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Müll zum Müll: Teil II

März 30th, 2008 | 2 Kommentare | 565 mal gelesen

Da der vorherige Artikel zum einen mehr als unvollständig war (siehe Kommentare), zum anderen auch mehr offene Fragen liess, als ich gedacht hatte, noch ein Nachschlag zum Thema Müll in Japan.

Da die Müllentsorgung Sache der Kommunen ist, kann man leider keine vollständige Aussage für ganz Japan machen – viele Regelns sind wirklich nur lokal gültig.

Die Frage in den Kommentaren nach der Art und Weise, wie Verstösse geahndet werden, ist freilich besonders interessant. Dazu ein paar Anmerkungen:

- Der Müll wird an den festgelegten Tagen von der Müllabfuhr abgeholt. Da die nicht wissen, wann der Müll abgelegt wurde, gibt es in Sachen Zeiten keinerlei Beschwerden von deren Seite.

- Offiziell kontrolliert niemand, wann Müll entsorgt wird. Inoffiziell schon: der Vermieter und, in zahlreichen Gegenden, die 自治会 (jichikai) – eine Art lose Mieter/Bewohnerselbstverwaltung. Die, ohne besondere Rechte innezuhaben, aufpassen, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Will heissen, fällt man dem Vermieter oder den Jichikai-Leuten auf, gibt es erstmal mündliche Verwarnungen – und später wahrscheinlich richtigen Ärger.

- In der Stadt, in der ich wohne, benutzte man bis 2005 schwarze Mülltüten. Danach wurde erlassen, dass man durchsichtige Mülltüten benutzen muss. Blau für brennbaren Müll, rot für nicht brennbaren. Diese Tüten kosten freilich Geld. Irgendwelche Tüten benutzen geht nicht.

Was passiert also, wenn man Müll in falschen Tüten oder den falschen Müll in richtigen Tüten entsorgt?

- Ich habe schon oft gehört, dass sich die Leute nicht scheuen, den Müll zu öffnen und nach Schriftstücken zu suchen. Entdecken sie einen Brief mit Adresse, wird der Müll der entsprechenden Wohnungsnummer vor die Tür gestellt. Entdecken sie nichts, wird er nicht abtransportiert. Das macht natürlich wenig Sinn, da der Entsorgende mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht seinen Müll zurückholt. Also verschwindet der Müll nach einer Woche oder so dann doch.

Wenn Japaner eine Idee übernehmen, dann richtig. Und wie schon in einem Kommentar angedeutet – man recycelt hier auch “Foodtrays”, also Plasteschalen, in denen Fleisch usw. verkauft wird. Die müssen beim Entsorgen blitzblank sein. Etiketten und Deckel müssen mit PET-Flaschen verschwinden (Etiketten haben dazu extra eine gepunktete Naht). Flaschen sollten ausgewaschen sein. Usw. Usf.

Nun, das Entfernen der Deckel zum Beispiel ist sinnvoll. Vielleicht auch noch das Entfernen der Etiketten. Das aber in der Tat PET-Flaschen nicht gequetscht werden dürfen, ist schlichtweg unbegreiflich. Schliesslich werden sie später sowieso gequetscht – und Müllautos müssen aufgrund des Platzbedarfs unzerknautschter Plastikflaschen wesentlich häufiger fahren.
Auch das exzessive Auswaschen gefällt mir persönlich nicht gerade: Die meisten scheinen zu vergessen, dass Wasser eine wichtige Ressource ist, die es zu schonen gilt. Auch in Japan. Ein besonders schönes Beispiel ist da folgendes:
Viele Leute waschen leere Speiseölflaschen mit Spülmittel aus. Damit ja kein Ölrückstand zurückbleibt. Ist natürlich sehr clever: Mehrere Liter Wasser + etwas Öl + viel Spülmittel zu verschwenden, um die (später sowieso spezialbehandelte und eingeschmolzene) Flasche sauberzumachen.

Nun, dieses Thema ist wahrscheinlich noch viele dutzend Beiträge wert, aber dies soll als vorläufiger Nachtrag reichen. Vielleicht können ja ebenfalls in Japan lebende Leser schildern, wie es ihren Kommunen aussieht.

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Müllverordnung oder Warum ich kein guter Japaner werde

März 27th, 2008 | 11 Kommentare | 608 mal gelesen

Ach, was waren das für Zeiten – als ich in Deutschland zu jeder Zeit meinen Müll wegbringen konnte! Mülleimer voll? Na dann, weg damit in die Tonne!
In Japan muss man schon einen ausgeklügelten, regelmässigen Tagesablauf haben, um vorbildlich zu sein. In unserer Gegend sieht das so aus:

  • Papier darf man nur Sonnabends wegwerfen
  • Plaste- und Glasflaschen + Dosen nur Mittwochs
  • Brennbaren Müll Dienstags, Donnerstags und Sonnabends
  • Nicht brennbarer Kleinmüll Mittwochs
  • Sondermüll jeden ersten und dritten Mittwoch

Klingt kompliziert? Nicht doch, die Pointe kommt erst noch. Und damit die Japanischkenner auf ihre Kosten kommen, schreibe ich auch gleich noch die japanische Klausel dazu:

ごみは収集日の午前中7時から8時の間に出しましょう。
収集日以外の日や夜間に出さないでくださいネ!
収集後のごみ出しは、ポイ捨て・不法投棄の原因になります。

Auf gut Deutsch:
“Bringen Sie den Müll an den festgelegten Tagen
morgens zwischen 7 Uhr und 8 Uhr
raus.
Und nicht an anderen Tagen oder in der Nacht herausbringen!
Das Entsorgen von Müll nach den festgelegten Tagen ist eine Ursache für achtloses Wegwerfen bzw. illegale Entsorgung”.

Also, Sonnabend morgen 7 Uhr aufstehen! Müll wegbringen! Nach all den Jahren komme ich nicht ganz darüber hinweg. Und deshalb gehöre ich zu den Bösen und stelle ganz gelegentlich den Müll um Mitternacht in die Müllbox. Nein, ich werde kein vorbildlicher Japaner. Allerdings halten sich die meisten Japaner auch nicht immer daran.

Man sollte der Fairness aber sagen, dass die Regel auch Gründe hat:

1) Es gibt keine Mülltonnen, nur offene Hütten oder Räume.
2) In den Städten gibt es viele Raben, die ganz leicht die Tüten öffnen können und danach alles verstreuen.
3) Extreme Luftfeuchtigkeit bei 35 Grad + Müllgeruch tragen nicht unbedingt zur Erhöhung der Wohnqualität bei.

Natürlich muss man aber sehen, dass viele Japaner einfach nicht um diese Zeit (die variiert jedoch je nach Stadtgebiet), also innerhalb dieser einen Stunde, Müll wegbringen können – da sind viele entweder auf Arbeit oder kommen gerade von selbiger wieder.

So, das reicht erstmal zum Thema Müll. Sonst zählt dieser Artikel auch noch dazu.

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Zwei Jahre Bloggen – ein Fazit

März 26th, 2008 | 14 Kommentare | 524 mal gelesen

Ursprünglich habe ich diesen Blog vor exakt zwei Jahren aufgesetzt, um ein bisschen über Bloggen + SEO (Search Engine Optimization) zu forschen. Zeitlich begrenzt, versteht sich. Zwei Jahre, 218 Einträge, 220,000 Seitenaufrufe (nur Browser, keine RSS reader) und rund 150,000 Besucher später Zeit für ein kleines Zwischenfazit.

SEO und Blog – irgendwann habe ich den SEO-Teil vergessen. Macht aber nichts, ist trotzdem seit langer Zeit Nr. 1 im deutschen Google bei “Blog + Japan”.
Unglücklicherweise bringen mich auch Einträge wie der über Razor Ramon aka Hard Gay ganz weit nach oben in den Suchmaschinen – für so wichtige keywords wie “Japan+Hardcore”. Toll.

SEO ist wichtig. Die URL allein macht viel aus. Dann, wie oft der Blog auf anderen Domains verlinkt wird. Klares coding – keine tausende html-tags, bevor der Inhalt beginnt. Klare <h1> und <li> und <p>-Gliederung. Dann, Keywords und Description im head. Aber um eins kommt man trotzdem nicht herum: Inhalt. Ist die Keyword-Dichte zu hoch? Zu niedrig? Relevanz im Vergleich zu anderen keywords (ich bitte all die englischen Wörter zu entschuldigen – ich bin leider nicht mehr up-to-date, wenn es um die deutschen Entsprechungen geht).

Die Mär vom profitablen Blog: Man muss schon extrem populär sein, um mit einem Blog Geld zu verdienen. Google & Co. kommen einfach nicht hinterher mit den passenden Anzeigen für die ständig wechselnden Themen. Blogs sind schlichtweg die kompliziertere Methode, im Web Geld zu verdienen. Andererseits ist diese persönliche Erkenntnis auch begrenzt – dieser Blog hatte nie das Ziel, Geld zu erwirtschaften.

Interessant ist es natürlich, zu sehen, welche Artikel am meisten gelesen werden. Leider fielen die Einzelstatistiken einem Serverumzug zum Opfer, aber zumindest habe ich die Daten für die letzten Monate:

Platz 1: Filmkritik: Minbō no onna… 1,846 Seitenaufrufe
Platz 2: Shift Jis oder… 1,602 Seitenaufrufe
Platz 3: Sex auf Japanisch 1,317 Seitenaufrufe

Platz 218: Schöne neue Welt… 20 Seitenaufrufe

Sehr aufschlussreich.

Warum ich nach 2 Jahren immer noch blogge? Ganz einfach: Schuld seid Ihr, die Leser! In diesem Sinne, ein grosser Dank an alle mehr oder weniger treuen Leser und Kommentatoren. Es geht weiter.

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Was gab’s zu essen? … Öhmmmm…

März 22nd, 2008 | 10 Kommentare | 582 mal gelesen

Eine Frage, die man gelegentlich bei Anrufen in die Heimat zu hören bekommt, lautet “Was gibt es heute bei Euch zu essen?” Hmm. Achselzucken. Wie antwortet man darauf – auf Deutsch? Etwa:

“Na, so was Grünes, mit Noppen dran”
“Reis mit geraspelten Fischflocken und getrockneten Algen”
“Weiss nicht, aber es wollte gerade weglaufen”
“Als es lebte, hat es noch ‘Miau’ gesagt”

(Kann jemand die ersten drei erraten??)

Im Ernst – Japan liegt am anderen Ende der Welt, in einer anderen Klimazone, dazu ist es noch ein Inselreich mit nicht wenigen endemischen Arten und einigen verschiedenen Klimazonen.
Heute habe ich mich unter anderem an einer Hassaku gelabt – sieht aus wie eine Orange, ist aber geschmacklich und auch vom Aussehen her (und wohl auch biologisch) eine Mischung aus Mandarine und Pampelmuse.
Das Abendessen enthielt als wesentlichen Bestandteil wiederum Yamswurzel (yamaimo) – wobei ich mich frage, ob man die auch in Deutschland bekommt. Wenn ja, steht einem Rückzug nichts im Wege.

Dabei kam mir neulich mal die Idee, eine Art (Bild)datenbank mit den typischsten japanischen Lebensmitteln aufzubauen. Mal schauen. Erstmal muss ich mit einem weiteren Projekt – Europe-East.com – fertig werden, bevor ich mich endlich wieder um die Japan-Sektion kümmern kann.

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Quo vadis, US-Dollar?

März 18th, 2008 | 1 Kommentar | 441 mal gelesen

Als direkt Betroffener (Google-Einnahmen werden schliesslich in US-Dollar abgerechnet) mache ich mir allmählich Sorgen um den guten, alten Greenback. Jahrelang bekam man für einen US-Dollar um die 120-130 Yen – gestern rutschte der Kurs kurzzeitig jedoch sogar unter 95 Yen.
Nun mache ich mir weniger Sorgen um Google als um die japanische Wirtschaft, denn diese ist – wie auch die Deutschlands – stark exportorientiert. Auch hier hatten einige Banken ihre Hände im Subprime-Sektor der amerikanischen Immobilienwirtschaft. Auch hier rutscht der Aktienindex (kurz Nikkei) auf Werte, wie es sie seit 2001 nicht mehr gab. Und das dicke Ende wird wohl erst noch kommen. Man soll ja nicht unken, aber…

Das Wort des Tages: 米ドル (bei doru) – “bei” steht für Amerika, doru für Dollar. Wurde früher übrigens oft geschrieben. Und dieses Zeichen gab es schon lange vor dem $. Natürlich bekam dieses Zeichen die Bedeutung als USD erst wesentlich später zugesprochen, und es wird heuer auch kaum noch benutzt.

Und noch ein Wort des Tages: サブプライムローン (sabupuraimu rōn – subprime loan) – dieses neue Wort geistert seit Monaten durch die Presse. Ich denke mal, auch in Deutschland wird es allmählich bekannt sein, deshalb keine weiteren Erklärungen dazu.

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Trainspotting

März 14th, 2008 | 2 Kommentare | 644 mal gelesen

Trainspotting (also das aufspüren und fotografieren von Zügen jeglicher Art) ist keine japanische Besonderheit. Und bis zu einem gewissen Grad auch mehr als verständlich – so man sich halbwegs für Technik interessiert.
Japaner treiben das Hobby natürlich wieder zur Perfektion – besonders seit ein Otaku es tatsächlich geschafft hat, alle Strecken in Japan abzufahren und jeden Bahnhof zu besuchen. Das ist eine reife Leistung – schliesslich gibt es in Japan 9,199 Bahnhöfe (→Quelle, in Deutschland sind es 5,400, zumindest bei der DB).
Das sprach sich rum, und so stehen fast jeden Morgen Leute mit dicken Kameras am Bahnsteigende “meines” Bahnhofes und knipsen… nun ja, ganz normale Züge. Die Hightech-Ausrüstung verblüfft mich immer wieder. Und mir tun die Freunde und Verwandten leid, die sich das alles ansehen müssen. Es ist wirklich erstaunlich: Jeden Tag stehen welche da, wenn ich fahre (und um die Zeit fährt nichts besonderes), also frage ich mich, wie viele auf einen Tag verteilt wohl aufkreuzen… Nun ja, jedem Tierchen sein Plaisierchen.

Trainspotter (gleich drei davon) im Bahnhof Maihama

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10. März 1945 – und 63 Jahre später

März 11th, 2008 | 4 Kommentare | 477 mal gelesen

Die meisten denken bei “Krieg” und “Japan” hauptsächlich erstmal an Hiroshima und Kawasaki – weniger bekannt ist allerdings, das allein der Bombenangriff auf Tokyo am 10. März 1945 mehr Opfer forderte. Dresden hatte es rund 4 Wochen vorher getroffen – in der zweiten Welle flogen über 500 Bomber die Stadt an. Und warfen erst Sprengbomben, um die Dachstühle zu knacken, und danach Brandbomben, um einen Feuersturm zu entfesseln. Schätzungen der Opfer reichen bis 40,000.

Sprengbomben brauchte man in Tokyo nicht. Auch keine 500 Flugzeuge, sondern nur gute 300. Da bekanntermassen jedoch meist aus Holz und dazu noch sehr eng gebaut wird, reichte dieser Angriff, um gut 40 km² Stadtgebiet vollständig zu zerstören. 40 – das sind 8 km mal 5 km!

Heuer klagen 132 Überlebende gegen den Staat Japan – sie wollen insgesamt 220 Millionen Yen Entschädigung, da der Staat wohl nicht genug getan habe, um das Elend zu vermeiden.
Damit haben sie zwar irgendwo recht, aber ich verklage auch nicht meine Regierung, weil mein Urururururururonkel beim Frankreichfeldzug 1870 im Feld blieb… dementsprechend gering dürften die Erfolgsaussichten aussehen.
Wie auch immer – dieses Ereignis sollte in Erinnerung bleiben.

Das Wort des Tages: いまさらimasara – bedeutet in etwa “ausgerechnet jetzt” oder “der Zug ist wohl abgefahren”. Warum solche Klagen erst Generationen später eingereicht werden, kann ich mir nur mit einem Grund erklären: Geld.

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Schock: Kamen Rider niederträchtigst gemeuchelt!

März 9th, 2008 | 2 Kommentare | 548 mal gelesen

Er war erst 37 Jahre alt und es gibt keinen 20-40jährigen Japaner, der ihn nicht kennt: 仮面ライダー (kamen rider, der “Maskierte Motorradfahrer”). Zwei Jahre lang bestimmte er als Science-Fiction-Manga-Figur die Bildschirme, doch selbst 30 Jahre nach seinen Fernsehauftritten wird er geliebt und verehrt. Man kommt nicht drum herum: Kamen Rider ist japanisches Kulturgut.
Doch ach, was musste ich bei einem harmlosen Spaziergang hier in meiner Gegend entdecken: Kamen Rider, der furchtlose Held, hinterrücks gemeuchelt! Einfach der Kopf abgerissen! Es ist unfassbar. Aber ich weiss ganz genau, wer dahinter steckt: QiJ – Al Quaeda in Japan. Na wartet, wenn die anderen Kamen Rider, Ultraman und die ganzen Pokemon euch erwischen!!!


Grausamer Fund: Kamen Rider mit appem Kopf

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Leuchtendes Vorbild: Japanische Ultranationalisten

März 7th, 2008 | 3 Kommentare | 759 mal gelesen

Gestern fuhr ein Mann mit dem Taxi zum japanischen Parlamentsgebäude, zahlte, stieg aus, nahm einen Brief aus seiner Tasche… und erschoss sich. Vor dem Parlamentsgebäude. Im Brief forderte der eingefleischte Nationalist die Regierung auf, eine härtere Haltung gegenüber China aufzunehmen, öfter den Yasukuni-Schrein zu besuchen und so weiter.
Der Gedanke gefiel mir sofort: Tausende deutsche Nazis und Neonazis nehmen ein Taxi, fahren irgendwohin, nehmen meinetwegen noch einen Brief aus ihrer Tasche und entfernen sich dann eigenständig aus dem Genpool. Ach, immer diese Tagträumerei…

Das Wort des Tages: 国粋主義者 kokusuishugisha – der Ultranationale.

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Hoch die Tassen: Hina-Matsuri

März 4th, 2008 | 7 Kommentare | 941 mal gelesen

Jeder halbwegs vernünftige Japaner – oder ebend auch eingeheirateter Japaner – mit einer Tochter im Haus begeht den 3. März auf besondere Art und Weise: Dann steht das ひな祭り (hina matsuri) ins Haus, das “Puppenfest”. Das heisst nicht so, weil besagte Töchter womöglich 15 Jahre später mit “Ey, Puppe!” angesprochen werden, sondern weil man dazu Puppen aufstellt. Mindestens zwei davon – einen Kaiser und seine Kaiserin. Wikipedia weiss darüber natürlich mal wieder mehr.
Das können wir unserer Tochter hier natürlich nicht vorenthalten, denn sie soll ja schliesslich in den vollen Genuss aller Feiertage zweier völlig verschiedener Kulturen kommen. Der Geburtstag am 1.1. ist da nur das Sahnehäubchen.
Nun, da sie letztes Jahr um diese Zeit gerade mal mit den Augen rollen konnte, haben wir es erst dieses Jahr richtig begangen. Und dazu erstmal die entsprechenden Puppen gekauft (obwohl ich den Begriff “Puppe” für diese Meisterwerke irreführend halte).


Ohina-sama und Odairi-sama , Kaiser und Kaiserin
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Wir haben uns für die kleine, transportable Variante entschieden – schliesslich behält man als Tochter diese Puppen sein Leben lang, und man möchte nicht einen extra-Container bestellen müssen, so man vielleicht mal nach Deutschland zieht.
Da es nur die Sparvariante ist, kostete der Spass auch nur umgerechnet 600 Euro – die grosse Variante, mit Treppe usw, kostet hingegen gleich mal 1,500 Euro, und da sind die Puppen noch nicht dabei (die kosten pro Stück dann auch ca. 1,000 bis 1,500 Euro). Aber die Verkäuferin im Puppenladen war nett und schenkte unserer Tochter zum Abschied noch ein grosses, ungeheuer hässliches Stofftier aus China. “A..a..aa…arigato!” konnten wir da nur noch sagen.


Praktikabler: Die essbare Variante [klicken um zu vergrössern]

Wie es sich für ein 14-monate altes Kind gehört, war unserer Tochter der ganze Zinnober freilich völlig egal – schliesslich durfte sie die teuren Puppen noch nicht einmal anknabbern. Daher entschied sie sich auch völlig ohne zu Zögern für die essbare Variante, die wir ihr liebenswerterweise vorsetzten. 60 Minuten dauerte die Herstellung, und nach 2 Minuten waren nicht nur die Köpfe abgebissen, sondern König und Königin restlos verspeist. Zum Nachruf gab es ein saftiges Bäuerchen und… nein, den Rest erspare ich Euch.

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