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Alles neu macht der Mai: Neues Bloggewand

Mai 30th, 2008 | 20 Kommentare | 734 mal gelesen

So, jetzt muss es raus – auch wenn ich an einigen Ecken noch feilen muss: Das neue Blogdesign. Neu:

  • das Kanji-Modul rechterhand. Zeigt jeden Tag ein neues Schriftzeichen. Und – schlichtweg aus Spass – die “Gewusst?”-Frage (ich hoffe, nur Japanisch-Lernende benutzen es!). Die Datenbank enthält die an Schulen gelehrte 1,945 Schriftzeichen. Bis zum 25. September 2013 gehen diesem Blog die Schriftzeichen also sicher nicht aus.
  • Einstellbare Schriftgrösse (rechts oben, das A…A): Wem die Schrift zu gross oder zu klein ist, der kann sie sich hier einstellen.
  • Verschmelzung von Blog und den restlichen Japan-Seiten (Menü links). Irgendwann mal sollen alle Japan-Seiten in dieser Webseite dieses Design, so ausgereift, haben. Aber bis dahin wird es noch ein Weilchen dauern.

Das Design ist auf Opera, Safari, Firefox und IE getestet (Mac & Windows). IE 6-Benutzer mögen mir verzeihen: Auf IE 6 sehen manche Sachen noch recht unvollkommen aus. CSS-Kenner kennen den Grund.

Bug-Reports sind herzlich willkommen. Dann hoffe ich mal, das ich niemanden mit dem neuen Layout vergraule.

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Liebesgrüsse aus P’yŏngyang

Mai 27th, 2008 | 2 Kommentare | 512 mal gelesen

Die Nachricht heute morgen kam schon ziemlich überraschend: Nordkoreanische Offizielle haben wohl amerikanischen Unterhändlern geflüstert, das es wohl doch noch aus Japan verschleppte Menschen in Nordkorea gibt – die auch noch leben – und diese demnächst zurückgeführt werden sollen.
Rückblende: Zwischen 1977 und 1983 verschwanden in Japan mindestens 16 Menschen (offizielle Zahl, die Dunkelziffer wird wesentlich höher geschätzt). Sie liefen die Küste entlang oder dunkle Strassen, waren Frauen oder Männer, sogar Kinder waren darunter. Irgendwann stellte sich heraus, das diese Leute von Agenten nach Nordkorea entführt wurden. Und nicht nur Japaner: auch Thailänder und Südkoreaner sollen wohl entführt worden sein.
Nordkorea verneinte das freilich vehement. Erst Anfang dieses Jahrzehnts gab die Regierung die Entführungen zu. Und erlaubte 2002 fünf der Entführten, nach Japan zurückzukehren – aber nur, wenn sie danach wieder nach Nordkorea zurückkämen. Das war freilich inakzeptabel und so blieben sie in Japan – und Nordkorea, so unverfroren muss man erst mal sein – klagte laut über den Vertragsbruch.

Was taten die Japaner in all den Jahren in Nordkorea? Schliesslich waren es keine besonderen Menschen, sondern ganz normale Leute. Die Ausländer lebten in Nordkorea wohl nicht allzu schlecht, aber isoliert von der Umwelt. Und hatten an diversen Schulen Japanisch zu unterrichten. Eine Japanerin heiratete den nach Nordkorea desertierten Amerikaner Jenkins, mit dem sie 2004 nach Niigata zurückkehrte. Nach nordkoreanischen Angaben starben alle anderen, nicht nach Japan zurückgekehrten Entführten.

Das glaubte in Japan niemand – zumal es Berichte von Augenzeugen gab (und sterbliche Überreste, die von Nordkorea als Beweis nach Japan geschickt wurden, nicht mit den Vermissten in Einklang zu bringen waren). Das Haupthindernis bei den Beziehungen zwischen Nordkorea und Japan stellen seither die Entführungsfälle da – keine Seite wich von ihren Positionen ab.

Da fragt man sich doch, was der energische, bewundernswert hartnäckige amerikanische Unterhändler Christoper Hill eingefädelt hat, dass Nordkorea diesen Schritt bereit zu gehen ist. Aber noch reden wir eher von einem Gerücht. Yokoda, lautstarke Vertreterin der von den Entführungen betroffenen japanischen Familien und etliche japanische Politiker waren heute sehr schnell damit, diese Nachrichten als “ungeheuerliche Art und Weise der Informationsvermittlung” zu verdammen – schliesslich hat Nordkorea Japan gegenüber nichts erwähnt, und aus Amerika gibt es wohl auch nichts offizielles. Bleibt zu hoffen, das dies mehr als eine Ente ist.

Das Wort des Tages: 拉致問題 rachi mondai. “Rachi” ist die “Entführung”, “mondai” das Problem. Dieses Wort wird von den japanischen Medien benutzt, wenn es um die nordkoreanischen Entführungsfälle geht.

Das muss man sich aber auch mal vorstellen: Da läuft man nichts ahnend eine dunkle Gasse im Prenzelberg entlang, und wacht am nächsten Tag in Transnistrien auf – wo man dann auch die nächsten 30 Jahre bleiben muss und irgendwelchen Feldbauern Deutsch beibringen soll.

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Rock’n'Roll lebt!

Mai 25th, 2008 | 3 Kommentare | 470 mal gelesen

Zum ersten Mal seit vielen Jahren war ich endlich mal wieder an einem Sonntag in Harajuku. Die Ecke Tokyo’s, die in keinem Reiseführer fehlt: Hier können Ausländer mal so richtig ungeniert Japaner gucken gehen. Lolitas, Gruftis (nur die Mode, leider nicht die Musik), Anime-Gestalten usw. usf. – alles, was sich gern der Öffentlichkeit präsentieren möchte, geht nach Harajuku und tobt sich aus.
Ich kann mich erinnern, dass ich Ende der 90er ein paar Mal da war – an Sonntagen – aber aus irgendwelchen Gründen war gar nichts los.
Heute tobte dort der Mob – unzählige schräge
Gestalten standen auf der Brücke herum – darunter ein sinnlos mit einem japanischen Schwert posierender, blauhaariger Gaijin (Ausländer).
Am interessantesten sind allerdings die Bands, die dort einfach so losspielen. Darunter besonders sehenswert (und wohl häufig vertreten) die Rockabilly-Fraktion.

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Interessant ist dabei auch, das es vor allem in Japan noch eine richtig starke Mods-Kultur gibt. Und das ist kein kurzfristiges Phänomen, sondern hält schon seit sehr vielen Jahren an.

Das Wort des Tages: 演奏 – ensō. Bedeutet “Auftritt” (bzw. bei Musik Konzert).

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Ist deine Hauswand zu langweilig? Dann…

Mai 22nd, 2008 | 11 Kommentare | 1159 mal gelesen

…mache es wie auf dem Foto: Klebe ein Schild ran mit der Aufschrift “Graffiti verboten” und hänge dann extra noch eine Lampe darüber, damit die Sprayer nicht extra Taschenlampen mitbringen müssen (jaja, ich weiss, die arbeiten lieber im Dunklen).


Geschmiere nebst Verbotsschild in einer stillen Gasse in Ebisu/Tokyo
[klicken um zu vergrössern]

Jeden Tag laufe ich auf dem Weg zur Firma an dieser Wand vorbei. Und ich frage mich seit Jahren, was wohl zuerst da war: Das Schild oder die Schmierereien.
Aber keine Sorge: Die Unsitte, wie ein läufiger Hund an jeder Ecke seine Markierung zu setzen, ist in Japan kaum verbreitet. Die meisten Viertel sind mehr oder weniger frei davon.
Damit ich nicht falsch verstanden werde: Ich habe nichts gegen Graffiti, aber diese unsäglichen “Tags” hasse ich wie die Pest. Wer mal in Halle/Saale war, wird mich verstehen.

Das Wort des Tages: 落書き – rakugaki. Wörtlich “fallen” und “Schrift”. Bedeutung: Geschmiere, Gekritzel (und auch Graffiti).

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Vorsicht Gas!

Mai 19th, 2008 | 11 Kommentare | 3278 mal gelesen

Selbstmord kann man ja in Japan schon fast als Volkssport betrachten. In kaum einem anderen Land ist die Selbstmordrate so hoch, und Japan hat wahrscheinlich auch die grösste Anzahl an Webseiten und Foren, die sich nur mit zwei Dingen beschäftigen: 1) Tipps zu geben, wie man am schnellsten den Jordan überschreitet. Und 2), ich sage es mal zynisch, wie man am schnellsten “Selbsthilfegruppen” findet. Damit man nicht allein aus diesem Leben scheiden muss.
Eine richtige Modeerscheinung ist momentan der Selbstmord durch Gas. Genauer gesagt mit Sulfan, profaner Schwefelwasserstoff. Wie kommen all die Leute nun plötzlich zu diesem Gas? Ganz einfach! Man braucht nur Badesalz mit Abflussreiniger zu mischen. Natürlich kommt es auf die richtige Mischung und Marken an. Dies wird auf zahlreichen Seiten detailliert beschrieben.
Scheinbar ist diese Variante sehr populär (davor waren es schwelende Briketts z.B.) – in den letzten Wochen haben sich etliche dutzend Menschen damit umgebracht. Darunter auch ein 14-jähriges Mädchen in Sendai – heute morgen.
Die Polizei ist mittlerweilen so verzweifelt, dass sie sämtliche Netzbetreiber gebeten hat, selbstmordfördernde Seiten abzuschalten. Würde mich nicht wundern, wenn in naher Zukunft entweder Badesalze oder Abflussreiniger verboten werden.

Dazu passt auch eine Statistik, die neulich erschien – 29% aller Japaner werden mindestens ein Mal im Leben psychisch krank. Vom Alkoholismus zur Paranoia – alles dabei. Der Anteil ist rekordverdächtig hoch. Rekordverdächtig niedrig hingegen ist der Anteil der psychisch Kranken, die einen Arzt aufsuchen. Soziale Ächtung ist scheinbar eine schlimmere Phobie als alles andere.

Das Wort des Tages: 硫化水素発生中 ryūkasuiso hasseichū – “(Vorsicht!) Schwefelwasserstoffbildung!”. Das muss in den Online-Anweisungen wohl höflicherweise dabei stehen: Fast alle Selbstmörder schreiben das von aussen an ihre Türen, damit andere nicht gefährdet wurden. Trotzdem gab es schon etliche Fälle, bei denen Unbeteiligte – zum Beispiel im Stockwerk darüber – mit Vergiftungserscheinungen eingeliefert werden mussten.

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Aus Tofu gebaut? Erdbeben in China und abgelehnte Hilfe

Mai 15th, 2008 | 9 Kommentare | 517 mal gelesen

Erstaunlich lang und breit wird ja momentan auf CCTV, dem chinesischen staatlichen Sender, über das schwere Erdbeben in Sichuan am 12. Mai berichtet. Natürlich kommt das auch in den japanischen Medien nicht zu kurz, denn aus mehr als verständlichen Gründen hat man hier grosses Interesse sowohl an China als auch an Erdbeben.
Japan hat nicht überraschenderweise eine sehr geschulte, erfahrene schnelle Eingreiftruppe für Erdbebenkatastrophen – und prompt 80 Leute und ein paar Spürhunde abkommandiert. Die trafen sich am Flughafen in Narita, aber da war auch schon Endstation: China lehnte ab. Die Infrastruktur sei so schwer gestört, dass man momentan ausländische Helfer nicht ins Land lassen kann. Kürzlich ähnliches aus Birma Myanmar gehört? Nein, aber nicht doch!
Nun kann man viel mutmassen. Will man sich vom einst verhassten Feind nicht helfen lassen? Liegt nahe, aber China wies auch andere Nationen ab. Und schaut man sich die Bilder im Fernsehen an, so ist die Aussage mit der Infrastruktur nicht weit hergeholt. Andererseits kann man sich sicher sein, dass japanische (und andere) Erdbebenspezialisten weit mehr Nutzen bringen würden als das sie stören würden.
Man verlegt sich in Japan deshalb auf eine andere Erklärung: China will einfach keine Ausländer in ein Gebiet mit zahlreichen, mehr oder weniger unzufriedenen Minderheiten lassen.

Ein Sprecher im japanischen Fernsehen brachte es in einer anderen Sache auf den Punkt: “Schäden dieser Art habe ich in Japan nach einem Erdbeben noch nie gesehen”. Stimmt. Die Häuser fielen wirklich schlichtweg in sich zusammen. Vor allem Schulen. In Japan werden hingegen seit jeher vor allem Schulen erdbebensicher gebaut. Auch hier stürzten nach dem schweren Beben in Kobe 1995 Bauten ein, die angeblich erdbebensicher waren. Darunter ein Teil der Autobahn: Durch Korruption bedingt wurde billiger Baustoff verwendet. Das waren aber dennoch eher die Ausnahmen. In China scheint das ganz offensichtlich eher die Regel zu sein. Ich kann mir nur zu gut ausmalen, wie wütend die Eltern der verschütteten Kinder sein müssen.

Das Wort des Tages: おから建設 – okara kensetsu. Okara ist eine Art Tofu, einfach gesagt. kensetsu ist der Bau. Die Häuser im Erdbebengebiet fielen zusammen, als seien sie aus Tofu gebaut worden. Der Begriff “okara kensetsu” taucht im Zusammenhang mit dem Beben in China häufig in den japanischen Medien auf.

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220 neue Schriftzeichen zu lernen?

Mai 13th, 2008 | 11 Kommentare | 703 mal gelesen

Jeder, der ein Mal Japanisch gelernt hat, kennt sie: die Jōyō-Kanji – die 1945 “Schriftzeichen des normalen Gebrauchs”. Die Liste wurde 1982 in ihrer heutigen Form festgelegt. Und bedarf ganz offensichtlich einer Überholung. Einige Zeichen werden kaum noch benutzt, andere hingegen oft, obwohl sie nicht in der Liste sind.
Heute veröffentlichte die 文化審議会の漢字小委員会 (Bunka shingikai no kanji shōiinkai (Kanji-Unterausschuss der Kulturkommission) konkrete Pläne:

- Ganze 6 Schriftzeichen (mindestens) sollen aus der Liste entfernt werden. Im konkreten sind das
1 銑(せん)
2 錘(すい)
3 勺(しゃく)
4 斤(きん)
5 匁(もんめ)
6 脹(ちょう)

Das ist nachvollziehbar. #3 und #4 sieht man ganz selten mal, die anderen eigentlich so gut wie nicht.
Gut. Macht 1945 weniger 6. Demgegenüber stehen 220 (!) Schriftzeichen als Anwärter bereit, die der Liste hinzugefügt werden. Geordnet in 4 Gruppen (S,A,B,C) – jene wurden nach der Häufigkeit der Benutzung gebildet. S = sehr häufig, C = weniger häufig. Hier die konkreten Fälle:

 ■候補漢字S(42字)
藤 誰 俺 岡 阪 奈 鹿 熊 頃 韓 弥 斬 虎 狙
脇 尻 叩 闇 籠 呂 亀 頬 膝 鶴 匂 嘘 須 噂
濡 笠 嬉 股 眉 朋 覗 鎌 凄 撫 溜 謎 稽 曾

 ■候補漢字A(150字)
鷹 拭 揃 頷 貌 塞 蹴 鍵 膳 掴 翔 喋 噛 袖
洩 潰 駒 剥 鍋 湧 葛 禄 栗 馴 梨 駕 鴨 淵
駿 賭 貼 蘭 胡 枕 蘇 狼 顎 蝶 掻 苛 蓋 裾
惚 腫 蒼 爪 嵐 鬱 妖 藍 捉 腿 宛 菩 崖 叱
吊 瓦 拳 雀 樽 乞 呪 勃 壺 昧 唾 祀 卿 艶
痕 諦 餅 歪 瞳 隙 淫 錦 棲 箸 戚 蒙 釜 蔑
蜜 戴 痩 磯 怨 醒 詣 窟 巾 蜂 骸 弄 罵 樋
阜 靴 埼 餌 爽 詮 柿 芯 肘 麓 憧 頓 牙 嘲
臆 挫 溺 丼 瘍 僅 柵 腎 梗 羨 酎 畿 闇 鷲
畏 瞭 栃 蔽 茨 慄 傲 虹 捻 臼 喩 萎 腺 桁
玩 冶 羞 媚 寵 秤 遡 舷 貪 套

 ■候補漢字B(27字)
采 堆 煎 斑 冥 遜 麺 醤 串 填 疼 箋 賤 顛
脊 緻 糊 辣 汎 毀 哨 媛 彙 誼 聘 截 沃

 ■候補漢字C(1字)
綬

Wer Japanisch kennt und sich die S-Klasse ganz oben ansieht, wird sich oft wundern: Nanu, waren die nicht schon in der Liste? Keineswegs. Weder das -saka in “Osaka” noch das “Na” in Nara oder “Kuma” in Kumamoto waren in der Liste. In Gruppe B sind allerdings schon ein paar Zeichen dabei, die es in sich haben. Bei einigen bin ich mir auch nicht sicher, wie die zu lesen sind bzw. was sie bedeuten (z.B. 疼 oder 毀).
Das letzte Wort ist in dieser Sache noch nicht gesprochen, aber wenn dieser Vorschlag durchgesetzt wird, gibt es nicht mehr nur 1945 Schriftzeichen, die man lernen muss/sollte, sondern 2,159. Kleiner Unterschied.

Was hat das für Konsequenzen? Nun, staatliche Publikationen zum Beispiel sollen nur Kanji aus der Liste benutzen (Ausnahmen: Orts- und Personennamen). Und diese Zeichen sollen auch an Schulen unterrichtet werden. Wo sich die Schüler schon jetzt mit den Zeichen quälen.

Ach, und noch eine Konsequenz hat das ganze: Ich muss meine mühsame erarbeitete Übersicht mit allen Jōyō-Kanji überarbeiten. Das wird wohl etwas dauern.

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Was ist effektiver – Japanisch oder Englisch?

Mai 11th, 2008 | 7 Kommentare | 932 mal gelesen

Diese Frage tauchte heute mal wieder auf – als es darum ging, ein paar Mittelschüler anzuschnauzen. Die fingen heute im vollbesetzten Bus eine kleine Keilerei an, die anfangs zwar Spass war, aber immer heftiger wurde. Der Gedanke, dass sich einer der Rabauken nicht mehr halten kann und auf meine kleine Tochter fällt, gefiel mir überhaupt nicht. Deswegen sagte ich ihnen schliesslich

おい、いい加減にしろよ! (oi, ii kagen ni shiro yo)

was man in etwa mit “Hey, reisst Euch gefälligst zusammen” übersetzen kann. Nicht gerade höflich, aber in diesem Fall durchaus angemessen.
Es schien jedenfalls gesessen zu haben – plötzlich war die Gruppe ganz ruhig. Bis zur Endhaltestelle (was sie sich nach dem Aussteigen erzählten, kann ich nur erahnen).

Meine Frau sagte daraufhin: “Vielleicht solltest Du sie besser auf Englisch anschnauzen!”. Hmm. Interessante Idee. Was wäre wohl effektiver? Auf Japanisch hat es zumindest gewirkt…

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Rent-a-Panda / Gerüttel in der Nacht

Mai 8th, 2008 | 3 Kommentare | 470 mal gelesen

Das Ereignis ist so selten, dass es sogar in der Tagesschau einen längeren Beitrag wert war: Das Treffen zwischen dem japanischen Ministerpräsidenten Fukuda und dem chinesischen Präsidenten Hu Jintao. Ist ja schliesslich auch zehn Jahre her seit dem letzten Treffen.
Zusammenfassung: Eitel Sonnenschein. Man scheint sich auf beiden Seiten zu bewegen, und das ist selten und muss gefeiert werden.
Ein Gesprächsthema (das komischerweise nicht in der Tagesschau angesprochen wurde) waren Pandas. Japans einziger Panda, Ling Ling, zu Hause im Zoo von Ueno, starb vergangene Woche an Altersschwäche. Neue Pandas müssen her, und die will man sich von China borgen.
Die Kinder sind begeistert. Viele Ältere nicht, denn die “Leasing-Gebühren” für die Pandas sollen wohl sehr hoch sein.
Ach ja, die Bildunterschrift der Woche geht dabei mal wieder an die Japan Times (vom 8. Mai 2008): Unter einem Bild von Kindern vor einem mit Blumen bedeckten Bild des verstorbenen Pandas in seinem Käfig steht: “Can’t bear it: Visitors stand in front of the panda cage…”.
Herrlich. Könnte von mir sein.

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Letzte Nacht um 1 Uhr ging es los. Es wackelte ein bisschen. Naja, ein Erdbebchen. Zehn Minuten später – es wackelt wieder. Und wieder. Die fette Lampe in der Küche, an der ich mir nachwievor gelegentlich den Kopf einrenne, schwankt. Bald wackelt es wieder – die Glastüren fangen an zu klirren. Frau und Kind schlafen seelenruhig. Aber nicht mehr lange: 1:50 – es wackelt ordentlich, und zwar horizontal (diese Beben sind ziemlich gefährlich, da sich trotz relativ geringer Stärke Dinge in Bewegung setzen). Der Bücherschrank wackelt bedenklich und pendelt hin und her. Nun wird sogar meine Frau wach.
Damit war der Spuk dann aber gottseidank vorbei – bei Stärke 4 in unserer Gegend (mehr dazu siehe meine oft zitierte Erdbebenskala a la Tabibito, siehe “Gelb”). Der Herd lag gute 100 km entfernt im Meer bei der Präfektur Ibaraki und lag in relativ geringer Tiefe (ca. 40 km).
Diese Kaskadenerdbeben machen – zumindest mir – die meiste Angst: Mein weiss absolut nicht, ob sie möglicherweise ein verheerendes Beben einleiten.

Das Wort des Tages: 横揺れ – yokoyure – “yoko” ist horizontal, -yure das wackeln, schlingern. Es gibt auch Erdbeben, bei denen sich fast alles vertikal bewegt. Die können, bei ausreichender Stärke, auch verheerend sein.

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Urlaub auf Japanisch

Mai 6th, 2008 | 9 Kommentare | 544 mal gelesen

Mal ein Artikel der seltenen Rubrik “in eigener Sache”.
Die Goldene Woche, die gerade mal vier Tage hatte, ist nun also zu Ende, und die letzten vier Tage haben wir so japanisch verbracht – japanischer geht es gar nicht. Man schnappt sich seine Familie (bzw. wird von selbiger geschnappt) und bewegt sich raus aus der Stadt – irgendwo ins Grüne, wo es nach Möglichkeit heisse Quellen und gutes Essen gibt. Das macht die Auswahl in Japan nicht unbedingt kleiner, denn Beides gibt es fast überall.


Fujisan – hier von der Halbinsel Izu aus gesehen
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Vier Generationen (bei nur 7 Leuten) versammelten sich da also zwischen Tokyo und Kobe, denn das lag quasi in der Mitte der Wohnorte der Mitspieler. 4 Generationen – meine Tochter (16 Monate), meine Frau, deren Mutter und deren Schwiegermutter (82, glaube ich).
Was passiert dann? Fast immer das Gleiche. Etwas besichtigen. Etwas essen. Etwas herausfahren, spazierenfahren. Vielleicht etwas Sport (in unserem Fall Tennis). Dann in eine heisse Quelle hüpfen. Und diese sind von Hotel zu Hotel verschieden: Mal sind sie im Keller, mal auf dem Dach. Mal mit Aussenbereich, mal komplett aus Stein, mal aus Holz oder gar Metall. In unserem Fall aus Holz, überzogen mit japanischem Lack, und im 7. Stockwerk. Mit Aussenbereich, von dem man unter freiem Himmel das ganze Tal überschauen kann.


Kleine Heisse Quelle (Onsen)
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Den heissen Quellen werden, je nach Zusammensetzung, diverse positive Wirkungen zugeschrieben. Mit dem Unterschied, dass in Japan nicht nur Rentner jene nutzen, sondern nahezu Jeder. Welche Wirkungen sie auch immer haben – eine haben sie ganz sicher, und das ist Entspannung. Die Wassertemperatur variiert je nach Quelle, aber man sollte von 40 Grad und mehr ausgehen. Will heissen, man bleibt besser nicht zu lange darin sitzen, sonst sagt der Kreislauf ade.

Nach dem Onsen läuft man schliesslich nur noch im Yukata, einer ganz leichten, japanischen Kimonoform, herum. Isst ein oppulentes Mahl (das in der Regel aus mindestens 10 verschiedenen Speisen besteht), trinkt Bier und Sake dazu… und wenn man sich dann noch verlustieren will, geht man in die “Snack Bar”, um sich am Mikrofon zu vergreifen und den anderen Gästen zu zeigen, wie man gerade nicht singen sollte. Nein, im Ernst, sehr viele Japaner singen erstaunlich gut – es ist also halb so dramatisch. Und alle, die mich persönlich kennen, kann ich beruhigen: Nein, ich habe nicht gesungen. Sonst hätten mich die Betreiber wahrscheinlich auf Schadensersatz wegen mutwilliger Störung des regulären Geschäftsbetriebes verklagt (wer mich nicht kennt: ich war stets der Einzige, der im Musikunterricht immer nur die erste Strophe singen durfte – danach wurde ich gebeten, doch bitte aufzuhören).


Fujisan mal unromantisch – von der Stadt Fuji aus gesehen
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So kann man es sich jedenfalls gut gehen lassen. Und das vier Tage lang. Davon muss ich mich allerdings morgen erstmal im Büro erholen…

Das Wort des Tages: 温泉 – onsen – “heisse Quelle”. Ein wichtiger Bestandteil der japanischen Kultur. Mehr über die Regeln in einem Onsen an gegebener Stelle bzw. bereits hier (siehe Mitte: Kleines Onsen-ABC).

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