Ode an Yakisoba – japanisches Junk-Food
In Japan haben die Leute wenig Zeit. Viele Leute haben auch wenig Geld. Aber gut essen wollen irgendwie alle. Die japanische Küche ist zwar sehr gut und – je nachdem, was man kocht – zum Teil auch mit sehr wenig Geld zu bewerkstelligen, aber dem Fast Food ist man auch in Japan keineswegs abgeneigt. Ich zumindest war ziemlich überrascht ob der Dichte von MacDonalds, Kentucky Fried Chicken, Lotteria, Wendy’s und wie-sie-alle-heissen Fast-Food-Ketten bei meiner ersten Reise durch Japan.
Überrascht war ich auch über die Akzeptanz: In Europa haben ja viele eine zwiespältige Meinung über Fast Food (und ich war einer von denen – so schnell bekam mich keiner in ein MacDonalds, und zu Burger King ging ich auch nur, als sie mal ziemlich billig Beach-Volleybälle vertickten). In Japan ist Fast Food gesellschaftlich ganz normal und keineswegs irgendwie anrüchig. Und: Im Gegensatz zu Deutschland ist Fast Food wie Mac Donalds genau das, was es eigentlich sein sollte: Sehr, sehr billig. Wer kein Geld hat (=Studenten z.B.) oder viel Zeit zum Totschlagen, setzt sich in ein Fast-Food-Restaurant. Dank Japan habe ich – das mag für einige ironisch klingen – meine Meinung gegenüber Fast Food geändert. Wer’s mag, mag es. Wer nicht, nicht. Man hat nicht das Recht, anderen ihr Essen madig zu machen (pun intended). Eltern haben freilich auch hier die Verantwortung darüber, was die Kinder so essen, aber den Kindern deshalb Fast Food schlichtweg zu verbieten, ist auch nicht der richtige Weg. Auf die Menge kommt es eben an.
Japan wäre nicht Japan, würde man hier nicht auch in Sachen Fast Food/Junk Food äusserst innovativ sein. Schönes Beispiel: 焼きそば (Yakisoba). Zu Deutsch: Gebratene Soba. Soba sind (ursprünglich, aber heute nicht zwingend) Buchweizennudeln mit einer speziellen Textur, meist gekräuselt und so dick wie reguläre Spaghetti. Yakisoba gibt es an allen Ecken und Enden – meist gebraten mit Schweinefleisch und Kohl und gewürzt mit einer aromatischen, schwarzen Sauce, die an Worcestershire-Sauce erinnert.

Kurzum: Es gibt kaum einen Grund – auch nicht für Ausländer – Yakisoba zu hassen. Die schmecken nahezu jedem. Irgendwann kam die Lebensmittelindustrie darauf, Yakisoba als getrocknetes Junk-Food anzubieten. In einer wärmeabsorbierenden Plastikschale liegen dann die Nudel und eins bis fünf verschiedene kleine Tüten. Tüten raus, heisses Wasser rein, 3 Minuten warten, Wasser raus (der Deckel hat natürlich einen ausgestanzten Ausguss), Inhalt der Tüten mit den Nudeln mischen bzw. darüber streuen. Kostet 80 bis 250 Yen, je nach Sorte, geht sehr schnell und macht satt. Oft ist getrockneter Kohl und Fleisch dabei; auch Mayonnaise und Mais, Sesamkörner oder Pfeffer trifft man gelegentlich.
Eins haben die meisten Instant-Yakisoba dabei gemein: Sie sind nicht gebraten (Yaki=braten). Deshalb verbreitet sich momentan auch der Begriff Mazesoba (gemischte Soba) – das kann mitunter wie Ramen, nur ohne Suppe sein.
Faszinierend ist die Vielfalt. Ich habe Instant-Yakisoba zum ersten Mal vor 13 Jahren gegessen und seitdem ziemlich häufig. Und zwar hunderte Arten: Manche Arten gibt es nur Wochen, manche nur bei einer bestimmten Ladenkette und andere wiederum nur in einer bestimmten Region. Dieser Bloggerkollege widmet seinen Blog “Ich liebe Instant-Yakisoba” eben dieser Gattung – mittlerweilen hat er 869 verschiedene Sorten seit 2001 verköstigt.
Im Bild ist meine neueste Entdeckung zu sehen: Mazesoba mit Knoblauch-Soyasaucen-Geschmack. Deutliche Warnung in Rot: デート前禁止!! (deeto mae kinshi – Vor einem Date verboten!) – denn: die beiliegenden Tütchen enthalten unter anderem rohe Knoblauchpaste und Fischpulver.
Kleiner Tip am Rande: Die meisten Yakisoba/Mazesoba schmecken ganz vorzüglich, wenn man etwas geriebenen Käse darüber streut.
Das Wort des Tages: 中飯 – nakameshi. Bürojargon. “naka” bedeutet “innen”, “meshi” ist der Reis bzw. allgemein das Essen. Wenn man also im Büro Mittag isst (mangels Zeit zum Beispiel) und jemand fragt, wo man Mittag isst – dies ist die Antwort, die ganz bestimmt nicht im Wörterbuch steht.
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