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Zurück aus Macao – Casinos und Mittelalter

August 15th, 2009 | Tagged , , | 13 Kommentare | 880 mal gelesen

So, da bin ich wieder – zurück von einer bunten Kurzreise durch die verschiedenen Chinas: ein Tag Taiwan, ein Tag Hongkong, ein Tag Festlandschina, ein paar Tage Macao. Soll ja keiner behaupten, ich wüsste nicht, wie ich meinen kargen Urlaub nutzen kann. Irgendwie gewann ich während der Woche auch den zugegebenermassen leicht vermessenen Eindruck, eine Art Heilsbringer zu sein: Kaum betrat ich taiwanesischen Boden, verliess ein äusserst zerstörerischer Taifun den selbigen (neueste Zahlen schätzen, dass er rund 500 Menschenleben forderte). Am Tag, nach dem ich Japan verliess, gab es ein halbwegs starkes Erdbeben in der Region Tokyo. Einen Tag später traf der erste Taifun des Jahres Tokyo. Und am folgenden Tag gab es ein doch schon recht heftiges Erdbeben. Also, macht Euch keine Sorgen: Ich bin wieder im Lande!

Aber nun stellen wir uns mal ganz dumm und fragen, wat is eijentlich een Macao? Macao ist die portugiesische Antwort auf Hongkong, nur viel, viel kleiner. Wie auch Hongkong, wurde es 1999 an China zurückgegeben. Macao ist nur eine Bootsstunde von Hongkong entfernt. Macao ist der einzige Ort in der grösseren chinesischen Wohlstandssphähre (man verzeihe mir den Ausdruck), an dem Glücksspiel erlaubt ist. Macao bezieht 70% seiner Einkünfte aus dem Glücksspiel.


Macao
Alt und neu: Hotel + Casion Grand Lisboa, vom Guia-Leuchtturm aus gesehen
Und – Macao hat die höchste Dichte an UNESCO-Weltkulturerbestätten – das Gebiet ist nur 28 km² gross, hat aber 41 als Weltkulturerbe eingetragene Stätten. Zusätzlich ist Macao für F 3 und Motorradrennen mitten durch die Innenstadt bekannt.

Faszinierend an Macao ist der Facettenreichtum: Eine historische, portugiesisch geprägte Altstadt hier, hypermoderne, glitzernde Casinos und Hotels da – nur 500 m entfernt. Wie eine Fata Morgana. Dabei bleibt sogar Platz für Natur und abgelegene Strände und kleine Dörfer, die man genauso gut am Mittelmeer vermuten kann.

Alle namhaften Hotels haben sich hier niedergelassen. Mit namhaften Hotels meine ich nicht so schnöde Absteigen wie das Hilton, sondern MGM, The Venetian (2,5 Milliarden Dollar teuer, mit Canale Grande Nachbildung), Wynn usw. Klientel: Hongkong-Chinesen und Chinesen, bei denen das Glücksspiel eben verboten ist.


Macao
Reichlich unchinesisch: Dorf Coloane
Nun könnte man vermuten, dass Macao ein reichlich teures Pflaster ist. Wer hier Geld lassen möchte, kann das leicht tun – die Preise sind im allgemeinen aber sehr niedrig – viel niedriger als in Hongkong zum Beispiel. Taxis, Restaurants, normale Hotels – alles sehr erschwinglich.

Mittlerweilen ist es sogar recht einfach, Macao zu verlassen: An der Grenze zur China kann man unkompliziert ein 3-Tage-Visum für China erhalten. Das ist allerdings nur gültig für die benachbarte Sonderwirtschaftszone Zhuhai.


Macao
Zhuhai nördlich von Macao
Ob sich der Aufwand jedoch lohnt, bleibt jedem selbst überlassen: Fakt ist, dass ein Unterschied zu Macao und Hongkong noch sehr spürbar ist, jedoch mehr und mehr schwindet.
Für das benachbarte Hongkong braucht man jedenfalls kein Visum, und es gibt dutzende Fären am Tag – die brauchen nur eine Stunde. Wahrscheinlich benutzen die meisten allerdings die umgekehrte Route: In Hongkong übernachten, mit Tagesausflug nach Macao.


Macao
Hongkong: Blick von Kowloon nach Hongkong Island
Fest steht jedoch: August ist wahrscheinlich nicht die beste Zeit für die Region – es regnet sehr oft und sehr ausgiebig. Mit Englisch kommt man ein bisschen voran, aber nicht überall. Portugiesisch kann man vergessen – nicht mal die portugiesischen Ortsnamen (obwohl alle Schilder zweisprachig sind) werden verstanden. Chinesisch hilft nur begrenzt weiter, es muss schon Kantonesisch sein.

Der Satz der Woche (und aus Faulheit gleich Wort des Tages) stammt von meiner 2½-jährigen Tochter. Für sie hatten wir Milch vom 7-Eleven gekauft: “Fresh Milk, 3,6% Fat” stand auf Chinesisch und Englisch drauf. Haltbar bis zum 15. August 2009 (gekauft am 10.). Kaum dass ich meiner Tochter die Milch gab, sagte sie freudestrahlend ヨーグルトみたい (yōguruto mitai!) – yōguruto = Joghurt. mitai = wie. Wie Joghurt. Wenn frische Milch wie Joghurt schmeckt, stimmt was nicht. Erst recht, wenn sie wie bitterer Joghurt schmeckt – die Milch war eindeutig verdorben. Gottseidank war es nicht genug, um sich den Magen zu verderben.

Was hat das ganze nun mit Japan zu tun? Um eine gewisse Themenrelevanz an den Haaren herbeizuziehen: Die Portugiesen nutzten ab dem 16. Jahrhundert Macao als ihre Basis, um Ostasien zu missionieren. Auch Japan. Das scheiterte bekanntermasssen jedoch auf recht blutige Art und Weise.

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