentrischen Standpunkt aus gesprochen, ist die Welt zu Ende. Viele tausend Kilometer Wasser, dann die Datumsgrenze und mehr nicht. Japan liegt zwar nicht am Ende der Welt, aber verdammt nah dran. Zweite Erklärung: Japaner sind weltoffen. Sagen Japaner jedenfalls über sich, aber da ist auch was dran. Nicht wenige Japaner können Beethovens Neunte besser rezitieren als die Bürger der Heimat Beethovens.

Es ist allerdings gar nicht so einfach, Ausländer in Japan zu treffen – verglichen zumindest mit den meisten europäischen Ländern. Die Ausländerquote betrug 2007 gerade mal rund 1,7% (in Deutschland gute 8%), und das ist schon ein historischer Höchstwert. 55% davon sind entweder aus China und Korea – nicht wenige von ihnen leben schon seit Generationen in Japan. Im Japanischen unterteilt man übrigens ganz ungezwungen in Ajiajin (Asiaten), Kokujin (Schwarze) und Hakujin (Weisse). Hinzu kommen noch Nikkei-jin (Ausländer japanischer Abstammung, meist aus Südamerika). Amerikaner machen den grössten Anteil der Nicht-Asiaten und Nicht-Japanischstämmigen aus – mit 2,4% am gesamten Ausländeranteil. Will heissen, vor allem ausserhalb der Hauptstadt muss man schon ein bischen suchen, um einen “Weissen” zu finden.

Fassen wir also zusammen: Wer einmal der harschen japanischen Arbeits- und Moralwelt entfliehen möchte, muss als Japaner in einen Flieger steigen. Und wer nicht das Vergnügen hat, für eine ausländische Firma oder in einer Universität zu arbeiten, hat ausser den Sprachschulen vielleicht kaum Gelegenheiten, mit Ausländern zusammenzukommen.
Warum sind nun jedoch wesentlich mehr japanische Frauen bei den Partys? Sicher – nicht alle kommen, weil sie auf Brautschau sind. Aber einige sind es schon. Es hält sich nachwievor das hartnäckige Gerücht, dass Ausländer (bzw. Nicht-Ostasiaten, genauer gesagt) die angenehmeren Lebens(abschnitts)partner hergeben. Zu den unbestätigten Gerüchten zählt da zum Beispiel, dass Ausländer ihre Partner quasi auf Händen tragen, sogar im Haushalt helfen und ihre Partner einfach besser behandeln. Das möchte ich so erst mal im Raum stehen lassen – zumal sich auch zunehmend japanische Männer um Haushalt und Partner kümmern. Fakt ist jedoch, dass zum Beispiel geschiedene Frauen über 30 in Japan arge Probleme haben, einen neuen, japanischen Partner zu finden. Ja, selbst ledige Frauen über 30 haben bereits grosse Mühe, jemanden zu finden. In Japan werden Frauen über 25 bereits mitunter als “Christmas Cake” (Weihnachtstorte) bezeichnet – vor dem 25. (Dezember) will sie jeder haben, und nach dem 25. (Geburtstag) niemand mehr.
Allerdings muss dazu erwähnt werden, dass diese Redewendung bereits jetzt ein Anachronismus ist: Das Durchschnittsalter bei der ersten Hochzeit in Japan folgt dem gleichen Trend wie in Deutschland – die Menschen werden immer älter, bis sie sich trauen. Männer waren 2008 im Durchschnitt bereits gute 30, Frauen 28,5 Jahre alt.

Was versprechen sich nun also japanische Frauen, wenn sie in einschlägigen Orten in Japan auf Partnersuche sind? Im Japanischen gelten bei vielen Frauen in Sachen Partnerwahl die “Sandaka” (wörtlich: Drei Hochs) genannten “Tugenden”: Hoher Bildungsabschluss, hohes Einkommen, hohe Körpergrösse. Wahlweise wurde das noch durch eine vierte Voraussetzung erweitert – der Kandidat sollte nicht der älteste Sohn der Familie sein, denn sonst hat derjenige später die Ehre, sich um seine alternden Eltern zu kümmern – und das Verhältnis zwischen Mutter und Schwiegertochter in Japan wird von angehenden Ehefrauen mehr gefürchtet als alles andere zusammen. Man könnte das (erwartete) Verhältnis mit dem zwischen Schmetterling und grosser, schwarzer Spinne vergleichen.
Natürlich darf man aber auch hier nicht alle Menschen über einen Kamm scheren – es gibt auch genug Frauen in Japan, die sich nicht um solche Konventionen kümmern. Aber der besagte Begriff “Sandaka” ist allgemein bekannt, und wenn die angehende Frau nicht so sehr darauf achten mag, dann doch mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit ihre Eltern.

Ob ein ausländischer Mann unbedingt dem “Sandaka-Schema” entspricht, sei dahingestellt – es gibt genug Ausländer – auch aus Europa und Amerika – die in Japan am Rande des Existenzminimums wirtschaften beziehungsweise sich gerade so irgendwie durchschlagen. Zudem müssen die Frauen auch damit rechnen, bei den eigenen Eltern auf grossen Widerstand zu stossen, was zwar nicht die Regel ist, aber durchaus häufig vorkommt. Hinzu kommt die Sprachbarriere sowie diverse kulturelle Hürden: Anfangs genügt vielen der exotische Moment, aber wenn im Alltag plötzlich ungeahnte kulturelle Unterschiede auftreten, zerbrechen nicht wenige der Beziehungen. SIE stellt dann plötzlich fest, dass ER gar kein Interesse daran hat, mehr über ihre Sprache und Kultur zu erfahren, und ER merkt irgendwann, dass seine ach so niedliche, kleine Freundin ganz schön unwirsch werden kann, wenn ihr etwas nicht passt (viele ahnen gar nicht, wie resolut japanische Frauen sein können).
Bei vielen Paaren kommt die Ernüchterung auch erst später. Zum Beispiel wenn das erste Kind da ist. In Japan ist es üblich, dass die Eltern – jahrelang – mit ihren Kindern das Bett teilen. Nicht selten habe ich von Ausländern bitterböse Klagen darüber gehört, dass sie seit der Geburt des Kindes rein gar nichts mehr zu melden haben. Wer seine Kinder jedoch liebt, sollte sich allerdings gut überlegen, ob er sich dann wirklich scheiden lassen möchte, denn die Chance, seine Kinder daraufhin nie mehr wiederzusehen zu können, sind in Japan recht gross. Dafür sorgen fehlende Gesetze und Gerichte, die generell der Mutter das Sorgerecht zusprechen.

Und trotzdem – es gibt sie, die glücklichen Paare, die seit Jahrzehnten in mehr oder grosser Eintracht friedlich zusammenleben und Spass an der Kultur des Anderen haben. Paare mit Kindern, die als sogenannte “Half” (“halb”) bezeichnet werden – halb Ausländer, halb Japaner. Aus welchen Gründen auch immer sind diese Kinder in Japan sehr beliebt, man findet sie einfach irgendwie süss oder erwartet zumindest, dass sie süss sind. Einige haben jedoch auch mit weniger schönen Vorurteilen seitens der Lehrer und Klassenkameraden zu kämpfen, so sie eine normale Schule besuchen – dies scheint jedoch relativ selten der Fall zu sein.

Es dürfte jedenfalls interessant sein zu erfahren, wie viele glückliche Paare sich bei besagten Internationalen Partys gefunden haben. Und man darf nicht vergessen, dass viele Gäste auch einfach nur dabei sind, um sich zu amüsieren oder interessante Menschen kennenzulernen, die man sonst kaum treffen würde. Schliesslich trifft man dort auch Männer jeglicher Couleur und Frauen, die einfach nur mal wieder gepflegt auf Englisch (oder sogar Deutsch) reden möchten – oder aus Gründen der Erinnerung an gute alte Studienzeiten im Ausland dabei sind.
A propos Deutsch – es gibt auch internationale Partys mit deutschem Hintergrund, zumindest in Tokyo und das auch relativ regelmässig. Gerade diese spezielleren Partys sind dann auch durchaus zum Beispiel bei Deutschen in Japan sehr beliebt. Dort können sie nämlich ganz ungezwungen Japaner kennenlernen – denn auch das ist in Japan nicht immer unbedingt ganz einfach.

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GEOS / Schon wieder neue Partei / Kernel Bug

April 24th, 2010 | Tagged , | 4 Kommentare | 857 mal gelesen

Da gab die Woche dann doch wieder einiges her an Nachrichten – und ich hatte leider keine Zeit, irgend etwas zu schreiben.

Am Donnerstag passierte etwas, was sich schon sehr, sehr lange abgezeichnet hatte: GEOS, eine der grössten, privaten Englisch-Konversationsschulen, machte den Laden dicht. Nach dem Untergang von NOVA Ende 2007 ist dies die zweite Kette von Englischschulen, die untergeht: Wir reden hier immerhin von ca. 330 Schulen. Geos hat sowohl bei Lehrern als auch bei Schülern einen besseren Ruf als damals Nova, aber das zum Teil auch nur, weil Geos kleiner ist. Der sogenannte “Eikaiwa” (Englisch-Konversation)-Markt, einst ein Milliardengeschäft, bricht damit erneut ein: Gab es 2006 noch um die 750,000 Schüler an solchen Schulen, sind es nunmehr nicht einmal 250,000 Schüler. Interessanterweise erklärte sich die Firma G.Communication aus Nagoya bereit, 230 der Schulen zu übernehmen – der Rest wird dichtgemacht. G.Communication hatte bereits vorher einen Teil der bankrotten Nova-Gruppe aufgekauft und versucht momentan krampfhaft, den Namen “Nova” wiederzubelegen. GEOS ist ursprünglich ein Verlag – und stammt aus Tokushima auf Shikoku.
Übrigens wusste ich aus beruflichen Gründen bereits seit gut einem Jahr, dass Geos den Bach runtergeht. Seit fast einem halben Jahr wusste ich aus gut informierten Quellen auch, dass Geos nicht mehr zu retten ist. Leider waren das sehr vertrauliche Informationen, und das posten solcher Informationen – auch wenn dies ein deutschsprachiger Blog ist, hätte schwere Konsequenzen gehabt. Vor allem für Geos.
Einen weiteren, umfassenden Beitrag zum Thema Geos-Bankrott (und Nova) auf Deutsch gibt es hier.

Definitiv eine Randnotiz wert: Erst vor guten zwei Wochen hatte ich darüber berichtet, dass ein paar Ex-Minister der Liberaldemokraten meuterten und eine neue Parte mit dem (lächerlichen) Namen Steh auf, Japan! gegründet hatten – und dafür recht viel Spott einfingen. Nun: Die Zersplitterun der ehemals allmächtigen Liberalen hält an: Just verliess 舛添要一 Masuzoe Yōichi die Liberalen und schloss sich einer vor zwei Jahren gegründeten Partei an, welche bei der Gelegenheit gleich umbenannt wurde – in 新党改革 Shintō Kaikaku – Neue Partei (für) Reform. Masuzoe, ebenfalls Ex-Minister (Resort: Arbeits- und Wohlfahrtsministerium), wurde bei der Gelegenheit auch Parteivorsitzender.
Prinzipiell ist diese Meldung keine Erwähnung wert – schliesslich scheinen momentan wirklich Hinz und Kunz eine Partei zu gründen in Japan – wäre da nicht die Personalie Masuzoe dahinter. Im Gegensatz zu dem Gros der anderen Politiker in Japan haben viele Wähler in Japan (und auch ich) eine gute Meinung über ihn: Der Mann denkt logisch, packt an und weiss, wovon er redet. Es könnte gut sein, dass man noch öfter von ihm hört.

Last but not least: In letzter Zeit stürzte mein Server gelegentlich ab. Laut Angabe des Hosts war ein kernel bug die Ursache. Wenn dem so ist, sieht die Sache ernst (aber nicht hoffnungslos) aus. Über eine Neuinstallation des Betriebssystems werde ich womöglich nicht herumkommen. Leider habe ich dazu jedoch nicht die Musse. Ich bitte deshalb bei etwaigen Ausfällen um Geduld – ich hoffe freilich, dass sich Ausfälle in Grenzen halten.

Das Wort des Tages: できる人 – dekiru hito. “können – Mensch”. Umgangssprachlich für Jemanden, der es einfach bringt.

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Nächste Panikwelle? Vulkanausbruch in Island in japanischen Medien

April 20th, 2010 | Tagged , , | 13 Kommentare | 642 mal gelesen

Die Medien können auch hierzulande nicht ohne ein Thema leben, mit dem Panik geschürt werden kann. Da bietet sich, nach dem leisen Ende der Schweinegrippe und den ganzen Schauergeschichten um unverfrorene Kindermeuchler ganz unerwartet ein neues Thema an: Der Ausbruch des Vulkans mit dem unaussprechlichen Namen im fernen Island. Fern? Gar nicht mal so sehr: Wenn die Asche einmal in den Jetstream erreicht, ist es nicht mehr weit bis Japan.
Und so wird von den Medien schon ein düsteres Bild gemalt. Begünstigt auch vom bereits jetzt aussergewöhnlich kalten April (wohl der kälteste seit gut 30 Jahren), der jetzt schon die Preise für einige Gemüsesorten um bis das Dreifache hat ansteigen lassen.

Mehr als gerne verweisen die Programme so ganz nebenbei zum Beispiel auf die 天明の大飢饉 (Tenmin no Daikikin – die Tenmin-Hungersnot) – die dauerte von 1782 bis 1788 und war hauptsächlich dem Vulkanausbruch des Asama-yama nördlich von Tokyo zu verdanken. Historiker bewegen sich bei den Opferzahlen um die 100,000 herum – kein Vergleich zwar zur Great Potatoe Famine in Irland im 19. Jahrhundert, aber immerhin – so dicht war Japan damals nämlich noch nicht besiedelt.

Erste Japan-Blogger lassen sich auch schon von der Welle erfassen und schreiben zum Beispiel darüber, was passieren würde, wenn der Fuji-san ausbricht. Dessen Ausbruch ist nicht allzu lange her (geologisch gesehen) – es war 1707 und bescherte Edo (=Tokyo) damals eine 4 cm dicke Ascheschicht. Irgendwann im 20. Jahrhundert wurde der Fuji-san zum ruhenden Vulkan erklärt, doch davon sind die Wissenschaftlicher wieder abgerückt – man stuft ihn heute wieder als aktiven Vulkan ein.
Mir würde da allerdings doch eher der ziemlich aggressive Asama-yama in der Präfektur Gunma Sorgen bereiten, aber für Tokyo wäre das Ergebnis wohl in der Tat halbwegs das Gleiche: Verheerend.

Eigentlich kann man da nur alle auffordern, nicht allzu viel darüber nachzudenken und sich nicht von den Medien kirre machen zu lassen – über die Gefahren, die von schlummernden Riesen wie dem Fuji oder gar dem Yellowstone ausgehen, kann man zwar grübeln, aber helfen wird das im Fall der Fälle auch nicht.

Auch in Japan sind freilich zahlreiche Reisende vom Flugverbot betroffen – im Flughafen Narita campieren seit einigen Tagen etliche gestrandete Japanbesucher, die es sich nicht leisten können, mal eben so eine Woche oder mehr an den bestimmt schon genug teuren Japanurlaub ranzuhängen.

Das Wort des Tages: 火山灰 kazanbai. Feuer-Berg-Asche. Die Vulkanasche.

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Ganz grosse Klasse, liebe Reisepassdesigner!

April 18th, 2010 | Tagged , , | 15 Kommentare | 719 mal gelesen

Mein alter Pass war gleichzeitig voll und abgelaufen, und so war es Zeit, einen neuen Pass zu beantragen – einen biometrischen Pass also. Das war soweit alles auch kein Problem. Nach der Ausstellung des neuen Passes durch die Botschaft in Tokyo mussten als nächstes die gültigen Visa und Befugnisse usw. übertragen werden – das muss man bei der Ausländerbehörde machen lassen und soll angeblich “ganz schnell” gehen, aber dieses “ganz schnell” bei der Zentralen Ausländerbehörde dauert, kann ich mir jedenfalls vorstellen, auch mal eben einen halben Tag. Zum Glück erledigt so etwas aber die Firma für mich.
Was noch bleibt ist das Umschreiben der Ausländerregistrierungskarte, und das kann man, noch zumindest, im örtlichen Rathaus machen lassen – und das sogar am Sonntag. Also ging es heute dorthin. Der nette Angestellte nimmt also meinen neuen Pass und meine Karte und läuft zu seinem Computer (Grossraumbüro – man kann alles sehen). Kurze Zeit später starren nicht nur er, sondern mit ihm zwei weitere Angestellte auf meinen Pass und den Bildschirm. Oh weh, was ist denn jetzt los? Fliegt jetzt auf, dass ich die pro Quartal zu entrichtende Gemeindesteuer neulich drei Wochen zu spät bezahlt habe? Oder dass ich neulich mit dem Fahrrad eine Ampel bei Rot überfahren hatte? Sollte ich den Müll lieber doch nicht am Vorabend des Einsammeltages, sondern wirklich erst am Müllsammeltag morgens bis 7 Uhr rausstellen? Hat jemand vom Amt etwa gesehen, wie ich neulich vor dem Bahnhof nachts eine Zigarette rauchte, obwohl momentan die “Nachtrauchverbotskampagne vor dem Bahnhof” (bis Ende April) läuft?

Der Angestellte kam zurück. Ich sollte an dieser Stelle erwähnen, dass ich das örtliche Rathaus nebst Angestellten liebe: Sehr freundlich, sehr schnell, und sehr kompetent. Kein Scherz! Er war etwas verlegen: “Könnten Sie mir vielleicht helfen – wir sind nicht sicher, wie man ihre Reisepassnummer lesen soll”. Ich wundere mich kurz – war die Reisepassnummer nicht immer eine … Nummer? Dann sehe ich zum ersten Mal das Dilemma: Nein, heuer ist es ein alphanumerischer Wert, und mein Pass endet auf 00. Seine Verwirrung wird auch schnell deutlich, wenn man den Rest auf der Hauptdatenseite des Passes sieht: Es gibt rein gar keinen Unterschied zwischen “0″ (null) und “O” (oh) – beides ist schlichtweg identisch.

Wir einigen uns nach ein paar Minuten gegenseitigem Schulterzucken schliesslich darauf, dass ich später noch ein Mal wiederkomme.

Nach eins, zwei Minuten Internetrecherche erfahre ich, dass gewisse Buchstaben wegen der Verwechslungsgefahr nicht im Code verwendet werden, darunter auch das “o”. Alles klar – zwei Nullen also. Das ist ja noch verständlich. Und bei der Ein- oder Ausreise in Ländern mit Geräten, die den Maschinencode und/oder den Chip des Passes einlesen können, dürfte auch kein grosses Problem entstehen. Aber ich ahne schon, was folgt: 10 Jahre voll mit Problemen an Grenzen und beim Flugticketkauf, da niemand weiss, ob das Nullen oder Oh’s sind. Ich frage mich da ganz ernsthaft, ob es zu viel verlangt ist, eine Schriftart zu benutzen, bei der man erkennen kann, ob es eine Null oder ein O ist. Viele hunderttausend deutsche Staatsangehörige könnten somit vielen Millionen Fragen aus dem Weg gehen.

Davon mal abgesehen: Über dem Code (siehe Photo) steht immer noch “Nr.”. Habe ich da nicht richtig aufgepasst? Mich dünkt, eine Nummer besteht eigentlich immer nur aus Zahlen!? Vielleicht maximal noch mit einem Bindestrich!? Aber da liege ich vielleicht auch falsch. Und wir wollen ja nicht päpstlicher als der Papst sein. Es geht ja schliesslich nur um des Deutschen wichtigstes Dokument, den Reisepass.

Das Wort des Tages: パスポート pasupooto. Der Passport. Auf japanischen Pässen steht zudem “旅行券” ryokōken – Reiseausweis – aber im Gesprochenen Japanisch wird das kaum benutzt.

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Frühling überspringen

April 15th, 2010 | Tagged | 7 Kommentare | 457 mal gelesen

Momentan scheint es, als ob der Frühling dieses Jahr übersprungen wird: Schon das Kirschblütenfest war dieses Jahr wettertechnisch eher ein Reinfall – die Temperaturen lagen oft bei ca. 10 Grad, dazu gab es noch viel Wind und Regen (was aber kampferprobte Kirschblütenschautrinker nicht davon abhielt, das alljährliche übliche Ritual durchzuziehen). Nun war es wenigstens vergangenes Wochenende halbwegs normal (normal bedeutet um diese Zeit herum 11 Grad nachts und knapp 20 Grad am Tag), aber in dieser Woche geht es wieder ganz klar zurück in den Winter. Die Wettermeldung von Yahoo im iPhone/iPod Touch mit den ohnehin schon sehr unzuverlässigen Werten bringt das Ganze auf den Punkt: Tiefsttemperatur 7 Grad, Höchsttemperatur 9 Grad. Momentane Temperatur: 5 Grad. Liebe IT’ler bei Yahoo for iPhone: Könntet Ihr bitte die folgende Zeile in Euer Programm hinzufügen:

if recentTemperature < lowestTemperature then lowestTemperature = recentTemperature

Ganz einfach, und der logisch denkende Durchschnittsuser muss sich nicht jedes Mal in die Wange kneifen um zu merken, dass ansonsten alles echt ist.

Auch den Leuten bei der U-Bahn und den Zügen scheint das Wetter aufs Gemüt zu schlagen: An drei von vier Tagen in dieser Woche herrschte Chaos auf etlichen Linien, an einem Tag mit der Begründung, “weil es regnet”. Sind wir in Abu Dhabi oder was!? So. Das musste mal gesagt werden. Wer auch immer momentan in Tokyo auf Besuch weilt: Sorry, Pech gehabt! Ist nicht immer so! Wird aber bis Sonntag wohl auch nicht besser…

Das Wort des Tages: 愚痴 guchi. “dumm – belanglos”. Zusammen: Nörgelei, Klagen.

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Kopf leer / Neue Features

April 13th, 2010 | Tagged , | 6 Kommentare | 831 mal gelesen

In letzter Zeit ist mein Kopf am Abend manchmal so leer… das bedeutet wohl, dass es mal wieder Zeit wird für einen kurzen Urlaub. Und das mir mitunter nichts spannendes zu schreiben einfällt für diesen Blog. Sollten mir nach knapp 500 Beiträgen die Themen ausgehen? Eher nicht. Aber momentan gibt die Gesamtwetterlage nicht allzu viel Schreibstoff her, und ich schulde der Zeitschrift “Midori” auch schon wieder den nächsten längeren Artikel.
Ganz untätig war ich allerdings nicht – ich habe ein bisschen am Japan-Blog Feed-Radar (noch immer eher ein Arbeitstitel) gearbeitet:

Zum einen habe ich eine Suche eingebaut, in der man die gelisteten Blogs alle auf einmal durchsuchen kann – gesucht wird in den Beiträgen nach 2008 und die Suche erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Für Leser soll sie dazu dienen, schnell zweite und dritte Meinungen zu einem Bereich einholen zu können. Für Blogger hingegen soll sie zum einen dazu dienen, mehr Traffic zu bekommen sowie eine Quelle für neue Artikel zu haben. Wer zum Thema “Hanami” bloggen möchte, kann so erstmal schauen, was so alles bereits geschrieben und was noch nicht geschrieben wurde, und wer mag, kann Kreuzverweise zu anderen Blogs mit dem gleichen Thema setzen. Ich hoffe, es nützt jemandem.

Auf Anfrage eines Lesers habe ich zudem einen Feed für den Feed-Radar eingerichtet (toll, oder!? Feeds per Feed abonnieren!!!). Der Feed ist über das blaue Feed-Symbol neben dem “Letzte Blog-Artikel” erreichbar.
Dazu jedoch ein paar Worte: Momentan zieht der Feed die Artikel aus meiner Datenbank, aber das soll nicht die endgültige Lösung sein, denn zum einen belastet das meinen Server, zum anderen raubt es den Eigentümern der Blogs Traffic (obwohl Feed-Traffic für Suchmaschinen keine Rolle spielt). Ich werde den Feed deshalb sobald möglich so umschreiben, dass nicht ganze Beiträge, sondern nur die ersten paar Zeilen gesendet werden – für den Rest muss man dann zur jeweiligen Webseite. Ein Aufruf deshalb an Bloggerkollegen – bei Einwänden bitte melden!

Bei Feeds habe ich allerdings nachwievor ein bisschen Bauchschmerzen: Feeds sind genial, um spielend leicht Informationen zwischen verschiedenen Webseiten auszutauschen. Richtig eingesetzt (wie im Feed-Radar) helfen sie sogar, anderen Webseiten mehr Traffic zu bringen (Anmerkung: Es ist trotzdem sehr selten, dass sich dafür mal jemand bedankt – auf eine Email mit der Ankündigung an Blogbesitzer, dass ich deren Blog ungefragt aufgenommen habe, kommt meistens – gar keine Reaktion. Ist ja auch klar: Es muss mir ja eine Ehre sein, den Blog verlinken zu dürfen :-).
Komplette Beiträge per Feed zu versenden sehe ich aber noch immer zwiespältig – zum einen, weil es den Betreiber definitiv um Werbeeinnahmen bringt (ja ja, Werbung im Feed gibt es auch, aber die ist ineffektiv und lästig), zum Anderen, weil es keine Punkte in Sachen Suchmaschinen gibt. Aber egal: Feeds gehören dazu, und eins ist immer noch am Wichtigsten: Das man nicht nur für sich allein schreibt und nicht allen Lesern sein grausames Design aufzwängen muss. Also – keine Sorge, Feeds bleiben natürlich und werden nachwievor gefördert.

Das Wort des Tages: 購読する kōdoku suru. “Kaufen-lesen + machen”. Etwas abonnieren. Im Falle eines Feeds: フィードを購読する (fiido o kōdoku suru).

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Steh auf, Japan!

April 7th, 2010 | Tagged | 8 Kommentare | 601 mal gelesen

Da hat das Kind also seit heute einen Namen: たちあがれ日本 Tachiagare Nippon – etwa: “Steh auf, Japan” heisst die neue, mit viel Trara angekündigte und mit noch mehr Argwohn betrachtete Partei der nunmehr Ex-Liberaldemokraten Nakagawa, Ōshima, Fujii, Sonoda sowie dem LDP-nahem, aber parteilosen Hiranuma. Der Vorschlag für den (meiner Meinung nach reichlich bescheuertem) Parteinamen stammt vom ewig-regierenden Governeur von Tokyo, Ishihara, welcher das Projekt unterstützt. Nakagawa und Fujii gehören dem Unterhaus, die anderen drei dem Oberhaus an. Damit bildet die Partei eine eigene Fraktion und ist somit berechtigt, alljährlich rund 700,000 Euro (1億円) Parteiunterstützung vom Staat zu beziehen.

Die meisten der 5-er Bande sind beileibe keine Unbekannten: Yosano war Finanzminister, Fujii Verkehrsminister und Hiranuma Wirtschaftsminister. Die Ausrichtung der Partei: Erzkonservativ. Die 5 halten die Liberaldemokraten seit der schweren Niederlage letzten Jahres auch nicht mehr für unterstützungswürdig und wollen so mit der neuen Partei Japan auf die Füsse helfen. Im noch nicht in Ton gemeisselten Manifest stehen pikante Sachen wie die Änderung der (noch) pazifistisch ausgelegten Verfassung, die Anhebung der Mehrwertsteuer, um die Staatsfinanzen zu sanieren und der Wirtschaft auf die Sprünge zu helfen sowie das Zusammenlegen der diversen Sparten der japanischen Post (inkl. Postbank usw.) zu einem Universalservice.

Sofort hagelte es Spott für den Namen – von der Regierungspartei, der Opposition, den Leuten, die von Nachrichtensendern auf der Strasse interviewt wurden usw. (gut nachzulesen zum Beispiel hier (FNN News)). Zum einen für den Namen, zum Anderen für das Alter der Rebellen: 67 bis 72 Jahre alt. Ob da noch was aufsteht… ich hoffe, nicht. Mir ist der Verein suspekt.

Das Wort des Tages: 旗揚げ hataage (suru) “Fahne – hochheben”. Etwas Neues starten, den Startschuss geben.

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Japanische Etikette – ein Irrtum und seine Folgen

April 5th, 2010 | Tagged , | 8 Kommentare | 672 mal gelesen

An diesem Wochenende habe ich ein Beispiel für Etikette erlebt, wie es besser nicht beschrieben werden könnte. Das ganze begann mit einer Abschiedsfeier für einen Kollegen, der in der vergangenen Woche die Firma verlassen hatte. Er war ein paar Jahre dabei, hat ausgezeichnete Arbeit geleistet und wir waren ihm dementsprechend eine Abschiedsfeier schuldig.

Also ging es am Freitagabend zu einer etwas besseren izakaya (japanisches Kneipenrestaurant). Am Eingang gibt es dort zwei grosse Wandschränke mit Bügeln. Also Jacke aus, rauf auf den Bügel und fertig. Als die Feier zu Ende war, ging es zum Wandschrank – dort hing einiges, aber keine Lederjacke. Nur Jackets. Nanu? Drei mal gesucht, noch mal am Platz nachgesehen – nein, definitiv nicht da. Ein junger Angestellter kommt vorbei, fragt, was los ist, denn um mich herum steht eine Menschentraube – meine mitfühlenden Kollegen. Ich erkläre, was geschehen ist – und er quittiert das mit “Der Wandschrank ist eigentlich nur für grosse Gruppen mit Reservierung”. Ich sage ihm – freundlich – dass das irrelevant sei: Wenn dem so sei, sollte man ein Schild anbringen. Ausserdem ändert das nichts daran, dass eine in Japan doch recht auffällige Lederjacke weg ist.

Mittlerweilen ist auch der Chef des Ladens aufgetaucht, und der ist etwas erfahrener in Sachen Etikette. Er zieht den Kollegen zur Seite und stimmt mir sofort zu: Ja, da hätte wirklich ein Schild sein sollen. Er bietet mir an, sofort den 幹事 (kanji) anzurufen. Wenn sich in Japan Menschen zu irgendeiner Festivität verabreden, wird immer jemand zum kanji bestimmt – der hat die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass alles seine Richtigkeit hat, jeder den Weg findet, die Rechnung bezahlt wird usw. usf.
Seine Gruppe war gross: 35 Leute, ebenfalls Firmenfeier. Also wird der kanji angerufen – der ruft danach Einen nach den Anderen an.

Nun war mir in dem Moment die Jacke weniger wichtig – wichtiger war das Schlüsselbund in der Jacke. Ich sage dem Besitzer, dass ich eine halbe Stunde in der Gegend sein werde und dann nochmal vorbeischaue. Ich gebe ihm Email-Adresse und Telefonnummer. 30 Minuten später: Der kanji hat eine heisse Spur: Einem Untergebenen kam die Jacke eines anderen Untergebenen verdächtig vor. Letzterer ist aber nicht mehr erreichbar. Da ich ja nicht alleine wohne, mache ich mich also auf den Heimweg – ohne Jacke.
Am Wochenende dann eine Email und ein Anruf vom Besitzer: Er fährt am Sonntag die Jacke abholen. Ich sage ihm, dass es bis Montag Zeit habe – vielleicht könnte er sich die Jacke ja dann auch schicken lassen (der Besitzer tat mir wirklich leid).

Sonntag abend wieder eine Email – er bringt die Jacke am nächsten Tag in meine Firma (ich hatte ihm meine Karte hinterlassen). Der Schlüssel sei auch da. Heute abend dann Showdown in der Firma: Der Besitzer kommt, mit Jacke. Und zwei Taschen: In der einen: Eine (ziemlich teure) japanische Süssigkeit. In der anderen: Ziemlich teurer Käsekuchen (ca. 20 Euro). Ersteres: Von ihm. Letzteres von dem Jackendieb. Dazu noch ein dutzend Entschuldigungen (und ein dutzend Entschuldigungen und Beschwichtigungen von mir). Japanische Etikette eben… das weibliche Personal in meiner Firma freute sich jedenfalls über die beiden Taschen.

Das Wort des Tages: お詫び owabi – die Entschuldigung. Es gibt einige Formen der Entschuldigung in Japan – “owabi” ist eine der höheren Formen (also wenn man sich – zumindest förmlich – “wirklich” entschuldigt, also wirklich die Verantwortung übernimmt).

Wie jemand seine Anzugjacke mit einer schwarzen, glatten, mindestens 5 mal schwereren Lederjacke verwechselt, ist mir jedoch nachwievor ein Rätsel. Würde mich mal interessieren, wann er es bemerkt hatte und was seine Frau (so vorhanden) dazu gesagt hatte…

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Kindergeld für alle und freie Oberstufe

April 1st, 2010 | Tagged | 6 Kommentare | 636 mal gelesen

Die meisten, die es betrifft – in Japan lebende Ausländer mit Kindern – werden es schon wissen, aber ich poste trotzdem mal darüber: Scheinbar haben es die Sozialdemokraten ganz eilig mit dem Einlösen ihrer Wahlversprechen – das könnte durchaus mit gar entsetzlichen Umfragewerten in Japan zu tun haben. So wurden nun zwei Sachen in Windeseile durch’s Parlament geboxt:

Kindergeld

Bislang erhielten Familien für ihre Kinder 10,000 Yen für die ersten beiden Lebensjahre und danach 5,000 Yen bis zum 12. Lebensjahr. Vorausgesetzt, die Familie verdient nicht mehr als 5 bis 6 Millionen Yen pro Jahr (abhängig von der Anzahl der Kinder).
Das Wahlversprechen war, dass alle Familien nun Kindergeld bekommen sollen – und zwar 26,000 Yen, unabhängig vom Einkommen und bis zum 15. Lebensjahr. Dies wird nun (stufenweise) erhöht – in diesem Jahr auf 13,000 Yen und für alle. Die Anträge sollen bereits im April / Mai rausgehen und das erste Geld bereits Ende Juni ausgezahlt werden.

Kostenlose Oberstufe (15-18 Jahre)

Die Oberstufe soll kostenlos werden. Nun gibt es in Japan öffentliche und private Oberstufen – letztere bieten oft ein höheres Niveau, kosten aber dementsprechend auch mehr. Zumindest die öffentlichen Schulen sollen nun ganz kostenlos werden. Aber – und hier wird es interessant: Auch private Schulen (und internationale Schulen!) sollen 120,000 bis 240,000 Yen pro Jahr und Schüler (abhängig vom Einkommen der Eltern) erhalten können – dies könnte dann quasi in Form verkürzter Gebühren an die Eltern weitergegeben werden.
Ein Streitpunkt waren dabei ausländische Schulen – sollen zum Beispiel pro-nordkoreanische Oberschulen in Japan auch kostenlos werden? Letzten Endes sagt die Regierung: “Ja, aber erst nach Überprüfung durch eine dritte Instanz” (vorher wurde die Regierung vom UN-Kommissariat für Menschenrechte dafür gerügt, jene Schulen ausschliessen zu wollen).

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Werden die beiden Massnahmen etwas bewirken – vor allem im Hinblick auf die katastrophal niedrige Geburtenrate? Es wird nicht reichen. Mit Geld allein wird man das meiner Meinung nach nicht hinbiegen können – was wirklich fehlt ist eine Atmosphäre, die es Müttern ermöglicht, arbeiten zu können so sie es wünschen – das beinhaltet die Möglichkeit, Kinder in – bezahlbaren – Kitas unterbringen zu können.
Was die kostenlose Oberstufe anbelangt – schon jetzt besuchen ca. 96% der japanischen Kinder die Oberschule, von daher wird die zweite Massnahme sicherlich einigen Eltern helfen, aber den Kohl wird es wohl nicht fett machen.

Das Wort des Tages: 子供手当 kodomo teate. Kindergeld.

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