Kakerlaken im Himmel
Nein, ich verspüre keine rechte Lust, über Nordkorea zu schreiben. Eigentlich bin ich ein bisschen sauer auf Kim Jong Il, denn ich hatte vorsichtig begonnen zu planen, im September nach Nordkorea zu fliegen. Wenn die so weitermachen, wird das nichts.
Nein, da schreibe ich lieber über einen Werbespot, über den ich herzlich lachen musste:
Die Boyband heisst Butōkan CM – und sie besingen hier ein Produkt, das Kakerlaken tötet. Am Ende sagt der Sänger “Gokiburo to the Heaven” (gokiburi = Kakerlake). Genial. Wenn das so ist, möchte ich dann doch lieber in die Hölle… aber da komme ich als Ungläubiger ja sowieso schon hin.
Wer noch nicht in Japan war, kam sicherlich noch nicht in den Genuss, Bekanntschaft mit hiesigen Kakerlaken zu machen. Es gibt auch kleine Varianten, wie man sie relativ selten auch mal in Mitteleuropa sieht (zum Beispiel am Busbahnhof von Kragujevac/Serbien – solche Horden hatte ich meinen Lebtag noch nicht gesehen). Nicht selten sind Kakerlaken hierzulande aber schlichtweg riesig – daumengross und fett.
Als ich in Japan studierte, wohnte ich in einer kleinen 1-Zimmer-Wohnung in einem relativ alten, undichten Wohnhaus aus Holz und Pappe. Dort gab es auch gelegentlich Kakerlaken, und ich habe den Fehler gemacht, eines der Biester im Badezimmer zu erschlagen (Zeitung funktionierte nicht, erst ein dickes Magazin und viel Schwung half). Nie wieder. Ich habe keine Angst vor Insekten, habe auch schon Insekten gegessen, aber das (Geräusch+Anblick danach, ganz zu Schweigen vom Saubermachen) war schlichtweg eklig.
Irgendwann sah ich wieder eine Kakerlake in der gleichen Wohnung. Ich nannte sie Joe. Joe kam, und das ist keine Erfindung, jede Nacht um Punkt 2 hinterm Kühlschrank hervor, streckte seine Fühler aus, schaute mich mit grossen Augen an (kam mir jedenfalls so vor) und trollte sich nach ein paar Sekunden wieder. Ich versuchte ihn eins, zwei Mal zu fangen, aber das war aufgrund seiner Cleverness und Geschwindigkeit sowie der engen Küchenkonstruktion nahezu unmöglich – zumindest nicht ohne Gifteinsatz. Nach ein paar Wochen war er schliesslich von allein verschwunden.
So, genug von Kakerlaken. Jetzt haben wir es also amtlich: Sie kommen in den Himmel.
Das Wort des Tages: ゴキブリ. Die Schabe. Kakerlake ist eigentlich unkorrekt hier – der Begriff gilt wohl nur Gemeinen Küchenschaben.
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