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Vergesst Ikebana und Kalligraphie / Bananenwahn

Oktober 1st, 2008 | 12 Kommentare | 564 mal gelesen

Japan wird bewundert für verschiedene, einzigartige Künste: Ikebana zum Beispiel. Keramik. Kalligraphie. Schwertschmiedekunst. Usw. Eine im Ausland bisher leider kaum bekannte Kunstform ist die der Lunchbox: Da werden nicht einfach lieblos geschmierte Stullen (man errate meine Herkunft) in die Schachtel geworfen und noch ein Apfel dazwischengepresst – nein, da werden zig verschiedene Sachen zubereitet und liebevoll arrangiert, damit die kleinen Racker was zum zeigen auf dem Schulhof haben. Das muss man gesehen haben, um das zu glauben – hier eine Seite (leider nur auf Japanisch), auf der etliche Benutzer ihre fotografierten Kunstwerke vorstellen: http://www.yoppi.ne.jp/obento/minnano6.htm#minna-136. Wohlgemerkt, das war kein Wettbewerb und das waren keine besonderen Leute – alles ganz normale Durchschnittsmütter.

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In den letzten Tagen wurde es immer schwerer, schnöde Bananen erstehen zu können. Die gibt es auch hier sonst im Überfluss. Was war passiert? Haben Terroristen Bananenfarmen gesprengt? Wurden die Bananen in China verpackt? Nein! Alles begann auf der grössten SNS-Seite Japans, genannt Mixi – da unterhielten sich Freundinnen laut über eine Bananendiät.
Das machte (mal wieder) schnell die Runde; schliesslich sind Bananen billig. Und ruckzuck berichteten Zeitungen darüber und dann das Fernsehen. Ergebnis: Alle Bananenregale im Land ratzekahl leergefressen. Klasse. Es geht nichts über kollektiven Wahnsinn!
Das gleiche passierte schon einmal während der Natto-Diät-Volkshysterie (wobei diese Diät erwiesenermassen gelogen war).

Das Wort des Tages: キャラ弁 kyaraben – zusammengesetzt aus kyarakutaa (character) und bentō (Lunchbox) – ein Pausenbrot, dass wie ein Comicheld arrangiert wurde (siehe Webseite oben). Ja, selbst dafür gibt es ein Wort hier.

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