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Palmen statt Schnee

März 30th, 2009 | 8 Kommentare | 817 mal gelesen

An dieser Stelle noch einen elektronischen Gruss an alle, die mich (mehr oder weniger gut) kennen. Die Konferenz in Denver ging gestern zu Ende und damit ist die Arbeit hier getan – heute ging es entsprechend weiter, von Denver nach L.A. Hier sitze ich nun in einem netten, kleinen Hotel direkt in Venice Beach – gegenüber das Meer, mit meiner Wahlheimat auf der anderen Seite des Pazifiks.

Los Angeles
Venice Beach / Los Angeles

Die Zeit reichte gerade so, Venice Beach und Santa Monica zu erkunden – für Beverly Hills, Hollywood usw. wird wohl keine Zeit mehr sein. Schade eigentlich.

So. Ab übermorgen folgt die übliche Berichterstattung aus Japan! Versprochen!!!

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Blizzard statt Kirschblüte

März 27th, 2009 | 8 Kommentare | 512 mal gelesen

Das ich in diesem Winter noch in den Genuss eines ausgewachsenen Schneesturms komme, hätte ich auch nicht gedacht. Der Fussmarsch von meinem Hotel in Denver zum Convention Center dauert eigentlich nur 5 Minuten, aber schon nach wenigen Metern sah man wie ein Schneemann aus.

Denver/Colorado

Denver/Colorado

Ich hoffe, der nicht Japan-bezogene Artikel wird mir verziehen… Am Sonntag geht es nach L.A., da sollte es doch ein bisschen wärmer sein. Hoffentlich.

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Zum Glück nicht abergläubisch

März 23rd, 2009 | 18 Kommentare | 799 mal gelesen

Übermorgen fliege ich für ein paar Tage in die Staaten (hauptsächlich Denver, aber auch ein Tag Los Angeles). Von Narita, dem internationalen Flughafen von Tokyo.
Quasi als Einstimmung habe ich gestern den Film “20世紀少年” (engl: 20th Century Boy, eine recht turbulente Mangaverfilmung) gesehen, in dem der andere Flughafen Tokyos mal so eben in die Luft gesprengt wird.
Und heute morgen fiel in Narita eine Maschine vom Himmel – eine 747 des Paketzustellers Fedex. Grund: Starker Wind. Ergebnis: Das Flugzeug lag auf dem Rücken und verbrannte fast vollständig – zwei (alle?) Besatzungsmitglieder haben es nicht überlebt (Nachrichten hier), dutzende Flüge wurden gestrichen oder, so unterwegs, nach Haneda umgeleitet.
Aber ich bin ja nicht abergläubisch. Statistisch gesehen sind Flughäfen kurz nach einem Absturz am sichersten…

Das Wort des Tages: 迷信 meishin – “verirren – Glauben”. Der Aberglaube. In Ostasien sehr verbreitet.

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Meidet das Nachtleben in Roppongi!

März 18th, 2009 | 8 Kommentare | 1161 mal gelesen

Hiess es in einem Rundbrief der amerikanischen Botschaft an alle dort registrierten, in Japan lebenden Staatsbürger. Aber vielleicht erstmal eine kurze Erklärung, was Roppongi ist:
Der Name bedeutet “6 Bäume” und ist vielerorts in japanischen Städten zu sehen. DAS Roppongi allerdings befindet sich im Zentrum von Tokyo im Stadtteil Minato-ku und ist die Amüsiermeile schlechthin – für Ausländer. Mit der Reeperbahn würde ich Roppongi nicht ganz vergleichen, aber wer Bangkoks Khao San Rd. kennt, kann sich schon ein Bild davon machen. Beliebt war und ist Roppongi besonders bei Amerikanern – GI’s auf Landurlaub, Angestellte, Englischlehrer usw. usf. Dementsprechend gibt es sehr viele Bars, Clubs und dergleichen. Es wird viel Englisch gesprochen. Und japanische Frauen, die unbedingt mit einem Ausländer zusammen sein wollen (davon gibt es nachwievor viele) zieht es dementsprechend auch nach Roppongi wie Motten zum Licht.
Dementsprechend sind viele Clubs schlichtweg zur Fleischbeschau da, und in manchen Clubs geht es recht ruppig zu. Es gibt aber auch piekfeine Nachtclubs, gute Restaurants, schöne Kneipen und so weiter – Roppongi hat auch seine attraktiven Seiten.
Zurück zur Warnung von der amerikanischen Botschaft: Angeblich soll es vermehrt Fälle gegeben haben, in denen ahnungslosen Ausländer Drogen (Rohypnol zum Beispiel) ins Getränk gegeben wurden – die Opfer wachten jeweils Stunden später irgendwo wieder auf, zumeist ohne Bargeld und Kreditkarte.
Das interessante ist, dass die japanische Polizei vor der Warnung ganz überrascht war: Solche (gemeldeten) Fälle gab es wohl schon seit Monaten nicht mehr und davor auch nur relativ selten.
Andererseits könnte ich mir vorstellen, dass die Opfer sich lieber an die eigene Botschaft wenden als an die japanische Polizei, denn letztere hat keinen sehr guten Ruf unter Ausländern – erst recht nicht, wenn man kein Japanisch beherrscht.
Roppongi hat sich jedoch in der Tat geändert: Nicht nur, dass da plötzlich zwei riesengrosse Bürokomplexe stehen (Roppongi Hills und Tokyo Midtown) – auch die zunehmend mehr werdenden, schrankgrossen, meist schwarzen Türsteher und Kundenfänger ändern das Bild. An gewissen Strassenabschnitten kommt man sich schon beinahe vor wie beim Spiessrutenlauf.
Ach ja, in Roppongi gibt es zum Beispiel auch die berühmte Bernd’s Bar (ja, mit Apostroph) – eine kleine Sportkneipe. Leider habe ich es noch nicht dorthin geschafft, aber vielleicht schaffe ich das ja mal.

Das Wort des Tages: 警告 keikoku – “Warnen – berichten”. Eine Warnung.

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Gastarbeiter in Japan – “Saure Erdbeeren”

März 16th, 2009 | 19 Kommentare | 1068 mal gelesen

Tilman König and Daniel Kremers von der Freien Filmgruppe Leipzig haben vor kurzem einen interessanten Dokumentarfilm in Japan abgedreht – jener heisst “Saure Erdbeeren” und beschäftigt sich mit dem Los von Gastarbeitern in Japan. Mit Gastarbeiter sind zumeist Menschen vom gleichen Kontinent und Südamerika gemeint, die nach Japan kommen, um zum Beispiel in der Landwirtschaft Praxiserfahrung zu sammeln.
Das mit der Praxiserfahrung wird allerdings von zahlreichen Arbeitgebern etwas falsch verstanden: Den “Gästen” werden mitunter die Pässe entzogen, die Arbeitsbedingungen sind oft extrem, Urlaub ein absolutes Fremdwort und die Arbeit selbst kann man schlichtweg nur Ausbeutung, gegebenenfalls auch Sklaverei nennen. Dieses Problem ist in der japanischen Politik durchaus bekannt: Zahlreiche Politiker beschweren sich über die Praxis und fordern Gesetzesnachbesserungen und schärfere Kontrollen.
Nun ist das sicher kein japanisches Problem – Lohnsklaven aus dem Ausland sind auch in Deutschland oder den USA nichts unbekanntes. In Japan kommt jedoch latenter Rassismus und der heftige Zusammenprall verschiedener Arbeitskulturen dazu (was mich an eine junge Deutsche erinnert, die mir erzählte, dass sie auch schon von ihrem japanischen Boss geschlagen wurde – ich sagte ihr recht deutlich, dass dort die Anpassung an fremde Kulturen aufhören muss).
In dem deutsch-englisch-japanischen, 60-minütigen Film kommen auch Politiker, Gewerkschafter und etliche ehemalige Opfer zu Wort. Hier der Trailer zum Film:



Saure Erdbeeren Trailer German from Cinemabstruso Leipzig on Vimeo.

Im Film kommt auch der berühmt-berüchtigte, umstrittene “Whistleblower” Debito Arudo zu ein paar Minuten. Zu recht – kaum ein Ausländer kennt die dunklen Ecken Japans besser als er.
Der Film wird ab dieser Woche an diversen Orten in Japan gezeigt:

TOKYO: Samstag, 21 März
TSUKUBA: Sonntag, 22 März
TOKYO: Montag, 23 März
TOKYO: Dienstag, 24 März
NAGOYA: Mittwoch, 25 März
HIKONE, SHIGA: Donnerstag, 26 März
OSAKA: Donenrstag, 26 März
OKAYAMA: Samstag, 28 März
KUMAMOTO: Dienstag, 31 März
SAPPORO: irgendwann im April 2009

Genaue Informationen zu Ort und Zeit findet man hier bei Debito.

Zu den Aufführungen werde ich es selber nicht schaffen, aber ich bemühe mich um eine Kopie und werde mehr darüber schreiben, denn dieses Thema wollte ich schon seit langem aufgreifen.

Das Wort des Tages: 人権 – jinken. Die Menschenrechte.

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3 Jahre Blog / Was für die Ohren

März 15th, 2009 | 17 Kommentare | 582 mal gelesen

So, nun zählt dieser Blog schon mittlerweilen drei Lenze. 3 Bloggerjahre – das sind bestimmt um die 21 Menschenjahre. Die meisten von Euch haben zum Glück die Redesign-Schlacht im Mai letzten Jahres überlebt. Momentan bin ich am Grübeln, ob ich mir ein Logo designen lassen soll. Kostet 200 Euro, und ich bin mir nicht ganz sicher, ob das gut angelegt ist oder nicht. Ist ja schliesslich keine kommerzielle Seite.

Mittlerweilen hat dieser Blog 337 Einträge, was relativ wenig ist im Vergleich zu vielen anderen Blogs. Den meistgelesensten Artikel (siehe Tops & Flops rechts) verdanke ich Herrn T aus H, von Beruf immerhin A. Danke für die Anregung :-)
Ich möchte auch allen anderen Lesern für ihre Treue und konstruktiven Beiträge danken. Nur so macht das Weitermachen Sinn. Wer Themenvorschläge/-wünsche hat, kann sie übrigens hier kundtun.

Heute war ich zum ersten Mal seit fast vier Jahren bei einem Konzert (vor fast zwei Wochen hier angedeutet. War ein schöner, kleiner Club, in den um die 150 Leute reinpassen. Beide Bands (Shonen Knife, Japan, und Wedding Present, UK) mischten sich auch unters Volk vor und nach dem Auftritt.
Beide Bands kenne ich seit Anfang der 1990er. Shonen Knife, einst vielgerühmt von Bands wie Nirvana und Sonic Youth, gibt es seit 1981. Die Sängerin ist Jahrgang 1960, und das ist schwer zu glauben, wenn man sie live sieht (im Video rechts). Wenn ich das richtig sah, hatte sie ihr Kind dabei (unter 10 Jahre alt, denke ich). Trug ein schönes T-Shirt mit dem Schriftzug “Punk”, fettgedruckt. Die Texte von Shonen Knife sind allerdings nachwievor, nun ja, nicht die tiefsinnigsten der Branche: Shonen Knife singt nachwievor am liebsten über Kekse. Aber sie haben Spass dabei und die Musik ist grossartig (leider etwas dunkel und nicht perfekt abgemischt):

The Wedding Present waren ebenfalls grossartig und machen live wirklich was her. Vor allem in kleinen Clubs:

Das Publikum war übrigens schön gemischt: Hälfte Japaner, Hälfte Ausländer. Ergab eine gute Stimmung.

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Kulturübergreifend: Amok

März 12th, 2009 | 11 Kommentare | 1093 mal gelesen

Mit Entsetzen habe ich hier die Nachrichten aus Deutschland verfolgt – der Amoklauf in Erfurt war ein rechter Schock, und der gestern in Winnenden stand dem in nichts nach. Ganz offensichtlich kann es jeden überall treffen, und scheinbar sind die Mittel gegen solche Aktionen recht begrenzt. Meine Anteilnahme den Opfern und ihren Angehörigen – der Schmerz muss unfassbar sein.

Aufgrund der extrem strengen Waffengesetze in Japan gab es hier bisher kein grösseres Blutbad… das durch Pistolen und Gewehre verursacht wurde. In Japan greift der Durchschnittsamokläufer eher auf Messer oder auf Kombinationen von LKW’s und Messer zurück. Höre ich Amoklauf, so denke ich (und wahrscheinlich auch die meisten Japaner) mit Horror an den 附属池田小事件 (Fuzoku Ikeda-shō Jiken Angeschlossene Grundschule Ikeda-Vorfall) zurück. Der fand am 8. Juni 2001 stattfand. Damals drang der ehemalige Hausmeister, 37 Jahre alt, in die Schule ein und stach wahllos auf die 7 bis 12-jährigen Kinder sowie auf die Lehrer ein. 8 Kinder, darunter 7 Mädchen, starben, zahlreiche andere Kinder und Lehrer wurden verletzt.
Ausnahmsweise konnte der Täter damals lebend gefasst werden – er wurde für zurechnungsfähig erklärt und erhielt die Todesstrafe. Die wurde 2004 (und damit ungewöhnlich schnell) vollstreckt.
Nun ja. Man kann nur hoffen und selbst daran arbeiten, dass die Gesellschaft keine solcher “stillen Monster” hervorbringt. Aber dazu gehört wohl eine ordentliche Portion Idealismus.

Das Wort des Tages: 大量殺人事件: tairyō satsujin jiken. Massen-Mord-Vorfall. Das Wort Amok hat keine entsprechende 1:1 Übersetzung im Japanischen.

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Abschieben… oder?

März 10th, 2009 | 15 Kommentare | 1170 mal gelesen

So ziemlich alle Industrienationen haben das gleiche Problem: Was tun mit illegalen Einwanderern? Momentan erregt da ein besonderer Fall die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit: Ein philippinisches Paar war Anfang der neunziger Jahre mit falschen Pässen in Japan eingereist, und hatte es irgendwie geschafft, bis 2006 unentdeckt in Japan zu leben. Was bei der Kontrollwut der Japaner ziemlich erstaunlich ist: Schliesslich muss man eigentlich beim Amt registriert sein, um eine Wohnung zu bekommen, ein Bankkonto, Gas & Wasser anzumelden usw.
Das Pärchen war auch nicht völlig untätig in der Zeit. Sie bekamen ein Kind und gaben ihrer Tochter einen rein japanischen Namen: Noriko. Das Kind wurde grösser, ging zum Kindergarten, wurde eingeschult… und ist jetzt 13 Jahre alt.
Japan hat ganz klare Gesetze, wenn es um illegale Einwanderer oder Visaüberziehungen und ähnliche Ungereimtheiten geht: Die Leute werden abgeschoben und davor zumeist in Abschiebehaft gesteckt. Und sie dürfen nach Abschiebung für mindestens 5 Jahre nicht das Land betreten. Da ist es auch sehr egal, woher der Missetäter kommt – ob aus Deutschland oder Myanmar. Gerade wegen Visaüberziehungen werden monatlich etliche Amerikaner und Europäer abgeschoben.
Was aber soll nun mit dieser Familie geschehen? Die Eltern des Kindes sollte man zumindest wegen groben Unfugs anzeigen, denn: Sie haben ihrem Kind nicht einmal die eigene Sprache beigebracht. Noriko hat weder die Philippinen besucht noch spricht sie die Sprache ihrer Eltern, Tagalog genannt. Gerade diese Tatsache kann ich nicht nachvollziehen, und man wird den Gedanken nicht los, dass die Eltern absichtlich nicht ihrem Kind die eigene Sprache beigebracht haben.
Nun ist der Vater des Kindes gestern verhaftet worden, und die Mutter bekam eine Woche Haftausschub. Die Einwanderungsbehörde gab ihren Willen bekannt, alle drei am 17. März abzuschieben, wenn die Familie nicht freiwillig geht.
Der Justizminister plädiert derweilen dafür, dass nur das Kind bleiben darf und die Eltern als Ausnahme schon nach einem Jahr wieder Japan besuchen dürfen. Sprich, Minister sagt dies, Behörden das.
Wie das ganze auch ausgehen mag: Leidtragende ist natürlich das Kind. Das dürfte nicht zuletzt wegen des Presserummels ziemlich zu knabbern haben. Doch welche Entscheidung auch immer getroffen wird: Es wird richtungsweisend sein, denn die Familie ist bei weitem kein Einzelfall. Es gibt mehr illegale Einwanderer als die Regierung glauben mag.

Das Wort des Tages: 入国管理局 nyūkoku kanri-kyoku: “Hinein-Land-Verwalten-Amt”. Die Einwanderungsbehörde.

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Auf dem Hochrad durch die Chinatown von Nagasaki

März 8th, 2009 | 4 Kommentare | 562 mal gelesen

Jetzt komme ich endlich dazu, mal wieder ein bisschen Material aufzubereiten und neue Seiten zu schreiben. Hinzugekommen sind jüngst die Seiten

Karatsu
und
Nagasaki

Stammkunden dieses Blogs werden sich erinnern – im August letzten Jahres fuhr ich mit dem Nachtzug durch Kyūshū, um dort die Gegend unsicher zu machen. Selbiger Nachtzug wird übrigens leider in exakt 10 Tagen für immer verschwinden – ein weiteres Stück japanischer Eisenbahngeschichte geht hier zu Ende.

In Nagasaki hatte ich eine recht merkwürdige Begegnung. Zufällig war ich am Jahrestag des A-Bombenabwurfs dort. Als ich morgens aus dem Hostel trat, fielen mir zwei schräge Gestalten auf: Ein kleiner, aber recht gewichtiger Mann auf einer aus Holz geschnitzten Draisine (Urvater des Fahrrads – man läuft im Sitzen) und ein grosser, Dürrer auf einem Hochrad.

Die beiden steuerten auf das Hostel zu. Ich unterhielt mich in dem Moment gerade mit dem Besitzer. Die munteren Gestalten schauten mich an, und ihre hübsche Begleiterin fragte mich auf Englisch: “Sprichst Du Japanisch?”. Wir kamen ins Gespräch. Es waren drei Tschechen. Sie machten eine “Friedenstour” von Hiroshima bis Nagasaki während der Jahrestage des Abwurfs. Der Organisator auf einer Draisine, sein Freund auf dem Hochrad und die junge Frau als Dolmetscherin und Betreuung im Auto. Die Strecke misst über 400 km, und ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich die persönlich in Japan im Hochsommer auf einer ungepolsterten Draisine zurücklegen würde.

Nun ja. Es war Jahrestag, und sie wollten dem Leiter des Atombombenmuseums eine Nachricht überbringen. Leider konnte die Begleiterin nur Englisch und Ivan, der Draisinenfahrer, nur Deutsch. Daher das Interesse an meinem Japanisch. Ich tippte also ihre Nachricht auf Japanisch, und der freundliche Hostelbesitzer redigierte sie. Ob ich auch zur Gedenkstätte gehe, fragten sie dann. Klar. Vielleicht könne ich ja dabei sein, wenn sie den Leiter treffen? Klar. Warum nicht. Also Verabredung am Museum. Ich und Begleiterin fahren mit dem Hostelbesitzer im Auto, Ivan auf der Draisine, sein Freund mit dem Hochrad. Klar waren wir die Ersten.

Am Museum angekommen, waren die beiden natürlich die Attraktion. Treffen mit dem überraschten Museumsleiter – er schien nichts gewusst zu haben. Hastig einberufener Pressetermin und Foto-Shooting. Drei Mal darf geraten werden, wer sich mitten im Urlaub plötzlich als offizieller Dolmetscher wiederfand. Aber der Spass war es allemal wert.

Was sie denn nach den Festlichkeiten machen werden, fragte ich schliesslich. “Keine Ahnung” war die gut durchdachte Antwort. Da ich auch keinen festen Plan hatte, schlug ich vor, den Rest des Tages gemeinsam durch die Stadt zu ziehen. Einer der ersten Stopps: Ein Konbini (Spätverkauf). Ziel: Bier. Weiter zur hochberühmten Deshima-Insel. Dort erstmal setzen. Bier trinken. Es war surreal, aber schön: Irgendwie war ich im Urlaub in Nagasaki und Tschechien gleichzeitig.

Auf dem Hochrad durch Nagasaki Ich denke, jeder kann es sich vorstellen: Europäer in Japan fallen auf. Europäer in Japan auf holzgeschnitzter Draisine (nebst Rammbock!) und Hochrad fallen mehr auf. Wildfremde Leute kamen auf uns zu, freuten sich, sprachen mit uns – bessere Botschafter für den Frieden kann es nicht geben. Der wortkarge Hochradfahrer nötigte mich schliesslich mitten in der Chinatown von Nagasaki auf sein Hochrad (mein Tschechisch reicht bei Weitem nicht, aber er war sowieso von der ruhigeren Sorte). Und so fand ich mich plötzlich auf einem Hochrad sitzend bei 40 Grad in der Chinatown von Nagasaki wieder (und eins kann ich sagen: in einer schmalen Gasse auf einem Hochrad zu fahren ist nicht einfach!).

Auch den nächsten Tag verbrachten wir schliesslich zu viert – wir fuhren mit dem Teamauto zum nahen Vulkan Unzen. Ich hoffe, die drei denken mit Freuden an diese Tage – mit dem unverhofften Dolmetscher – zurück. Ich genoss es jedenfalls, mich mal wieder treiben zu lassen und ungeplante Sachen zu machen.

Das Wort des Tages: 思い出 omoide – “denken – herauskommen”. Die Erinnerung.

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Weniger Arbeit für fast Alle

März 4th, 2009 | 8 Kommentare | 458 mal gelesen

Was Politik und Änderungen im Lebensstil bisher nicht vermochten, hat die gegenwärtige Wirtschaftskrise in kurzer Zeit geschafft: Die Zahl der Überstunden hat drastisch abgenommen – im Vergleich zum Vorjahr um ca. 40 Prozent.
Dies hat das Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales vorgestern als Ergebnis einer aktuellen Studie bekanntgegeben. Allerdings gilt der drastische Rückgang nur für das produzierende Gewerbe – im Dienstleistungsbereich gab es einen leichten Anstieg.
Laut Studie – die allerdings nur Firmen mit mehr als 5 Angestellten einbezog – betrug die durchschnittliche Anzahl an monatlichen Überstunden 9 Stunden. Was sehr wenig erscheint, aber zum einen handelt es sich wie gesagt um das produzierende Gewerbe, zum anderen sind hier nur “offizielle”, gesetzlich erlaubte und in der Regel bezahlte Überstunden gemeint.
Dementsprechend sanken die Beträge stark, die Firmen für Überstunden bezahlten. Was wiederum heisst, das immer mehr Arbeiter immer weniger Geld in den Taschen haben. Und sich so mancher Arbeitnehmer plötzlich fragt, was er mit all der vielen Freizeit anstellen soll.

Den kompletten Bericht kann man hier einsehen – auf Japanisch natürlich.

Das Wort des Tages: 所定外労働時間: shoteigai rōdō jikan – “ausserordentliche Arbeitszeit”, also Überstunden. Der offizielle Begriff. Die meisten verwenden den Begriff 残業 (zangyō), was so viel bedeutet wie “übrig gebliebene Arbeit”. Ein perfider Begriff, impliziert er doch eine gewisse Mitschuld des Arbeitenden daran, dass nicht alle Arbeit in der gesetzten Zeit geschafft werden konnte. Dementsprechend ist Zangō in der Regel “サービス残業” – Service-Überstunden – und damit unbezahlt.

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