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Sag mir, wo die Bücher sind…

August 26th, 2008 | 12 Kommentare | 1142 mal gelesen

… wo sind sie geblieben ♪ Bis vor kurzem konnte man etliche englischsprachige Bücher in den meisten kleineren Buchläden kaufen – dazu auch noch Magazine wie Time oder Newsweek. Nach und nach verschwinden jedoch die fremdsprachigen Titel. Was war passiert?
In Sachen ausländische Bücher gab bzw. gibt es ein regelrechtes Monopol in Japan. Wer ausländische Bücher vertreiben wollte, hatte nicht allzu viel Auswahl, so er sich nicht mit hunderten von Verlagen einzeln auseinandersetzen wollte. Genauer gesagt beschränkte sich die Auswahl auf … 1 (einen) Partner. Der nannte sich kurz Yohan, Kurzform von Yosho Tsuhan (Vertrieb westlicher Bücher). Anfang August gab es jedoch einen Knall – und Yohan war weg. Die Firma, die 60% aller ausländischen Bücher in Japan vertrieb, war plötzlich pleite. Und die Buchläden (von Giganten wie Kinokuniya einmal abgesehen) standen ohne Zulieferer da.
Die Schulden von Yohan waren so hoch, dass man nicht mal Gläubigerschutz beantragte (das wäre ein Versuch, einen Käufer zu finden), sondern wirklich komplett dicht machte.

Lustig fand ich es nicht. Auch meine Firma betreibt einen Online-Buchhandel, und ich hatte sehr viel Zeit und Nerven investiert, um unseren Buchladen mit deren archaischen Datenbankstrukturen zu verbinden. Endlich, nach wochenlangem Kampf, hatte ich es geschafft – rd. 100,000 Bücher waren erhältlich. Zwei Tage später wunderte ich mich, warum ich keinen bei Yohan erreiche… und warum wir ein Fax erhielten, dass uns befahl, mögliche Aussenstände ab sofort woanders hin zu überweisen.

Der Fall von Yohan – dummerweise wirklich ersatzlos, es gibt keinerlei Alternativen – ist aber nur einer von vielen. Der einst riesengrosse japanische Buchmarkt schrumpft seit Jahren – seit 1996 um ein gutes Fünftel. 12,953 Mitglieder (=Buchläden) hatte der japanische Buchhandel 1986, nun sind es nicht einmal 6,000. Übrigens: Täglich werden in Japan im Schnitt 212 neue Titel verlegt. Hinz und Kunz schreiben Bücher in Japan – sei das Thema noch so abwegig. Trotz alledem: Schade drum. Und eine Schande – wie kann man eine Monopolstellung innehaben und trotzdem pleite gehen?

Das Wort des Tages: 洋書 – yōsho. Yo- bedeutet Ozean, aber auch westlich. -sho ist schreiben, aber auch Schrift, Buch. Im Gegensatz zu 和書 (washo) – japanische Bücher. Für letztere gilt übrigens in Japan Buchpreisbindung.

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