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Rettet Japan! Schickt Butter!

April 29th, 2008 | 3 Kommentare | 689 mal gelesen

Es gibt ein paar grundlegende Zutaten, auf die ich nur ungern verzichte: Olivenöl zum Beispiel. Oder Miso. Oder Butter. Pellkartoffeln mit Butter. In Butter gebratene Pilze. Brot mit Butter. Usw. Aber Japan ist momentan kein Paradies für Butterliebhaber: Es gibt plötzlich keine Butter mehr. Nein, Butter ist nicht teurer geworden. Sie ist einfach weg.
Seit ca. drei Wochen sehe ich in jedem Supermarkt das Gleiche: ein “Owabi” (=Entschuldigungs)-schild im Butterregal. Was ist passiert?

Angeblich fehlt es plötzlich an ausreichend hochwertiger Milch, um Butter herstellen zu können. Und die Butterreserven des Landes sind wohl aufgebraucht. Aha. Nun zählt Butter nicht zu den traditionellen japanischen Lebensmitteln, doch hat man auch hier schon vor langem Butter als interessante Zutat entdeckt. Der Markt ist also da, und es gibt kaum ein Lebensmittelladen der nicht Butter anbietet. Bis jetzt eben.

Verschärft wird das Problem freilich auch durch eine sehr restriktive Importpolitik in Sachen Lebensmittel. Butter aus dem Ausland gibt es nicht (höchstens so etwas wie Trüffelbutter aus Italien oder so). Daher wird sich wohl auch so schnell nichts ändern.

Gar keine Butter? Das stimmt nicht ganz. Ich habe natürlich immer noch die Wahl, in einem der meist sehr teuren Importlebensmittelmärkte einzukaufen. Der nächste ist nur 15 Minuten zu Fuss entfernt. Aber aus irgendeinem Grund scheue ich mich noch davor, ca. 8 Euro für ein Stück Butter auszugeben…

Das Wort des Tages: 1993年米騒動 (sen-kyūhyaku-kyūjū-san nen kome sōdō) – die “Reisunruhen 1993″. Wetterbedingt gab es in jenem Jahr eine Missernte in Japan, und der heimische Reis wurde sehr knapp & teuer: Man musste Reis aus Thailand importieren. Der ist jedoch anders als japanischer Reis, und es gab viel Unmut.

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Friedlicher Fackellauf in Nagano?

April 24th, 2008 | 1 Kommentar | 442 mal gelesen

Am Sonnabend (26. April) ist es soweit – dann kommt die olympische Fackel nach Nagano, welches ja bekanntermassen auch ein Mal die olympischen Spiele ausrichtete.
Man darf gespannt sein, was für Mätzchen es in Nagano geben wird. Japaner gelten zwar als allgemein friedfertig (zumindest seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts), und Tibet tangiert die Meisten scheinbar eher peripher, aber antichinesische Ressentiments sind hier stark präsent, und wenn man fragt “Tibet oder China?”, werden wohl die meisten “Tibet” antworten.
Die Fackelläufer sollen durch jeweils 5 Spezialkräfte im “sportlichen Outfit” gedeckt werden – und diese wiederum von 100 Polizisten, verteilt auf beide Seiten. Von Paris und San Francisco hat man jedenfalls scheinbar gelernt: Der Begleitschutz durch chinesische Polizisten ist nicht erwünscht.
Bisher gab es wohl insgesamt 10 Drohbriefe (bzw. Emails) an die Stadtverwaltung von Nagano – in einer wird damit gedroht, den Fackellauf mit Schwefelwasserstoff zu sabotieren. Welcher bekanntermassen nicht nur stinkt, sondern durchaus auch töten kann. Hoffen wir, dass es nicht so weit kommt.

Das Wort des Tages: 聖火リレー – seika riree – seika ist die “Heilige Flamme”, riree kommt vom englischen “Relay” (Staffel) – der “Olympische Fackellauf” also.

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Der Mensch lebt nicht von Sake allein

April 22nd, 2008 | 8 Kommentare | 568 mal gelesen

So lecker Sake (nihonshu) & Co auch sind – es geht nichts über einen guten Whisky. Und den findet man in Japan leicht. Japanischen Whisky und – so man in Tokyo oder Osaka oder einer anderen Großstadt wohnt – guten irischen oder schottischen Whisk(e)y. Von den meisten japanischen Sorten heisst es Finger weg, es sei denn, man möchte sich einfach nur billig betrinken und mit grossen Kopfschmerzen hinterher aufwachen (die Rede ist von Suntory & Co – der 4-Liter-Plastekanister für umgerechnet 30 €).
Irgendwie fällt es einem in Japan auch wesentlich einfacher, guten Whisky zu kaufen: Grund ist das Gefühl, das man hier für Preise bekommt. Vergleicht man den Preis von zum Beispiel Bier mit gutem Whisky in Deutschland, so ist der Kauf einer Flasche Whisky schon eine kleine Investition. Hier hingegen macht es preislich kaum einen Unterschied, ob man einen Karton Bier (=24 Dosen) oder halbwegs anständigen Whisky kauft – der Preis ist ungefähr gleich. Will heissen, Bier ist in Japan unverhältnismässig teuer, Whisky hingegen recht günstig – oftmals billiger als in Deutschland.


Neuzugang: Glenrothes (Speyside, 1992)

Man bekommt so viele Sachen in Tokyo – es ist manchmal schon fast langweilig. Aber als wahrer Gourmet findet man natürlich ohne grosse Probleme Sachen, die man nicht findet. Ich hatte zum Beispiel sehr grosse Mühe, eine Flasche echten Pálinka als Geschenk für meine Frau aufzutreiben. Ferner vermisse ich doch auch allmählich sehr “Cardenal Mendoza” (ein grossartiger Brandy aus Spanien), Vodka Flagman & Vodka Standart (Russland) um nur ein paar zu nennen.
Für jeden, der sich Sorgen um meine verbliebenen Hirnzellen macht: So eine Flasche Whisky überlebt bei mir in der Regel fast ein ganzes Jahr ;-)

Das Wort des Tages: 水割りmizuwari. Eine japanische Unart – nämlich Whisky mit Wasser zu verdünnen. Nein, nicht die berühmten paar Tröpfchen Wasser auf eine Fasabfüllung, sondern ein Mehrfaches der Whiskymenge. Als ich im Irish Pub in Tokyo arbeitete, fragten mich japanische Gäste oft, wie man denn “Mizuwari” auf Englisch bestellen würde. Ich sagte jedes Mal “Whisky with a ridiculous amount of water”. Das war den meisten dann aber leider zu lang.

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Genial: Soramimi auf Deutsch

April 20th, 2008 | 5 Kommentare | 620 mal gelesen

Ja ja, ich bin manchmal vielleicht ein Spätzünder. Aber manche Sachen entdeckt man ebend erst zu spät und durch Zufall.
Dazu gehört diese Folge der Sora-mimi-Hour – komplett auf Deutsch (!?) und mit deutschem Beitrag. Zum Brüllen komisch:

[cvideotube=maAkm9I2SBk]

Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass das Video nicht wieder in kürzester Zeit von YouTube entfernt wird. Viel Spass beim Schauen!

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Altenpflege auf Japanisch oder: Wo das Chaos brütet

April 17th, 2008 | 6 Kommentare | 627 mal gelesen

In diesem Monat trat ein neues Gesetz in Kraft, das man in etwa mit “Gesundheitskostensystem für Langlebige” übersetzen kann. Kurz ausgedrückt bedeutet dies, das neue Krankenversicherungsausweise gelten und ein Teil der Behandlungskosten (bis zu 10%) direkt von der ohnehin schon kargen Rente abgezogen werden. Dies gilt für alle über 75-jährige.
Japaner haben bekanntermassen die höchste Lebenserwartung in der Welt, und immer weniger Lust, sich anständig zu vermehren. Sprich, Japan’s Gesellschaft altert rapide. Klingt vertraut? Genau, das gleiche Problem wie in vielen europäischen Ländern. Mit den gleichen Konsequenzen: Steigende Ausgaben für das Gesundheitswesen, immer weniger aktive Beitragszahler usw.

Mit dem neuen Gesetz sollen die Kosten etwas gedämmt werden. Wäre ich sarkastisch veranlagt, würde ich sogar behaupten, mit dem neuen Gesetz soll die allgemeine Lebenserhaltung etwas gesenkt werden, denn Arztkosten sind auch hier sehr teuer. Wer sowieso schon kaum Rente bezieht, wird es sich also mehrmals überlegen müssen, ob er zum Arzt geht.

Hinzu kommt die übliche Schlamperei: Zehntausende Rentner erhielten ihre neuen Ausweise nicht – verzogen, Namen geändert, ausversehen den Ausweis weggeworfen usw. Und Schluderei bei den Datensätzen hat man auch mal wieder zu vermelden: die Rente nach Abzug der Kosten wurde in tausenden Fällen falsch berechnet: Allein in Tokyo irrte man in 2,222 Fällen – die sich auf ca. 40 Millionen Yen addierten – also ca. 122 Euro pro Person im Durchschnitt. Keine Riesenmenge, in der Tat, aber ein Beitrag, der den meisten bereits weh tut.
Schauen wir mal, wie sich die Lebenserwartung weiter entwickelt. Die der Verantwortlichen für diese mal wieder eindrucksvolle Pannenserie könnte jedenfalls zur Senkung beitragen…

Das Wort des Tages: 長寿医療制度 chōju iryō seido – “Langlebikeit” – “Heilung” – System. Oben erwähntes System, wonach Hochbetagte mehr zahlen sollen.

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Politikum Kino – Yasukuni vs. Redefreiheit

April 15th, 2008 | 2 Kommentare | 626 mal gelesen

Klaus Wiesmüller hatte es in seinem hervorragenden Blog für japanophile Cineasten in diesen Artikeln bereits angerissen: Den Wirbel um den Film “Yasukuni”.
Zur Erinnerung: Yasukuni ist der Schrein in Tokyo, in dem Kriegsgefallene geehrt werden – darunter auch ausgewiesene Kriegsverbrecher. Besuche des Schreins seitens japanischer Politiker haben schon immer grossen Wirbel in China und Korea verursacht.
Da kommt also der junge Regisseur Li Ying daher, ein Chinese (ausgerechnet!), der schon lange in Japan lebt und des Japanischen mächtig ist. Er drehte also einen Film namens “Yasukuni” – er dreht sich freilich um besagten Schrein im Allgemeinen und um einen alten Schwertemacher im Speziellen, der “Yasukuni-Klingen” schmiedet. Betrachtet werden die vielen verschiedenen Besucher des Schreins. Darunter natürlich sehr, sehr viele Ultranationalisten, aber ebend auch linke Demonstranten.

Ende Mai herum soll der Film in die Kinos kommen. Aber da ging es los – hier in chronologischer Reihenfolge:

  1. Ein bekanntes und ziemlich übles Wochenblatt mit viel Klatsch berichtet vorab vom Film und tauft ihn als japanfeindlich ein.
  2. Ein paar Abgeordnete der Regierungspartei LDP beantragten nun, den Film vor Veröffentlichung sehen zu dürfen. Das grenzt schon mal ganz stark an Zensur und ist auch in Japan recht ungewöhnlich. Gesagt, getan. Begründung für diese ungewöhnliche Behandlung: Der Film sei schliesslich teilweise von staatlichen Geldern gesponsert worden.
  3. Etlichen Kinos ist das bereits zu bunt: Sie nehmen den Film vorab aus dem Programm. Begründung: Man fürchte Randale der Rechtsradikalen (und damit auch der Yakuza). Und man wolle vor allem die anderen Mieter in den grossen Kinos (sprich Geschäfte, Restaurants etc.) nicht “in Unannehmlichkeiten bringen”.
  4. Erste Nationalisten bedrohen mehr oder weniger indirekt Kinos, die immer noch eine Aufführung planen.
  5. Der Schwertemacher wünscht plötzlich, er möchte ganz aus dem Film gestrichen werden. Er hatte ja keine Ahnung, worum es geht.
  6. Zu guter Letzt: Der Yasukuni-Schrein selbst erwägt zu klagen – schliesslich seien die Aufnahmen im und um den Schrein nicht authorisiert gewesen.

Nun könnte man einerseits natürlich meinen, das ein Film kaum bessere (und auch noch kostenlose) Publicity bekommen kann. Andererseits ist es natürlich traurig, mitanzusehen, wie weit es nachwievor mit der Vergangenheitsbewältigung in Japan her ist. Seit 1945 ist man da um keinen sun vorangekommen. Warum auch. Man lebt ja schliesslich nicht umsonst auf einer Handvoll Inseln am Rande der Welt.
Eins weiss ich allerdings – ich bin äusserst neugierig auf den Film.
Ach ja, jener hat bereits international Dokumentarfilmpreise abgeräumt. Also wenigstens im Ausland klappt es.

Und noch eins: Der Club Loft Plus One in Shibuya lädt zu einer Preview-Party ein. Eingeladen sind besonders Ultranationalisten. Organisiert wird das vom Club selbst in Zusammenarbeit mit Mitsuhiro Kimura, dem Führer (jawoll!) der nationalistischen →Issuikai-Bewegung. Mal sehen, was das wird.

Das Wort des Tages: 言論の自由 – genron no jiyū – die “Redefreiheit”.

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Kuidaore – ein Nachruf (?)

April 10th, 2008 | 7 Kommentare | 587 mal gelesen

Cirka 60 Jahre lang war es eine feste Institution in →Ōsaka – das くいだおれ. Das ist ein 8-Geschosser voll mit Restaurants und Trinkhallen – von oben bis unten. Und das mitten in der 道頓堀 (dōtonbori) – Osaka’s Fressmeile Nummer Eins.

Zwei Sachen fallen in besagter Strasse auf – riesengrosse , winkende Krabben an den Häuserwänden… und ein überlebensgrosser Clown, der vor einem Laden steht und trommelt. Letzterer ist das Markenzeichen des Kuidaore. Jenes schreibt sich übrigens mit lateinischen Buchstaben Cui daoré, was richtig modern und exquisit klingt – dabei aber nur wahrscheinlich von der eigentlichen Bedeutung ablenken soll: Kuidaore bedeutet nichts anderes als Fressen bis zum Umfallen.

Die Besitzer, eine Familie, haben nun leider beschlossen, die Pforten zu schliessen – und zwar im Juli. Grund ist die Baufälligkeit des Gebäudes und sinkende Besucherzahlen. Nun, in meinem Büro gibt es auch Zugewanderte aus Osaka. Und aus dem hohen Norden. Und dem wilden Westen. Alle kennen das Kuidaore – aber niemand hat jemals da gegessen. Kein Wunder also. Ich war dann wohl der Einzige, der ein paar Mal dort war.

Kaum wurde die traurige Nachricht bekannt, versammelten sich Menschen vor dem Lokal – aus nostalgischen Gründen. Erste Stimmen wurden laut, dass der くいだおれ太郎 (Kuidaore-Tarō, also der “Kuidaore-Hans”), die trommelnde Puppe, hernach ins Museum soll.


Fressmeile Dotonbori in Osaka
[klicken um zu vergrössern]

Ach ja, die →Webseite ist noch online und hat sogar eine englische Fassung.

Das Wort des Tages: 食う (ku-u, auch: 喰う). Das gleiche Zeichen wie für “tabe-ru”, nur das “taberu” essen bedeutet und “kuu” fressen. Obwohl man letzteres gern auch für Menschen benutzt. Dann heisst es ebend nicht “ご飯食べた?” – gohan tabeta (hast du schon gegessen?) sondern “飯食った?” – “meshi kutta?”. Gleiche Bedeutung, nur Umgangssprache.

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Die Hochzeitsfabrik

April 8th, 2008 | 6 Kommentare | 492 mal gelesen

Hatte ich es doch fast vergessen – am vorletzten Wochenende war Hochzeit angesagt. Meine “Schwester” heiratete – zumindest nach japanischem Verständnis meine Schwester. Auf Deutsch glaube ich eher Schwägerin.
Der Ort war erlesen – das altehrwürdige 八芳園, eine grosse Anlage mit schönem Innenpark mitten in Tokyo. Eine regelrechte Hochzeitsfabrik, denn am gleichen Tag wurden an diesem Ort 30 (!) Paare getraut. Alle komplett mit Zeremonie, Fotoshooting im Park, Bankett usw. usf.

Straff organisiert wurden die allesamt grossen Gesellschaften durch das Parkour gehetzt – mit sagenhafter Professionalität. Die vor allem dann gefragt ist, wenn Kleinkinder mit am Start sind.
Es ist schon interessant, mit anzusehen, bis zu welchem Grad Hochzeiten in Japan automatisiert werden.
Berühmt ist zum Beispiel, dass der Vater bei der Hochzeit seiner Tochter weint. Um den Erwartungen gerecht zu werden, werden während des Banketts alle Lichter ausgeschaltet und die Eltern regelrecht an den Pranger gestellt: Im Scheinwerferlicht müssen sie minutenlang an einer Wand stehen, während ihre heiratenden Kinder herzzerreissende Reden schwingen. Das nennt man Auskosten.

Auch das Glockengeläut vom Band in der Kapelle und die Frage, ob ein echter Pfarrer eigentlich nicht in die Hölle kommen müsste, wenn er all die Heiden hier traut, blieben lange im Raum stehen.
Aber ich will kein Hochzeitsfeierkritiker sein. Man versucht ebend einfach nur alles, um diesen Tag unvergesslich zu gestalten. Mit ein bisschen Wehmut dachte ich jedoch an die eigene Hochzeitsfeier zurück – komplett organisiert von zahlreichen Freunden, die sich wirklich enorm ins Zeug gelegt hatten.

Und noch eins hatte ich vermisst (da des öfteren auf japanischen Hochzeitsfeiern erlebt): Sturzbetrunkene Eltern, die irgendwann die albernsten Sachen machen. Es blieb dieses Mal gesittet – man will ja keinen falschen Eindruch hinterlassen.

Das Wort des Tages: 結婚式 – kekkonshiki. “Kekkon” ist die Hochzeit, “-shiki” die Zeremonie.

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Wahl zwischen Schnupfen und Cholera

April 3rd, 2008 | 6 Kommentare | 530 mal gelesen

Ich bin beileibe kein grosser Freund der ewigen Regierungspartei Japans, der LDP (L = Liberal) – zu viel Geklüngel, zu viel Selbstsicherheit, zu amerikafreundlich (Achtung: persönliche Meinung!). Aber was die wichtigste Oppositionspartei DPJ (Demokraten) momentan bietet, lässt die LDP eher wie ein Schnupfen erscheinen.

Auf Teufel komm raus nutzt die SDP jede Chance, um alles, was man im Parlament blockieren kann, zu blockieren. In diesem Artikel über die japanische Benzinsteuer hatte ich es schon angedeutet: Eine wichtige Steuermassnahme lief zum 31. März aus.
Kurze Zusammenfassung des vorherigen Artikels: LDP will die Steuer verlängern, DPJ ist erstmal dagegen. Um dagegen zu sein, ohne wirklich triftige Gründe. Mit Erfolg – die Steuer, ca. 25 Yen pro Liter (150 Yen = 1 Euro) konnte nicht verlängert werden. Und plötzlich kosten Benzin und Diesel fast überall 10 bis 20 Yen weniger.

Gestern 150 Yen, heute 123 Yen: Benzin in Japan

Nun sehe ich freilich schon das Leuchten in den Augen motorisierter Blogleser. Billiges Benzin – ist doch Klasse! Kurbelt die Wirtschaft an! Macht Produkte billiger!
Nun ja. Kurzfristig mag das stimmen. Aber ob es wirklich sinnvoll ist, in Zeiten rasant steigender Ölpreise, und in einem Land, das quasi über null Rohstoffe verfügt, dennoch aber, gemessen an der Kaufkraft, Benzin sehr billig verkauft, selbigen wesentlich zu verbilligen, halte ich für ziemlich kurzsichtig. Sollte es zu einer Neuauflage des Ölschocks in den 1970ern kommen, und das ist nicht ganz ausgeschlossen, wird Japan diese Entscheidung ganz sicherlich bereuen.
Zudem wären da natürlich auch die fehlenden Steuereinnahmen, die mit Sicherheit recht schnell ihre Auswirkungen zeigen werden.
Vom ökologischen Aspekt möchte ich gar nicht erst reden. Wahrscheinlich habe ich sowieso schon ein paar autofahrende Freunde weniger nach diesem Eintrag.

P.S. Die LDP gibt natürlich nicht auf. Das erneute Inkrafttreten der Steuer ist in Sichtweite, da die LDP die SDP im Unterhaus ausstechen kann.

P.P.S. Just in dieser Woche wurden, zum ersten Mal seit sehr langem, einige Grundnahrungsmittel teurer. Grund: gestiegene Rohstoffpreise.

Das Wort des Tages: 悲劇higeki – das Trauerspiel. Anders kann man das opportunistische, irrationale Verhalten der Opposition momentan nicht bezeichnen. Da muss wohl die KPJ ran.

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Neue Einreisebestimmungen ab 1.Juni 2008!

April 1st, 2008 | 12 Kommentare | 983 mal gelesen

Es hatte sich ja schon mit dem Gesetzesentwurf zum Zwangssprachtest für Ausländer angedeutet – die Einreisebestimmungen werden womöglich verschärft. Insofern keine grosse Überraschung eigentlich, aber was das japanische Parlament heute in einer ausserordentlichen Plenarsitzung durchgeboxt hat, ist dann doch etwas überraschend – die Verschärfung der Einreise für alle Ausländer, auch Kurzzeitbesucher also (sprich: Touristen). Folgende Regeln treten demnach ab dem 1. Juni 2008 in Kraft:

  1. Der Reisepass als Beweis der Staatsangehörigkeit reicht fürhin nicht mehr aus. Dem jeweiligen Land entsprechend, muss mindestens ein weiterer Beweis erbracht werden. Auszug aus dem Katalog:
    Deutsche müssen unaufgefordert bei der Einreise ein Liter Bier (alkoholfrei gilt nicht) in 10 Minuten leer trinken. Schweizer müssen in der gleichen Zeit 300 Gramm Emmentaler verdrücken. Amerikaner hingegen eine grosse Pizza mit Ketchup. Achtung: Die Lebensmittel müssen selbst mitgebracht werden!
  2. Ein Mini-Sprachtest muss absolviert werden. Die folgenden drei Sätze müssen fehlerfrei und ohne zu stottern auf Japanisch gesagt werden:
    1.) Wo bitteschön ist das nächste Sushi-Restaurant?
    2.) Ich bin zwar Ausländer, aber Sie dürfen sich ruhig neben mich setzen
    3.) Ja, in meinem Land gibt es auch Autos, Eisenbahnen und Zigaretten.
    Achtung Deutsche, der Sprachtest erfolgt nach dem oben genannten Test!
  3. Darauf folgt ein kurzer Landeskunde-Test: Es sind alle Nachkriegsministerpräsidenten Japans mit Vor- und Zunamen und Regierungszeit (Monat reicht) zu nennen. Weiterhin gefragt werden kann nach den Namen der 15 in Japan benutzten Lauchsorten sowie den 50 beliebtesten Fischsorten.
  4. Einreisende müssen äusserst glaubwürdig nachweisen, noch nie etwas von Marihuana gehört zu haben. Wünschenswert sind Antworten wie
    - Marie wer?
    - Kenn ich! Das ist doch diese mexikanische Grenzstadt!
    - Das hatte ich mal als Kind. Grassierte bei uns im Kindergarten.

Etwas drastisch ist leider die geplante Sanktion, falls der Test nicht bestanden wird: Die potentiellen Japanbesucher werden bei Nichtbestehen umgehend nach Kaesong (DVRK, auch: Nordkorea) abgeschoben, wo sie für drei Wochen als Billigarbeitskräfte für südkoreanische Firmen Zwangsarbeit zu leisten haben. Das Gehalt geht vollständig an die Opferhilfe der “Familien nach Nordkorea verschleppter Japaner”.
Ich wünsche viel Erfolg bei der Einreise. Achtung – im Winter warme Sachen mitnehmen, in Nordkorea ist es saukalt zu dieser Zeit!

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