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Erdbeben auf Okinawa

Februar 27th, 2010 | Tagged , | 7 Kommentare | 647 mal gelesen

Heute morgen gegen halb sechs hat ein starkes Erdbeben nahe der Hauptinsel von Okinawa aus den Betten getrieben – das Beben hatte eine Stärke von 6,9 auf der Richter-Skala bzw. eine schwache 5 laut der japanischen Skala (mehr dazu hier). Erst wurde dazu eine Tsunamiwarnung herausgegeben, aber der Tsunami fiel mit rund 10 cm sehr schwach aus. Ein Erdbeben dieser Stärke ist auf Okinawa übrigens sehr selten – 1923 gab es ein Beben der Stärke 6,8, und 1911 ein Beben der Stärke 8,0 – Okinawa gilt im erdbebenreichen Japan eigentlich als relativ sicher.
Passiert ist dieses Mal nicht viel – Meldungen über grössere Schäden und Verletzte blieben aus. Dann kann man nur noch hoffen, dass das schwere Erdbeben bei Chile heute nachmittag nicht noch eine grosse Welle Richtung Japan schickt.

Das Wort des Tages: 速報 sokuhō – die Eilmeldung.

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Vorbildliche Meinungsfreiheit?

Februar 25th, 2010 | Tagged , , | 7 Kommentare | 488 mal gelesen

Gestern war ich zufällig mal wieder auf der offiziellen Seite der Korean Central News Agency – das ist die öffentliche Pressestelle der Demokratischen Volksrepublik Korea, sprich Nordkorea. Es ist immer ganz interessant, zu lesen, was Nordkorea zu all den Dingen sagt. Parallelen zur “Neuen Deutschland” sind dabei ganz gewiss nicht zufällig. Dieses Mal habe ich mir die Seite (ist nicht viel) einmal genauer angesehen und bin dem Link zur Korea News Service Stock Photos (株)朝鮮通信社 gefolgt – das ist eine in Japan registrierte, nordkoreanahe Aktiengesellschaft. Die gibt unter anderem die Monatszeitschrift 月間論調 (Gekkan Ronchō) heraus – gekkan bedeutet Monatlich, Ronchō “Argumentationsweise, Beweisführung”. Klingt ein bisschen holprig, aber die Übersetzung trifft es ganz gut.

Nun kostet die Zeitschrift etwas (10,000 Yen pro Jahr), aber man kann online zumindest das Inhaltsverzeichnis einsehen, und das fand ich schon… nun ja, witzig: Ganz unten gibt es drei Sparten: 対南 (Anti-Süd(korea)), 対米 (Antiamerikanisch) und 対日 (antijapanisch), jeweils gefolgt von einer Auflistung von Aufsätzen. In letzterem Fall waren es im Januar:

“ianfu” hanzai no sekinin kaihi suru nihon
「慰安婦」犯罪の責任回避する日本
(Wie Japan sich der Verantwortung gegenüber dem Verbrechen an den Trostfrauen entzieht)

sowie

nihon wa hikaku kokka dewa nai
日本は「非核国家」ではない
(Japan ist kein Antikernwaffenstaat)

- beides Artikel, die im Januar in den nordkoreanischen Medien zu finden waren. Wie es die Sache so will, ist an beiden Aussagen (die Artikel kann man leider nicht einsehen) zumindest etwas dran. Ach ja: Die Zeitschrift ist komplett auf Japanisch.

Ich fand es immerhin beachtlich, diese Zeilen auf einer japanischen Webseite einer in Japan registrierten Firma zu lesen – mit klarer Affinität zu Nordkorea, einem Land, das Japan seit etlichen Jahren vollends boykottiert. Wahrscheinlich denken sich die japanischen Verantwortlichen im Sicherheitsdienst wohl “Lieber gewähren lassen, dann wissen wir wenigstens, was los ist”, aber da kann man nur mutmassen. Fakt ist allerdings, dass die japanische Regierung seit Jahren schrittweise versucht, Nordkorea-nahen Firmen und Organisationen das Leben zu erschweren.

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iDog im Anmarsch?

Februar 21st, 2010 | Tagged , | 12 Kommentare | 564 mal gelesen

NTT: Telefonnummer für Viecher

Eine neue (und recht nervende) Werbung von NTT, der japanischen Ausgabe der Deutschen Telekom, bewirbt momentan einen riesigen Markt mit einer neuen Geschäftsidee: Man beantragt eine spezielle 050-xxxx-Telefonnummer, die man sich dann beliebig online einrichten kann: Man kann entscheiden, ob die Nummer aufs eigene Telefon weiterleitet oder ob man nur eine Nachricht bekommt, dass es eine Nachricht gab. Man kann auch Spamfilter und weiteres einrichten. Sprich: Eine Wegwerfnummer, die nicht mit der Person selbst verknüpft ist – man kann diese Nummer also ruhig auf Poster und Plakaten oder Internetseiten veröffentlichen, ohne dass man befürchten muss, dass persönliche Daten (wie die echte Telefonnummer) kompromittiert werden.

Was man mit dieser Nummer noch machen kann: Sie auf ein niedliches Schildchen schreiben und der lieben Mietzekatze oder dem Wauwau oder, wer’s mag, dem Wellensittich um den Hals hängen. Verläuft sich Waldi dann mal, kann der Hundefänger dann flugs die Nummer anrufen. Die Idee ist sinnvoll in Japan: Es gibt nur gerade mal knapp über 10 Millionen Japaner zwischen 0 und 9 Jahren, dafür aber gute 13 Millionen Hunde und knapp 14 Millionen Katzen (Quelle: ペットフード協会 Japan Pet Food Association (2008)). Im Vergleich: In Deutschland gibt es 5,5 Millionen Hunde und 8,2 Millionen Katzen (Quelle: Industrieverband Heimtiermarkt (2008)). Für die Schnellrechner: Die deutschen Zahlen mit 1,5 multiplizieren, denn in Japan gibt es 1,5 mal mehr Einwohner.

Manchmal habe ich in Japan das Gefühl, es gibt mehr Hundefriseure und Haustierausstatter als Spielzeugläden, ganz zu schweigen von Tierärzten vs. Kinderärzten. Der Haustiermarkt in Japan muss gigantisch sein, denn schliesslich treibt man es hier mit der sogenannten Tierliebe oft soweit, dass man die lieben Vierbeiner komplett einkleidet und/oder pedikürt. Von daher dürfte sich NTT’s Idee bestimmt zum Verkaufsschlager entwickeln. Mein Gott – früher war das irgendwie unkomplizierter: Da hatte der Dackel meiner Oma ein kleines Ledertäschchen um mit einer Adresse und einem 5-Mark-Stück drin. Nun gut, das war auf dem Land.

Mal schauen, wann die ersten iDogs / iCats auftauchen – mit eingepflanztem GPS-Empfänger, mit den Synapsen verbundenen CCD-Chips, die alles, was die Viecher sehen, live zu YouTube schicken und einer winzigen EMP-Kanone, die alle Chips im Umkreis von 10 m zusammenschmort, so sich ein fahrenden Auto auf eben jene Distanz nähert. Und ein SOS-Signalsender, sobald sich das Tier in die Chinatown verirrt. Lange wird es bestimmt nicht dauern.

Das Wort des Tages: ワンにゃんバー wannyanbaa – das Schlüsselwort für die NTT-Kampagne: Verballhornung des Englischen Worts “one number” – ワン (wan) heisst “wau” (Hunde bellen hier “wanwan”), “nyan” heisst “miau” (Katzen miauen hier “nyannyan”).

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Jedes Jahr wieder – Sommerzeit in Japan? / Zuschriften der Woche

Februar 18th, 2010 | Tagged , , | 23 Kommentare | 1079 mal gelesen

So ziemlich jedes Jahr rund um den Februar herum geistert das Wort “Sommerzeit” durch die Presse – dieses Jahr unter anderem bei der wichtigsten (?) südkoreanischen Presseagentur, 연합(聯合)뉴스 Yonhap News: Südkorea fragt auch dieses Jahr wieder an, ob Japan nicht daran interessiert wäre, dieses Jahr die Sommerzeit einzuführen – Südkorea denkt nämlich darüber nach, jenige zwecks Energiesparen einzuführen. Es würde allerdings der Wirtschaft in der Tat nützen, wenn auch Japan mitziehen würde. Ich wage allerdings mal zu bezweifeln, dass das in Japan so schnell geschehen wird: Japan hatte schon mal für ein paar Jahre Sommerzeit, und zwar unmittelbar nach dem Krieg. Gewerkschaften sorgten jedoch für die Abschaffung, denn Arbeitgeber nahmen die Sommerzeit wohl nur allzu gerne zum Anlass, die Arbeiter noch länger arbeiten zu lassen.

Ich persönlich wäre über Sommerzeit in Japan nur allzu sehr begeistert: Selbst im Juni geht hier in Tokyo die Sonne schon um 19 Uhr unter – und meine Arbeitszeit endet 19 Uhr. Will heissen, selbst im Sommer habe ich nichts vom Sommer.

Hier noch zwei schöne Zuschriften, die mir in den vergangenen Tagen zuflatterten:

Von anonym:

Korrigiere mal bitte folgenden Fehler:

Aus “Bewölkerungszahl” mach mal bitte “Bevölkerungszahl” – also aus dem W ein V. Danke.

Jawoll! Mach’ ich doch gerne! Ein winzig kleiner Tipp, auf welcher der rund 350 festen Seiten oder gut 450 Blogeinträge der Tippfehler steht, wäre … naja, nett. Aber ehrgeizig wie ich bin, werde ich trotzdem danach suchen.

Der nächste Beitrag trudelte als Kommentar zum Artikel Kollektivtrauma ein. Es kommt nur sehr, sehr selten vor, dass ich einen Kommentar nicht veröffentliche, aber bei folgendem Kommentar bin ich immernoch am Grübeln, ob das Satire oder ernst gemeint ist. Aber der Kommentar klingt beleidigend genug, um ihn nicht unkommentiert zu veröffentlichen.
Eingesendet von 反米 (Anm.: 反米 = Hanbei – Antiamerikanisch). Ach ja, die Sternchen sind original und nicht von mir.

Du wiederliches Drecksch***n! Warum auch sollte jeder Englisch sprechen? Ich spreche es perfekt, ich studiere im Moment und habe einige Fächer studiert und, ganz selten englische Fachliteratur benutzt, wäre aber auch ohne sie ausgekommen, brauche diese kackophonische heute gar nicht mehr. Also, Du Kulturvernichter, wichtig ist es sowohl in Deutschland als auch in Japan die Landessprache zu fördern. Englisch ist unwichtig. Und die Tatasache, dass du auch bei so einer 英会話 Firma im Bunde bist, zeigt, dass Du nur ein Tier bist. Verrecke!
日本で日本語を使えよ、コノヤロー!!

Tja, nette Zeitgenossen gibt es. Worauf Mr/Ms Hanbei hier allerdings hinaus will, weiss ich nicht ganz so recht.

Das Wort des Tages: 喧嘩を売る kenka o uru. kenka = Streit, o = Akkusativpartikel, uru = verkaufen. Zu Deutsch: Streit suchen. Kauf’ ich doch glatt :-)

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Abgehängt: Japan noch dieses Jahr von China überholt?

Februar 16th, 2010 | Tagged | 3 Kommentare | 475 mal gelesen

Es ist schon erstaunlich, wie lange sich die Japan AG auf dem zweiten Platz in Sachen Wirtschaftsleistung halten konnte: Immerhin liegt Japan relativ abseits – bis vor 20 Jahren konnte man Süd- und Nordkorea, die Sowjetunion und die VR China nicht unbedingt zu brauchbaren Handelspartnern zählen – und hat so gut wie keine Bodenschätze. Und trotzdem mauserte sich die nach dem Krieg völlig am Boden liegende Nation zur zweitgrössten Wirtschaftsmacht.
Schaut man sich jedoch die gegenwärtigen Wachstumszahlen an, wird Japan allerdings diesen zweiten Platz auf sehr, sehr lange Zeit an China abgeben müssen.

Immerhin: Japans Wirtschaft (gemessen am Bruttosozialprodukt) wuchs im vierten Quartal des Jahres 2009 um beachtliche 4.6% im Vergleich zum Vorjahr – das dritte Quartal mit positivem Wachstum in Folge. Erste Stimmen wagen zaghaft, das Ende der Talfahrt vorherzusehen, warnen aber gleichzeitig vor Übermut: Der immernoch recht starke Yen sowie die Sorgen um den Euro (und damit um einen grossen Absatzmarkt) lassen hier nachwievor die Börse Achterbahn fahren. Das jetzige Wachstum verdankt man, wen überrascht es, auch nicht Amerika oder Europa (und erst recht nicht Toyota), sondern China sowie einer gewachsenen Nachfrage im Binnenmarkt, angetrieben von enormen Steuererleichterungen für abgasarme Autos (klingt bekannt?) und sogenannten Ökopunkten, dank deren verbrauchsarme Elektrogeräte ebenso vergünstigt werden.

Der Stellenmarkt erholt sich auch – allerdings eher schleppend. Der Stellenmarkt für Ausländer bzw. für Japaner, die in ausländischen Firmen arbeiten wollen, hinkt da noch weit hinterher: Die verbliebenen ausländischen Firmen sind zu einem guten Teil noch dabei, die Wunden der Rezession zu lecken. Und – alle Augen drehen sich nach China – Japans Bruttosozialprodukt lag im vergangenen Jahr bei knapp 5,1 Billionen USD (ein historischer Rückgang im Vergleich zum Vorjahr um 5%), das von China im gleichen Zeitraum bei guten 4,9 Billionen USD. Und – Chinas Wirtschaft wächst stärker.
Man mag es den Chinesen verzeihen: Schliesslich haben sie 10 mal so viele Einwohner wie Japan. Doch eins wird damit immer deutlicher: Japans wirtschaftliche Zukunft rückt näher – um rund 8,000 km. Die wirtschaftliche Expansion Chinas sollte und wird auch in Japan als äusserst wichtig für die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung angesehen.

Das Wort des Tages: 追いつく oitsuku (Verb). Aufholen, einholen.

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Podcast Episode 1: Geschichten aus dem Maidcafé / Interview

Februar 13th, 2010 | Tagged , | 32 Kommentare | 2076 mal gelesen

Da ist sie also, die erste Episode des “Tabibito Japan Podcast”. Nein, mit dem Namen bin ich nicht ganz glücklich, aber der Name sagt zumindest, was es ist. Da dies die erste Folge ist, erstmal ein paar einführende Worte in Gestalt einer typischen Q&A:

Was ist ein Podcast?
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Kurz gesagt ein Amateur-Radioprogramm, zu empfangen über das Internet mittels einer Software namens iTunes (kostenlos). Podcasts sind prinzipiell kostenlos. Wer einen Podcast abonniert, bekommt automatisch neue Folgen zugestellt – vorausgesetzt natürlich, man benutzt gelegentlich iTunes. (Viele werden das sicherlich bereits wissen).

Warum ein Podcast?
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Ich wollte eigentlich schon lange mal Leute zu Wort kommen lassen, die ebenfalls in Japan wohnen und hier einer mehr oder weniger interessanten Tätigkeit nachgehen. Als mich neulich eine Leserin dieses Blogs anschrieb, war es an der Zeit, ernsthaft darüber nachzudenken – sprich, sich zu verabreden und ein Interview zu machen. Interviews sind schön zu lesen, aber es ist auch interessant, das ganze zu hören. Das ganze kann man schliesslich auch prima mit anderen Hörkostproben vor Ort untermalen. Kurzum – ein Blog ist ein Medium, ein Podcast ein anderes.

Geht es weiter?
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Das hängt von der Resonanz ab. Das Erstellen eines Podcasts erfordert viel Zeit und Arbeit, erst recht, wenn man kein Profi ist. Die Zeit ist für mich das Hauptproblem – eine neue Folge auf wöchentlicher Basis halte ich für unrealistisch, und ich bin nicht sicher, ob es jeden Monat etwas wird. Ausserdem muss sich der Podcast auch lohnen – nicht finanziell, versteht sich, sondern in Sachen Brauchbarkeit für potentielle Hörer.

Wie geht es weiter?
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Ich bin ganz Ohr für Themenvorschläge, aber auch für potentielle Interviewpartner, obwohl nicht jede Folge ein Interview enthalten muss.

Kritik erwünscht?
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Unbedingt. Immer her damit. Man verliert definitiv an Objektivität wenn man seine eigene Stimme hört und bearbeitet. Auch die Musikauswahl (alles aus der Public Domain, wohlgemerkt) ist auf jeden Fall kritikwürdig.

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Zum Inhalt der ersten Folge:

Live-Manga-Synchronisation im Maidcafé

In der ersten Folge dreht sich alles um die sogenannten Maidcafés – also Cafés, in denen meist sehr junge Mädchen Manga-ähnlich in Dienstmädchenuniform bedienen. Eigentlich sollten diese Cafés vor allen den sogenannten Otakus dazu dienen, dort ein bisschen ihre Manga-Traumwelt auszuleben, doch man kann wohl davon ausgehen, dass man dort weniger besagte Otakus, sondern mehr Leute findet, die gerne mal sehen wollen, wie Otakus so aussehen (bzw. auszusehen haben).
Allein in Akihabara, dem Ursprungsort der Maidcafés, gibt es dutzende solcher Cafés. Eines davon hat sich nicht gescheut, selbst Ausländerinnen einzustellen – darunter Natasha, die in Japan ein Jahr lang im Rahmen eines Working Holiday -Visums weilt und in Sachen Manga bzw. Anime “vorbelastet” ist.

Nun bin ich persönlich seit jeher ein bekennender Nicht-Manga & Nicht-Anime-Fan. Ich empfinde keine Abneigung, aber auch keine besonders grosse Zuneigung. Eine Deutsche, die in Japan in einem Maidcafé arbeitet, fand ich aber trotz allem bemerkenswert. Und so wagte ich mich mit Audiorecorder und Kamera ins Maidcafé – ein Ort, in den ich mich normalerweise sicher nicht verirren würde.

Natasha in Dienstkleidung

Das ganze erinnerte mich ein bisschen an einen Zirkus: Die meisten Gäste waren nur da, um mal “zu gucken” – authentisch ist das ganze mit Sicherheit nicht. Aber trotz allem ist und bleibt so ein Café ein japanisches Original und Teil einer beachtlichen Subkultur, die überall im Ausland dafür sorgt, das Japan nachwievor sehr beliebt ist.

Im Gespräch mit Natasha versuchte ich ein bisschen mehr über die Arbeitsbedingungen zu erfahren, und die sind erwartungsgemäss auch in einem Maidcafé nicht unbedingt als hervorragend zu bezeichnen: Willkür ist normal, Fehlverhalten wird streng geahndet, Arbeitsverträge gibt es nicht und das Gehalt ist freilich sehr niedrig – der Niedriglohnsektor ist in Japan berühmt-berüchtigt, und als Ausländer hat man dort ganz gewiss keinen Bonus – ganz im Gegenteil. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass Natasha ein paar Tage nach dem Interview (welches Ende Januar stattfand) ihre Uniform hingeschmissen hat.

Ich wünsche all jenen, die sich den Podcast anhören, viel Spass und bitte um ehrliches Feedback.

Hier der Link zum Podcast (iTunes muss installiert sein):

http://itunes.apple.com/WebObjects/MZStore.woa/wa/viewPodcast?id=356070029

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Haltbar bis… wann eigentlich?

Februar 11th, 2010 | Tagged | 4 Kommentare | 748 mal gelesen

Ein Beitrag aus der Rubrik “Banales” und wahrscheinlich eher uninteressant für Langzeitwahljapaner: Gestern fragte mich ein guter Freund aus Deutschland, wie man eigentlich das Haltbarkeitsdatum auf japanischen Produkten zu lesen hat. Eine berechtigte Frage, zumal der Fragende eigentlich Amerikaner ist. In Deutschland ist ja dd/mm/yyyy (also 14/06/2010 zum Beispiel) üblich. In Amerika hingegen ist ja eher mm/dd/yy(yy) üblich – das ist zwar kein Problem, wenn der Tag nach dem 12. liegt, aber leider liegen ja zahlreiche Tage – Gerüchten zufolge genau 12 – im Bereich der Zahlen für die Monate. Aber was wird in Japan geschrieben? Am häufigsten ist diese Schreibweise:

yy.mm.dd

Und genau das macht es nicht unbedingt einfacher für Ausländer. Wenn man die Reihenfolge nicht kennt, ist man beim Haltbarkeitsdatum 09.08.10 komplett aufgeschmissen: Ist das noch essbar? Oder von vergangenem Jahr? Haltbar bis August, September oder Oktober?

Haltbarkeitsdatum auf Austern-Packung

Und so sieht es dann zum Beispiel auf Packungen wie der obigen aus: Das sind fangfrische Austern, auch zum rohen Verzehr geeignet (und heute gekauft + vertilgt): 加工 (Verarbeitung): 10.02.10, also der 10. Feb 2010. Haltbar bis 10.02.13 – also 13. Feb. 2010. Neben der Packung lag übrigens eine um 100 Yen gesenkte Packung gleichen Inhalts: Haltbar bis 10.02.11, also heute. Normalerweise kein Grund nicht zuzugreifen, aber bei frischen Austern bin ich dann doch eher vorsichtig (die Magenkrämpfe bei verdorbenen Austern sollen zahlreichen Berichten von Freunden und Bekannten in Japan zufolge nicht ohne sein).

Noch verwirrender wird es bei Dokumenten: Dort steht dann mitunter etwas wie 56.06.05, was nicht bedeuten muss, dass das Dokument von 1956 ist – die Wahrscheinlichkeit ist höher, dass es vom 5. Juni 1981 stammt – 56 steht hier nämlich für Shōwa 56 – Jahr 56 der Regentschaft des Kaisers mit dem Motto “Shōwa”. Das begann 1926. Das brachte mich mal an der Uni in Erklärungsnöte. Vor einer Seminargruppe stellte ich meine Forschungsarbeit vor. Mit dabei: Ein grosses Luftbild der Bucht von Tokyo, frisch aus Japan eingeflogen. Professorin vor der versammelten Seminargruppe (Institut für Geographie): Von wann ist die Aufnahme? Ich schaue kurz drauf und sehe dort [平成12] stehen. Umrechnung hier: 1988 + Zahl (Heisei begann 1989, aber 1989 ist bereits Jahr 1). Ich sage also “Jahr 2000″. Auf der ganzen Aufnahme standen keine anderen Zahlen – nur zahlreiche Schriftzeichen und eben die Zahl 12. Professorin schaut sich das Luftbild selbst noch mal an und meinte nur: Das haben Sie sich jetzt ausgedacht, oder?

Das Wort des Tages: 年月日 Nengappi. “Jahr-Monat-Tag”. Zu Deutsch: Datum. Findet man zum Beispiel sehr häufig auf Dokumenten. “Geburtsdatum” wird so 生年月日 (Sei [geboren] nengappi) geschrieben. Je nach Formular sieht das dann so aus:

-------------
|明   | 大   |
-------------     年       月       日
|昭   | 平   |
-------------

明   ab 1868   Voller Name: Meiji  明治
大   ab 1912   Voller Name: Taishō 大正
昭   ab 1926   Voller Name: Shōwa  昭和
平   ab 1989   Voller Name: Heisei 平成

Wer dort sein Geburtsdatum einträgt, sollte wissen, wie man das auf Japanisch schreibt. Beispiel 1974 (aus praktischen Gründen :-) liegt in der Shōwa-Zeit, also muss man in das Kästchen mit dem 昭和 eine Zahl eintragen – die errechnet sich so:

Jahr nach gregorianischem Kalendar – (Krönungsjahr (in dem Fall 1926) + 1)

ergo 1974 – 1926+1 = 49. Also schreibt sich das Datum S 49, dann der Monat (月) und schliesslich der Tag.

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Irgendwie…busy

Februar 9th, 2010 | Tagged , | 8 Kommentare | 469 mal gelesen

Nicht, dass auf Arbeit nicht schon die Luft brennen würde – da haben sich zahlreichere grössere Projekte auf einem Haufen versammelt (warum nur) und das bedeutet oftmals mehr als die üblichen zehn Stunden im Büro zu verbringen. Das sollte eigentlich ausfüllend genug sein.

Stattdessen schlage ich mich momentan auch noch mit dem “tabibito Japan podcast” Folge 1 herum (fast fertig), was ich aber bestimmt schnell bereuen werde. Eigentlich hält mich dieser Blog und die anderen Seiten genug auf Trab. Und da das alles noch nicht reicht, klopfte vergangene Woche auch schon der Einsendeschluss für einen neuen Artikel in der Zeitschrift Midori an der Tür – dieses Mal wurde es ein Artikel ausschliesslich für die Zeitschrift. Aber mal schauen, vielleicht findet er auch irgendwann den Weg hierher.

Immerhin gibt es diese Woche einen Feiertag – der Donnerstag ist frei. Ach ja, und wo ich doch vor genau einer Woche so schön über Neuschnee in Tokyo geschrieben habe: Heute waren es hier 19 Grad und blauer Himmel (die ich freilich im Büro aufs vollste ausschöpfen konnte). Kleiner Trost für alle Mitteleuropäer: Das Intermezzo dauert wohl nur einen Tag, ab morgen wird es wieder kalt. Naja, also fast. Wahrscheinlich knappe 10 Grad oder so.

Das Wort des Tages: 多忙 tabō. Zu deutsch: Schwer beschäftigt.

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Ein Held verlässt den Ring: Asashōryū wirft den Obi hin

Februar 5th, 2010 | Tagged , | 5 Kommentare | 549 mal gelesen

Einer der beiden Yokozuna (Grossmeister im Sūmo) hat nun die Schnauze voll und wirft das Handtuch – Dolgorsürengiin Dagvadorj, besser bekannt als 朝青龍 (Asashōryū) verlässt nach 9 Jahren in der obersten Liga den Ring und kommt damit dem allmächtigen Sumoverband zuvor. Schon seit Tagen hatten sich Medien und Sumoverband auf den 29-jährigen Mongolen eingeschossen. Asashōryū hatte mehrere Jahre lang das Sumogeschehen dominiert – so war er unter anderem der Erste, der alle sechs Wettkämpfe eines Jahres gewann.

Asashōryū war schon seit geraumer Zeit für, nun ja, derberes Verhalten bei Trinkgelagen bekannt. Vor ein paar Tagen gab es einen neuen Skandal – er hatte mutmasslich einen Clubbesitzer geschlagen. Der zog zwar eine Anzeige zurück, doch der Sumoverband schaukelte sich mehr und mehr daran hoch – schliesslich fiel sogar der Begriff Entlassung. Würde er jedoch entlassen werden, hätte Asashōryū keinen Anspruch auf seine “Ringerrente”, und so kam er heute der Entscheidung zuvor und zog sich zurück. Wahrscheinlich in Bälde sogar aus Japan, denn er hat nicht, wie viele andere Sumōringer aus dem Ausland, die japanische Staatsangehörigkeit angenommen und muss daher früher oder später das Land verlassen.

Schade. Asashōryū hat sehr, sehr viele Fans in Japan. Das liegt nicht nur an seiner Kampfkunst, sondern auch an seiner Gestik vor den Kämpfen, getreu dem Motto “Dich mach ich doch locker fertig!” Ich habe mich bei seinen Kämpfen fast jedes Mal aufs neue gefragt, woher er immer die Kraft gegen Ende der Kämpfe nimmt: Urplötzlich hebt er sein nicht selten um die 200 kg schweres Gegenüber hoch und trägt oder wirft ihn aus dem Ring. Hier eine Zusammenfassung seiner Kämpfe des Sommertourniers 2009:

Ein Bekannter, Besitzer einer Bar in Naha (Okinawa), hatte mir erzählt, dass er ein paar Tage vor Weihnachten letzten Jahres mit Asashōryū und ein paar anderen Leuten in einer Bar auf Okinawa war, wo sich der Mongole aus Spass mit einigen GI’s anlegte – die wussten nämlich nicht, wen sie vor sich hatten. Schon damals hatte er wohl kräftig gegen den Sumoverband gewettert.

Eins ist sicher – Sumo wird durch seinen Rücktritt nicht unbedingt spannender.

Das Wort des Tages: 引退 intai. Der Rücktritt.

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Schnee von heute

Februar 1st, 2010 | Tagged , | 8 Kommentare | 1171 mal gelesen

Jaja, das folgende Bild ist für viele in Deutschland – zumindest in Nordostdeutschland – ein “least wanted”. Aber eine geschlossene Schneedecke in Tokyo ist nun mal relativ selten. Im vergangenen Winter hat es bis auf ein paar Krümel im März zum Beispiel gar nicht geschneit. Heute legt der Winter allerdings ordentlich zu:

Schnee in Tokyo

Das Photo habe ich vor 5 Minuten vor unserem Haus aufgenommen. Warum nachts? Weil morgen früh wahrscheinlich alles Matsch ist. Selbst im Stadtzentrum von Tokyo lag vorhin eine geschlossene Schneedecke – ein seltener Anblick. Und Tokyo liegt ja immerhin südlicher als zum Beispiel Tunis, aber das kann man freilich nicht so leicht vergleichen.

Das Wort des Tages: . yuki. Der Schnee. Keine Seltenheit in Westjapan, aber nicht allzu häufig an der Ostküste.

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