You are currently browsing the archives for Sonntag, September 20th, 2009

Von Prostituierten und Spinnen

September 20th, 2009 | Tagged , | 15 Kommentare | 2902 mal gelesen

Beziehungsweise von Prostituiertenspinnen. Arachnophobiker sollten jetzt lieber den Browser schliessen. Kurzes Vorwort: Jemand sagte mal zu mir “Du interessierst Dich wohl auch für jeden Mist”. Da konnte ich nur zustimmend nicken.
Schon seit langem sind mir bei Herbstspaziergängen in Japan Spinnen aufgefallen, die ich so in Europa noch nie gesehen habe: Sie sind gross, die Beine sind schwarz-gelb und der Körper ist, nun ja, recht bunt. Das ganze Tier scheint einem damit eines anzudeuten: “F-a-s-s m-i-c-h n-i-c-ht a-n!!!”. Mich dünkt, dasss ich die gleiche Spinne auch schon mal in Laos gesehen habe: Meine damalige Freundin hatte panische Angst vor nahezu allen Insekten. Als ich ein Photo von ihr in Laos vor einem riesengrossen Blatt machte, bemerkte ich hinter ihr eine Riesenspinne – auch schwarz-gelb. Da die Spinne ausser Beissweite war, war ich Gentleman genug, sie nicht darauf hinzuweisen, sondern nach erfolgtem Foto elegant weiterzulotsen. Manchmal kann ich richtig nett sein.

Besagte Spinne bemerkte ich heute wieder in einem Park: Das Netz hatte einen Durchmesser von mindestens einem Meter, und war mit einem Ast in geschätzten 4 Metern Höhe verankert. Und – in dem Netz war ordentlich was los: Es war eine ganze WG, mit mindestens drei der possierlichen Achtbeiner, zahlreichen wesentlich kleineren Spinnen (das waren die Männchen, las ich später) und einem betrachtlichen Vorrat an Frischfutter. Die folgende Stunde war ich schwer damit beschäftigt, dass mein begeistert eichelnsammelndes Kind nicht in das Netz fällt – die hätte wahrscheinlich den Schreck ihres Lebens bekommen und den Spinnen traute ich auch einiges zu.

Jedenfalls weiss ich ab heute wenigstens, wie die Gesellen heissen: ジョロウグモ (Jorōgumo) – jorō ist ein altes Wort für Prostituierte, -gumo (kumo) bedeutet Spinne. Man braucht nicht viel Phantasie, um sich den Hersprung des Namens zu denken. Laut japanischer Quelle haben diese Spinnen zwar ein Gift, welches die Motorik lähmt, aber das ist wohl so gering, dass es bei Menschen “selten wirkt”. Wetten können noch abgeschlossen werden. Diese Spinnen kommen jedenfalls in ganz Südostasien vor – bis nach Japan (auser Hokkaido, da ist es zu kalt). Wer im Herbst in Japan weilt, halte mal Ausschau – es gibt sie wirklich überall.

So, und als nächstes finde ich heraus, wie die possierlichen kleinen, schwarzen Spinnen mit dem kleinen weissen Streifen (kein Kreuz!) heissen, die da gelegentlich in unserer Wohnung herumhüpfen. Ja, hüpfen! Ich habe noch nie ein Netz entdeckt, aber gelegentlich die Tiere selbst. Und sie springen, aber nicht weit.

Das Wort des Tages: クモ (蜘蛛) – kumo – Spinne.

Teilen: