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Todsicherer Kugelfischersatz

Oktober 23rd, 2008 | 3 Kommentare | 573 mal gelesen

In Europa kaum bekannt, in Japan aber sehr beliebt und extrem oft in der Küche verwendet werden die Produkte der “Teufelszunge”, ein Aronstabgewächs, dass riesige Blätter, recht übelriechende Blüten und ansehnliche Knollen hervorbringt.
Irgendwer kam mal auf die Idee, die Knolle zu Mehl zu verarbeiten und mit Wasser und anderen Ingredenzien zu mischen – um eine gelatineartige, farb- wie geschmacklose Masse herzustellen. Man benannte es こんにゃく (konnyaku, manchmal auch Konjak geschrieben).

Unterschied zur Gelatine: Konnyaku löst sich nicht im Mund auf. Wie auch Gelatine, kann man Konnyaku recht leicht einen Geschmack zufügen. Konnyaku hat fast 0 Kalorien, füllt trotzdem irgendwie und kann nach allem schmecken.

Eine beliebte Zwischenmahlzeit in Japan sind Konnyaku-Gelees, meist mit Fruchtgeschmack und in Häppchengrösse. Grund wie gesagt: Kaum Kalorien. Leider scheinen etliche zu vergessen, dass man das Zeug kauen sollte, denn sonst bleibt es im Halse stecken. Mindestens 19 Leute sind seit 1995 so aus dem Leben geschieden – meist ältere Frauen oder kleine Kinder.

Der grösste Hersteller des Gelees hat sich derweilen deshalb entschlossen, das Produkt (nur das Fruchtkonjak in den Bechern) vom Markt zu nehmen. Interessanterweise sind diese Produkte in Europa und Amerika schon lange verboten – eben wegen der Erstickungsgefahr.

In Japan hat man ja generell den Hang zum Abenteuer Essen – schliesslich fordern die zähen Reiskuchen (mochi) zu Neujahr auch fast jedes Jahr Todesopfer; vom Kugelfisch mal ganz zu schweigen (bei letzterem gibt es allerdings kaum noch ernste Fälle – früher hat man noch ein bisschen vom Gift im Fisch gelassen, um ein Kribbeln auf der Zunge zu erzeugen).

Das Wort des Tages: 冒険 – bōken – das Abenteuer.

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