Von Bären und Trampern: Gassan & Yamadera

September 22nd, 2009 | Tagged , , | 16 Kommentare | 1883 mal gelesen

Heute wollte ich nun also mal auf den Mt. Gassan (月山) – ein 1’984 m hoher, zudem auch noch heiliger Berg in der Mitte der Präfektur Yamagata. Um 8 Uhr fuhr der Bus von Yamagata Stadt, und um 9 war ich am Fuss des Berges. In den letzten Tagen war das Wetter typisch für den Herbst hier: Meist heiter, kaum Regen. Das änderte sich jedoch gegen 8:50 – Starkregen. Dann sah es jedoch nach einer Besserung aus, und los ging es: 3 km Strasse bergauf, dann noch mal 2 km Strasse bergauf und danach auf den richtigen Wanderweg.
Und der hatte es in sich: Prinzipiell war es eine sehr steile Naturtreppe mitten durch den Dschungel. Stehenbleiben war keine gute Idee, denn dann wurde man sofort von Myriaden von Mücken überfallen. Weiter oben ging es schliesslich auf nahezu senkrecht stehenden Leitern weiter.

Als ich auf einem Plateau in ca. 1’400 m Höhe ankam (gestartet war ich von 700 m), bot sich mir obiger Anblick: Da gibt’s nichts zu sehen. Alles hing in den Wolken, und die begannen sich auch noch schnell zu senken. Satz mit x – das war wohl nix! Die Vernunft siegte über die Neugier, und ich kletterte zurück. Die Entscheidung war richtig – es fing schnell auch weiter unten an, gut zu regnen.

Unten angekommen, war es bereits 12:30. Nächster Bus nach Yamagata: 16:00. Klasse. Ein älteres Ehepaar, das ich auch schon vorher getroffen hatte, sprach mich an: „Sind sie etwa den ganzen Weg gelaufen?“ – „Ja, wieso?“ – „Haben Sie keinen Bären getroffen? Oben (am Tempeleingang in ca. 1,000 m Höhe) wurde uns gesagt, dass weiter unten an der Strasse vorhin einer gesichtet wurde!“. Nein, den hatte ich nicht gesehen. Übrigens: vor ein paar Tagen fiel ein Bär an einem Parkplatz in der Präfektur Gifu eine Reisegruppe an und verletzte einige Leute.
Hmm, Glück gehabt. Die beiden meinten nur „Da haben Sie ja wirklich Glück gehabt!“. Ich meinte darauf hin: „Naja, ich habe ja immerhin ein Jagdmesser dabei, damit kann man sich im Notfall verteidigen“. Darauf wurde ich etwas verdutzt angesehen- frage mich bloss warum!?

Da kein Bus fuhr, tat ich etwas, was ich ausgiebigst in Europa, aber noch nie in Japan tat: Ich versuchte zu trampen. Und siehe da: das 10. Auto (in etwa) hielt an und nahm mich bis nach Yamagata mit. Ein Ehepaar aus Sendai, und sie waren sehr nett. Geht also auch tatsächlich in Japan.

Immerhin hatte ich so noch Zeit, nach 山寺 Yamadera (=Bergtempel) zu fahren. Der liegt zwischen Sendai und Yamagata, existiert seit dem 9. Jhd. und ist wirklich sehr schön gelegen. Bis man was davon hat, muss man jedoch ordentlich Treppen steigen (das ist aber kein Vergleich zum Gassan).

So, das war seltenerweise mal wieder ein richtiger (wenn auch kurzer) Reisebericht – zu beiden Orten dann mehr später auf diesen Seiten.

Das Wort des Tages: 登山 tozan – „steigen – berg“. Bergsteigen. Hoffentlich habe ich übermorgen mehr Glück…

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16 Responses to “Von Bären und Trampern: Gassan & Yamadera”

  • Wunderschön trotz des Nebels. Aber ich glaube ein Jagdmesser hätte nicht viel gegen den Bär geholfen (-;

  • Anonymous sagt:

    Wie würde ich sagen „War ja klar!“ ;)
    Nun die Bären um die es da geht sind nach dem Foto was ich sah definitiv nicht die putzige Lass-uns-kuscheln Klasse.
    Wie lang ist dein Messer?
    Andererseits kann man wohl die meisten Bärenbegegnungen durch einfache Handlungen überleben.
    So SOLL es helfen sich auf dem Boden wie eine Kugel zusammenzurollen… und zu hoffen der Bär ist kein Fussballfan ;-)

    Mir ist mal ein Bär so 10m nahe gekommen (zu mindestens habe ich ihn so gehört). Aber er ist dann im Busch geblieben und ich bin pfeifend weiter den Fußweg gegangen…in der Abenddämmerung.
    Mehr Natur muss nicht sein! ;-)

  • Anonymous sagt:

    @Daniel
    Naja, man hätte es ja versuchen können…

    @Michael
    Ich dachte erst, die meinten mich, als sie von einer Bärensichtung sprachen. Hab mich schliesslich seit drei Tagen nicht rasiert…

  • Anonymous sagt:

    @tabibito
    Wenn der Bär dich (mit dem Messer in der Hand) anschaut in der Art „Machst du Witze“ ist der Moment gekommen die Strategie zu überdenken ;-)

    Zu der „Bärensichtung“…
    LOL
    Mhhh dann muss ich aber auch aufpassen ;-)

  • Herm sagt:

    Bist du gerade da oben?
    Du solltest dir auf jeden Fall O Kama in Yamagata Zao nicht entgehen lassen. Man kann auch abseits der Touristenpfade um den Kraterrand laufen!
    Ansonsten: Schön!

  • Marcus sagt:

    Das obere Bild erinnert mich ein wenig an die Grampians in Schottland … an dem Tag, an dem wir da durchgefahren sind, war es auch so nebelig.
    (Nein, es lag nicht am Whisky)

  • Heydal sagt:

    Ohne Dir nahe treten zu wollen, warum machst Du so eine Wanderung alleine ? Es ist schnell etwas passiert, auch ohne Bären. Das Wetter in den Bergen kann schnell umschlagen, ein Fehltritt, und der verstauchte Knöchel macht einen Abstieg unmöglich etc. Der Tod von Yoshito Usui sei da nur am Rande erwähnt.
    Schnell gerät man in Bedrängnis und ist auf die Hilfe anderer angewiesen. Damit möchte ich Dich um Gottes willen nicht bevormunden, däfür sind die Mütter zuständig, sondern meiner Sorge ausdruck verleihen. Abgesehen davon ist das Wandern zu zweit oder in der Gruppe doch auch viel unterhaltsamer. Und als Familienvater musst Du doch niemandem was beweisen, am wenigsten Dir selbst. Familie ist schlussendlich die grösste vorstellbare Herausforderung. Und die längste…. ),D

    o ki o-tsukete

  • Jakub sagt:

    Ah, was Old Shatterhand konnte, das solltest du auch hinkriegen :-)

  • Anonymous sagt:

    @Herm
    Ja, zum Okama wollte ich eigentlich noch, aber es goss heute in Strömen. Das bedeutet wohl, dass ich unbedingt wieder dorthin muss.

    @Heydal
    Gut gesagt, aber ganz so einfach ist das auch wieder nicht. Denn dazu bräuchte man jemanden, der mitwandert, und ich kenne momentan Niemanden hier, der mitlaufen würde. Davon mal abgesehen war ich schon immer Fan des sich-alleine-Durchschlagens – nicht, um irgendwem irgendwas zu beweisen, sondern weil ich die Ruhe schätze.
    Mit der Familie hast Du allerdings recht – das ist bei weitem die grösste – und längste Herausforderung. Die sich auf jeden Fall rechnet.

  • Juergen sagt:

    @Heydal

    Oh, gerade nachgeschaut, Yoshito Usui war der Shin-chan Erfinder. Die Serie finde ich richtig gut. Hatte mir früher schon überlegt Shin-chan DVDs fürs Japanisch-Lernen bei Amazon-Japan zu bestellen.
    Was machen übrigens die Kanas? ^^

    @Tabibito
    Als Abschreckung, vermute ich, ist ein Messer evtl. so ungeeignet wie wenn du dem Bären ein Urkunde vorzeigen würdest. Und wen es erst zum Nahkampf kommt, ich glaube da hat der Bär mehr Erfahrung :-)

  • Sarganto sagt:

    Jetzt warst du gerade um Sendai herum, während ich von hier nach Tokyo gereist bin. Verkehrte Welt :)

    Hoffe der „Norden“ hat dir trotz schlechtem Wetter gefallen.
    Ich bin zumindest auf der anderen Seite voller überschwänglicher Begeisterung für Tokyo :D

  • Anonymous sagt:

    @alle
    Mensch, Leute – das mit dem Messer ist ein Scherz! Ich habe in der Tat eins dabei, aber das ist eher zum Obst schälen geeignet – auch wenn sich die Klinge im Bruchteil einer Sekunde ziehen lässt. Dass das gegen einen Bären nicht hilft, ist mir natürlich klar.

  • Heydal sagt:

    @ Jürgen
    Die Kanas warten, so wie ich auf das bestellte Buch samt Pinselschreiber. Samstag bestellt und immer noch nicht da. Habe eigentlich schon gestern damit gerechnet, dass es heute immer noch nicht da ist, ärgert mich wirklich. Werde wohl ein Power-Wochenende einschieben mussen. Gott sei Dank gehen meine Ferien bis und mit Montag.

  • Anonymous sagt:

    @Tabibito
    Da siehst mal wie lieb man dich hat! :)

  • Juergen sagt:

    Jetzt haben wir extra Geld für eine Lösung von Troy Hurtubise gesammelt ;-)

  • ディーン sagt:

    Na wenigstens bist Du gegen Gummibärchen gewappnet. Und sonst schenk dem Bären doch die Klinge, vielleicht trollt er sich dann oder er geht was zum zurückschenken holen, frische Beeren oder so ;-)

    Auf eines möchte ich hier unbedingt hinweisen: auch noch so erfahrene Wanderer/Bergsteiger aus den europäischen Alpen, nehmt euch in Acht! Die japanischen Alpen erscheinen harmlos da vom Gebirge her weit weniger ausgeprägt, aber sie können ungemein tückisch sein. Das Wetter kann innert kürzester Zeit umschlagen und man verirrt sich hoffnungslos. Immer wieder verlaufen sich Wanderer und/oder sterben an Unterkühlung, weil sie vom plötzlichen Wetterumschwung überrascht werden und nicht mal mehr die Hand vor Augen sehen. Und das auf leichten Strecken wo unsereins noch mit den Turnschuhen spaziert.