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Erschwerte Visabedingungen

April 30th, 2009 | Tagged | 14 Kommentare | 605 mal gelesen

Und schon sind wieder 3 Jahre um und es ist an der Zeit, mein Visum zu verlängern. Das kostet mich nichts und ich muss auch nicht zu irgendwelchen Behörden, denn das übernimmt gottseidank das Anwaltsbüro unserer Firma.
Eigentlich wäre es ja an der Zeit, die dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung zu beantragen, doch laut Anwalt dauert das Verfahren bis zur Ausstellung wohl mittlerweilen ein Jahr. Die Mühlen der Bürokratie mahlen wohl mittlerweilen noch langsamer.
Just bekam ich ein Fax von der Kanzlei, mit der Auflistung aller Dokumente, die benötigt werden. Und siehe da – es sind mindestens zwei mehr als beim letzten Mal. Hier die Liste, Stand 2009, für ein Angehörigenvisum (also wer mit einem Japaner/Japanerin verheiratet ist):

パスポート	Pass
外国人登録証明書	Ausländer-ID, bzw. eine Kopie davon
配偶者の住民票	Wohnmeldebescheinigung des Ehepartners
戸籍謄本		Amtliche Kopie des Familienregisters des Ehepartners
身元保証書	Eine schriftliche Bürgschaftserklärung des Ehegatten
住民税納税証明書	Kommunalsteuernachweis (beider Ehepartner)
住民税課税証明書	Allgemeiner Steuernachweis (beider Ehepartner)
在職証明書	Arbeitsnachweis (beider Ehepartner, so in Arbeit stehend)

Das sind wohlgemerkt die Dokumente für die Visaverlängerung – wer das Visum zum ersten Mal beantragt, braucht einiges mehr.
Ich war lediglich überrascht über die Bürgschaftserklärung und den allgemeinen Steuernachweis – die sind neu im Repertoir. Schätze, ich sollte zu meiner Frau in den nächsten Wochen nett sein.

Übrigens versucht Japan momentan im Zuge der Wirtschaftskrise, die vor Jahren gerufenen Geister – genannt 日系人 (nikkei-jin, Abkömmlinge japanischer Auswanderer, zumeist aus Südamerika) wieder loszuwerden. Wenn ich es recht in Erinnerung habe, werden ihnen 200’000 Yen (ca. 1’600 Euro) angeboten, damit sie a) aus Japan verschwinden und b) versprechen, nicht wieder zurückzukommen.
Denke ich an japanische Einwanderungsgesetze in der Nacht…

So, Wort des Tages gab es schon. Wer noch ein bischen Horrorgeschichten lesen mag, kann z.B. gern diese Diskussion mitverfolgen. Ist nur eine von Vielen. Höhepunkt: Selbst Leute mit dauerhafter Aufenthaltsgenehmigung kann die Anreise verwehrt werden – alles schon vorgekommen.

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Zweikampf mit einem Dinosaurier

April 27th, 2009 | Tagged , | 9 Kommentare | 451 mal gelesen

Werbung kann richtig gut sein. Passiert nicht allzu oft (zumindest im Fernsehen), aber in jüngster Zeit hat es mir eine Werbung ziemlich angetan: Takeshi Kaneshiro, ein sehr angesagter Schauspieler, der im grossen Epos “Red Cliff” mitspielte (monumental wie Herr der Ringe, aber angesiedelt in China), wirbt da für Java Tea. Letzter ist schon in der Vergangenheit durch einprägsame Werbung aufmerksam geworden. Aber Java Tea wird nur alle paar Jahre im Fernsehen beworben. Plot: Kaneshiro steht mit einer blonden Frau im Büro, und sie bemerkt spöttisch “Du hast doch noch nie richtig gekämpft”. Den Rest sieht man… Keine Ahnung, wer da wie und warum auf diese Idee kam, aber ich finde den Spot herrlich schräg.

So, das musste mal sein. Ich hatte irgendwie keine Lust, über die Schweinegrippe zu schreiben.

Das Wort des Tages: 豚インフルエンザ buta infuruenza. Schweinegrippe. Wird natürlich auch hier mit grosser Sorge betrachtet.

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Filme, die die Welt nicht braucht: Hachi

April 24th, 2009 | Tagged | 8 Kommentare | 675 mal gelesen

Nahezu täglich bekomme ich Einladungen zu einer Film-Vorschau auf meinen Schreibtisch, da wir gelegentlich über Neuerscheinungen schreiben. Was mir aber heute auf den Tisch flatterte, ist es mir glatt wert, 10 Minuten meiner Mittagspause zu opfern.

Wer sich schon mal in Shibuya verabredet hat, wird ihn kennen: はち公 (Hachikō) – den kleinen Hund (bzw. Statue des selbigen). Kurzfassung: Herrchen und Hund ziehen nach Tokyo. Hund wartet jeden Tag auf Herrchen am Bahnhof. Herrchen stirbt. Hund kommt trotzdem die nächsten 10 Jahre zum Bahnhof (von 1925 bis 1935). Deshalb wurde Hachiko landesweit bekannt, und sein kleines Denkmal ist DER Treffpunkt schlechthin, wenn man sich in Shibuya verabschiedet.

1989 wurde in Japan ein Film über Hachiko gedreht (Hachiko Monogatari). Soweit so gut. Seit einiger Zeit recycelt ja nun auch Hollywood japanische Filme (The Ring etc). Es kam also, was kommen musste. “Hachi – 約束の犬” (japanischer Titel, wörtl.: Hachi – der treue Hund), amerikanischer Titel: Hachiko – a Dog’s Story, erscheint als Remake. In der Hauptrolle: Trara (Fanfaren) – Richard Gere.

Au ja. 2 Stunden lang Richard Gere zusehen und dem Hund, der auf ersteren täglich wartet – das ist ja wie Flipper, Lassie, Titanic und Bodyguard zusammen! Ich kenne schon mal einen, der nicht zur Vorschau geht. Ganz sicher nicht. So, 10 Minuten sind vorbei.

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Erbfolgekriege in Japans Politik

April 23rd, 2009 | Tagged | 1 Kommentar | 447 mal gelesen

In dieser Woche wurde aus einer kleinen Diskussion in Japan eine prächtige Debatte – im Grossen und Ganzen ausgelöst durch eine Umfrage unter Parteimitgliedern der Demokraten, was sie denn von der Begrenzung der Tradition der Erbfolge bei Politikern halten würden. Die Hälfte der Befragten war für eine Begrenzung.

Hintergrund: Noch stärker als anderswo ist in Japan sehr deutlich zu merken, dass Politik oft in der Familie bleibt – es gibt regelrechte Politikerdynastien. Auch der jetzige Ministerpräsident Aso ist da nicht unbeleckt – seine Familie weist zwei Ex-Aussenminister auf, obwohl seine Familie eigentlich eher aus der Wirtschaft kommt (Zement). Unzählige Mitglieder aus Japans Ober- und Unterhaus haben illustre Vorfahren, die schon vor Jahrzehnten viel zu sagen hatten. Und auch das soll mal erwähnt werden – je höher die gesellschaftliche Position, sowohl in Wirtschaft als auch in Politik, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass diese Person sehr genau über die eigene Ahnentafel bescheid weiss und diesen oder jenen Daimyo oder Samurai als Vorfahren benennen kann. Oft genug erlebt.

Ein Diskurs über die politische Kultur in Japan würde hier den Rahmen sprengen. Aber ein gebräuchlicher Begriff soll hier noch vorgestellt werden: 三バン (Sanban) – die 3 “Ban” in der japanischen Politik. Wer in Japans Politikwelt etwas werden möchte, braucht, so wird allgemein gesagt, die folgenden drei “Ban”:

1) 地盤 Jiban – die (örtliche) Basis – in einer Stadt und/oder Region, die einen stark unterstützt. Spielt beim “Vererben” in der Politik eine grosse Rolle – man erbt die Ortsgruppe oftmals gleich mit.

2) 看板 kanban – Werbeschild. Aushängetafel. Gemeint ist der Bekanntheitsgrad des Namens. Spielt bei der Vererbung eine noch grössere Rolle.

3) 鞄 kaban – Tasche. Gemeint ist eine solche randgefüllt mit Geld, um den Wahlkampf zu finanzieren.

Die japanische Wikipedia hat eine wunderschöne Liste aktueller Politiker, geordnet nach Parteizugehörigkeit, die von einflussreichen Politikern der Vergangenheit abstammen. Die Liste ist sehr lang: http://ja.wikipedia.org/wiki/世襲政治家一覧. Bei der Regierungspartei, den Liberalen, ist die Liste so lang, dass man nur dort auch nach Namen gruppiert hat….

Ich bin neugierig, ob die Diskussion um diese altbekannte Praxis zu etwas führen wird – ich halte letzteres jedoch für äusserst unwahrscheinlich. So ein Gefelcht löst man nicht einfach auf, das dauert Generationen.

Das Wort des Tages: 世襲 seshū. Die Erbfolge bzw. Nachfolge.

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Hauptsache mit viel Mayonnaise!

April 21st, 2009 | 20 Kommentare | 633 mal gelesen

Eine der Spezialitäten meiner Präfektur (Chiba) nennt sich クジラのたれ (kujira no tare) – getrocknetes Walfleisch. Genauer gesagt ist das eine Spezialität der Südspitze der Bōsō-Halbinsel, auf der anderen Seite der Bucht von Tokyo, gegenüber von Tokyo quasi.

Eine gute Bekannte von uns hatte sich neulich auf den Weg dorthin gemacht – keine zwei Stunden entfernt – und als Mitbringsel eine Tüte mit schwarzem, verrunzelten Etwas mitgebracht. Besagtes, getrocknetes Walfleisch. Nun kann man über Waljagd sagen, was man möchte – ich sehe das ganze recht nüchtern. Japaner sind, wie Norweger oder Isländer, traditionelle Walfänger. Sollte die Jagd nicht bestandsgefährdend, also nachhaltig sein, sollten sich Mitteleuropäer besser informieren, bevor sie aufschreien. Das Theater mit dem “Wir jagen doch nur aus Forschungsgründen!” ist andererseits sehr fadenscheinig und absurd. Denn Walfleisch kann man hier überall kaufen.

Zurück zum Punkt. Getrocknetes Walfleisch sieht ein bisschen aus wie Beef Jerky (getrocknetes Rindfleisch), aber rabenschwarz, und muss lange, lange gekaut werden, bevor man es herunterschlucken kann. Der äusserst unangenehme Geschmack macht das nicht unbedingt einfacher. Unsere Bekannte und die Herstellerfirma hat freilich auch sofort die Lösung parat: Mit viel Mayonnaise essen! Ist ja klar – Mayonnaise übertüncht den mörderischen Geschmack wenigstens ein bisschen. So kann man sich sein Essen auch schön reden.

Erinnerte mich auch spontan an den alten Witz, wie man Spinat am besten herrichten kann – indem man ihn kurz vor dem Servieren durch ein saftiges Steak ersetzt. Nun ja. Wir bekamen es geschenkt, bekamen es nicht runter und mussten es nun entsorgen. Es gibt Sachen, die sollte man probiert haben. Andere muss man nicht unbedingt probieren. Zumindest kein zweites Mal.

Hier noch die Webseite des Herstellers: Hakudai. Die Slideshow rechts ist nichts für Walfans. Dass diese heute “Spezialität” genannte Essware einen schlichten, historischen Hintergrund hat, ist freilich klar: Getrocknetes Fleisch ist ein beachtlicher Energiespender, der lange haltbar ist – auch ohne Kühlschrank.

Das Wort des Tages: 珍味 – chinmi – “seltsamer Geschmack” – eigenwillige, kulinarische Spezialitäten. Wie Seegurkeninnereien zum Beispiel. Es gibt etliche Chinmi in Japan – alle gewöhnungsbedürftig, aber nicht unbedingt schlecht – ich zum Beispiel weiss ein paar Chinmi sehr zu schätzen…

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Tabibito in der Presse

April 15th, 2009 | 9 Kommentare | 502 mal gelesen

Neulich habe ich zum ersten Mal seit langem wieder einem Bekannten aus Nagasaki geschrieben. Der schrieb auch prompt zurück und sagte “Musste gerade erst an Dich denken, als ich Deine Webseite in der Zeitung sah”. Wie jetzt, Webseite, Zeitung!? Davon wusste ich natürlich nichts.
Wie es sich später herausstellte, ist der Artikel auch schon fast ein Jahr alt – erschienen am 31. Mai 2008 in “週刊ダイヤモンド” (“Wochenzeitschrift Diamant”), die sich selbst als beliebtestes Wochenmagazin für Wirtschaft bezeichnet. Auflage: 160,000.
Der kleine Artikel ist mit “Ausländer schauen hier nach!” betitelt und listet 16 Webseiten auf, die mehr oder weniger viel mit Japan zu tun haben – der Untertitel lautet “Übersicht weltweiter, japanbezogener Webseiten” und 15 der Seiten sind überwiegend in Englisch. Aus irgendwelchen Gründen tauchte da nun auch meine Seite auf – beschrieben mit “Deutsche Seite. Von japanischer Küche, Geschichte, Reiseinformationen, Geographie bis hin zu Regionalem”.

Diamondo Shukan

Kontaktiert worden bin ich freilich nicht, das wird denen auch zu umständlich sein. War nur überrascht, so etwas durch Zufall herauszufinden. Einen grossen Effekt hat so etwas freilich nicht. Wir haben als Internetfirma gelegentlich in grossen Zeitungen und Zeitschriften inseriert, es aber bald aufgegeben – es hat schlichtweg keinen Effekt bzw. so gut wie gar keinen.

Das Wort des Tages: 週刊 shōkan. Woche – (Druck)Ausgabe. Das Wochenmagazin.

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Filmritik: Achilles und die Schildkröte

April 13th, 2009 | 3 Kommentare | 629 mal gelesen

Gestern kam ich in den Genuss des neuesten Filmes von – man kann ihn wohl schon so nennen – Altmeister Beat Takeshi. Der Film heisst “Akiresu to Kame”, wörtlich “Achilles und die Schildkröte – eine Anspielung auf das Zenon-Paradoxon mit besagten Darstellern.
In dem Film geht es um einen Mann namens Machisu – gespielt von drei verschiedenen Schauspielern, denn der Werdegang beginnt mit Machisu als kleinem Jungen mit (noch) lebenden Eltern, geht weiter in seiner Jugend, als er seine Frau kennenlernt, und endet mit Takeshi himself als Darsteller. Und – zumindest meine Meinung – alle drei leisten gute Arbeit. Machisu entwickelt schon als Kind ein Talent, vielleicht sollte man aber auch besser Spleen sagen, zum Malen. Jedoch zieht sich der Tod von Anfang an wie ein grausamer, roter Faden durch sein verträumtes Leben.
Anfangs sieht alles noch nach einem Happy End aus, man traut dem Maler allerhand zu. Doch schon in der ersten Hälfte bekommt man eine Idee davon, warum der Film das trügerische Gleichnis zum Titel hat: Was der Maler auch versucht, er läuft dem Zeitgeist hinterher. Mit ihm seine treue, mitleidenswerte Frau.

Der Film bekam in Japan weniger gute Kritiken – gemessen zumindest an anderen Filmen von Kitano (Beat Takeshi). Ich frage mich warum. Ich fand den Film herrlich surreal, und es ist eine Weile her, dass 2 Stunden Film dermassen schnell vorübergingen.
Es sind die zahlreichen, Kitano-typischen Wendungen, die mehr oder weniger vorhersehbar hereinbrechen. Und sehr skurrile Szenen voll schwarzen Humors (NDE als Muse z.B.).
Der Film ist hier mit englischen Untertiteln erhältlich – und wer weiss, vielleicht auch mal mit deutschen Untertiteln in Europa.
Die Premiere fand übrigens im August 2008 beim Filmfest in Venedig statt; der Film gewann seither gelegentlich auch schon Preise – nur eben nicht in seiner Heimat. Achilles und die Schildkröte ist der dritte Film einer surrealen Triologie mit autobiographischen Elementen. Obwohl man eins mit Sicherheit sagen kann – Kitano braucht nach wie vor niemandem hinterherzurennen. Erst recht nicht dem Zeitgeist.

Hier noch die offizielle Webseite – die Szenenphotos geben einen guten Vorgeschmack: Akiresu to Kame.

Das Wort (bzw. der Satz) des Tages: アキレスと亀 – akiresu to kame. Akiresu = Achilles, to = und, kame = Schildkröte (man braucht nicht viel Phantasie, um in dem Zeichen eine solche zu erkennen).

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Tolle Erinnerung – Weiße Pest im Studio

April 10th, 2009 | 5 Kommentare | 516 mal gelesen

Ich bin nicht sicher, inwieweit der Begriff “Weiße Pest” geläufig ist – gemeint ist Tuberkulose. Und da ist vor kurzem etwas “witziges” passiert. Eine der bekannteren Komikertruppen in Japan nennt sich “Harisenbon” – das ist eine ungelenke, Dicke und eine extrem Dürre mit genialem Überbiss. Um die beiden mit einem Wort zu beschreiben: Sie sind, nun ja, schlichtweg häßlich. Nun soll man das nicht unbedingt über Menschen schreiben, aber die beiden verkaufen sich mit exakt diesem Image recht gut in Japan.

In dieser Woche gab es dann plötzlich die Eilmeldung eines Fernsehsenders, dass sich doch bitte Gäste einer neulich gedrehten Show beim Arzt melden sollen. Grund: Bei Minowa Haruka, der Dürren, wurde Tuberkulose diagnostiziert. Und die ist bekanntlich sehr ansteckend. Hunderte besorgte Bürger riefen daraufhin bei einer Hotline in Tokyo an.

Das Wort Tuberkulose hat ja seinen Schrecken verloren – man assoziiert das Wort eher mit Not, Krieg, Mittelalter, vielleicht auch Osteuropa, Gefängnis, Drogenabhängige. Immerhin sind die gängigen Tuberkuloseformen auch schnell heilbar. Laut Japanischer Anti-Tuberkulose-Vereinigung gab es 2007 trotzdem 25’311 neue TBC-Fälle in Japan, mit 2’188 Todesopfern (meist ältere Menschen). Die Zahl hat mich zumindest trotzdem überrascht – laut Robert-Koch-Institut lag die Zahl der Neuerkrankungen in Deutschland bei 4’916. Das sind 3.3 mal mehr TBC-Kranke in Japan als in Deutschland. Trotz Pflichtimpfung.

Damit sich übrigens jeder ein Bild machen kann von den Beiden, noch ein kleines Video:

Das Wort des Tages: 結核 kekkaku “Binden – Kern”. Das japanische Wort für Tuberkulose – bezieht sich bestimmt auf die Symptome (behaupte ich mal so einfach – weiss es jemand besser?)

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Banales: Küchenmesser

April 8th, 2009 | 14 Kommentare | 741 mal gelesen

Soba-MesserKeine Ahnung, wieso ich heute darauf komme, aber manchmal ist mir auch danach, über Banales zu schreiben. Heute: Küchenmesser. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich mir vorkam, als ich zum ersten Mal bei einer Familie in Japan eingeladen war – gegessen wurde in der Küche, und zubereitet wurde beim Essen bzw. andersrum. Die Mutter war vielleicht 155 cm oder so in etwa gross – und holte plötzlich ein Messer hervor, dass so lang und dick war wie ihr Unterarm.
“So gut kennt sie mich doch gar nicht, dass sie jetzt schon zu Mordwerkzeugen greift” dachte ich damals. Schnell merkte ich jedoch, dass man in Japan gar nichts anderes kennt als grosse Messer. Andersrum wundern sich Japaner in Deutschland häufig, warum so grosse Menschen mit so winzigen Messern herumhantieren.
Die Messer hierzulande sind auch oftmals scharf, und ich meine scharf. Eine schmerzhafte Lektion. Ein sanftes Abrutschen, und schon kann man die Küchenarbeit für eine Stunde ruhen lassen, während man langsam ausblutet.
Hinzu kommt noch ein feiner Unterscheid: Die meisten Leute aus Deutschland, die ich kenne (mich eingeschlossen), schneiden zum Körper hin. Hier schneiden die meisten vom Körper weg. Habe das freilich auch ausprobiert – und siehe da, es geht wirklich wesentlich schneller.
Besonders schön sind in Japan die Soba-Messer (siehe Photo): Soba (Nudeln, meist aus Buchweizenmehl) werden gerade in Restaurants nicht selten selbst gemacht. Ohne Maschine – der Teig wird mit dem Messer geschnitten (die Nudeln sind nicht dicker als normale Spaghetti). Die Messer sind riesig und so schwer, das man – ausser zum Anheben – kaum Kraft braucht, um den Teig zu schneiden, denn das Eigengewicht verrichtet beinahe die ganze Arbeit.

Japan ist ja für seine Schwertschmiedekunst bekannt – das gleiche gilt freilich auch für Messer, oftmals mehrfach gefaltet, kunstvoll graviert usw. Die echten japanischen Messer muss man übrigens pflegen, denn sie setzen sofort Rost an. Wer ein schönes Souvenir aus Japan braucht, kann jedenfalls mit einem Messer nicht viel falsch machen. Man sollte freilich beachten, dass sich Messer a) nicht gut als Souvenir für alte Feinde und b) nicht besonders gut als Artikel im Handgepäck beim Rückflug machen.

So, genug Banales.

Das Wort des Tages: 包丁 hōchō – das (Küchen)messer.

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Nordkoreanischer Raketentest – viel Lärm um nichts?

April 6th, 2009 | 7 Kommentare | 470 mal gelesen

Was da gestern in den NHK-Hauptnachrichten um 19 Uhr über die Bildschirme flimmerte, sah schon aus wie eine Farce. Ca. 20 der der 30 Nachrichtenminuten wurden dem am Vormittag von Nordkorea aus durchgeführten Raketenabschuss gewidmet, aber auf was für eine Art und Weise: Da sah man das kleine Büro des Chefs eines kleinen Hafens in einer ganz kleinen Stadt umringt von einem Reporter und seiner Entourage: Plötzlich Hektik – ein Funkspruch, ein Funkspruch! Zoom auf den armen Hafenchef, wie er ans Funkgerät sprang. “Die Rakete wurde abgefeuert, sie kommt, sie kommt!”.

Dazu noch wirkungsvoll platzierte, mobile Raketenabschussrampen vor dem Verteidungsministerium und anderswo. Noch andere, unbedeutende Leute in unbedeutenden Kleinstädten und Ämtern, die alle gleichzeitig begannen zu rotieren.

Wohlgemerkt: Nordkorea setzte den Abschuss auf die Zeit zwischen dem 4. und 8. April an. Will heissen, all die Fernsehteams lauerten spätestens seit Mitternacht am 4 April in all den Büros und Ämtern. Da fragte man sich ernsthaft, wer hier mehr inszenierte: Nordkoreas Machthaber oder die japanischen Medien.

Dass ein Land, in dem laut vorsichtigen Schätzungen in den 1990ern mehr als eine Million Menschen verhungerten, ein Land, in dem als Folge der Unternährung die Durchschnittsgrösse der Einwohner im Vergleich zu ihren südlichen Nachbarn um etliche Zentimeter zurückging, ein Land, in dem Sippenhaft gang und gebe ist und zehntausende Menschen mit ihren ganzen Familien in unsäglichen Gulags gefangenhalten werden, ein Land, dass einfach mal eben so viele dutzend Menschen aus anderen Ländern kidnappt – das ein solches Land hunderttausende Dollar (und viele kluge Köpfe) in den Bau von Langstreckenraketen (oder gar ein Weltraumprogramm!?) investiert, ist schlichtweg der Gipfel menschlichen Wahnsinns.

Und trotzdem – wäre es nicht besser gewesen, diese und andere Provokationen mit Missachtung zu strafen anstatt eine derartige Inszenierung zu gestalten? Ich weiss es nicht… Wohl fühlte ich mich jedenfalls bei der Berichterstattung nicht: Propaganda ist Propaganda, Manipulation der öffentlichen Meinung Manipulation – egal auf welcher Seite.

Das Wort des Tages: 誤報 gohō “Falsch-melden”. Vor dem wirklichen Start gab es etliche peinliche Fehlwarnungen.

Wer über den Raketentest nichts gehört hat – die erste Stufe der Rakete fiel zwischen Nordkorea und Japan ins Meer, der Rest überflog – für das Auge unsichtbar – die Präfekturen Akita und Iwaki, um weit draussen im Pazifik ganz im Meer zu versinken. Angeblich gab die Rakete einen Satelliten im Weltraum frei, aber südkoreanische und amerikanische Experten bezweifeln das.

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